Buch 4

Der große Umbruch

Die kosmische Katastrophe von 1250 v. Chr. und der Untergang von Atlantis II

Zur Einführung soll noch einmal der Bericht Solons in Platons Buch Timaios zur Kenntnis der Griechen vom Untergang des atlantischen Reiches dienen, denn er ist letztlich einer der wichtigsten Schlüssel zu den historischen Ereignissen im Übergang von der alten zur neuen geschichtlichen Zeit.

" Es ist in Ägypten, im Delta, wo der Nil sich spaltet, ein Land, welches das Saitische heißt, und dessen größte Stadt Sais ist. Dorthin, erzählte Solon, sei er gereist, und habe die am meisten kundigen Priester über die alten Zeiten befragt und dabei erkannt , daß weder er noch sonst einer der Griechen davon das geringste wisse.

Eines Tages ,als sie von den alten Zeiten sprachen, habe ihm ein hochgelehrter Priester gesagt ." Ach Solon, Solon! Ihr Hellenen bleibt doch immer Kinder, zum Greise aber bringt es kein Hellene." "Wieso? Wie meinst du das?" habe er gefragt. Da habe ihm jener geantwortet : "Jung in den Seelen seid ihr alle, denn ihr hegt in ihnen keine alte , auf altertümliche Erzählungen gegründete Meinung noch ein durch die Zeit ergrautes Wissen. Der Grund dafür aber ist der : Viele und mannigfache Vernichtungen der Menschen haben stattgefunden und werden stattfinden, die bedeutendsten durch Feuer und Wasser, andere, geringere durch tausend andere Zufälle."(29)

Wenn die Vernichtung durch mächtiges Feuer stattfindet, dann pflegen diejenigen, welche die Berge und die trocken gelegenen Gegenden bewohnen, eher als die an Flüssen und dem Meere Wohnenden unterzugehen. Wenn dagegen die Götter die Erde , um sie zu läutern, mit Wasser überschwemmen, dann kommen die Bewohner der Berge davon. Die bei euch am Meer in den Städten Wohnenden dagegen, werden von den Strömen in das Meer fortgerissen.

Und so geschah es dann bei euch und bei anderen Völkern, daß man gerade mit der Schrift und allem anderen , dessen die Staaten bedürfen, versehen war, und dann brach wie eine Krankheit eine Flut vom Himmel über euch herein und ließ nur die der Schrift Unkundigen und Ungebildeten zurück, so daß ihr von Anbeginn wiederum gewissermaßen zum Jugendalter zurückkehrt, ohne von dem etwas zu wissen, was sich in alten Zeiten bei euch und anderswo so begab.

Und so wißt ihr auch nicht, welch eine bedeutende Heldentat euer Staat Athen einst vollbrachte. Das bei uns Aufgezeichnete aber berichtet, eine wie große Heeresmacht dereinst euer Staat überwältigte, welche von dem atlantischen Meere her übermütig gegen ganz Europa und Asien heranzog. Damals war nämlich dieses Meer schiffbar, und vor dem Eingang, der wie ihr sagt, die Säulen des Herakles heißt, befand sich eine Insel größer als Asien und Libyen zusammengenommen. Von ihr aus stand dem damals Reisenden der Zugang zu den übrigen Inseln, von diesen aber dann zu dem ganzen gegenüberliegenden, an jenem wahren Meer gelegenen Festland offen

Auf dieser Insel Atlantis vereinte sich eine große wundervolle Macht an Königen und ihre in eins verbundene Gesamtmacht unternahm es einst, euer und unser Land und das gesamte diesseits des Eingangs gelegene, durch einen Heereszug zu unterjochen. Da nun, o Solon , wurde das Kriegsheer eurer Vaterstadt durch Tapferkeit und Mannhaftigkeit vor allen Menschen offenbar. Denn, indem sie durch Mut und die im Krieg anwendbaren Kunstgriffe alle anderen übertraf, geriet sie, teils an der Spitze der Helenen, teils nach dem Abfall der übrigen notgedrungen auf sich alleine angewiesen, in die äußersten Gefahren, siegte aber und errichtete Siegeszeichen über die Heranziehenden, hinderte sie die noch nicht Unterjochten zu unterjochen, uns übrigen aber, die wir innerhalb der Heraklessäulen wohnen, gewährte sie großzügig die Befreiung.(29)

Indem aber in späterer Zeit gewaltige Erdbeben und Überschwemmungen eintraten, versank, indem nur ein schlimmer Tag und eine schlimme Nacht hereinbrach, eure Heeresmacht insgesamt und mit einem Male unter die Erde, und in gleicher Weise wurde auch die Insel Atlantis durch Versinken in das Meer den Augen entzogen. Dadurch ist auch das dortige Meer unbefahrbar und undurchforschbar geworden, weil der in geringer Tiefe befindliche Schlamm, den die untergehende Insel zurückließ, hinderlich wurde." Soweit der Bericht Platos.

Die kosmische Katastrophe.

>Heulet ihr Tharsisschiffe, denn sie ist zerstört, es ist kein Haus mehr da, und niemand zieht mehr dorthin. Die Einwohner der Insel sind still geworden und die Feste am Meer spricht : Ich bin nicht mehr schwanger , ich gebäre nicht mehr, ich ziehe keine Jünglinge mehr auf und erziehe keine Jungfrauen. Heulet ihr Einwohner der Insel ! Fahret hin gen Tharsis, ist das eure fröhliche Stadt, die sich ihres Alters rühmte? < Jesaja, Kapitel 23

Was war geschehen, was erschütterte die Menschen bis zum östlichen Rand des Mittelmeers.

Aus archäologischen Grabungen wissen wir, daß Troja etwa um 1250 v. Chr. durch ein Erdbeben zerstört wurde. Auch aus der Gegend von Mykene im südlichen Griechenland sind große Erdbebenschäden aus dieser Zeit bekannt. In der Argolisebene südlich von Mykene fanden sich zusätzliche Schäden durch eine verheerende Überschwemmung. Eine bis zu fünf Meter dicke Schlammschicht deckte hier Teile der Stadt Tyrins zu (41).

Aus Ronda, einer über 3000 Jahre alten Stadt im Bergland von Andalusien ist bekannt, daß ein Erdbeben in vorgeschichtlicher Zeit den über 100 Meter hohen Felsen, auf dem heute die Stadt steht, gespalten hat und eine tiefe Schlucht hinterließ, die heute durch drei Brücken überspannt wird.

Bei Jesaja im Kapitel 24 ist zu lesen, was wohl damals von Augenzeugen berichtet wurde:

>Es wird die Erde mit Krachen zerbrechen, zerbersten und zerfallen. Die Erde wird taumeln wie ein Trunkener und wird hin und hergeworfen werden wie ein Hängebett. Denn die Fenster in der Höhe sind aufgetan und die Grundfesten der Erde beben.<

Es hat also offensichtlich nicht nur ein verheerendes Erdbeben stattgefunden ,sondern zusätzlich wurden noch die Schleusen des Himmels geöffnet, und ein gewaltiger andauernder Platzregen stürzte auf das Land nieder, schwemmte die Erde von den durch die Menschen entwaldeten Bergen und stürzte als Wasser - Schlammlawine durch die Täler , Menschen und Tiere, Bäume, Mauern und Städte mit sich fortreißend. Zurück blieb eine Landschaft des Grauens, in der kein Mensch mehr leben mochte. Denn wie heißt es bei Jesaja weiter :> Siehe der Herr macht das Land leer und wüst und wirft um was darin ist, und zerstreut seine Einwohner. Das Land steht jämmerlich und verderbt; der Erdboden nimmt ab und verdirbt. Eitel Wüstung ist in der Stadt geblieben und die Tore stehen offen.<

Erdbeben dieser Größenordnung haben einen weiteren schrecklichen Effekt, der sich vor allem auf die Küsten auswirkt. Sie lösen eine Meereswelle aus , die in ungünstigen Fällen bis zu 200 Meter hoch werden kann. Man nennt sie heute Tsunamis, ein Begriff , der aus Japan stammt, denn in neuerer Zeit kennt man diese Erscheinung vor allem in den Küstenregionen seiner Inseln. Sie überfluten die Küstenregionen und reißen alles mit sich fort.

Es ist gut möglich, daß ein Zentrum des Erdbebens vor der Küste Iberiens lag , daß eine Flutwelle weit in die ungeschützte, zum Meer hin offene Ebene Andalusiens eindrang und beim Vor- und Zurückfluten alles zerstörte und schließlich eine Schlammwüste zurückließ, in die kein Schiff mehr vordringen konnte. So würde auch die Aussage in Platons Bericht über den Untergang von Atlantis zutreffen : >Indem aber in späterer Zeit gewaltige Erdbeben und Überschwemmungen eintraten, wurde auch die Insel Atlantis durch Versinken in das Meer den Augen entzogen. Dadurch ist auch das dortige Meer unbefahrbar und undurchforschbar geworden, weil der in geringer Tiefe befindliche Schlamm, den die untergehende Insel zurückließ, hinderlich wurde<. Der von den Ägyptern verwendete Begriff "Insel Atlantis" muß dabei nicht auf das ganze Land zutreffen, denn für die Ägypter, die selbst keine Seefahrer waren und sich nur widerwillig auf das gefährliche "große Grüne", wie sie das Meer nannten, hinauswagten, bestand eine "Insel" schon aus einem nur über das Meer zu erreichenden Strand mit etwas Hinterland. >

Da das große Erdbeben auch einen verheerenden Platzregen mit sich brachte, beide die ganze Mittelmeerregion einschließlich Griechenlands in Mitleidenschaft zogen und die Katastrophe dort nach Platon einen Tag und eine Nacht anhielt, kommt als Verursacher der Katastrophe der Einschlag eines größeren Meteoriten an der Atlantikküste in Frage. Dieser Meteorit, und das durch seine Einschlagsenergie ausgelöste nachfolgende Erdbeben, waren dort zusätzlich Auslöser einer gewaltigen Flutwelle, welche die atlantische Küste von Iberien, Frankreich, England, Irland und in abgeschwächter Form die Küsten der Nordseeanrainer heimsuchte und den Untergang vieler an der Küste gelegener Städte des atlantischen Reiches verursachte. Auch für den kulturellen und politischen Mittelpunkt des Reiches , Tharsis, bedeutete sie Tod und Untergang der Stadt.

Die Lage der Stadt an der Südwestküste Iberiens an einer Meeresbucht, das Zentrum nur 10 Kilometer vom Meer, zwar auf einem Hügel, aber dahinter ein Bergrücken parallel zur Küste, war außerordentlich ungünstig für eine derartige Flutwelle. Zum Meer hin erstreckte sich die Ebene, nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegend. Und diese Ebene war dazu noch durchzogen von Flußläufen und künstlichen Kanälen, von denen der Hauptkanal, der auch als Hafen diente, in einer Breite von 100 Metern im rechten Winkel zur Küstenlinie direkt auf das Zentrum der Stadt zulief.

So fand die Flutwelle bis zum Fuß des Hügels so gut wie keinen Widerstand. Die Bucht und der Hauptkanal konzentrierten darüberhinaus noch wie ein Trichter die Wucht der Wassermassen direkt auf den Hügel und das Zentrum der Stadt und da sie durch den hinter dem Hügel liegenden Bergrücken zusätzlich noch daran gehindert wurden, sich weiter in das Tal des Gualdaquivir auszubreiten, stiegen sie zu einer beachtlichen Höhe an. Wahrscheinlich hörte der Anstieg erst auf, als das Wasser seinen Weg durch den hinter dem Hügel liegenden Sattel des Bergrückens fand. So blieben die Spitze des Berges mit den darauf liegenden Bauten vom Wasser verschont. Das Erdbeben aber zerstörte wahrscheinlich auch sie.

Der Hügel mit dem historischen Stadtkern jedoch wurde durch Erdbeben und Flutwelle gleichermassen getroffen und vollständig vernichtet. Die von Platon beschriebene Stadt am Kanal mit ihren aus Holz und Lehm errichteten leichten Bauten der Kaufleute und Handwerker dürfte schon vorher von der Flutwelle vollständig hinweggefegt worden sein, und der Hügel mit dem Stadtkern wurde dann zusäzlich mit dem Schutt der Vorstadt zugedeckt. Dies dürfte auch erklären, warum im Vorland bei neueren Baumaßnahmen außer vereinzelten unsystematisch verteilten Fundstücken bisher nichts stadtähnliches gefunden wurde.

Anders dagegen sieht es auf dem Hügel aus. Hier standen die alten Hauptbauten, Tempel und Köngspalast, nach atlantischer Art fest und sicher aus großen Steinblöcken gut gebaut. Hier müßte sich ein großer Teil der alten Stadtstruktur unter den Trümmern und dem angeschwemmten Schutt und Schlamm erhalten haben. Besonders interessant an dieser Ausgrabungsstätte dürfte dazu noch sein, daß Tharsis wie Pompeji und Herculaneum durch eine Naturkatastrophe unterging und daß damit alle Schätze und alle Gegenstände des täglichen Lebens nicht durch Menschen geraubt, sondern schlimmstenfalls durch die Kräfte der Natur zerstört worden sind.

Da in Tharsis als Zentrum des atlantischen Metallhandels aber reichlich Metallgegenstände aus Gold, Silber, Bronze und Kupfer vorhanden waren, müßte eine umfangreiche Ausgrabungsaktion reiche Funde ergeben. Ein Anfang dazu wurde bereits gemacht. Man fand in der Nähe von Sevilla einen reichen Goldschatz, der heute als tartessischer Schatz im Museum in Sevilla besichtigt werden kann . Zufallsfunde wurden außerdem in Puerto im Bereich der ehemaligen Stadt Tharsis und ihrer ehemaligen Rennbahn gemacht. Sie wurden auf die mittlere Steinzeit datiert. Die Ausgrabungen, die bisher in relativ bescheidenem aber doch auf Grund der Funde zunehmendem Umfang auf dem hinter der Ebene liegenden Hügel stattgefunden haben, förderten Keramikwaren und Werkzeuge "phönizischen" Ursprungs und Gegenstände, die einen regen Austausch mit den Griechen verraten. Sie wurden von den örtlichen Archäologen auf das neunte bis dritte Jahrhundert v. Chr. datiert .

Doch zurück zum Geschehen von 1250 v.Chr. und die Folgen für die Stadt Tharsis und das Land. Die Flutwelle des Meeres, welche die in der Ebene liegende Stadt und den Hafen vollständig hinwegriß , zerstörte und zudeckte, flutete anschließend auch wieder zurück und riß dabei alles halbwegs schwimmende, was durch das Erdbeben und das anströmende Wasser zerstört und gelöst worden war, mit ins Meer hinaus. Das mochten Menschen, Tiere, Balken, Schiffe, Bäume oder auch Erde, Geröll, Schlamm und die gesamte Ernte der Felder und Bewuchs der Erdoberfläche sein. Zurück blieb eine Schlammwüste, verschüttete Kanäle, eine schlammgefüllte Meeresbucht. Der nachfolgende, tagelang andauernde, sintflutartige Platzregen ließ dazu von den Bergen eine weitere Flut folgen, die durch die verschlammten und durch Bäume und Steine blockierten Kanäle und Flüsse nicht abfließen konnte. Das Land versumpfte und jeder Zugang zur ehemaligen Stadt war, wie auch in dem Bericht von Platon erwähnt, für lange Zeit unmöglich gemacht. So erklärt sich auch die Aussage in dem Bericht Platons, daß die Stadt "unterging". Und zur Klarstellung sollen hier deshalb noch einmal die Worte Platons wiederholt werden : >Indem aber in späterer Zeit gewaltige Erdbeben und Überschwemmungen eintraten, wurde auch die Insel Atlantis durch Versinken in das Meer den Augen entzogen. Dadurch ist auch das dortige Meer unbefahrbar und undurchforschbar geworden, weil der in geringer Tiefe befindliche Schlamm, den die untergehende Insel zurückließ, hinderlich wurde<. >

Damit war also in diesem Fall von Atlantis II nicht zwangsläufig ein dauerhaftes Versinken der Stadt im Meer, wie im Fall von Atlantis I ,gemeint, sondern es muß sich um eine vorübergehende Überflutung mit vollständiger Zerstörung handeln, die ebenfalls die ehemalige Stadt den Augen entzieht. Der nachfolgende Satz über die Unbefahrbarkeit des Meeres wegen zu geringer Wassertiefe und Verschlammung erzwingt geradezu die Version des nur vorübergehenden Untergangs. Denn jedem , der ein durch eine Naturkatastrophe vorübergehend überflutetes Gebiet gesehen hat, ist dieses Problem der Unbefahrbarkeit geläufig.

Dies wurde aber von vielen Atlantisforschern nicht gesehen. Viele vermengten auch den sehr konkreten und detailgenauen Bericht Platons mit allen möglichen diffusen, in den Mythen der Atlantikanrainer erhaltenen Erinnerungen an Atlantis I und konstruierten sich ein persönliches Phantasiebild von Atlantis, was die seriöse Atlantisforschung zunehmend in Mißkredit brachte. Dies war aber einigen nicht ganz unwichtigen Leuten, denen diese alte europäische Kultur nicht in das von ihnen verbreitete Weltbild paßte, garnicht so unlieb, und sie förderten das entstandene Chaos noch nach Kräften.

Doch nach dieser Abschweifung zurück zu den Fakten. Noch heute befinden sich in der Bucht von Cadiz und an der südlicheren Küste große Salzsümpfe im Küstenbereich. Der moderne Straßenbau hat sie zugänglich gemacht und doch vermittelt ihr Anblick noch viel von der Trostlosigkeit , die das Land nach der Katastrophe ausstrahlte und die überlebenden Menschen in die Flucht trieb . Darüberhinaus ist auch heute noch der Küstenbereich, bis stellenweise weit in das Land hinein, durch versalzten unfruchtbaren Boden gekennzeichnet.

Auswirkungen der Katastrophe von 1250 v. Chr. im Mittelmeerraum.(41)

Durch archäologische Funde ist bekannt, daß Troja am Ende der Bronzezeit zweimal innerhalb weniger Jahrzehnte zerstört worden ist. Zunächst wurde der Ort um 1250 v. Chr. durch ein Erdbeben zerstört. Eine der gewaltigen Verteidigungsmauern brach bei dem Erdbeben zusammen, Treppen stürzten ein und Fundamente verschoben sich. Einige Gebäude zeigten deutliche Brandspuren.(41)

Beim Wiederaufbau der Festung hatten die Trojaner einen neuen Plan im Sinn. Der Grundriß innerhalb des neubefestigten Verteidigungssystems wurde dahingehend geändert, daß die auf fürstliche Herrscher zugeschnittene Bauweise mit großer Megara und weiten offenen Plätzen von kleineren Gebäuden abgelöst wurde, zwischen denen kaum Straßen verliefen. Riesige Vorratsgefäße wurden im Boden versenkt - die Ränder ragten nur leicht über die Oberfläche hinaus - und mit Holzbalken oder Felsscheiben abgedeckt. Um die gleiche Zeit versiegten die Importe aus Mykene, die von 1400 bis 1250 reichlich geflossen waren. Innerhalb einer Generation nach Fertigstellung des neuentworfenen Troja VIIa - mit einem Grundriß den man als Vorbereitung für eine Belagerung gedeutet hat - wurde die Stadt geplündert. Diese zweite Zerstörung durch katastrophale Feuersbrünste wird gemeinhin den Griechen zugeschrieben. Leider ist es den Wissenschaftlern bis heute nicht gelungen, den Untergang Trojas mit Sicherheit zu datieren; daher muß sich die Forschung auf die möglicherweise subjektiv geprägten Ergebnisse hervorragender Wissenschaftler verlassen.(41)

Bei archäologischen Ausgrabungs- und Bohrarbeiten bei Tiryns in der griechischen Argolis stellte man fest , daß sich hier eine katastrophale Überschwemmung ereignet haben mußte, die den östlichen Teil des tiefer gelegenen Stadtgebietes unter einer mehrere Meter dicken Schlammschicht begrub. Bei manchen Bohrungen fanden sich in dieser bis zu fünf Meter dicken Schicht eine Vielzahl gut erhaltener Keramikscherben, darunter auch seltene Stücke. Die meisten davon wurden auf das Ende der Palastperiode datiert , ein Hinweis daß die Überschwemmung um diese Zeit ( 1200 bis 1250 v. Chr.) stattgefunden haben muß. Zusätzlich haben die Ausgrabungen von Tiryns Hinweise auf mehrere Erdbeben erbracht, darunter eins um 1200 v. Chr.. In Mykene gibt es Hinweise auf Erdbeben in der Zeit zwischen 1300 und 1200 v. Chr.; es gab schwere Brände und einige Häuser stürzten ein , wobei mindestens ein Bewohner auf der Türschwelle erschlagen wurde.(41)

Viele dieser Daten sind ebenfalls mit großer Wahrscheinlichkeit auf das kosmische Ereignis zurückzuführen, das große Verheerungen im Mittelmeerraum anrichtete, zur Vernichtung von Tharsis, der Versperrung des nördlichen Seewegs zum Atlantik, auf die wir später noch zu sprechen kommen werden, und in seinen Folgen zum Untergang aller auf dem erfolgreichen Seehandel mit Metallen aus dem atlantischen Raum beruhenden Kulturen dieser Zeit im östlichen Mittelmeerraum führte.

Auch Inschriften in Ägypten berichten von einer schweren Naturkatastrophe um 1200 v. Chr.(1) Diese Katastrophe zog ganz Europa in Mitleidenschaft. Ein Meteorit , der in zunehmender Größe am Himmel erschien , mehrfach um die Erde kreiste und den Himmel verdunkelte, dann über die Erde hinzog und die Wälder verbrannte, stürzte schließlich im Bereich der atlantischen Küste auf die Erde und löste schwere Erd- und Seebeben aus .(1)

Durch den Energieeintrag wurden enorme Mengen Seewasser verdampft, was zu immenser Wolkenbildung und schweren andauernden Regenfällen führte.

Der Regen schwemmte den kultivierten Boden von den Berglagen und deckte den Kulturboden in den Tälern durch Schlammschichten zu. Die vermehrte Wolkenbildung führte zu einer Verschlechterung des Klimas, die sich vor allem in den nördlicheren Siedlungsbereichen sehr negativ auf die Ernten auswirkte. Es kam zu Hungersnöten und zu einer Massenauswanderung aus dem am stärksten betroffenen Raum von Iberien, Frankreich, Nordwestdeutschland, dem baltischen Raum, England und Irland, den Stamm- und Neusiedlungsgebieten des atlantischen Reiches am Atlantik und im nördlichen Europa.

Dem Auswanderungszug schlossen sich später auch Bewohner der Mittelmeerländer des Reiches an, Tyrrhenien, Sardinien und Korsika, die offenbar auch von der langandauernden Verschlechterung des Klimas betroffen wurden. Diese Völker kehrten nach vielen Jahren Wanderung durch den östlichen Mittelmeerraum zum großen Teil nach und nach auf dem Seeweg in ihr altes Siedlungsgebiet zurück. Aus den ehemaligen Tyrrheniern wurden so die Etrusker "unbekannter Herkunft" der alten Geschichtsschreibung.

Und da sie aus dem Osten kamen, und nach den Verwüstungen durch das Naturereignis die Kultur nach dem Westen zurückbrachten, entstand die Meinung, daß die Kultur aus dem Osten kam. "EX ORIENTE LUX , aus dem Osten kam das Licht " heißt es noch heute in der konventionellen europäischen Geschichtsschreibung. Ein Irrtum, bei dem wir uns in guter Gesellschaft der Griechen, auf deren Wissen weitgehend unsere bisherigen Vorstellungen von der alten Zeit basieren, befinden. Aber wie sagte schon der ägyptische Priester zu Solon ?

"IHR HELLENEN BLEIBT DOCH IMMER KINDER ; ZUM GREISE ABER BRINGT ES KEIN HELLENE ".

Es wäre also an der Zeit, Abschied zu nehmen von diesen zwar liebgewonnenen, aber doch modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht mehr entsprechenden, etwas "kindlichen" Vorstellungen der Griechen und sich geistig auf den Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse des Jahres 2000 n. Chr. einzustellen.

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Die Änderung der Struktur der Atlantikküste durch die Katastrophe von 1250 v. Chr

Nach dem bisher, in dem Kapitel über den Untergang von Atlantis Dargestellten, wurde durch den Einschlag eines großen Meteoriten im Bereich der Atlantikküste Europas ein starkes Erdbeben mit Zentrum vor Spanien ausgelöst , das wissenschaftlich bewiesene Auswirkungen bis in den östlichen Mittelmeerraum , z. B.: nach Troja, Tyrins und Mykene hatte.

Es gibt nun einen Einschlagskrater auf einem Hügel von heute 36 Meter Höhe von ca 100 Metern Durchmesser und 10 Meter Tiefe an der Atlantikküste Frankreichs acht Kilometer nordnordöstlich von La Tranche sur Mer. Dieser Krater wurde hervorgerufen durch den Einschlag eines Meteoriten, der wahrscheinlich aus östlicher Richtung kam. Die Einschlagsrichtung ist daran zu erkennen, daß sich im Kraterrand im Osten ein kleiner Hügel von zusätzlichen sechs Metern Höhe bildete hinter dem das Gelände schnell abfällt, während sich nach Westen hin die Aufwölbung des Bodens noch ca.300m hinzieht. Auf dem kleinen Hügel im Osten des Kraters, als dem höchsten Punkt im Gelände, errichtete man im 18. Jahrhundert eine Windmühle .

Der ursprünglich hier vorhandene Boden aus Kalkablagerungen des Jurameeres in waagerechten Schichten, wurde durch die Einschlagsenergie in einem Durchmesser von ca 500 Metern geschmolzen und kristallisierte in marmorähnlicher Struktur neu aus. Der unter den Kalkschichten befindliche Granit wurde ebenfalls angeschmolzen und drang als Reaktion auf den Einschlag in der Mitte des Kraters bis an die Oberfläche vor. Sowohl der wiedererstarrte Granit, der nun den Charakter eines schwarzen vulkanischen Gesteins mit weißen Quarzadern angenommen hatte, wie auch der harte, neu kristallierte, gut wetterbeständige Kalkstein wurden im 19. Jahrhundert in einigen Steinbrüchen als Baumaterial abgebaut , wobei der Bereich der Mühle und ihre Zufahrten und der größte Teil des Hügels jedoch unangetastet blieben.

Der Kraterhügel bildet noch immer den höchsten Punkt in der Gegend. Der Umstand, daß auf diesem höchsten Punkt der ganzen Gegend keine megalithischen Dolmen oder Ähnliches vorhanden sind, wie sonst auf den benachbarten Höhen, könnte darauf hindeuten, daß der Einschlag des Meteoriten nach dem Bau der in dieser Gegend reichlich vorhandenen Megalithgräber und Menhire erfolgte. Diese Dolmen sind außerdem, trotz ihrer massiven Bauweise, fast ohne Ausnahme eingestürzt und die ebenfalls umgestürzten Menhire wurden erst in jüngster Zeit wieder aufgerichtet. Die Schäden an den Megalithbauten könnten eine Folge der durch den Meteoritenabsturz ausgelösten Bodenbewegungen sein. Der Meteorit war möglicherweise also der Mitverursacher der Erdbeben und anschließenden Klimakatastrophe von 1250 v. Chr. Mitverursacher deshalb, weil die Energie dieses Meteoriten allein sicher nicht ausgereicht hätte, um eine Katastrophe hervorzurufen, die ganze Länder verwüstete und für Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte das Klima der Erde entscheidend verschlechterte.

Nach der aus Ägypten vorliegenden Beschreibung der Meteorabsturzes (1), muß es sich um einen sehr großen Meteoriten gehandelt haben, denn er wurde lange Zeit vor seinem Einschlag auf der Erde schon beobachtet, verdunkelte die Sonne und verbrannte, möglicherweise mit seinem ihm vorauseilenden Meteorschweif, die Wälder ganzer Landstriche, bevor er schließlich , nachdem er auseinandergebrochen war, mit seinem größten Teil ins Meer stürzte. Ein vor der Küste Frankreichs zufällig bei der Suche nach dem Wrack des deutschen Schlachtschiffes "Bismarck"entdeckter Krater von 4000 m Tiefe könnte das Produkt dieses Einschlags sein. Bei dem vorher beschriebenen Krater könnte es sich um die Einschlagsstelle eines kleineren Teilstücks handeln, das gerade noch an der Küste niederging, während die größeren Teile, die wegen ihrer höheren Bewegungsenergie noch weiter flogen, ins Meer stürzten. Gleichfalls zu dem Meteoriten könnte ein weiteres, noch kleinereres Stück gehört haben, das auf gleicher geographischer Breite bei der Stadt Sobolev in Rußland niederging und einen Krater von 50 m Durchmesser verursachte. ( 11 )

Es ist weiter hypothetisch gut vorstellbar, daß mit dem durch den Meteoreinschlag ausgelösten Erdbeben eine Anhebung des Meeresbodens bis nach Iberien hin verbunden war. Nach den heute vorliegenden Erkenntnissen über die Bildung der Kontinente, war Iberien vor Jahrmillionen eine Insel, die sozusagen als Abstandshalter zwischen die Euroasiatische- und die Afrikanische Platte geriet. Dabei wurde sie erheblich angehoben d.h. an vielen Stellen mehrere hundert Meter. Dies ist noch heute erkennbar an den Meeresfossilien, die auf den Hochflächen Spanien z.B. in der Gegend von Ronda in Andalusien in 700m Höhe gefunden werden. Darüberhinaus ist bewiesen, daß viele Strukturen der spanischen Landschaft entstanden sind, als das heutige Land noch Meeresboden war. Iberien und ebenso Südfrankreich sind also erdgeschichtlich Hebungsgebiete, in denen latente Spannungen in Richtung Hebung vorhanden waren und auch heute noch sind. Trifft nun in ein solches Spannungsgebiet ein größerer Meteorit mit nennenswerter Energie, so werden die latenten Spannungen frei, und es kommt zu erheblichen Erdbeben, in denen sich die Erdrinde so bewegt, daß ein Abbau der vorhandene Spannungen eintritt. In unserem betrachteten Fall würde sich der Boden in Südfrankreich und in Iberien also anheben.

Nun gibt es in Südfrankreich vor den Pyrenäen in der Fortsetzung der baskischen Küste Spaniens und des Golfs von Biscaya ein tiefes Flachland. Es wird heute zu etwa zwei Dritteln durchflossen von der Garonne, die in den Atlantik mündet, und ihren Quellflüssen.

Das restliche Drittel , von Toulouse an, durchschneidet der Canal du Midi, ein Kanal für kleinere Schiffe, der bei Beziers das Mittelmeer erreicht und so noch heute eine, den Umweg um Spanien herum vermeidende Wasserverbindung vom Atlantik zum Mittelmeer darstellt. Die geologische Karte Frankreichs weist aus, daß dieses Flachland durch diluviale d.h. eiszeitliche Ablagerungen gebildet wird. Es gibt aber vom Atlantik bis zum Mittelmeer einen durchgehenden Bereich der mit alluvialen d.h. nacheiszeitlichen Ablagerungen gefüllt ist.

Daraus ist zu schließen, daß es sehr wahrscheinlich nach der letzten Eiszeit und dem darauf folgenden Anstieg des Meeresspiegels d.h. um 6000 - 5000 v. Chr. hier noch eine Meeresverbindung vom Atlantik zum Mittelmeer gab. Dies ist um so wahrscheinlicher, weil im sogenannten Atlantikum , einer Warmzeit nach der letzten Eiszeit die bis ca. 3000 v. Chr. reichte, der Meeresspiegel bis zu 30 Meter höher lag als heute. Diese Verbindung war auf Grund der heute noch vohandenen Struktur des Landes stellenweise sehr flach und sehr verkrautet . Sie konnte nur von Kennern des Seeweges befahren werden, galt als gefährliche Durchfahrt und war unter dem Namen " mare tenebrosum (das düstere Meer)" und " mare coagulatum (das geronnene Meer)" in der Welt des Altertums bekannt. Dieses Meer könnte von der Einmündung ins Mittelmeer bei Narbonne und Beziers ,dem heutigen Lauf des Kanal du Midi folgend , zur Garonne verlaufen sein , wobei die nördliche Einmündung in den Atlantik etwa beim heutigen Bordeaux lag.

Iberien wäre also danach zu dieser Zeit tatsächlich noch eine Insel gewesen und die Ägypter hätten auch nach unserem heutigen Verständnis recht gehabt, wenn sie die iberische Insel "Atlantis" d.h. auf altägyptisch "Insel ohne Namen" nannten.

Die Wassertiefe in diesem Meer nördlich der Pyrenäen war teilweise sehr gering, und es ist deshalb mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß es Fahrwassermarkierungen und Peilmarken gab. Diese Markierungen werden durch die alten Atlanter, wie auch auf dem Festland, im Stil der Zeit, das heißt in megalithischen Steinen und Menhiren ausgeführt worden sein. An der Küste des Atlantiks gibt es noch heute derartige Menhire, die der Peilung von See her dienten. Es lag nahe, diese gewaltigen Steine, die im Mittelmeerraum nicht als Fahrwassermarkierung üblich waren, dort " die Säulen des Herakles" zu nennen. Der Grieche Aristoteles beschrieb die Gewässer außerhalb der "Säulen des Herakles" zudem als "wegen des Schlammes seicht, doch ruhig, denn es liegt in einer Aushöhlung".(1b) , was weit besser auf die Gewässer nördlich der Pyrenäen passen würde, als auf die tiefe, mit starker Strömung versehene Straße von Gibraltar. Und so erklärt sich auch der Name, den man der in alter Zeit bevorzugt benutzten Meeresdurchfahrt in den Atlantik gab , denn die Berge von Gibraltar und der afrikanischen Küste, denen man den Namen gab, als die nördliche Durchfahrt nicht mehr möglich war, erinnern doch nur sehr entfernt an Säulen. So erklärt sich auch die Frage, die, wie im vorhergehenden Kapitel erwähnt, der König der Phäaken an Odysseus stellt, nämlich, ob er von Westen oder von Osten gekommen sei. Wäre er nämlich von Westen gekommen, so hätte er die streng geheim gehaltene Durchfahrt im Norden kennengelernt und wäre möglicherweise nicht lebend davongekommen. Da er aber von Osten kam, konnte man ihn auf dem gleichen Weg wieder "abschieben".

Man muß sich bei diesen Benennungen, die durch die Griechen auf uns gekommen sind, immer vergegenwärtigen, daß die Griechen selbst nie in diese Gegenden- die von den Atlantern aller Zeiten, bis hin zu den Etruskern und Karthagern , streng bewacht wurden- gekommen sind und nur aus den Erzählungen von atlantischen und später phönizischen Kaufleuten oder Seeleuten davon erfuhren. Diese aber waren nicht besonders daran interessiert, ihren möglichen Konkurrenten besonders viele wahre Dinge zu berichten. So tappten die Griechen ziemlich im Dunkeln, wenn sie von diesen Gegenden berichten mußten und ihre Darstellungen erhielten oft den Charakter des sagenhaften.

An der Mündung in den Atlantik erstreckte sich die Flachwasserzone zu dieser Zeit höchstwahrscheinlich durch die heute weitgehend trockengelegten und aufgeforsteten Sümpfe der Landes nach Süden bis an die Pyrenäen und nach Norden bis an die Steilküste des armorikanischen Gebirges, die etwa bei dem heutigen Badeort Yard sur Mer beginnt. Sie ging hier im Norden unterschiedlich tief aber überwiegend kilometerweit ins Land hinein, einer Linie folgend, die noch heute unschwer durch den Übergang von flachem Marschland zu dem hügeligen Hinterland zu erkennen ist. Die Mündungsgebiete der Flüsse Charentes , Sevre Niortaise und Lay waren noch in jüngerer geschichtlicher Zeit weit in das Übergangsgebiet hinein verkrautete und versumpfte Flachwassergebiete. Es erstreckte sich hier bis ins Mittelalter der legendäre Golf de Pictons . Ob es in diesem Gebiet auch vor 1250 v. Chr. schon, wie heute, Inseln gab, ist schwer zu sagen. Die höchsten Erhebungen der Ile Oleron und der Ile de Re von 20 bis 30 Metern bestehen aus Sanddünen, die sich später auf Sandbänken gebildet haben können. Nur das alte Land Aunis, an dessen Spitze heute die Stadt La Rochelle liegt, könnte bei einer heutigen Höhe von 37 Metern und felsigem Untergrund auch schon damals eine Insel gewesen sein.

Die Durchfahrt durch diese Gebiete war sicher nicht ungefährlich und nur dem mit dem Weg vertrauten Seemann möglich. Vom Mittelmeer bis zum Atlantik waren 400 Kilometer zurückzulegen. Bei einer von den damaligen Handelsschiffen wahrscheinlich erreichbaren Geschwindigkeit von 10 Km/h und einer Tagesfahrzeit von 10 Stunden, wäre die Strecke in vier Tagen zurückgelegt. In einem weiteren Tag hätte man Yard sur Mer erreicht. Hier gab es in der Mündung eines kleinen Flusses einen guten Naturhafen, der in späterer atlantischer Zeit, die man hier noch phönizische Zeit nennt, zu einer kleinen Stadt mit Umlade- und Versorgungsmöglichkeiten ausgebaut wurde. Nicht weit davon gibt es eine Vielzahl von Dolmen und Menhiren, was beweist, daß der Hafenplatz sehr alt ist und auch eine größere Bedeutung hatte. Die Menhire, die damals noch von der See her gut zu sehen waren , können als Landmarken und Peilobjekte errichtet worden sein. Wahrscheinlich lag hier der erste richtige Hafenplatz nach der Durchfahrt durch das flache Meer.

Was diesen Hafenplatz zusätzlich interessant gemacht haben könnte, ist die Tatsache , daß es 70 Km landeinwärts in nordöstlicher Richtung, im Quellgebiet des Lay, Minen des Metalls Antimon gibt. Antimon ist ein wichtiger, wertvoller Rohstoff für das Härten von Metallen, vor allem von Bronzelegierungen. Antimon hat zusätzlich die angenehme Eigenschaft , die Schmelztemperatur der betreffenden Legierung herabzusetzen. Es ist denkbar, daß es früher hier auch, inzwischen ausgebeutete, Zinnvorkommen gegeben hat. Außerdem gibt es hier Uran und Blei. Es wäre denkbar, daß die Uranvorkommen bereits zur Zeit von Atlantis I um 15000 v. Chr. ausgebeutet wurden, da von etlichen Forschern auf Grund von im indischen Mahabharata erwähnten Waffen vermutet wird, daß zu dieser Zeit bereits Atomwaffen bekannt waren.(2a)

Von Yard sur Mer aus führte die jetzt relativ problemlose Fahrt der alten Seefahrer weiter zu der vor der Küste der Bretagne liegenden Insel Ouessant, die noch zur Zeit Karthagos der Umschlagplatz für das aus dem englischen Cornwall gelieferte Zinn war. Bei günstigem Wetter war sie in drei Tagen von Yard sur Mer aus zu erreichen. Insgesamt dauerte so die Fahrt vom Mittelmeer bis zu den Zinnlagern acht Tage. Eine Reise, die sich lohnte, wenn man bedenkt ,wie wichtig das Zinn und auch das Antimon für die Waffenindustrie des Mittelmeerraums und den atlantischen Metallhandel waren.

Dieses flache Meer mit seinem reichen Pflanzenwuchs muß ein idealer Laichplatz für Fische gewesen sein. Auch die Aale Europas, die nur im Meer laichen können , könnten diesen Laichplatz geschätzt haben. Als 1250 v. Chr. die Erde bebte, der Meeresboden schwankte und sich schließlich hob , könnte die entstehende riesige Flutwelle den ganzen Bewuchs abgerissen und hinaus ins Meer getragen haben. Hier geriet der etwa 100 Kilometer im Durchmesser große Pflanzenteppich in den an der Küste nach Süden fließenden Golfstrom und dann weiter in den Portugalstrom. Weiter an der Küste Afrikas entlang schwamm der Teppich dann nach Süden und gelangte in die Zone der Passatwinde.

Mit dem Wind und der von ihm erzeugten Strömung schwamm er sehr langsam über den ganzen Atlantik und geriet dann wieder in den in der Karibik neu entstehenden Golfstrom . Doch der träge Teppich konnte dem hier schnell fließendem Strom nicht folgen . Er geriet in den toten Winkel zwischen dem nach Nordwesten abfließenden Golfstrom und den von Norden herunterkommenden Labradorstrom . In diesem strömungs- und windarmen Gebiet , der heute Sargassosee genannt wird, blieb der Teppich liegen und bildet sich dort immer wieder neu. Die Aale aber, die ihm auf seinem, viele Jahre dauernden Weg über den Atlantik immer gefolgt waren, kennen seinen Platz und suchen ihn noch heute dort zum Laichen auf. Dies könnte eine, zwar hypothetische, aber doch einleuchtende Erklärung für das heute noch praktizierte erstaunliche Wanderungsverhalten der europäischen Aale sein.

Die Wanderung der Seevölker und die indoiranische Wanderung

Ausgelöst durch die kosmische Katastrophe von 1250 v. Chr. , durch die Zerstörung von Städten und Häusern, die Vernichtung fruchtbaren Ackerlandes, die Klimaverschlechterung und den hierdurch verursachten Nahrungsmangel, und sicher nicht zuletzt durch den psychologischen Schock der Katastrophe, kam es zu einer Massenauswanderung der im atlantischen Raum siedelnden Überlebenden. Betroffen waren vor allem zuerst die am stärksten direkt geschädigten Länder Iberien, Frankreich, Südwestdeutschland, England und Irland. Später, verursacht durch die Klimaverschlechterung, damit verbundenen Mißernten und Hungersnöten, folgten dann auch Bevölkerungsteile der nördlichen Länder Norddeutschland, Dänemark und, in geringerem Maße, der baltischen Länder. Dann, als die Wege gebahnt, die Routen gefunden worden waren und die ersten Berichte von der erfolgreichen Landnahme die hier noch lebenden Völker des atlantischen Reiches über das Mittelmeer erreichten, erlagen dann auch große Teile dieser Völker dem Sog des Auswanderungszug : Bewohner von Tyrrhenien, Sardinien und Korsika.



Die Zahl der Menschen, die sich nacheinander in einem etwa einhundert Jahre andauernden riesigen Zug nach Osten bewegten, dürfte weit über einer Million gelegen haben. Diese Annahme ist begründet in der Aussage des ägyptischen Pharaos Ramses III, der ihre gegen ihn in der (auf 1180 v. Chr. datierten) Schlacht von Djahi antretenden Kriegerscharen auf Hunderttausende schätzte , und auf die Tatsache, daß den heranflutenden Menschenmengen letzten Endes kein Land und kein Staat widerstehen konnte. Nach der völligen Zerstörung der atlantischen Hauptstadt Tharsis, dem damit verbundenen plötzlichen Wegfall der politischen, wirtschaftlichen, geistigen und kulturellen Zentrale und weitgehender Zerstörung des ganzen Landes, verließen die Überlebenden das Land und zogen nach Osten. Das Ziel vieler war Ägypten. Das Land, das sie von ihren Handelsbeziehungen dorthin kannten, in dem es keine Erdbeben und plötzlichen Überflutungen und immer reichlich zu essen gab.

Außerdem war es , wie ihr verlorenes Paradies, von den Göttern gegründet worden und galt wohl in gewisser Weise als Schwesterstaat.

In einer gewaltigen Wanderungsbewegung zogen sie zu Lande, auf Ochsengespannen ihre Habe und das Beutegut mitführend, durch Europa. Der Weg des Hauptkontingents begann wahrscheinlich in ihren alten Versammlungs- und Kultstätten im Süden der Bretagne, führte die Loire aufwärts durch das Elsaß in den südwestdeutschen Raum. Dann die Donau abwärts, um das Schwarze Meer herum, am Kaukasus und den Ufern des Kaspischen Meers entlang nach Kleinasien. Hier überrannten sie das nur halbherzig Widerstand leistende, politisch geschwächte Reich der Hethiter und wandten sich dann, vereint mit den Hethitern, gegen Ägypten .Aber selbst Ägypten, das in der Schlacht von Djahi nach eigenen Angaben noch siegreich war, mußte Teile ihres Heeres aufnehmen und erlag zehn Jahre später den auch danach einsickerten Volksscharen und den von ihnen sicher mit verursachten inneren Unruhen.

Einzelne Volksgruppen sonderten sich aber von Hauptstrom ab und gingen ihren eigenen Weg. So zogen die Dorer nach Griechenland. Auch in Mazedonien ließ sich ein Teil nieder. Ebenso geschah es in den Bergen des nördlichen Iran. Ein anderer Teil zog nördlich der iranischen Berge weiter nach Osten und wandte sich dann, durch das heutige Afghanistan nach Südosten ziehend , nach Indien. Doch fast überall auf dem Weg, ließen sich einige Volksgruppen, denen es dort gefiel, zumindestens für eine gewisse Zeit nieder. So ist es zu erklären, daß alle Gebiete, die von der Wanderung betroffen waren, anschließend mehr oder weniger stark atlantisch besiedelt waren und den Stempel der Kultur von Atlantis trugen.

Unterstützt wurden die Wanderer, soweit möglich, durch die starke Flotte der Atlanter, die durch ihre Stationierung im Mittelmeerraum weitgehend der atlantischen Katastrophe entgangen war.

In den Hieroglyphen und Keilschrifttexten Ägyptens und Mesopotamiens tauchen die Seevölker, wie die Wanderer hier pauschal genannt wurden, unter merkwürdigen Namen auf. Einige - Philister, Dardaner - sind leicht zu identifizieren. Andere - die Scherden und Schekelesch - haben vermutlich später ihr Heim auf Sardinien und Sizilien aufgeschlagen (41). Andere wieder - wie die Keschkesch und Irwen stammen möglicherweise aus nördlichen Ländern. Schon um 1190 verteidigte Ramses III die nordöstliche Grenze gegen eine Land- und Seeinvasion der Philister, Teukrer, Sikuler, Danuna und anderer. So verschieden die Kombinationen der Völkernamen, so eindeutig ist - als Ausdruck einer großen Völkerwanderung - das Heranfluten immer neuer Wellen der Seevölker. Die Seevölker waren nicht die einzigen, die die stolze Position Ägyptens in der Welt des östlichen Mittelmeers zerstören halfen , aber unter den vielen, die die Macht Ägyptens aushöhlten , waren sie ein gewichtiger Faktor.

Im Jahr 1180 wälzte sich eine neue Welle der Seevölker heran, die zu Lande und zur See anrollten und mit den Ägyptern im 8. Regierungsjahr Ramses' III zusammenstießen. Diesmal umfaßte die Völkerschar Philister, Teukrer, Sizilier, Danuna und Weschesch. Sie überrannten Anatolien, Kilikien, Cypern und Nordsyrien, liquidierten das Hethiterreich und schlugen ihr Lager irgendwo in der nordsyrischen Ebene auf, um die Kräfte zum Einfall in Ägypten zu sammeln. Die Seefahrer hatten Boote atlantischer Bauart mit steil nach oben gekehrtem Bug und scharfem Rammsporn. Die zu Lande Wandernden zogen auf Ochsenkarren, die mit ihrem Hausrat beladen waren und von ihren Frauen und Kindern begleitet wurden. Ramses begegnete der Landoffensive in Djahi und der Seeoffensive in den >Flußmündern< des Deltas.(39)

Er hatte insofern Erfolg, als es den Seevölkern nicht gelang, sofort und im Besitz der Macht in Ägypten einzudringen, und es ist wahrscheinlich, daß er den Zug der Wanderer nach der Schlacht von Djahi zur Umkehr bewegte. Daß Ägypten im Kernland unbeschädigt davonkam, ist sicherlich aber zum großen Teil auch auf die geschickten Verhandlungen des Pharaos mit den an sich Ägypten nicht unfreundlich gesinnten Völkern, und seine dabei gezeigte Kompromißbereitschaft zurückzuführen. Schließlich überließ er den Eindringlingen den ägyptischen Teil von Syrien und ganz Palästina, einschließlich der Städte Tyrus und Sidon, und nahm darüber hinaus einen Teil der Menschen auf- vielleicht den, der unbedingt nach Ägypten wollte- und siedelte ihn im Delta als Schutztruppe mit staatlicher Versorgung an.

So kann man denn im ägyptischen Bericht über den Ausgang der Schlacht unter anderem lesen : "Gefangene" in großer Zahl wurden nach Ägypten gebracht. > Ich siedelte sie an befestigten Orten an, in meinem Namen geknechtet. Ihre Kriegerabteilungen zählten nach Hunderttausenden . Ich wies ihnen für jedes Jahr Anteile an Kleidung und Vorräten aus den Schatz- und Kornkammern zu.<

Es ist anzunehmen, daß Ramses nur den Teil der Einlaßbegehrenden aufnahm und seiner Streitmacht einverleibte, der gut gerüstet und ausgebildet war. Es dürfte also ein Teil der atlantischen Kerntruppen gewesen sein . Diese Truppen hatten außerdem den Vorzug, daß sie in einer Kultur aufgewachsen und erzogen waren, die der ägyptischen weitgehend entsprach. Es gab also daraus keine Eingliederungsprobleme. Da keine Frauen und Kinder aufgenommen wurden, war durch Verbindung mit ägyptischen Frauen darüberhinaus auch eine gute Einbindung in das ägyptische Volk zu erwarten.

Einige Seevölker waren fern von Ägypten durch die Belagerung der achäischen Städte und die darauf folgenden Machtverschiebungen im mykenischen und ägäischen Raum gebunden, andere kehrten mit Hilfe der Flotte in die alten Siedlungsgebiete im Westen zurück. Wieder andere siedelten sich im Norden des Iran an, wo sie ein Land vorfanden, das ihrer Heimat Iberien in vielen Dingen entsprach. Als sie hier heimisch geworden waren verstärkten sie das Reich der Urartäer und das Reich von Man in ihrem atlantischen Volksanteil , gründeten später das Reich der Meder und Parsa und stellten schließlich die großen Könige der Perser, welche die Welt des Ostens nach atlantischen Gesichtspunkten vollständig veränderten, wie noch in einem besonderen Kapitel dargestellt werden wird. Auch die Assyrer profitierten anfänglich von der Einwanderungswelle. Mit Hilfe großer Teile des atlantischen Kriegsheeres verstärkten und modernisierten sie, wie wir noch sehen werden, ihr eigenes Heer und machten es so für eine gewisse Zeit zum mächtigsten und erfolgreichsten in der Region. Dann aber wurden sie der immer reichlicher strömenden Einwanderungswelle nicht mehr Herr. Immer wieder mußten sich ihre Könige mit den einwandenden Aramäern herumschlagen, vergeudeten dabei viel Energie und wurden schließlich das Opfer der durch die Einwanderer stark gewordenen Nachbarn Babylon und Persien.

Die zu den Seevölkern gezählten Philister und Teukrer siedelten sich in der Küstenniederung Palästinas an (41) und brachten dem heimgesuchten Land eine sichtlich neue Kultur. Sie lebten in kleinen Stadtstaaten, jeder von einem atlantischem Sarens oder > Tyrannen < regiert. Sie hatten Theater und dem griechischen megaron ähnliche Bauten. Der sich im Hochland langsam heranbildenden Macht der Israeliten waren sie in mindestens zwei Dingen überlegen: sie hatten Kampfwagen und Eisen; sie versuchten sogar ein Eisenmonopol durchzusetzen, und sorgten dafür, daß die Israeliten die Kunst, das neue Metall zu schmieden, nicht erlernten. Ihr materieller und kultureller Vorsprung war in der Zeit der Richter beträchtlich; erst in den Tagen Sauls und Davids begann sich das Gleichgewicht zugunsten der Israeliten zu verschieben, weil die Kultur der Einwanderer ohne geistige Mitte allmählich verfiel, während die der Israeliten, als neuem lernbegierigem Volk, laufend zunahm.

Die atlantischen Aramäer gründeten im heutigen Syrien in der Gegend um Damaskus, das später dann die Hauptstadt des größten aramäischen Königreiches werden sollte, eine Reihe von kleineren Königreichen , die im Süden bis nach Galiläa hineinreichten und teilweise bis in die Römerzeit Bestand hatten.

Man kann aber davon ausgehen, daß von vornherein ein großer Teil der Wanderer von Syrien aus weiter nach Osten zog, nach dem ebenfalls interessanten Mesopotamien. Hier stürzten sie unter anderem die Herrschaft der Kassiten (1185) , eines Bergvolks iranischer Abstammung und atlantischer Führungsschicht, das seit 1760 die Herrschaft in Babylon innehatte, und siedelten sich zum Teil um Babylon herum an. Auch das Gebiet von Assyrien wurde Einwanderungsland für große Volksscharen. Auf die Auswirkungen dieser Ansiedlungen im mesopotamischen und persischen Raum werden wir später in besonderen Kapiteln noch eingehen.

Ein anderer Teil jedoch zog weiter nach Osten, durchquerte den Süden Persiens unter teilweise großen Verlusten in den Wüsten und Trockentälern Ostirans und erreichte das Industal. Auch die hier noch ansässigen Reste der Induskultur mit den Städten Harappa und Mohenjo -Daro , die inzwischen über 3000 Jahre alt waren, wurden überrannt . Die Einwohner wurden zum Teil vertrieben und das Land durch die Eroberer neu besiedelt.

Der größte Teil aber zog weiter und vereinigte sich mit dem Zug, der den weiteren aber besseren Weg über die russischen Ebenen und Afghanistan gewählt hatte. Erst im Tal des Ganges, das im Charakter dem verlorenen Paradies in Iberiens Süden Andalusien entspricht, hat die Wanderung ihr Ende. Hier wird ein großer Teil der ehemaligen Atlanter seßhaft und errichtet wieder eine Hochkultur, in der sich in vielen Dingen die atlantische Tradition widerspiegelt.

In der Geschichte der Hindus ist diese Einwanderung von der fernen Insel im Westen heute noch lebendig. Auch in noch heute vorhandenen Besonderheiten der indischen Kultur spiegelt sich die atlantische Tradition wieder.

Hier sollen davon nur einige Beispiele gegeben werden:

Das Rind oder der Stier spielten eine große Rolle in Atlantis. In ihm wurde ein Gott verehrt. In Indien, als dem einzigen Land der Erde, ist das Rind heilig. Es darf nicht geschlachtet werden und genießt unbegrenzte Vorrechte. Man kann darin auch den Dank der alten Atlanter an ihre treuen Begleiter auf der langen Wanderung von Europa her sehen. Ohne die Rinder , die Ernährungsbasis und Transportmittel zugleich auf dem Jahrzehnte dauernden Zug waren, wäre dieser sicher nicht möglich gewesen. Heute ist deshalb Indien das rinderreichste Land der Erde.

Das Kastenwesen in Indien ist ein Abbild der alten horizontalen Gliederung des atlantischen Staates. Die Gliederung reicht von der den Göttern nahen Oberschicht (in Atlantis Abkömmlinge der Götter, in Indien Bramahnen) über viele Zwischenschichten, die in Atlantis aus Priestern, Beamten, Kriegern, Handwerkern, Bauern, Händlern bestanden , bis zu den untersten Erdenmenschen , die als Diener der anderen geschaffen wurden (siehe Platon Kritias). In Indien ist heute diese Schichtung neu gestaltet und den Gegebenheiten des Landes angepaßt worden , aber das Prinzip ist erhalten.

Die Bevölkerung Indiens ist überwiegend freundlich und nicht kriegerisch. Atlantis, und das mit ihm identische Land der Phäaken in Homers Odyssee war im ganzen Mittelmeerraum berühmt für seine Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft. Das atlantische Reich war ein Reich des Friedens, der Lebensfreude und des Wohlstands .Dies ist reichlich dokumentiert in der kulturellen Hinterlassenschaft Kretas und Etruriens . Die Blütezeit des atlantischen Reiches von etwa 2000 bis 1250 v. Chr. ist nicht ohne Grund als das goldene Zeitalter in die Geschichte der Menschheit eingegangen.

Auch in Indien spielt die unbeschränkte Freude am Leben eine große Rolle. Trotz ihrer Armut sind die Menschen zufrieden, freundlich und hilfsbereit.

Sexualität und Freude am Sex sind etwas natürliches und werden gern und ohne jede Hemmung dargestellt und praktiziert. Auch Tharsis galt als die lebensfroheste Stadt im Altertum. Fruchtbarkeitskulte und der Wunsch nach Vermehrung hatten im kulturellen Leben aller Staaten mit atlantischer Tradition eine große Bedeutung.

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Die Situation nach der Auswanderung der atlantischen Völker aus Europa

Die Folge der Auswanderung des größten Teils der kulturtragenden Bevölkerungsteile aus den Kerngebieten des atlantischen Siedlungsraum war ein fast vollständiger Verfall der Kultur in diesem Gebiet. In das bis auf wenige Reste entvölkerte Gebiet von Westdeutschland, Frankreich, Iberien und der britischen Inseln wandern von Osten her in den Jahren von 900 - 600 v. Chr. die Kelten ein. Sie sind ursprünglich wahrscheinlich eine "ausgewilderte" Randgruppe der iranischen Stammgruppe. Möglicherweise bestanden sie anfangs auch aus Resten der von den einwandernden Atlantern vertriebenen Induskultur. Sie breiten sich in den freigewordenen Gebieten aus, übernehmen die Megalithmonumente der Atlanter und gliedern sie in Ihre Religion, die ursprünglich größtenteils eine reine Naturreligion war, ein. Mit ihnen kehrten auch Teile der atlantischen Völker zurück, die sich in ihnen geeignet erscheinenden Gebieten auf dem langen Weg niedergelassen hatten - so die Skythen in Südrußland und die Thraker im heutigen Mazedonien - .

Nach der um 600 v. Chr. schnell einsetzenden Klimaverbesserung, die für viele Gebiete im Osten Dürreperioden brachte, erinnerten sie sich an die alte, feuchte Heimat am Meer, in der es diese Probleme nicht gegeben hatte.

Es ist sehr wahrscheinlich , daß die Kaste der Druiden , die im Volk der Kelten eine besondere Bedeutung gewinnt, ursprünglich aus im Lande gebliebenen atlantischen Priestern bestand. Aus Priestern, die ihre Heiligtümer nicht verlassen oder zu ihnen zurückkehren wollten und einiges von dem Wissen der Atlanter in die keltische Zeit hinübertrugen. Auf Grund ihres Wissens wurden sie mit der Ausbildung der Jugend der Oberschicht des Landes betraut. Die Tatsache, daß druidisches Wissen nicht aufgezeichnet werden durfte, sondern nur mündlich an Auserwählte in Druidenschulen weitergegeben wurde, deutet darauf hin, daß man das Wissen dem "neuen Volk" der Kelten nicht übergeben wollte, vielleicht deshalb , weil man es als noch nicht reif dafür erachtete. Dies und der mit der Zeit eintretende Mangel an Nachwuchs atlantischen Ursprungs, führte dann auch zum Niedergang des druidischen Wissens, sodaß auch hier keine gleichwertige kulturelle und religiöse Basis gegen die mit den Römern eindringenden neuen Ideen erhalten blieb. Die heilige Bedeutung, die von den Druiden den Misteln auf den Eichen gegeben wurde, könnte ein Hinweis darauf sein, daß sich auch die Kaste der Druiden als Fremdling auf dem Volkskörper der Kelten fühlte, wie die Mistel auf der Eiche.

Die nördlichen Randgruppen der Atlanter, vor allem die im baltischen Raum ansässigen, beteiligten sich nur in geringem Maß an der Auswanderung. Ihre Ernährungsbasis war weitgehend Fischfang und Jagd, sodaß sie nicht wie ihre Ackerbau betreibenden südlichen Nachbarn durch die Klimaverschlechterung getroffen wurden. Die Katastrophe selbst hatte sie sowieso nicht erreicht. Sie bildeten später den Kern der sich wieder in Europa ausbreitenden Volksgruppen atlantischer Abstammung, wobei sie durch von Osten her zurückkommende Gruppen von "Skythen"Verstärkung erhielten. Da es sich aber nur um Randgruppen handelte, waren sie nicht in der atlantischen Kultur zu Hause. Sie waren deshalb nicht in der Lage, der von den Römern importierten Kultur und der Religion des Christentums etwas gleichwertiges entgegenzusetzen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang noch, daß der nicht von Römern besetzte Teil Germaniens durch "Irische Mönche" für das Christentum gewonnen wurde. Bei diesen "Christen" irischer Abstammung handelte es sich möglicherweise um zum Christentum übergetretene atlantische Priester, oder zumindestens um Menschen, die der atlantischen Religion sehr nahe standen und erkannt hatten , daß die Friedenslehre von Christus und seine Eigenschaft als Heilsbringer und Sohn Gottes garnicht so weit entfernt war von ihrer Lehre der göttlichen "Kulturbringer". Auf Grund dieser eigenen Erkenntnis und des Wissens um die atlantische Religion war es nicht schwer, die Germanen ebenfalls von dieser Verträglichkeit der beiden Religionen zu überzeugen, was sich in der Praxis dann in der Übernahme vieler "heidnischer Bräuche" in das Christentum auswirkte.

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Assur, der erste Militärstaat. Das Reich des Schreckens und des Bösen (33).

Die Anfänge des Staates Assur waren nicht leicht. Das Reich von Mitanni bestimmte lange Zeit über diese Region und vereinzelte Versuche, diese Herrschaft abzuschütteln, endeten oft in einer Katastrophe. So auch im Jahr 1450 v. Chr., als nach einem Aufstand gegen den Mitannikönig Schauschatar Assur geplündert wurde und seine Schätze in die Residenz des Siegers wanderten. Erst mit der Schwächung Mitannis durch innere Wirren vor der Thronbesteigung Tuschrattas erhält Assur wieder eine gewisse Freiheit. Ägypten fördert diese Bestrebungen und zahlt unter Amenophis III um 1380 v. Chr. zwanzig Talente Gold als Subsidien an Assur.

Nach dem Tode des energischen Tuschratta um 1360 v.Chr. bekommen die Assyrer dann Gelegenheit zur Rache. Zusammen mit einem Nachbarstamm fallen sie in Mitanni ein , verwüsten es und gewinnen ihre Schätze und Trophäen zurück. Die adligen Anhänger Tuschrattas aber, die in ihre Hände fallen, werden in grausamster Weise auf Pfähle gespießt. Das Eingreifen der Hethiter beendet diesen ersten Vorstoß der Assyrer. Unter Assuruballit I nehmen die Assyrer dann wieder den Kontakt zu den Ägyptern auf und verbünden sich durch eine politische Heirat mit den südlichen kassitischen Nachbarn. Seine Nachfolger kämpfen im Norden gegen Bergstämme und gegen den unter hethitischer Oberhoheit stehenden Nachfolgestaat Mitannis. Adadnarari I ( ca 1297 - 1266 ) kann sich dann dieses Gebiet zwischen Chabur und Belich tributpflichtig machen, ohne daß der Hethiterkönig Muwatalli eingreift. Die neue Macht zeigt sich in Palast - , Befestigungs - und Tempelbauten in Assur.

Salmanassar I ( ca 1265 - 1234 ) gliedert dann ganz Chanigalbat seinem Staate ein und deportiert 14000 seiner Bewohner. Das sich in Armenien bildende Reich von Urartu wird zum ersten Mal überfallen und ausgeplündert. Die Prinzen werden als Geiseln und zur Erziehung nach Assur gebracht. Ein Blitzkrieg mit einem schnell zusammengestellten Drittel der Streitwagentruppe beendet schnell einen Aufstand im östlich von Assur gelegenen Gutium. So strömt reiche Beute von allen Seiten nach Assur, wo Salmanassar den durch eine Feuersbrunst zerstörten Aschschurtempel wieder aufbauen läßt. In Ninive entsteht ein neues Heiligtum für Ishtar und in der Mitte zwischen Assur und Ninive wird die Festung Kalach zur Sicherung des Tigrislaufs gebaut.

Unter Tukutininurta I (1235 - 1198 ) erreicht die Macht Assurs dann einen ersten Höhepunkt. In den ersten beiden Jahren seiner Regierung weitet er das Staatswesen in einem wahren Siegeszug auf eine Größe aus, die es bisher nicht erlebt hatte. Die unruhige Westgrenze wird durch Umsiedlung von 28000 Chattileuten von jenseits des Euphrat gesichert und die Guti im Nordosten werden neu unterworfen und zu großen Holzlieferungen verpflichtet. Assyrische Pioniere bauen feste Heerstraßen in das Gebiet des Van - und des Urmiasees , sodaß das Heer auch diese unruhige Gegend schnell erreichen kann. Sie wird "befriedet" und 43 Häuptlinge werden nach Assur abgeführt und nach Ablegung des Vasalleneides wieder entlassen. Unter Bruch aller Traditionen und Verträge wird dann auch Babylon überfallen und ausgeraubt. Vom syrischen Karkemisch über Armenien und Gutium bis nach Babylon und die Ufer des persischen Golfes reicht nun der Arm Assurs.

Doch dem Triumphator, der sich als kniender und stehender Beter vor Nusku , dem Vezier seines Gottes Aschschur, hat abbilden lassen, wurde von seinem Volk für diese "Großtaten", wenig Dank entgegengebracht. Vor allem die grausame Behandlung Babylons, dem man sich geistig sehr verbunden fühlte , und das in den Priestern Marduks in Assur einen starken Verbündeten fand , wurde dem Herrscher sehr übelgenommen. Verärgert zog er sich zurück , und ließ sich eine eigene prächtige Königsstadt Kartukultiniurta erbauen, in der er immer mehr in die Isolierung geriet. Es nützt ihm nichts, daß er aus der Kriegsbeute in Assur einen neuen Palast bauen läßt und daß Aschschur- und Ishtartempel glänzend ausgestattet werden. Auch die Lobpreisung seiner Heldentaten in einem großen propagandistischen , vom Hofpoeten verfaßten Epos hält seine Gegner nicht davon ab, eine Verschwörung gegen ihn zu bilden . Schließlich ermordet ihn sein eigener Sohn. Ein schmähliches Ende, das nach Ansicht der Zeit auf die Rache Marduks, des mißachteten und beleidigten Stadtgottes von Babylon zurückzuführen ist.

Damit endete dann auch vorläufig die Macht Assurs, denn der kronprinzliche Vatermörder erwies sich als schwacher Politiker, die auswärtigen Verbindungen gingen verloren und auch die eroberten Gebiete lösten sich nach und nach wieder vom auferlegten Joch. Ein weiterer, ebenfalls schwacher Nachfolger Tukultiniurtas fand dann auf dem Schlachtfeld gegen Babylon den Tod, und damit erlosch die Dynastie. Eine Seitenlinie gelangte auf den Thron, aber auch ihr war kein Erfolg beschieden , denn die Macht im Zweistromland ging jetzt wieder auf Babylon über, das in der sogenannten zweiten Dynastie von Isin eine Renaissance des Babyloniertums betreibt, und sogar in der Lage ist, einen babelhörigen König in Assur auf den Thron zu setzen.

Erst unter dem babylonischen König Nebukadnezar I (ca. 1128 - 1105 ) gibt es wieder etwas Aufschwung in Assur. Unter Assurreschischi werden Palast und Tempel wieder in Ordnung gebracht, und die als Ausfalltor nach Westen gedachte Festung Apku wird erbaut. Auch mit Nebukadnezar gibt es Auseinandersetzungen, deren Ausgang auf Grund der proassyrischen Darstellung in Assur aber schwer zu beurteilen ist. Wahrscheinlich wurde in dieser Zeit aber Staat und Heer wieder aufgebaut und so konnte der Sohn und Nachfolger Tiglatpileser I (1116 - 1078 ) auf solider Grundlage seinen Siegeszug starten.

Diese solide Grundlage war wichtig, denn unruhige Zeiten standen ins Haus. Mit dem Untergang des atlantischen Reiches im Mittelmeerraum und der nachfolgenden Wanderung der Seevölker hatte sich die politische Situation auch im nahen Osten destabilisiert. Das Hethiterreich war unter dem Ansturm der Volksmassen zusammengebrochen und es bestand die Möglichkeit, aus den hereinstömenden Völkern tüchtige Krieger für das eigene Heer zu gewinnen. Assur lag an der Pforte zu Syrien und Ägypten und konnte sich aus dem Angebot die besten Kräfte heraussuchen. Tiglatpileser nutzte die Chance und schuf sich das schlagkräftige Heer, das er für seine Eroberungen brauchte.

Dazu wendet er sich zuerst den Eindringlingen zu. An seiner Nordwestgrenze begegnet er dem Einfall von 20 000 Angehörigen der Seevölker. Zahllose Gefangene werden dem Heer eingereiht, die nicht geeigneten werden zur Ansiedlung nach Assyrien geschickt. Auch viele kampferprobte und ausdauernde Beutepferde verstärken die Armee, die damit eine Stärke erreicht, der keiner in der Region widerstehen kann. Tiglatpileser nutzt deshalb die Gunst der Stunde, um den ganzen Norden seines Interessengebiets zu durchziehen. Er überrennt hethitische Nachfolgestaaten im Osten Kleinasiens, durchzieht die Gebirgslandschaften Armeniens und "besiegt" zahllose Häuptlinge der Nairi - Länder Südarmeniens bis hin zum Van - See.

" Auf Befehl Aschschurs, meines Herrn, eroberte ich das Gebiet vom unteren Zab bis zum oberen Meer im Untergang der Sonne. Dreißig Könige der Nairi - Länder warf ich nieder vor meine Füße, empfing ihre Geiseln, ihre ans Joch gewöhnten Pferde nahm ich als Abgabe in Empfang. Tribut und Abgabe legte ich ihnen auf."

Mit dem starken und kampferprobten Heer wendet er sich dann nach Syrien, wo die Zedernwälder des Libanon und die reichen Städte am Rande des Mittelmeers locken. Die von den atlantischen Seevölkern besetzte und als Festung benutzte Stadt Ugarit wird erobert , ausgeraubt und vollständig zerstört. Die Bewohner werden getötet oder versklavt. Darauf unterwerfen sich Byblos, Sidon und Arwad und werden tributpflichtig .

Nun wendet er sich wieder nach Osten. Das sich gegen die eindringenden Gruppen von Seevölkern wehrende Babylon wird der Grenzverletzung bezichtigt und mit Krieg überzogen. " Durkurigalzu, Sippar des Schamasch, Sippar der Anunitu, Babylon und Upi, die großen Städte Babyloniens eroberte ich samt ihren Befestigungen. Ein großes Blutbad richtete ich in ihnen an, ihre zahllose Beute führte ich fort. Mardukmadinachnes, des Babylonierkönigs, Paläste in Babel nahm ich ein und verbrannte sie mit Feuer, die Schätze seiner Paläste führte ich fort. Zweimal lieferte ich dem Mardukmadinachne , dem König von Babylon, eine Wagenschlacht und tötete ihn."

Aber der Sieger hat aus den Fehlern seines Vorgängers gelernt. Die Tempel Babylons bleiben unversehrt und der Thron geht an den babylonischen Prätendenten, der als Vasall Assurs die Herrschaft übernimmt. Tiglatpileser wendet sich wieder nach Westen, um immer wieder gegen die nachrückenden Scharen der Seevölker zu kämpfen . Er selbst berichtet, daß er 28 mal gegen sie zu Felde ziehen mußte. Dabei macht er immer wieder reichlich "Gefangene" die er im Lande ansiedelt und , da es sich zum großen Teil um gut ausgebildete Menschen aus dem atlantischen Reich handelt, profitiert das Land ganz erheblich von den Neusiedlern.

Auf Grund des reichlichen Vorhandenseins von Menschen ist es auch möglich, eine ausgesprochene Politik der Umsiedlung zu betreiben. So werden als unzuverlässig geltende Stämme aus ihren angestammten Gebieten vertrieben und in andere, oft entgegengesetzt liegende, verschleppt und dort angesiedelt. Die leergewordenen Räume werden mit zuverlässigen Assyrern oder atlantischen Neusiedlern gefüllt. Es entsteht ein Staat, in dem die gewachsenen Strukturen immer mehr an Bedeutung verlieren , der aber auch dadurch offen ist für einen Neubeginn.

Dieser Neubeginn besteht nicht zuletzt in dem Aufbau eines Militärstaates hohen Ranges. Die Voraussetzungen dafür waren einmalig günstig. Die hervorragenden und durch die lange Wanderung kampferprobten Truppen des atlantischen Heeres trugen mit ihrem Wissen entscheidend zur Ausbildung einer für den vorderen Orient neuen Taktik bei.

Sturm, Durchbruch und Verfolgung ist Sache der Wagenkämpfer, die über ein speziell dafür ausgebildetes Pferdematerial verfügen.

Neben der Streitwagentruppe steht die Infanterie, die den Gegner im Einzelkampf niederstreckt und das gewonnene Gelände sichert.

Zur Eroberung der Festungswerke, zu Straßenbau und Erschließung der Gebirgsgegenden dienen die Pioniere, die in dieser Zeit die Belagerungswerkzeuge erheblich verbessern.

Helme, Panzer, Schilde und Setzschilde, genannt Tartschen, schützen die Kämpfer.

Ihre Waffen sind Pfeil und Bogen, Speer, Wurflanze und Schleuder, dazu als Nahkampfwaffen Axt, Doppelbeil, Streitkolben und Schwert.

Mit dem 12. Jahrhundert beginnt dann das Eisen als Material zur Herstellung von Waffen die Bronze weitgehend zu ersetzen. Die Gründe hierzu liegen in erster Linie darin, daß, nach dem Niedergang des atlantischen Reiches und seinem Seehandel, der ausreichende Nachschub an Bronze nicht mehr gesichert war. Bronze wurde zur hochbezahlten Mangelware und so war man gezwungen, auf das unedle Eisen, dessen Technologie nur wenige richtig beherrschten, zurückzugreifen. So gibt es dann in der Folgezeit immer wieder die, aus vielen Geschichten bekannte Situation, daß das Schwert im entscheidenden Zweikampf abbricht.

Zuverlässige, gute Schwerter, die diese Eigenschaft nicht hatten, wurden höher geachtet als Gold . Die Hethiter, die in ihrem Lande große Eisenvorkommen besaßen, verwendeten dieses Material schon seit langem und hatten so auch die größte Erfahrung in seiner Verarbeitung. Ihre Schmiede waren deshalb nach dem Niedergang des Hethiterreiches gefragte Leute, und Tiglatpileser gelang es offenbar, eine Reihe davon für sich zu gewinnen. Sie konnten ihr Wissen, das noch immer als Geheimwissen behandelt wurde, dann an ausgesuchte Leute weitergeben und das verschaffte den Assyrern gegenüber einigen Gegnern, zumindestens für eine gewisse Zeit, einen erheblichen Rüstungsvorteil.

Doch auch auf anderen Gebieten zeigte sich die neu gewonnene Stellung Assyriens. Vielleicht auf Grund der Bildung der neugewonnenen Bürger atlantischer Herkunft fing auch Assyrien an, dem Geistesleben Beachtung zu schenken. Tiglatpileser ließ jedenfalls - als wahrscheinlich erster Assyrer - in seinem Palast eine Bibliothek einrichten und fing an, Kunst, Wissenschaft und Literatur zu fördern. So entsteht dann auch ein Heldenepos auf Tiglatpileser und seine mutigen, alle Feinde niederwerfenden Kämpfer. Auch die Geschichtsschreibung erlebt eine neue Blüte und notiert alle Großtaten des Königs. Für die Richter wird ein Handbuch verfaßt, das ihnen die tägliche Arbeit erleichtern soll. Es wurde im sogenannten Gerichtstor von Assur von den Ausgräbern wiederaufgefunden.

Wenn man allerdings dieses Buch liest, wird klar, warum Assur auch mit seinen Feinden so grausam verfuhr. Die Assyrer selbst hatten es nicht viel besser. Vor allem die niedrige Stellung der Frau zeigt, wie unkultiviert das Land letztlich noch ist. Beispielsweise wird eine Frau mit dem Tode bestraft, die aus dem Hause ihres kranken oder toten Mannes etwas weggibt. Die gleiche Strafe trifft den Empfänger. Ist der Empfänger ein Sklave oder eine Sklavin, werden Geber und Empfänger die Nasen abgeschnitten. Bei Ehescheidung ist der Mann nicht verpflichtet, der Frau etwas herauszugeben.

Der Militärstaat klingt an in folgenden Regelungen: Wird der Mann im Krieg vermißt, muß die Frau fünf Jahre auf ihn warten, ohne daß der Staat ihr irgendwelche Hilfe gewährt. Ehebruch wird für beide Teile mit dem Tode bestraft. Stirbt der Mann, so muß der Schwager die Frau mit übernehmen und für sie sorgen.

Als grausame Körperstrafen werden aufgeführt: Durchbohren der Ohren; Abschneiden der Unterlippe , der Ohren oder der Finger ; die Zerstörung des Gesichts durch Übergießen mit heißem Asphalt; die Kastration.

Diese wenigen Beispiele genügen, um die unerbittliche Härte des Staates gegenüber den Bürgern zu zeigen. In allem wird die eiserne Disziplin des Militärstaates sichtbar. Angesichts dieser Verhältnisse wird es klar, warum der gütige Marduk von Babylon und die dort geübte Rechtsprechung in Assur so viele Anhänger hatte. Es wundert auch nicht, daß die Menschen in ständiger Furcht lebten. Die schrecklichen Erlebnisse der Behandlung von Verurteilten und Besiegten, mit denen fast jeder früher oder später konfrontiert wurde, belasteten die Menschen und ließen sie überall böse Geister und Dämonen vermuten. So nehmen Zauberwesen und Hexerei, schwarze Magie und Dämonenglaube einen ungeheuren Aufschwung. Künstlerischen Ausdruck findet diese Zeit in der schreckenerregenden Fabelwelt und den magischen Texten der Assurbarnipal - Bibliothek und in einigen Bildwerken der späteren neuassyrischen Zeit.

So schafft hier im Namen des Kriegsgotts Aschschur ausgeübter Staatsterror und daraus entstehend Lebensangst eine neue Komponente der "Kultur", welche die Menschheit von nun an nicht mehr losläßt und bis in unsere Zeit fortwirkt .

Himmel, Erde und Unterwelt werden mit bösen Geistern belebt, die nachts aus Erdklüften, Ruinen, Gräbern oder aus der Wüste kommen und überall ihr Unwesen treiben. Sie heißen Gespenst, Drache, Laurer, Packer oder Todesschicksal. Sie fressen die kleinen Kinder und quälen Mensch und Tier. Die Furcht vor ihnen und vor den "Magiern", die allein ihnen gebieten konnten, legte sich von nun an wie ein Alptraum über viele Menschen.

Als Gegengewicht gegen die "schwarze Magie" entsteht auch die "weiße Magie" die durch Zaubersprüche und absonderliche Zaubermittel die bösen Geister, die sich oft in Krankheiten äußerten , vertreiben sollten. Den gleichen Zweck verfolgen nun entstehende "Dämonenaustreibungen" und Exorzismen.

Es entsteht hier im Reich Assur eine Gegenkomponente zu der zwar langsam , aber doch merklich fortschreitenden Kultivierung des Menschen. Eine Komponente, die in den Menschen die Kräfte im organisierten Staat wieder freisetzen, die seit ihrer Begegnung mit den Göttern immer mehr zurückgedrängt worden waren :

Die tierischen Kräfte des Urmenschen mit seiner Mordlust, seiner Blutgier, seinem unsozialen Haß auf den Konkurrenten, seiner Lust an Grausamkeiten und andererseits , mit seinen daraus resultierenden Ängsten, daß er selbst das Opfer dieser Gelüste bei seinen Feinden oder der Spielball böser Kräfte werden könnte:

Auch die unkultivierte Barbarei erhält ihren Kult , das Reich des Bösen wird gleichwertig neben dem Reich des Guten aufgerichtet.

Wie die Flucht in eine bessere Welt erscheinen demgegenüber die bemerkenswerten Schöpfungen der Kunst in dieser Zeit. Für Anu und Adad wird ein neuer prachtvoller Tempel erbaut. Die Königspaläste werden mit farbenfrohen Schmelzziegelgemälden ausgestattet; und die Rollsiegelbilder geben in feiner und naturnaher Darstellung die Träume von einer besseren Welt wieder, die sich in wundervollen, liebevoll ausgearbeiteten Bildern von Tieren, Jagdszenen oder der Szene eines friedlich pflügenden Bauern manifestiert.

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Das neuassyrische Reich

Das Großreich Tiglatpilesers I zerfiel schnell, als seine Nachfolger nicht die gleiche Energie und Härte wie er zu seiner Erhaltung aufbrachten. Assurbelkala (1076 - 1058) muß schwere Kämpfe mit den immer wieder neu eindringenden "Aramäern" d. h. mit den im Laufe ihrer Wanderung immer wieder eindringenden und Siedlungsland suchenden atlantischen Völkern, bestehen. Auch das durch atlantische "arische" Einwanderer gestärkte Urartu macht ihm zu schaffen. Den im südlichen Babylonien sich ansiedelnden "Chaldäern", einem "aramäischen" Volk aus dem Zentrum des ehemaligen atlantischen Reiches, gelingt es sogar in dieser Zeit, einen König auf den Thron Babels zu bringen und seine Tochter an den Assyrerkönig zu verheiraten. Assurnasirpal I ( 1052 - 1033 ) überrascht , als Krankheit ihn überfällt, durch das Eingeständnis seiner Sündhaftigkeit und fleht Ishtar an , ihn zu heilen. Er wird durch den Mund ihrer Priester zum Aufbau zerstörter Tempel, zur Wiedererrichtung gestürzter Götterbilder und zum Ersatz verbrannter Statuen aufgefordert. Sicher als Wiedergutmachung für die Untaten seiner Vorgänger. Um 1000 v. Chr. gingen dann auch die assyrischen Siedlungen am mittleren Euphrat an die "Aramäer" verloren.

Erst unter Assurdan II setzt Ende des 10. Jahrhunderts eine wirtschaftliche, organisatorische und auch militärische Erneuerung des Staatswesens ein. Doch sofort setzen auch wieder die grausamen Methoden ein, für die Assur bekannt ist. Der König des nördlich gelegenen Katmuchi wird wegen Empörung gegen Assur gefangengenommen und lebendig geschunden. Sein Sohn richtet dann die Macht des Staates wieder auf. Er kämpft erfolgreich in Ostkleinasien und in Armenien und gewinnt das völlig aramäisierte Chanigalbat in sieben Feldzügen zurück . Zur Niederzwingung dessen Hauptstadt Nisibis, wird diese vollständig von einem drei Meter breiten Graben und einer Mauer mit sieben Bollwerken umgeben. Mit Babylon wird die schon öfter geübte Verschwägerung über Verheiratung der Königstöchter mit den Königen wieder praktiziert.

Unter Assurnasirpal II ( 884 - 859 v. Chr.) kehrt Assur dann wieder zu alter Macht und Größe aber auch zu den Höhepunkten der ausgesuchtesten Grausamkeiten zurück. Jahr für Jahr zieht er zu Felde und bringt das Reich wieder auf den Stand Tiglatpilesers I. Aber seinen Zug durch das Land begleiten alle nur denkbaren Greueltaten. Seine Henker pfählen und schinden, spannen die abgezogenen Menschenhäute auf Gerüsten vor den Toren der bekämpften Stadt aus und schneiden ihren lebenden Opfern vor den Augen der Verteidiger der Stadt die Gliedmaßen einzeln ab. Die Herrschaft des Schreckens erreicht ihren Höhepunkt und erstickt jeden Widerstand. Die alte Praxis der Deportation wird wieder aufgenommen und die Bevölkerung so erneut durcheinandergemischt.

Auch die Verwaltung des Staates wird neu aufgebaut und ein fähiger Beamtenstand ausgebildet. Die Festung Kalach wird zur neuen Residenz ausgebaut und mit einem Heer von deportierten Handwerkern, Beamten und Soldaten neu besiedelt. Auf Befehl des großen Königs entsteht ein riesiger, von den besten Handwerkern und Künstlern des Landes ausgeschmückter Palast. Kalach soll nach seinem Willen ein neues Zentrum der Kultur werden, und daß er dabei auch die besonderen Kenntnisse der "chaldäischen" Neubürger seines Landes zu schätzen weiß, zeigt die Einrichtung einer Sternwarte und die Förderung der astrologischen Forschung.

Nach seinem Tode wurde er von seinem Sohn Salmanassar III (859 - 824 ) in der lange vorbereiteten Gruft des Alten Palastes in Assur beigesetzt. Hier fanden dann die Ausgräber den völlig zertrümmerten und ausgeraubten Basaltsarkophag des Königs, dem keine lange Ruhe vergönnt war, wieder. Der neue König setzte die Kämpfe fort und festigt die Oberhoheit über Syrien und Palästina. Nur die aramäische Hauptstadt Damaskus kann trotz aller Anstrengungen nicht erobert werden. Gegen Ende seiner Regierung stehen 27 Städte gegen ihn auf und es gelingt ihm nicht mehr, ihrer Herr zu werden. Sein Sohn Schamschiaschad V muß sich noch mit seinem Bruder über die Erbfolge streiten und kann sich so der Unruheherde ,die überall aufbrechen, nur mit Hilfe Babylons erwehren. Schließlich gelingt es ihm aber doch noch, die neuen Aramäerstaaten am Persischen Golf zu unterwerfen und Babylons Macht hier zurückzudrängen.

Als er in relativ jungen Jahren stirbt, übernimmt seine, aus Babylon stammende Mutter Schammuramat, die als Semiramis in der Geschichte bekannt wird , die Regierung, die sie innen sowie außenpolitisch erfolgreich führt. In ihrer Zeit wird das obermesopotamische Guzana, ein aramäisches Macht - und Kulturzentrum dem Reich einverleibt. Als er volljährig geworden ist , übernimmt dann der Sohn Adadnirari III ( 810 - 782 ) die Regierung und führt seine Truppen gegen Elamiter, Meder und die Bewohner Palästinas. Amurru, Tyrus, Sidon, Edom, Israel, Philistäa und Damaskus zahlen Tribut. Auch Babylon ist wieder völlig untergeordnet.

Es entstehen aber neue Probleme aus der Ausdehnung des Reiches und aus den Fähigkeiten von Heerführern und Statthaltern. Da der König nicht gleichzeitig überall sein kann, entwickeln diese oft hervorragenden Leute , die im atlantischen Reich teilweise selbständige Heerführer und Fürsten waren, eine dem Zusammenhalt des Reiches nicht dienliche Eigenständigkeit. Eine bedeutende Rolle spielt dabei der General Schamschiilu, der Gouverneur von Til Barsib , einer Stadt am Euphrat südlich von Karkemich, ist. Nach seinem Tode wird er als Tiglatpileser III (745 - 725) durch eine Militärrevolte an die Macht gebracht. Es ist nicht bekannt, ob er aus der Königsfamilie stammt, er muß sich wohl durch Tüchtigkeit und geschicktes Verhalten als befähigt profiliert haben.

Seine Fähigkeiten stellt er nach der Erringung der Königswürde dann auch bald unter Beweis. Er vermindert die Macht der Statthalter durch eine Neuordnung der Aufteilung der Provinzen, ordnet die Steuerpolitik neu, indem er die Privilegien einiger Städte wie Assur oder Charran aufhebt, stärkt das Heer durch Ausrüstung mit stärkeren Streitwagen und Belagerungsmaschinen und fördert den Bauernstand. Diese Neubeachtung eines Standes, der unter den traditionellen Führern Assurs immer nur zu leiden hatte, zeigt, daß er zumindest das Gedankengut des atlantischen Reiches, dessen wichtigste Säule immer der Bauernstand war, übernommen hat. Auch andere Maßnahmen , zum Beispiel die maßvolle Politik gegenüber unterworfenen Völkern, zeigen dies. Es deutet darauf hin , daß er selbst aus atlantischen Wurzeln stammte, denn die Heere im vorderen Orient bestanden in dieser Zeit zum großen Teil aus Soldaten atlantischen Ursprungs.

Tiglatpileser III kämpft in Medien, Zilizien, Syrien und Palästina und besiegt schließlich den großen Rivalen im Norden Sardur II von Urartu. Im Jahr 740 v. Chr. hält er im eroberten Arpad zwischen Aleppo und Karkemich eine große Vasallenschau ab ( auch hier atlantischen Traditionen folgend - man denke nur an die großen Versammlungsplätze bei Carnac in der Bretagne, von denen in Buch 5 noch die Rede sein wird-) bei der sich alle syrischen, mesopotamischen und palästinensischen Fürsten, die er bei rechtzeitiger Unterwerfung auf ihrem Thron belassen hatte, zur Huldigung und Ablieferung der Tribute einfinden.

Noch stärker als seine Vorgänger greift er zum Mittel der Umsiedlung, um sein Reich einheitlich und "einer Sprache" zu machen. So werden zum Beispiel 30000 Kleinasiaten aus Zilizien nach Armenien umgesiedelt und Urartäer , die zu dieser Zeit schon zum großen Teil aus eingewanderten Atlantern bestehen, gehen dafür an den Golf von Issos. So wird es denn auch möglich, daß die Vorfahren des Apostels Paulus, der selbst aus Tarsus - man beachte die Wiederaufnahme des Namens "Tharsis" durch die atlantischen Neubürger- am Golf von Issos stammt, Atlanter waren.

Insgesamt rechnet man mit Hunderttausenden von Verpflanzten und es wird verständlich , wie schwer es für die Völkerkundler war und ist , die Spuren der atlantischen Einwanderung wieder aufzufinden. Die angestrebte einheitliche Sprache ist jetzt das Aramäische, und es wird auch von dem größten Teil der Bevölkerung des assyrischen Reiches dieser Zeit gesprochen oder zumindestens verstanden.

Ein sicherlich erwünschter Nebeneffekt dieser Umsiedlungsaktionen war, daß die Bevölkerung ihre völkische und sprachliche Identität verlor , und sich nur noch als Angehörige des assyrischen Reiches fühlen sollte. Da es aber dem assyrischen Reich nicht gelungen war, seinen Ruf so zu verbessern, daß die Menschen sich gern mit ihm identifizierten , überwogen die negativen Effekte der Umsiedlungsaktionen. Die Menschen haßten das Reich, das sie wurzellos und unglücklich gemacht hatte, und strebten danach, sich seinem Einfluß zu entziehen.

So kam es auch in Babylon wieder zu schweren Unruhen der Aramäer und der schwache König Nabusir "wurde ihrer nicht Herr" .Tiglatpileser mußte den Aufstand niederwerfen und setzte sich anschließend selbst unter dem Namen Pulu auf den Thron. Seine Residenz war wieder Kalach, wo der Palast Salmanassars III weiter für ihn ausgebaut wurde.

Diese Politik setzte sein Sohn Salmanassar V fort und ließ sich unter eigenem Namen in Babylon krönen. Die lange Abwesenheit von Assur ließ aber hier eine Gegenpartei erstarken, in der sich Anhänger der von Tiglatpileser gestürzten Dynastie und Priester und Städte, die sich durch seine neue Steuerpolitik geschädigt sahen, zusammenfanden. So fiel er dann bei der Belagerung der israelischen Stadt Samaria einem Mordanschlag zum Opfer , der als Strafe des Gottes Aschschur hingestellt wurde.

Der Führer der Gegenpartei nannte sich nach dem großen Herrscher von Akkad wieder Sargon. Er regiert von 722 - 705 und beeilt sich, seine Anhängerschaft durch Wiedereinsetzung in alte Rechte und Privilegien zufriedenzustellen. Dann wendet er sich nach Westen um den Feldzug Salmanassars fortzusetzen, er erobert Karkemisch und Samaria, von wo 30000 Juden deportiert werden und schlägt ein ägyptisches Heer bei Raphia in Südpalästina. Dann wendet er sich überraschend nach Urartu, das gerade mit den einströmenden Kimmeriern zu kämpfen hat und deshalb eine relativ leichte Beute wird und kämpft anschließend erfolgreich gegen die Meder. Darauf wendet er sich nach Babylon, dessen König Merodachbaladan entflieht. Er übt aber hier Zurückhaltung und begnügt sich mit dem Titel "Statthalter". Die babylonischen Gottheiten Marduk und Nebo werden Aschschur gleichwertig zur Seite gestellt.

Trotz dieser Erfolge wird er seines Lebens nicht recht froh, wozu wohl auch das gespannte Verhältnis zu seinem Sohn beiträgt. Im Gedenken an die Ermordung seines Vorgängers fängt er an , um sein Leben zu fürchten. Er errichtet noch in quellenreichem Hügelgelände 20 Km östlich von Ninive eine neue Residenz mit Namen Durscharrukin "Sargonsburg". Von einer mächtigen Doppelmauer umgeben umfaßte sie eine Fläche von 3 qkm. In ihrer Mitte liegen Königspalast und Tempel , alle mit Stierkolossen, Reliefs und farbenprächtigen Gemälden und Ornamenten geschmückt. In assyrischer Tradition ist die sogenannte Gerichtshalle mit grausigen Bildern ausgestattet, auf denen der König in vollem Ornat abtrünnigen Vasallen als Vertreter des beleidigten Gottes Aschschur eigenhändig die Augen aussticht oder sie lebendig schinden läßt.

Wahrscheinlich ist die riesige Anlage nie beendet worden, denn der einsame und mißtrauische König fiel bei einem Kriegsunternehmen im westlichen Iran und es war nicht einmal möglich, seine Leiche zu bergen. Eine angeordnete Untersuchung der Ursache seines Todes ergab die Aussage der Priester, daß die Gründung von Durscharrukin den Zorn der Götter erregt habe, und der König deshalb sterben mußte. Die Stadt wurde verlassen und verfiel.

Sein Sohn Sanherib (705 - 681 v. Chr.) verlegte die Residenz nach Assur zurück und wählte später Ninive zu seiner Hauptstadt. Er ist einer der interessantesten Figuren unter den assyrischen Machthabern, hochbegabt aber maßlos in fast allen seinen Aktionen. Er will Ninive zur ersten Stadt des Reiches machen und beschäftigt dafür Heere von Zwangsarbeitern. 25 m hoch wird eine Doppelmauer um die Stadt geführt und ein 50 Km langer Kanal angelegt, der in einem 280m langen Aquädukt über eine Talsenke geführt wird. Es wird ein neuer Palast gebaut, der alles bisher dagewesene weit übertreffen soll und außerhalb der Stadt entsteht das "Neujahrsfesthaus"mit herrlichen Gärten, deren Bäume in Gruben stehen, die man in den Fels hineingehauen und mit Erde gefüllt hat.

Wie im Bauwesen, so greift er auch in der Kriegführung zu völlig neuen Mitteln. Um Babylon und das mit ihm verbündete Elam auch auf dem Meer schlagen zu können , läßt er griechische und phönizische Matrosen anwerben, am Euphrat eine Flotte von Kriegs- und Transportschiffen bauen und liefert den Elamitern damit Seeschlachten. Das anschließende Landungsmanöver endet allerdings in der Einschließung der Truppen, die sich unter großen Opfern nach Babylon durchschlagen müssen , um den längst hierhin vorgedrungenen Feind zu stellen . Auch die mit großem Aufwand im Jahr 701 begonnene Belagerung von Jerusalem führt nicht zum Erfolg. Eine Pest bedroht das Heer und Sanherib muß sich mit einem Tribut Hiskias von Juda zufriedengeben.

Als Babylon nach Jahren verlustreicher Auseinandersetzungen schließlich im Jahr 689 fällt, sind auch hier seine Aktionen maßlos und entbehren jeder Vernunft. Die Stadt wird völlig ausgeplündert und verwüstet. Der wütende Sieger läßt den Euphrat anzapfen und ganze Stadtteile unter Wasser setzen, die Tempel werden zerstört und die Götterstatuen nach Ninive gebracht. Eine eigens geschaffene Mythendichtung verkündet , der Stadtgott Babylons Marduk habe sich versündigt, und sei deshalb von den Göttern gefangengenommen und vor Gericht gestellt worden. Im Weltschöpfungsepos und in der Lithurgie des Neujahrsfestes wird Marduks Name durch den Aschschurs ersetzt. Der maßlose Kampf selbst gegen die Götter macht ihm auch in Assyrien viele Feinde und so wird er, als er einmal im Tempel zu seinem Gott "Nisroch" betet , von seinen Söhnen Adrammelech und Sarazer erschlagen.

Sanherib selbst hatte seinen Sohn Asarhaddon zum Nachfolger bestellt und das wurde auch auf einem schnell einberufenen Reichstag bestätigt. Trotzdem gab es Streit mit den benachteiligten Brüdern , den Asarhaddon aber schnell zu seinen Gunsten entschied. Er ordnet den Wiederaufbau Babylons an und führt ihn in langjähriger Arbeit auch durch . Der Marduktempel und sein Stufenturm werden erneuert, Stadtmauern und Straßen wiederhergestellt. Der Aufbauplan bezweckt eine Öffnung der Stadt nach allen vier Himmelsrichtungen, damit die Babylonier ihr Trachten darauf richten, mit allen Weltgegenden zu verkehren.

Für die Verteidigung des Reiches verfügt er über sehr tüchtige Generale, die im Norden im Krieg gegen die Kimmerier und die Meder erfolgreich sind . Doch nach dem Tod seiner Gattin startet Asarhaddon im Jahr 671 sein größtes Unternehmen. Er zieht nach Ägypten. Umfangreiche Vorbereitungen sollen die Versorgung des Heeres auf dem 1300 Km langen Marsch sichern. Das trotz geschlossener Verträge abtrünnige Tyrus wird durch einen Belagerungsring an Aktionen gehindert.

Der große General Schanubuschu führt das riesige Heer, das durch Kontingente der Vasallen und Söldnertruppen verstärkt ist , unaufhaltsam südwärts. Der "nubische" Pharao Taharka, verliert drei Schlachten und muß fliehen. Memphis, die Hauptstadt Unterägyptens fällt, und der ganze Hofstaat wandert mit allen Schätzen des Palastes nach Ninive. Die Verwaltung der eroberten Gebiete wird einheimischen Fürsten übertragen, die von assyrischen Statthaltern kontrolliert werden. Siegesstelen in Syrien und Obermesopotamien berichten vom großen Sieg des Königs.

Diese aufwendigen Unternehmungen finden jedoch Im Stammland wenig Freunde. Es kündet sich eine neue Verschwörung gegen den König an, die aber wohl aufgedeckt wird.. Jedenfalls ließ Asarhaddon viele Adlige hinrichten , was ihm verständlicherweise neue Feinde schuf. So entschließt er sich dann, obwohl krank, einen erneut gegen Ägypten notwendigen Feldzug selbst anzuführen. Doch er gelangt nicht mehr in das eroberte Reich der Pharaonen. Er stirbt in Charran im Oktober 669. Sein Nachfolger Assurbanipal kann den ägyptischen Feldzug erfolgreich zu Ende führen und bringt eine Reihe von Pharaonenstatuen nach Ninive.

Das Leben in Assyrien hatte sich inzwischen unter dem Einfluß der Nachbarstaaten und durch Einheirat einflußreicher Königinnen wie Schammuramat und Naqia aus Babylon und Palästina etwas entschärft. Die despotischen Assyrerkönige verlangen oft geradezu die freimütige Meinung ihrer Berater. Die Vermischung der Bevölkerung durch Umsiedlungen und Deportationen verbreitet auch sanftere Sitten und Gebräuche. Die Gesetze, die jetzt angewendet werden, sind aber nicht bekannt. Möglicherweise gelten noch die alten und nur ihre Anwendung wird menschlicher gehandhabt.

Die Gelehrten aller Fachrichtungen schaffen vor allem in ihrer aramäisch und chaldäisch und damit auch atlantisch bestimmten Hochburg Babylon große Werke mit philologischem, historischem, mantischem und magischem Inhalt. So wird jetzt hier die assyrische Königsliste abgeschlossen und es gibt umfangreiche medizinische Rezeptsammlungen. In der Mathematik gibt es umfangreiche Multiplikationstabellen und Tafeln der Quadrat - und Kubikwurzeln. Die Kunst macht sich von der religiösen Motivierung weitgehend frei und bevorzugt Tier - und Genredarstellungen, wie sie im atlantischen Bereich schon lange üblich waren.

In der Religion und bei den Göttern bleibt es trotz der aramäischen Zuwanderung im wesentlichen bei den bekannten Gestalten, wenn auch ihre Bedeutung von Zeit zu Zeit wechselt. So gewinnt der Marduksohn Nebo, als Gott der Schreibkunst, Weisheit und Fruchtbarkeit , unter Adadnirari III große Bedeutung und wird unter Sargon gleichberechtigt neben Aschschur und Marduk genannt. Als Modegottheit neu erscheint auch die als Marduks Gemahlin bezeichnete Scherua und die Heilgöttin Gula. Im übrigen werden Namen und Kräfte der bekannten Götter gern den jeweiligen Modegöttern zugeschrieben , was zu einer allgemeinen Gleichmacherei führt.

Importiert durch Aramäer und Chaldäer, auf altem atlantischen Wissen basierend, spielt jetzt auch die Mantik, das Vorzeichen und Orakelwesen, eine große Rolle. Die omenartige Bedeutung von irdischen Erscheinungen wird in dem riesigen, ursprünglich wohl 100 Tafeln umfassenden Keilschriftwerk "Wenn eine Stadt auf der Höhe liegt" (was sich wahrscheinlich auf die inzwischen sagenhaft gewordene Stadt Atlantis bezieht) gesammelt. So ist auch von Asarhaddon bekannt, daß er jeder Art von Vorzeichendeutung eine erhebliche Bedeutung beimaß, und daß jede Art von größerer Unternehmung erst durch die Orakelpriester abgesegnet werden mußte. Er war in dieser Hinsicht schon ein atlantischer König alter Schule, was sich im übrigen auch in dem Wunsch, jetzt endlich einmal Ägypten zu erobern, ausdrückte.

Wie in Atlantis erfüllte sich nun auch in Assur das Schicksal. Nach Assurbanipals Tod geht es schnell dem Ende zu. Seine beiden schwachen Nachfolger verlieren den Westen des Landes an erneut von Norden hereinströmende Völker. Babylon geht verloren, als der aramäisch - chaldäische also atlantische Nabopolassar sich selbständig macht. Dieser verbündet sich mit dem ebenfalls aus atlantischer Wurzel stammenden Meder Kyaxares und macht dem assyrischen Reich mit der Eroberung von Assur im Jahr 614 und von Ninive zwei Jahre später ein Ende.

Beide Städte werden vollständig zerstört und ausgeraubt. Ein Heereskontingent, das sich nach Charran geflüchtet hatte, wird dort im Jahr 608 vernichtet. Damit endet die lange und wechselvolle Geschichte des Reiches des Kriegsgottes Aschschur. Die Bevölkerung wird von den Eroberern weitgehend getötet oder versklavt und das Land verkommt und wird allmählich zur Wüste.

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Die Niederlassung der atlantischen Völker in Persien und ihre Rolle bei der Gründung des persischen Reiches (21).

Der Assyrerkönig Salmanassar III erwähnt in dem Bericht über den im Jahr 845 v.Chr. unternommenen Feldzug Parsua, das Land der Perser, das westlich des Urmia - Sees am oberen Zab lag. Acht Jahre später drang er weiter in das Bergland vor und gelangte in das Land der "Madai" der Meder, wo er Geschenke von 27 "Königen" entgegennahm.

Dies sind die ersten Berichte über die Einwanderung und Niederlassung der atlantischen Stämme im Norden Persiens. In der klassischen Geschichtsschreibung werden sie als Indoeuropäer oder auch Indoiranier bezeichnet.

Aus den Inschriften der assyrischen Könige des Anfangs des 1.ten Jahrtausends v.Chr. kann man folgende politische Situation erkennen :

In den westlichen armenischen Bergen hatte sich um den Van-See gegen Ende des 2. Jahrtausends eine starke Macht gebildet : Das Reich der Urartäer. Die Landschaft bot hier mit dem Metallreichtum der Berge, den üppigen Weiden in den Ebenen um den Van-See und der fruchtbaren Erde in den engen , tief eingeschnittenen Tälern mit dem dichten Waldbestand auf den Bergen sehr gute Verhältnisse für die Entstehung eines Reiches. Seine Macht stützte sich hauptsächlich auf meist gut befestigte Bergstädte, in deren Schutz Hirten und Bauern lebten. Von guter militärischer Schulung zeugen die Befestigungen und deren Verteilung im Gelände.

Man kann wohl zu Recht davon ausgehen, daß es sich bei den Gründern dieses neuen Reiches, zumindestens in deren Oberschicht, um einen oder mehrere Volksstämme atlantischen Ursprungs oder jedenfalls Gruppen daraus gehandelt hat. Der hohe Stand ihrer Baukunst, dem Wissen in der Metallverarbeitung, ihres militärischen Wissens, der Organisation eines Reiches sprechen eindeutig dafür, daß es sich hier nicht um ein barbarisches Volk , wie sie in der nördlichen Steppe lebten, gehandelt hat. Die Inschriften dieses Volkes an Bauten, Stelen und Felswänden, daneben aber auch auf Metallgegenständen und auf Tontafeln erfolgten anfänglich in assyrischer Sprache , später auch in Hieroglyphen und in einheimischer Sprache, die dem churritischen verwandt und noch immer nicht entziffert ist. Auch die ausgedehnten Handelsbeziehungen zu den im Westen lebenden Völker der Griechen, Italiker und Etrusker deuten auf die Herkunft aus dem Westen.

Östlich von Urartu hatte sich ein weiterer Staat, mit dem Schwerpunkt in der südlichen Uferebene des Urmia - Sees gebildet :Das Reich von Man. Es hat wohl nie die politische Bedeutung von Urartu erreicht, es war auch längere Zeit von ihm abhängig, aber wirtschaftlich stand es ihm in nichts nach. Denn auch in Man hatte sich eine blühende Landwirtschaft mit Viehzucht entwickelt und auch die Metallverarbeitung stand auf einer hohen Stufe. Auf Grund dieser Kennzeichen dürfte es sich ebenfalls um die Gründung eine Volkes atlantischen Ursprungs gehandelt haben.

Die Urartäer stießen bei ihrem Versuch, sich im 10. Jahrhundert v.Chr. weiter nach Süden auszudehnen, auf die assyrische Macht. Es kam zu Auseinandersetzungen, bei denen die Urartäer auch einzelne Erfolge hatten und zeitweise sogar die Hauptstadt Assur bedrohten , letztlich aber doch immer wieder zurückgeschlagen wurden.

Im Osten des urartäischen Herrschaftsbereichs sowie in seiner südlichen Randzone, dem Übergang zum assyrischen Gebiet, hatten sich mehrere kleinere "Königreiche " gebildet. Sie lagen in den teilweise kaum zugänglichen Tälern des Berglandes und bestanden oft nur aus einem zur Burg gewordenen Felsen und einer zugehörigen Ansiedlung einer größeren Sippe oder eines Stammes. Die Bevölkerung war ursprünglich ein Gemisch aus Nachkommen der asianischen Urbevölkerung, aus dem Kaukasus eingewanderten Stämmen und unruhigen Elementen aus der mesopotamischen Ebene. Zu ihnen gesellten sich nun die Neuankömmlinge atlantischen Ursprungs, die sich anscheinend schon vorher in den Talebenen um die großen Seen Göktschali und Urmia sowie in den Bergtälern Armeniens und Aserbeidjans niedergelassen hatten.

Seit der Zeit Schamsi Adads V von Assur ( 825 - 812 v. Chr.) scheint das atlantische Element unter diesen kleinen "Königen" die führende Rolle übernommen zu haben. Urartu und Assur bemühten sich, die Stammes- und Sippenhäuptlinge gegeneinander auszuspielen. Durch "Belehnungen" mit meist erst zu erobernden Städten im jeweiligen Herrschaftsgebiet des Gegners, also der urartäischen oder assyrischen Einflußzone, versuchten die beiden großen Mächte, die "Pufferländer" für sich zu gewinnen.

Inzwischen vermehrte sich das atlantische Element in den Berglanden durch stetige Zuwanderungen. Die Menschen folgten der natürlichen Streichrichtung der Täler und gelangten auf diese Weise immer weiter nach Osten und nach Südosten. In der Gegend des heutigen Luristan kamen solche Stämme atlantischen Ursprungs in Berührung mit dem nach Norden vorfühlenden Elam, das in dieser Zeit der Schwäche Babylons gerade eine gewisse Selbständigkeit erlangt hatte. Mancher der atlantischen Anführer stellte sich mit seinem Gefolge den Elamitern zur Verfügung gegen Überlassung von Wohnplätzen, Weiden und Beuteanteil, genau so wie sie es auf ihrer langen Wanderung schon an vielen Stellen gemacht hatten.

In der Tradition dieser Stämme hatte sich noch immer ihre Herkunft aus "Aryanam" erhalten, ein Name mit dem die "klassische" Geschichtsschreibung nicht viel anzufangen weiß und den sie als "Land der Arier" deutet. In ihm kann man aber, wie auch in "Alasija ", dem Namen der in Ägypten und in Ugarit verwendet wurde, den Namen den Platon verwendet, nämlich "Atlantis", durchaus wiederfinden.

Bei all diesen Namen muß nämlich bedacht werden , daß es sich zum großen Teil um mündlich in den verschiedensten Sprachen überlieferte handelt. Wenn die Schriftform vorliegt, handelt es sich oft um Schriften , die sich noch im Entwicklungsstadium befanden und oft auch bald wieder ausstarben. Auch die Bedeutung einzelner Buchstaben änderte sich oft dabei im Laufe der Zeit.

Der Name "Aryanam" findet sich zum Beispiel erst in den ältesten Teilen der Avesta, deren Niederschrift erst etwa im 6. Jahrhundert n.Chr., also 1400 Jahre nach den Geschehnissen erfolgte.

Im Bereich vom heutigen Hamadan kommt es um 715 v.Chr. zur Gründung eines neuen Reiches. Dem der Meder. Seine Bevölkerung dürfte sich aus eingesessener asianischer Bevölkerung und den zugewanderten Stämmen atlantischer Abstammung, die sich möglicherweise aber auch bereits mit Angehörigen der durchwanderten Gebiete in den Steppen Südrußlands und im Transkaukasus vermischt hatten, bestanden haben. Der Gedanke zur Gründung eines Reiches mit der Hauptstadt Egbatana, dem heutigen Hamadan, dürfte aber atlantischen Ursprungs sein. Sowohl den Steppenvölkern, wie auch den eingesessenen Iranern war dieser Gedanke noch fremd. Zu Beginn waren sicher nicht alle medischen Stämme in diesem Reich vereinigt, dessen Kern die Gebiete südlich des Urmia-Sees, bei Hamadan und noch weiter südlich gewesen sein werden. Tiglat Pileser III ( 745 - 727 v.Chr.) spricht von den mächtigen Medern, die bis zum Demavend in der Elburskette und bis zur Alkaliwüste dem Dasht - i - Kabir saßen.

Um das Jahr 707 v. Chr. bricht dann eine neue Flut von Einwanderern, vom Kaukasus kommend, über das Land herein. Es handelt sich um die offenbar recht kulturlosen Kimmerier, die sich zuerst auf das reiche urartäische Reich stürzen. König Rusas gelang es, den ersten Ansturm abzuschlagen und die Hauptmasse der Flut nach Westen nach Kleinasien abzudrängen. Sargon von Assyrien nutzte die Notlage jedoch sofort aus und brachte über ganz Urartu nach seinen eigenen Worten "Kriegsnot und Jammer". In den weiter nachfolgenden Kämpfen wurde Urartu so geschwächt , daß es als Machtfaktor aus der Geschichte ausschied.

Um 675 v.Chr. gibt es einen neuen Herrscher im Reich der Meder mit Namen Phraortes der in Assyrien Kaschtariti genannt wird. Als der assyrische Herrscher Senakherib in Elam, Judäa und Ägypten weilt, eignet sich Phraortes das fruchtbare Gebiet des ehemaligen Reiches Man an und versucht seinen Machtbereich nach Süden hin über das Tor von Asien hinaus in die Ebenen von Luristan auszudehnen. Mit den Skythen vom Norden einigt er sich vorübergehend. Als Assurbarnipal sich jedoch gegen ihn wendet, fallen die Skythen ihm in den Rücken und er wird vernichtend geschlagen. Er selbst findet den Tod in der Schlacht. Sein Nachfolger Kyaxares lädt laut Herodot die Anführer der Skythen zu einem Festmahl, macht sie betrunken und läßt die Verräter allesamt erschlagen. Ihre Reiterhorden gliedert er seinem Heer ein und überläßt ihnen die Ebenen Luristans , in denen er sie gut überwachen konnte.

Diese Ebenen Luristans erwiesen sich in späterer Zeit als eine Fundgrube besonderer Art. Aus ihnen stammt eine große Anzahl von Prunkwaffen aus Bronze und Eisen sowie andere Gegenstände die eindeutig dafür sprechen , daß ihre Besitzer Krieger gewesen sein müssen und zwar Wagenkämpfer und Reiter. Gefunden wurden diese Teile offenbar in Grabfeldern, die um oder an den Rastplätzen nahe an den Wasserstellen liegen. Sie bestehen aus flachen kleinen Hügeln über Steinkisten. Halbnomadische Luren haben um 1928 herum diese Grabfelder systematisch geplündert und ihren Inhalt auf dem Markt in Hamadan zum Kauf angeboten. Die Archäologen fanden nur noch die leeren Gräber. Für die Wissenschaft bedeutete die Datierung der Bronzen ein fast unlösbares Rätsel, denn sie wurden fast allen Völkern vom 3. bis in das ausgehende 1. Jahrtausend v. Chr. zugeschrieben. Erst ein assyrisches Rollsiegel, das man an einem kleinen Heiligtum an einer Quelle fand, gab schließlich einen, wenn auch nicht sehr befriedigenden , Anhaltspunkt.

Bei den Teilen handelt es sich um lange Eisenschwerter mit figürlich geschmückten Griffen, kürzere Schwerter aus Bronze, Dolche aus beiden Metallen, prunkvolle Streitäxte, Lanzen und Pfeilspitzen, Gewandnadeln mit großen Tierköpfen oder mit großen reliefierten Scheiben, Zierplatten für Gewänder, Gürtelbeschläge und Metallgefäße aller Art.

Besonders bemerkenswert sind aber die reich verzierten großen Backenstücke von Pferdetrensen, Beschläge von Streitwagen sowie eine Menge von Standartenköpfen. Da die letzteren eine etwas ungewöhnliche Art von Grabbeigabe darstellen und außerdem die Menge der Standartenköpfe und Prunk- und Zeremoniewaffen die Zahl der Gegenstände des praktischen Gebrauchs bei weitem übertrifft, ist anzunehmen, daß auch andere Fundstellen als die Gräber, vielleicht auch eine Art vergrabener oder "sichergestellter" Schatz vorgelegen haben. Vielleicht stammt er aus der Hauptstadt des urartäischen Reiches.

Die Ornamente gehen fast ausschließlich auf alte vorderasiatische Motive zurück namentlich auf die aus assyrischen und urartäischen Kunstwerken bekannten Formen. Darüber hinaus erinnern sie aber auch an die wesentlich bescheideneren Grabbeigaben der ersten atlantischen Einwanderer. Man kann also mit hoher Wahrscheinlichkeit daraus schließen, daß es sich um Waffen und Gegenstände handelt , die von den atlantischen Einwanderern , zum Teil sogar aus ihrer Heimat in Spanien, als besonders wertvoll mitgebracht wurden. Es handelt sich also zumindestens teilweise um Stücke aus einer Kultur, aus der bisher nur sehr wenig aufgefunden wurde, was die vergleichende Datierung auch so außerordentlich erschwert.

Weitere ähnliche Funde liegen vor aus dem Hinterland des westlichen Ufers des kaspischen Meeres dem Talyche . In ihm wurden Gräber und in ihnen Waffen und Schmuck einer im vorderen Orient fremden Art gefunden. Die Gräber enthielten altorientalische Siegelrollen und sind danach in die Zeit des ausgehenden 2, Jahrtausends v.Chr. zu datieren. Dies ist aber auch die Zeit des Untergangs von Atlantis und des Anfangs der atlantischen Wanderung.

Die Gräber im Talyche bestehen aus rechteckigen, aus Platten zusammengesetzten Steinkisten , die eine ebenfalls aus Steinplatten zusammengesetzte giebelförmige Abdeckung tragen. Über ihnen wurden kleine Hügel aus Erde oder kleinen Steinen aufgeschichtet. Das ganze wurde oft durch einen Kranz kleiner Steine umrandet. Eine Art der Bestattung, wie sie aus allen atlantisch orientierten Völkern auch bekannt ist. Die Datierung dieser Gräber , die natürlich nach den gefundenen Grabbeigaben erfolgte, reicht von 3000 v.Chr. bis 800 v. Chr . Wenn man bedenkt, daß ja auch ältere wertvolle mitgenommene Stücke den Toten ins Grab mitgegeben wurden, nach denen dann möglicherweise das Grab datiert wurde, ist dies exakt die Zeit der atlantischen Einwanderung nach Persien.

Die Funde bestehen auch hier aus Waffen und Schmuck, teils aus Bronze, teils aus Eisen. Es gibt Plättchen und Anhänger für Gewänder oder das Zaumzeug der Pferde. Auch schön ziselierte Gürtelbeschläge und Bronzekessel wurden gefunden. Häufig sind auch Tierdarstellungen als Schmuckmotiv verwendet worden.

Für das armenische Bergland selbst gibt es vor allem den Fundort Tepe Sialk, der besonders deutlich den atlantischen Charakter der Einwanderer zeigt. Er gibt nämlich in seinen Bautenresten und den Grabbeigaben deutlich Auskunft über die in Atlantis geübte soziale Gliederung der Gesellschaft. Auf den Trümmern eines alten Dorfhügels erhob sich ein mächtiger quadratischer Unterbau aus luftgetrockneten Ziegeln und darauf stand das feste Haus eines feudalen Stammesfürsten. Am Fuß des Hügels lagen die weit bescheideneren Häuser seines Gefolges sowie die Hütten der Sklaven und Diener, die möglicherweise aus der eingesessenen Bevölkerung bestanden. Die ganze Siedlung war von einer Mauer umgeben.

Auch die sehr reichhaltigen Grabbeigaben von Tepe Sialk zeigen deutlich diese Einteilung in drei Klassen . Die reichsten Gräber des Feudalherren, seiner Familie und engsten Vertrauten weisen schön gearbeitete Waffen aus Bronze und Eisen, Halsschmuck, Helm- , Schild- und Gürtelbeschläge und schön getriebene Gefäße aus Bronze auf. Die Verzierungen entsprechen denen aus Talyche, sind aber durchweg noch schöner ausgeführt.

Die Gräber zweiter Klasse bestehen zwar auch aus Steinkisten mit giebelförmiger Steinabdeckung, enthalten aber nur wenige Beigaben. Es gibt Tongefäße oder eine Gewandnadel aus Metall.

Ganz einfach sind dann die Gräber dritter Klasse. Die Toten wurden hier nur zuweilen in eine Steinkiste oder aus luftgetrockneten Ziegeln bestehende Grube ohne Abdeckung gelegt . Grabbeigaben gibt es hier nicht.

Interessanterweise lassen sich in den Schädelresten laut Grabungsberichten zwei ethnische Gruppen unterscheiden. Die Langschädel gehörten der alteingesessenen Gruppe an und bildeten die unterste gesellschaftliche Schicht. Die Kurzschädel sind ein Merkmal der Neuankömmlinge und Herren.

Wie in dem Kapitel über Assur bereits erwähnt, ging nach dem Tode Assurbarnipals im Jahr 626 v.Chr. die assyrische Macht ihrem Ende entgegen und verlor eine Provinz nach der anderen. So fühlte sich auch der Mederkönig Kyaxares um 615 v.Chr. stark genug, die Assyrer anzugreifen. Nach dem ersten Scheitern des Angriffs auf Ninive wendete er sich gegen das nicht so gut befestigte Assur. Im Generalsturm wurde es genommen, um den inzwischen ebenfalls mit einem Heer anrückenden Herrn von Babylon, Nabupolassar, nicht an der reichen Beute teilhaben zu lassen.

Da beide Herrscher aber ein Wiedererstarken der assyrischen Macht fürchten mußten, solange das gut befestigte Ninive noch bestand, schlossen sie ein Bündnis, das durch die Hochzeit des babylonischen Kronprinzen Nabukhudrossor mit der Enkelin des Kyaxares, der Tochter seines Sohnes Astyages, besiegelt wurde.

Die so vereinigten Heere wendeten sich dann erneut gegen Ninive. Die Stadt fiel und mit ihr das assyrische Reich, das die beiden Herrscher unter sich aufteilten. Nabupolassar übernahm die alten Kulturlande des fruchtbaren Halbmonds und Kyaxares fielen die Berglande zu. Dazu gehörte offenbar auch der Südosten mit dem alten Elam , dem heutigen Fars, denn er hatte die Macht, diesen Bereich neu zu gliedern, indem er das ganze Gebiet nur einem statt vorher zweien persischen Fürsten aus dem Geschlecht der Achämeniden zur Verwaltung übergab. Der Sitz dieses Fürsten war Susa.

Nach der Regelung der Angelegenheiten im Süden und Südosten wandte sich Kyaxares dem Nordwesten seines Reiches zu , um auch hier die Grenzen so weit wie möglich nach außen zu schieben. Erst an den Ufern des Halys trat ihm ein starkes Lyderheer entgegen. Die Sonnenfinsternis des Jahres 585 v. Chr. versetzte aber beide Heere in solchen Schrecken, daß es durch Vermittlung des babylonischen Königs zu einem Frieden kam, in dem der Halys als Grenze zwischen dem lydischen und medischem Machtbereich festgelegt wurde.

Kyaxares starb 584 v.Chr. und hinterließ seinem Sohn Astyages ein großes, reiches Land. Dieser begann dann auch bald , den Wohlstand im atlantischen Stil zu genießen. Er führte das alte atlantische Zeremoniell wieder ein und veranstaltete an seinem Königssitz ein glänzendes Fest nach dem anderen. Auch die Kaste der Priester , die in den rauhen Zeiten der Wanderung und der Kämpfe an Bedeutung verloren hatte und im wesentlichen nur noch aus Feudalherren bestand, bemühte sich, ihre Vorzugsstellung als Priester und Ratgeber des Königs wiederzuerlangen. Das wiederum gefiel den aus der Kriegerkaste stammenden Feudalherren nicht, da es ihr Ansehen und ihren Einfluß schmälerte. Zudem hatten die aus dem bodenständigen Adel stammenden Fürsten wenig Verständnis für das auf geheime alte atlantische Quellen gegründete Wissen der Priester, die jetzt auch Magier genannt wurden. Trotz allen Wohllebens ergaben sich also erhebliche Spannungen am Königshof.

Als sich der persische Vasallenfürst in Elam und Parsa , Kyros, um 550 v.Chr. gegen Astyages erhob, verließen deshalb viele medische Feudalherren mit ihren Aufgeboten das medische Heer und gingen zu Kyros über. Aber auch die Magier meinten mit Kyros besser ihre Ziele erreichen zu können und erhielten von ihm entsprechende Zusagen über ihre Stellung am Hofe .Wahrscheinlich handelte es sich bei dem Aufstand in Elam also um eine gut vorbereitete Angelegenheit. Sie führte zur Schlacht bei Pasargadai, in der ein Teil des medischen Heeres sofort zu Kyros überging. Der Rest meuterte, nahm seinen König gefangen und lieferte ihn an Kyros aus. Dieser schonte jedoch den alten König, der der Vater seiner Mutter und damit sein Großvater war, und hielt ihn in ehrenvoller Haft. Zum politischen gesellte sich hier allem Anschein nach noch ein Familienkomplott , das den richtigen Mann zur richtigen Zeit an die Spitze des Staates bringen sollte. Und das war Kyros zweifellos , denn in einem sagenhaften Aufstieg schuf er in nur 12 Jahren ein Reich, das von Kleinasien bis Indien reichte.

Geblieben sind aus dieser Anfangszeit der atlantischen Einwanderer im Iran die mächtigen, aus riesigen Blöcken aufgeführten Mauern der urartäischen Kultur, ihr mächtiger Felsbau, ihre großartigen Kanal- und Stauanlagen, ihre terassierten Obst- und Weingärten und die hervorragenden Produkte ihres Metallhandwerks und dies gilt auch für das Reich Man.

Über die Königsstadt der Meder, Egbatana, gibt es verschiedene Berichte. Sie auf ihren Wahrheitsgehalt durch Ausgrabungen zu prüfen, ist zur Zeit nicht möglich, da die Stadt Hamadan sie vollkommen zudeckt. Der eine Bericht stammt von Herodot und dürfte deshalb nur mit Vorsicht zu behandeln sein, da er es liebte, seine Geschichten wie ein Märchenerzähler auszuschmücken und seine Quellen oft unzuverlässig waren. Nach ihm waren die Mauern der Befestigungen blau, weiß, purpurn, schwarz und orange bemalt und die Innenmauern waren mit silbernen und goldenen Platten belegt. Nach einem anderen Bericht aus einer späteren Zeit, der von Polybios stammt, war die äußere Stadt damals nicht befestigt, aber in der Mitte erhob sich der Palast mit einer stark befestigten Zitadelle. Der Palast hatte ein Dach aus silbernen Dachziegeln, aus denen nach der Eroberung durch Alexander den Großen Millionen von Drachmen geprägt wurden.

Die einzigen gegenwärtig zugänglichen monumentalen Baudenkmäler medischer Art bestehen aus einer Reihe von Felsengräbern , die in vielem den urartäischen Felsenarbeiten ähneln. Sie zeigen in Fels gehauen die Fassade eines aus Holz und Lehmziegel gebauten Hauses mit flachem Dach. Durch eine durch Pfeiler abgestützte Vorhalle tritt man in den rechteckigen Hauptraum, der teilweise ebenfalls Stützpfeiler aufweist. Hier sind in den Boden oder in die Seitenwände rechteckige Vertiefungen zur Aufnahme der Toten eingehauen. Die Steinbearbeitung zeigt , daß diese Vertiefungen früher durch Steinplatten verschlossen waren. Die Grabfassaden zeigen Symbole, wie sie auch im vorderasiatischen Bereich vorkommen.

Das Grab von Sakhna zeigt eine geflügelte Sonnenscheibe. Am Grab von Kizkapan gibt es die Darstellung einer viergeflügelten Gottheit sowie zwei runde Scheiben. In der ersten ist eine kleine menschliche Figur über einer Mondsichel und in der zweiten ein sechzehnstrahliger Stern eingearbeitet. Außerdem gibt es Darstellungen von Männern, die hohe Stiefel und Hosen unter einem halblangen, durch einen Gürtel gehaltenen Leibrock tragen. Die Kopfbedeckung ist ein Baschlik. Es handelt sich dabei zweifellos um die übliche medische Bekleidung. Ein Mann in einem langen Gewand, der einem Mann in medischer Tracht gegenübersteht, stellt wahrscheinlich einen Priester oder Magier dar. Zwischen beiden befindet sich ein tischartiger Altar mit einem habrundem Aufsatz. Vielleicht ein Stein ? Stern, Stein und Sonnenscheibe würden nach Kanaan und in den atlantischen Kulturkreis weisen. Ebenso die Figur mit der Mondsichel.

Die Achämeniden.

Im Zuge der atlantischen Wanderung durch den Iran wanderten auch zehn oder zwölf Stämme durch die Täler des Zagros Gebirges nach Südosten . Sie hatten sich anfänglich im Gebiet des Urmia Sees niedergelassen , fühlten sich aber in diesem unruhigen Gebiet nicht mehr sicher. In der Nähe des "Tores von Asien" kamen sie mit den Elamitern in Berührung und erhielten gegen die Verpflichtung , Krieger zu stellen , die Erlaubnis, sich im elamischen Herrschaftsbereich anzusiedeln . Wegen des kühleren Klimas wählten die Neusiedler die höher gelegenen Seitentäler des Bakhtiarigebirges vor allem die Gegend von Malamir. Ein anderer Teil, darunter auch der Stamm der Pasargaden, zog nach Osten weiter und ließ sich in der offenen Ebene am Pulvar nieder. Beide Gruppen beriefen sich auf einen Anführer mit Namen Achämenes aus dem Stamm der Pasargaden. Sein Sohn und Nachfolger Teispes verhielt sich in den andauernden Streitigkeiten zwischen Proassyrern und Antiassyrern in Elam so geschickt, daß ihm später von den Assyrern der Titel "König des Landes und der Stadt Anschan" verliehen wurde.

Nach seinem Tod folgten ihm in Parsa der ältere Sohn Ariaramnes und in Anschan und Parsumasch der jüngere Sohn Kyros I. Dieser Kyros erwies sich wieder so geschickt im Umgang mit den jeweiligen Machthabern, daß er unter der Mederherrschaft von Kyaxares von ihm auch noch die Verwaltung der Gebiete seines Bruders übertragen bekam. Die Verwaltungshauptstadt wurde Susa. Nach dem Tode von Kyros I ging die Herrschaft auf seinen Sohn Kambyses über und dessen Nachfolger wurde dann Kyros II, genannt der Große, dessen Weg zur Macht schon vorher beschrieben wurde.

Das weitere kann in jedem Geschichtsbuch nachgelesen werden und ist deshalb nicht mehr Gegenstand dieses Kapitels, das nur das Weiterwirken der Abkömmlinge der Auswanderer aus Atlantis in Persien und ihre geschichtliche Bedeutung zeigen sollte.

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Drei atlantische Sterne am Himmel Israels: David, Salomon, Jesus von Nazareth

Die Geschichte des jüdischen Volkes ist eine Geschichte voll von Ereignissen und Gegebenheiten, die in vielen Dingen als ein Konzentrat der Geschichte der gesamten Menschheit betrachtet werden können. In dieser Hinsicht stimmt sicher die Bezeichnung des "auserwählten Volkes", die gern von den Juden für ihr Volk benutzt wurde und von einigen auch gern wieder benutzt wird. Wie bereits in dem Kapitel über das atlantische Reich erwähnt, ist der Anfang des jüdischen Volkes eng mit der Geschichte Kanaans und Ägyptens verknüpft. In dem Kapitel über die atlantische Wanderung wurde außerdem über die Einwanderung immer neuer Voksscharen atlantischer Herkunft in den Raum Syriens, Kanaans und Ägyptens berichtet. Auch diese Völker wurden zum Teil hier, zumindestens für eine gewisse Zeit, ansässig und hinterliessen Spuren kultureller und ethnischer Art. Ihnen vorangegangen waren bereits die ersten Einwanderer atlantischer Abstammung um das Jahr 3000 v. Chr., die atlantische Einwanderungswelle um 2000 v. Chr. und die Eroberung des Landes durch das Heer der atlantischen Hyksos um 1780 v. Chr., deren Herrschaft über diesen Raum bis etwa 1560 v. Chr. andauerte.

Die atlantische Herkunft ist aber nur eine der Wurzeln der Bevölkerung dieses Raumes. Eine weitere Wurzel ist der mesopotamische Raum, aus dem der Urvater Israels , Abraham , mit seiner Sippe kam, und eine dritte und vierte Wurzel sind die Nomadenvölker Arabiens und Nordafrikas und das Völkergemisch, das sich im Laufe der Jahrtausende im Nildelta gebildet hatte. Auch in Kanaan selbst gab es anfangs eine Urbevölkerung , die sich offenbar durch besondere Körpergröße auszeichnete und als Enakiter, die dann später ausgerottet wurden, in die Bibel einging.

Das jüdische Volk selbst, das erst um 1100 v. Chr. in Kanaan mit Waffengewalt eindrang, die hier ansässige Bevölkerung zum großen Teil tötete, um selbst das Land zu besiedeln, war gleichfalls kein ethnisch homogenes Volk. Ähnlich wie die bereits vorhandene Bevölkerung, setzte es sich aus Menschen kanaanitischer, mesopotamischer, arabischer, lybischer, ägyptischer und atlantischer Herkunft zusammen, denen ein Schicksal gemeinsam war, nämlich das, ägyptischer Zwangsarbeiter zu sein. Daraus resultierte der gemeinsame Wille, sich aus dieser Fron zu befreien, der in der Person des Moses, der selbst eine hochkarätige Ausbildung am Hof des Pharaos genossen hatte, einen angemessenen Vertreter am Hof des Herrschers fand. Moses gelang es dann schließlich auch , dem größeren Teil dieses anfangs sehr inhomogenen Volkshaufens mit Hilfe einer von ihm entworfenen neuen Religion und einer 40 Jahre andauerndem Wanderung durch die Halbinsel Sinai, in der die Auswanderergeneration durch eine neue, vermischte, ersetzt wurde, eine neue Identität als "das auserwählte Volk Gottes, des Herrn der Heerscharen", zu geben.

Um dieser neuen Religion mehr Nachdruck zu verleihen, wurde sie durch besondere Gebote, wie das der generellen Beschneidung der Vorhaut am männlichen Glied, dessen für das Sexualleben positiven Auswirkungen Moses sicher am ägyptischen Hof kennengelernt hatte und besondere Regeln über den Genuß von Speisen erweitert und damit ein Unterschied zu den bereits bestehenden Religionsformen geschaffen. Auch das Nichtvorhandensein einer weiblichen Gottheit, und die damit verbundene Nichtbeachtung der weiblichen Seite der menschlichen Existenz unterschied die neue Religion von allem bisherigen. Das strikte Gebot, daß es nur einen Gott gibt, und daß von ihm keine bildlichen Darstellungen irgendwelcher Art angefertigt werden durften, war ebenfalls neu und stieß in der Praxis, weil es der menschlichen Natur nicht entsprach, auf große Einführungsprobleme.

Von der Integration in das neue Volk hatten sich auch die relativ homogenen atlantischen Volksgruppen ausgeschlossen , die als ehemalige Söldner des Pharaos die Gelegenheit ergriffen hatten, das Land ihrer Abhängigkeit zu verlassen, um woanders in Freiheit zu leben. Die Bibel bezeichnet sie als Stamm Ruben, Gad und Manasse. Sie hatten sich, als wegen ihrer Kriegstüchtigkeit sehr geschätzte Begleiter, dem Zug angeschlossen. Als schließlich das Ziel, das gelobte Land Kanaan erreicht war und sie in den Gebieten östlich des Jordan Viehweiden und Ackerland vorfanden, die ihren Vorstellungen entsprachen, wollten sie sich hier niederlassen. Moses jedoch, der auf ihre Unterstützung und Kampfkraft zur Eroberung des Landes westlich des Jordan, das den Israeliten als Siedlungsgebiet angewiesen war, nicht verzichten konnte, hinderte sie unter Drohungen daran und verpflichtete sie, erst bei der Eroberung der Westjordangebiete zu helfen. Als Belohnung dafür sollten sie dann das gewünschte Land erhalten. ( 4 Mose 32, 1-42) Sie siedelten dann, nachdem sie die bereits ansässigen atlantischen Amoriter vertrieben hatten, in diesem Gebiet, das in der späteren Geschichte dann als Gebiet der Aramäer, Moabiter und Edomiter bezeichnet wird. Diese Völker sind aber eindeutig nicht israelitischer Zugehörigkeit, was darauf schließen läßt, daß nach der Ansiedlung die Gemeinsamkeiten mit den Israeliten zunehmend verfielen und die Zugehörigkeit zur atlantischen Volksgruppe und Kultur an Bedeutung gewann.

Diese Nichtzugehörigkeit zur israelischen Gruppe der genannten Stämme sowie der Stämme Asser , Sebulon, Dan und Naphtali, die an den nördlichen Rändern des israelischen Gebietes Wohnung nahmen, ist wahrscheinlich auch der Grund für die Anordnung, daß sich diese Stämme auf dem Berge Ebal versammeln sollten (5 Mose 27, 11-26) um ihren atlantischen Gewohnheiten abzuschwören, wozu als besondere Ärgernisse die Anfertigung und Verehrung von Götterbildern und die leichtgenommenen sexuellen Beziehungen innerhalb der Familie gehörten. Diese Stämme und dazu noch der Stamm Ephraim fielen später auch dadurch unangenehm auf, daß sie die, laut Moses , von Gott angeordnete Vernichtung der kanaanitischen Urbewohner der ihnen zugewiesenen Länder nicht durchführten, sondern sich mit ihnen arrangierten und mit ihnen zusammenlebten.( Richter 1,27-36 ) Diese Nichtbeachtung des göttlichen Gebotes führte dann auch hier dazu, daß die alte atlantische oder kanaanitische Religion wieder an Boden gewann und Baal und Astarte wieder zunehmend angebetet wurden.

In der Zeit der Richter verfiel so teilweise die mit großen Mühen eingeführte neue Religion und damit auch die Hauptklammer der israelischen Stämme. Bei kriegerischen Auseinandersetzungen mit den nördlichen atlantischen Nachbarn von Hazor erschienen die Stämme Ruben, Gilead, Asser und Dan nicht im israelischen Aufgebot ( Richter 5, 15-17 ) und es kam wegen Verstößen gegen das Gastrecht sogar zu einem mörderischen Bruderkrieg gegen den Stamm Benjamin, der diesen fast völlig auslöschte. Durch Zuführung von Frauen aus dem vorwiegend atlantisch orientiertem Gilead, wurde auch dieser im Zentrum Israels ansässige Stamm wieder für die alte atlantische Religion aufgeschlossen.

So erwies sich mit der Zeit, daß ein rein stammesmäßig organisierter Staat auf die Dauer nicht lebensfähig sein würde und der Ruf nach der Organisation als einheitliches Königreich wurde immer unüberhörbarer. Zur Zeit des Richters Samuel kam es dann zur Festlegung des Königsrechts ( 1 Sam. 8, 11-22 ) und im Jahr 1014 v. Chr. zur Auswahl von Saul aus dem Stamme Benjamin als erstem König. Der Stammbaum Sauls läßt sich nicht auf die Stammväter Israels zurückverfolgen. Sein Vater hieß Kisch, was in Richtung Mesopotamien weist, die Vorväter hießen Abiel, Zeror, Bechorat und Aphiach. Sauls Vater war wohlhabend und lebte in der Stadt Gidea in Benjamin, die Auslöser des erwähnten Bruderkrieges zwischen Benjamin und den übrigen israelitischen Stämmen war. Möglicherweise war er mit seiner Sippe in das durch den Krieg nahezu der gesamten Bevölkerung beraubte Gidea aus Mesopotamien eingewandert und hier schnell zu Reichtum gelangt. Saul selbst war von stattlicher Gestalt und überragte die Israeliten um Haupteslänge.

Nach anfänglichem Zögern nahm er die Königswürde an und konnte einige Erfolge erzielen.

Dies erwies sich auch als unbedingt nötig, denn rings um das Siedlungsgebiet der israelischen Stämme tobten die Auseinandersetzungen mit den eindringenden Stämmen der Seevölker. Die westlich sich ansiedelnden Philister entwickelten sich dabei rasch zum größten Problem. Sie besaßen eiserne Streitwagen und eine überlegene, auf der Verwendung von Eisen beruhende Waffentechnik, die den Israeliten anfangs völlig unbekannt war, woraus sich zwangsläufig eine gewisse Unterlegenheit ergab.

Diese Unterlegenheit bezog sich aber nicht nur auf die Waffentechnik, sondern auch alle Geräte und Werkzeuge, die zur Feldbestellung erforderlich waren, mußten bei den Philistern gewartet und geschärft werden, da es in ganz Israel keinen Schmied gab, der sich hierauf verstand. ( 1 Sam. 13, 19-23) Diese Überlegenheit nutzten die Philister aus und bedrängten die unterlegenen Israeliten, denen sie ihre Verachtung bei jeder Gelegenheit zeigten, durch ihre Expansion immer mehr. Die Israeliten wurden ihnen tributpflichtig und die Philister unterhielten zur Überwachung des Landes Aufsichtsbeamte in den größeren Städten. ( 1 Sam. 13, 3-4)

Aber auch im Osten gab es Probleme mit den nach Gilead eindringenden atlantischen Ammonitern. Da hier die Not, aber auch die Aussicht auf Erfolg am größten war, wandte sich der neuernannte König Saul zuerst mit der vereinigten Streitmacht der israelischen Stämme gegen sie. Durch einen Überfall auf das Lager der nichtsahnenden Ammoniter am frühen Morgen gelang es, sie, trotz der waffenmäßigen Überlegenheit zu besiegen und in die Flucht zu schlagen. ( 1 Sam. 11, 10-11) Vom zweiten Jahr der Herrschaft Sauls ( 1012-1004 v. Chr.) an begannen dann die kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Philistern. Anfangs noch im Stil eines Bandenkrieges ( 1 Sam. 14, 1-22 ), dann, nach einigen Erfolgen der Israeliten auch gegen die südlichen Nachbarn, aber doch zunehmend an Schärfe gewinnend. Aber schon bei den Auseinandersetzungen mit den im Süden lebenden Amalekitern erwies sich Saul als nicht der Situation gewachsen. Er konnte die von Samuel, dem Oberpriester, im Namen Gottes verlangte Vernichtung der Amalekiter und des gesamten Beuteguts an Menschen und Vieh gegenüber seinem Kriegsvolk nicht durchsetzen und verfiel deshalb in Ungnade. ( 1 Sam. 15, 14-28) Auch bei den Kämpfen gegen die Philister war Saul nicht sehr erfolgreich und fand später dabei sogar den Tod. Samuel salbte deshalb heimlich den aus Bethlehem stammenden jüngsten Sohn des Isai mit Namen David auf Anordnung seines Gottes noch zu Lebzeiten Sauls zum neuen König. ( 1 Sam. 16, 12-13)

David war nach Herkunft und Verhalten ein König ganz nach dem Geschmack der Israeliten und wurde später zum idealisierten Vorbild. Er hatte einen einwandfreien israelischen Stammbaum, der bis zum Urvater Jakob und dessen Sohn Juda reichte. Seine Vorväter vor Isai waren Obed, Boas, Salmon, Nachschon, Amminadab, Ram,Chezron und Perez. ( Rut 4, 18-22) Perez aber war der vierte Sohn Judas. ( 1 Mose 46,12)

Zwei seiner Vorelternpaare hatten durch ihre Frauen, die höchstwahrscheinlich atlantischer Abstammung waren, bereits in die Bibel aufgenommene Geschichte gemacht. Obed, der Großvater Davids, war der Sohn Boas und Rut, einer Moabiterin ( also Atlanterin), die auf etwas abenteuerliche Weise auf Grund ihres persönlichen Mutes und entgegen allen Vorhaltungen ihrer Schwiegermutter als Ausländerin nach Bethlehem gelangt war. Hier hatte sie die Nähe eines reichen Verwandten ihres einst nach Moab ausgewanderten und dort verstorbenen Mannes gesucht und ihn geschickt an seine, nach dem atlantischem und auch damaligem israelischen Gesetz bestehende Verpflichtung erinnert, die verwitwete Frau in seinen eigenen Haushalt als Frau aufzunehmen. Boas, dem die hübsche junge Frau schon vorher angenehm aufgefallen war, wozu diese allerdings beigetragen hatte, kam dieser Verpflichtung gern nach. Nachdem er einen noch näheren Verwandten der Rut, der vor ihm berechtigt war Rut aber noch nicht gesehen hatte, zum Verzicht bewegt hatte, nahm er in aller Öffentlichkeit Rut zur Frau und zeugte mit ihr den Obed, den Urgroßvater Davids.( Rut 1, 16-18 ; 2, 8-13 ; 3, 7-14 ; 4, 10,13,17) David hatte damit eine mutige Atlanterin zur Urgroßmutter.

Rut war jedoch nicht die einzige Frau atlantischer Herkunft im Stammbaum Davids, die ihre Handlungsfähigkeit bewies und dadurch in die Geschichte der Bibel einging. Sein früher Vorvater Perez war der Sohn von Juda und Tamar. Tamar hatte ebenfalls durch außergewöhnliches und in den Augen der Israeliten geradezu skandalöses Verhalten die Gunst Judas, die zur Empfängnis von Perez führte, gewonnen.

Tamar war ursprünglich die Frau von Er, dem erstgeborenen Sohn Judas, der vorzeitig verstarb. Darauf gab Juda, nach dem, wie in Kanaan, auch in Israel geltendem Recht der Schwagerehe, sie dem nächstgeborenen Sohn Onan zur Frau. Dieser wollte mit ihr keine erbberechtigte Nachkommenschaft erzeugen und verkehrte deshalb nur mit "coitus interuptus" mit ihr. Dies Verhalten war nach dem geltenden Gesetz strafbar und auch er verstarb vorzeitig. Als Ehemann für Tamar kam nun als nächster Verwandter der jüngste Sohn Judas Schela in Betracht, der aber anfangs noch nicht volljährig war. Aber auch als er die Volljährigkeit erreicht hatte, zögerte Juda, ihm Tamar zur Frau zu geben, aus Furcht, durch sie auch noch den letzten Sohn zu verlieren. Tamar blieb entgegen dem Gesetz also Witwe und beschloß, selbst zu handeln. Als ihr Schwiegervater, dessen Frau inzwischen verstorben war, eine Reise zur Schafschur unternehmen mußte, setzte sie sich, als Dirne mit Schleier verkleidet, nach kanaanitischer Sitte an den Eingang einer Stadt an seinem Reiseweg und gab sich dem vorbeikommenden Juda, der sie ansprach, wie eine Dirne hin. Um ihn zu verpflichten, den Lohn, den er in Form eines Böckleins versprach, auch einzulösen, erbat sie sich als Pfand seinen Siegelring, Schnur und Stab, die sie auch erhielt. Sie wurde schwanger und der Unzucht angeklagt. Nach dem in Israel geltendem Gesetz sollte sie auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Als sie jedoch Juda die von ihm erhaltenen Pfänder zeigte und damit beweisen konnte, daß er der Verursacher der Schwangerschaft war, erkannte dieser seine Schuld, sie nicht, gemäß dem Gesetz, dem Sohn Schela als Frau gegeben zu haben, und nahm sie wieder in sein Haus auf. Sie gebar ihm Zwillinge, der Erstgeborene war Perez, der Vorvater Davids, der Zweitgeborene war Serach, was soviel wie "Rotglanz" bedeutet, was wahrscheinlich auf die Farbe seiner Haare zurückzuführen ist. ( 1Mose 38, 6-30) Hieraus und aus dem Verhalten von Tamar, das durchaus nicht israelischen Normen entsprach aber in Kanaan Sitte war, könnte man annehmen, daß es sich bei Tamar um eine feurige, rothaarige Atlanterin handelte. Juda verkehrte nie wieder mit ihr.

An dieser Stelle erscheint es angebracht, etwas über die damals in Israel geltenden Ansichten über Vererbung zu sagen. Nach ihnen vererbte sich offenbar nur das Erbgut des Mannes. Das Erbgut der Frau war uninteressant und deshalb war es anfangs zugelassen, Frauen beliebiger Herkunft zu heiraten. Verboten war lediglich die Ehe mit erbeuteten Frauen von besiegten Völkern , weil befürchtet wurde, daß sie insgeheim für das Volk ihrer Herkunft weiter tätig sein würden. Aber auch gegen diese Anordnung wurde verstoßen, wenn es sich bei den Erbeuteten um Jungfrauen handelte, denen man offenbar ein für die Israelis schädliches Verhalten noch nicht zutraute. Sie erhielten die Stellung als erste, zweite, dritte oder weitere Frau, denn ein Mann konnte soviele Frauen haben, wie es sein Vermögen zuließ. Auch die Kinder dieser Frauen waren erbberechtigt. Wer Haupterbe wurde, entschied allein der Vater. So ist es zu erklären, daß die Israeliten im Laufe der Generationen zu einem bunten Mischvolk wurden, in denen sich alle im vorderen Orient vorkommenden Abstammungen wiederfanden. Diese Großzügigkeit in der Wahl der Abstammung der Frau fand ihr Ende, als sich herausstellte, daß viele der ausländischen Frauen ihre Götter und ihre Vorstellungen von Sitte und Gesetz mitbrachten und damit die strengen Gesetze und Moralvorstellungen, die in Israel galten, verwässerten. Es wurde deshalb die Ehe mit allen Frauen aus Völkern atlantischer Abstammung untersagt, aber selbst König Salomon, der Sohn Davids, hielt sich nicht an dieses Gebot und hatte Frauen moabitischer, edomitischer, sidonitischer und hethitischer also insgesamt atlantischer Abstammung , neben seiner Erstfrau, einer Pharaonentochter. ( 1 Könige 11, 1-2). Auch daraus ist zu ersehen, daß diese Frauen offenbar sehr geschätzt wurden und das Erbgut in den führenden israelischen Sippen immer mehr in Richtung Atlanter veränderten.

Möglicherweise befanden sich auch im Stammbaum Davids außer Tamar und Rut weitere Frauen atlantischer Herkunft. Er selbst wird als rötlichbraun (was wohl die Farbe der Haare angeht) mit schönen Augen ( möglicherweise blau, da sie besonders erwähnt werden ) und von guter Gestalt in der Bibel beschrieben. ( 1 Sam. 16, 12) Außer seinem typisch atlantischem Gottvertrauen zeichneten ihn sein Mut, sein überragendes Organisationstalent, seine Großherzigkeit und seine Qualitäten als Heerführer aus. Andererseits bewies er aber alle erforderliche Härte, ohne die in der damaligen Zeit die dauerhafte Führung eines Volkes nicht möglich war.

Saul verfolgte David, in dem er den Konkurrenten um die Königswürde von Anfang an erkannte, in einer Art Haßliebe bis zu seinem Tode, und zwang damit David immer wieder bei den Israel umgebenden atlantischen Völkern der Philister, der Moabiter oder in der Wüste oder im Gebirge Schutz zu suchen. Nach dem Tode Sauls wurde David anfangs nur zum König des Stammes Juda gewählt. Das übrige Israel fiel an den Sohn Sauls, Eschbaal. Nach sieben Jahren wurde Eschbaal, dessen Herrschaft immer mehr verfallen war, von Männern, die meinten, David damit einen Gefallen zu tun, in seinem Hause im Schlaf ermordet. David ließ sie aber für diesen gemeinen Mord, der überhaupt nicht seiner Art, mit seinen Feinden umzugehen, entsprach, grausam hinrichten.

Nun wandte sich auch Gesamtisrael David zu und erwählte ihn zum König. Er eroberte Jebus , das dann Jerusalem genannt wurde, vom kanaanitischen Stamm der Jebusiter, die bis dahin die für die Israeliten als uneinnehmbar geltende Stadt immer in ihrem Besitz behalten hatten und baute es zu seiner Hauptstadt aus. Hier nahm er sich zu den drei Frauen, die er bereits geheiratet hatte, nämlich Michal, die Tochter Sauls, Achinoam aus Jezreel und Abigail, die Witwe Nabals aus Karmel, weitere Frauen aus dem kanaanitischen Jerusalem und zeugte mit ihnen elf Kinder . Unter ihnen befand sich auch der spätere König Salomo, der mütterlicherseits der Sohn der Batseba , der ehemaligen Frau des Hethiterhauptmanns Uria war, in die David sich spontan verliebt hatte und mit der er zwei Söhne zeugte . ( 2 Sam. 5, 13-16 ; 12, 24) Batseba, die außerordentlich reizvoll gewesen sein muß, war entweder selbst Hethiterin oder auch Jebusiterin, auf jeden Fall aber atlantischer Abstammung. Salomon hatte also noch mehr atlantisches Blut in seinen Adern , als sein Vater David.

David selbst bewies sein Wissen um das Feiern nach atlantischer Tradition bei der ähnlich atlantischem Ritus vorgenommenen Einholung der Bundeslade nach Jerusalem. Nach den ersten sechs Schritten in Richtung auf die Davidsstadt opferte er ein Rind und einen Büffel und drehte sich dann selbst im Tanz mit aller Kraft vor dem Herrn, mit einem Schulterkleid aus Linnen umgürtet. So brachte David und das ganze Haus Israel die Lade des Herrn unter Jubel und Posaunenklang hinauf. ( 2 Sam 8, 13-15) Als seine Frau Michal, die dieses von einem Fenster aus beobachtet hatte, ihm deshalb Vorwürfe machte und es als eines Königs unwürdiges Verhalten tadelte, sich so vor den Dienstmägden seiner Untertanen zu entblößen, antwortete David : Vor dem Herrn, der mich zum Fürsten über das Volk Israel bestellt hat, will ich tanzend spielen und ich werde mich noch mehr als diesmal erniedrigen und vor mir selbst ganz gering werden, vor den Dienstmägden aber werde ich Ansehen genießen. ( 2 Sam. 6, 21-22) So wurde David zum berühmtesten und menschlichsten König Israels und wurde an Weisheit nur durch seinen Sohn Salomon übertroffen. Seine Regierungszeit ging von 1004-965 v. Chr. 33 Jahre davon regierte er über ganz Israel.

Er führte Krieg gegen die um Israel wohnenden Völker, errang Siege gegen die Philister und entriß ihnen die Gegend um Gat. Er besiegte die atlantischen Moabiter und machte sie lehnspflichtig. Auch die atlantischen Aramäer wurden von ihm besiegt und wurden bis Damaskus tributpflichtig. Die atlantischen Edomiter wurden besiegt und lehnspflichtig . In der Einführung der Lehnspflicht für die besiegte Völker folgte David atlantischen Tradition, denn bis dahin war es israelische Sitte, im Stil räuberischer Nomaden die besiegten Völker auszuplündern und die Bevölkerung zu töten. Vom aramäischen König Hadadeser von Zoba eroberte er große Mengen von Erz und goldene Rundschilde. König Toi von Hamat brachte freiwillig silberne , goldene und eherne Gefäße als er hörte, daß sein Feind Hadadeser von David besiegt worden war. Alles Gold, Silber und Erz wurde dem Herrn geweiht und in den Schatz für den Tempelbau getan. David schuf sich eine Leibwache aus den atlantischen "Kretern und Peletern" unter denen wohl achäische Griechen aus Kreta und dem Peloponnes zu sehen sind und machte seine Söhne nach alter atlantischer Tradition zu Priestern. Den Kern seiner Streitmacht bildeten 30 ausgesuchte Helden von denen drei noch besondere Ehren genossen. Das erinnert sehr stark an die aus atlantischer Zeit stammende Sage von König Artus und seiner Tafelrunde aus ausgewählten berühmten Helden. Das Reich Davids wurde mächtig und eine kleine Kopie des untergegangenen großen atlantischen Reiches. Dies trug ihm die Freundschaft des Königs Hiram von Tyrus ein, der ihn und seinen Sohn Salomon in seiner Herrschaft nach Kräften unterstützte.

König Salomon trat seine Herschaft, als von David ausgewählter Nachfolger, im Jahr 965 v. Chr. an. Er befreite sich auf Gebot Davids von allen politischen Gegnern, denen David noch Schonung gewährt hatte und machte sich dann an die Festigung seines Reiches. Dazu verband er sich mit dem Herscherhaus Ägyptens durch eine politische Heirat mit einer Pharaonentochter und organisierte die Verwaltung seines Reiches neu. Er ernannte zwölf Statthalter für Gesamtisrael, die je einen Monat lang seinen Hof zu versorgen hatten. Diesen Statthaltern verband er sich teilweise auch familiär indem er ihnen je eine seiner Töchter zur Frau gab. Es herrschte sein ganzes Leben lang Frieden im Reich und das Land blühte und gedieh unter seiner weisen Herschaft. ( 965-926 v. Chr.) (1 Kg 4 ; 5)

Als weitgehend in atlantischer Tradition Denkender und Handelnder verdroß ihn, daß er ein Reich regierte, das seinem Hauptgott, nämlich dem Gott Israels, kein festes Haus in Form eines Tempels bieten konnte, sondern die Bundeslade, das irdische Symbol des Gottes, noch immer nach Nomadenart in einem Zelt aufbewahrte. Alle umliegenden, atlantisch bestimmten Völker verehrten ihre Götter in zum Teil reich ausgestatteten Tempeln und so beschloß auch Salomon, dem Gott Israels einen großen und prächtigen Tempel zu errichten. Sein Vater David hatte bereits diese Absicht gehabt, konnte sie jedoch nicht in die Tat umsetzen, da er ständig zur Festigung und Erhaltung des Reiches irgendwo Krieg führen mußte.

Da es in Israel selbst keine Tradition im Tempelbau gab und es an Fachleuten und sogar an Baumaterial dafür gebrach, wandte sich Salomon an den schon mit David befreundeten König Hiram von Tyrus mit der Bitte um seine Hilfe und Unterstützung. Und Hiram, der sicher erfreut war, in Salomon einen weitgehend auch in atlantischen Vorstellungen lebenden Nachbarn zu finden, gewährte ihm alles was Salomon wünschte. Und sie schlossen miteinander ein Bündnis. ( 1 Kg. 5, 15-26)

Israel war damit unter Salomon zu einem der in Bündnisse fest eingebundenen atlantisch denkenden Staaten des vorderen Orients geworden . Nach Süden war es dem atlantisch bestimmten Ägypten durch politische Heirat verbunden. Nach Westen hatte es in Gat und seinen Nachbarstädten Häfen am westlichen Meer gewonnen. Nach Norden hatte es in Tyrus einen immer mächtiger werdenden Verbündeten gewonnen. Nach Nordosten schützten es die tributpflichtigen ebenfalls atlantisch bestimmten aramäischen Königreiche gegen das in dieser Zeit durch die aramäische Einwanderung geschwächte Assur. Und nach Osten und Südosten reichte die israelische Herrschaft über Gilead, Moab und Edom bis an die Wüste und an den nördlichen Ausläufer des Roten Meeres und seine Häfen. Damit hatte Salomon die Chance, Israel zu einer seefahrenden Nation und zu einem Handelsvolk im atlantischen Stil zu machen, was ihm aber in den 40 Jahren seiner Regierung nur bedingt gelang. Die Zeit für eine derartige Neuorientierung war zu kurz und auch Tyrus war sicher nicht besonders daran interessiert, sich im Süden einen Konkurrenten für den immer interessanter werdenden Handel mit Indien heranzuziehen. So blieb es bei der Hilfe Hirams zum Bau von Schiffen in Ezjon-Geber bei Eilat am roten Meer und bei der gemeinsam mit Hiram bestriebenen Fahrt dieser Schiffe nach Ophir in Südarabien ( 1 Kg. 11,26-27) und bei der Fahrt von Schiffen Salomos zusammen mit den Schiffen Hirams von Tyrus aus nach Tharsis.( 1 Kg. 10,22)

Die interessanteste Tat Salomons war aber, im Zusammenhang dieses Buches gesehen, der Bau des Tempels. Da, wie eben beschrieben, Salomon nahezu vollständig in der atlantischen Tradition stand und dazu sich Fachleute für den Tempelbau und Metallhandwerker aus dem atlantischen Tyrus kommen ließ, außerdem aber in der Stadt diesen Tempel errichtete, die am längsten von allen Städten Kanaans und nahezu ohne Unterbrechung in kanaanäischer Hand gewesen war und damit selbst eine ungebrochene atlantische Tradition hatte, kann man davon ausgehen, daß dieser Tempel Salomons weitestgehend ein atlantischer Tempel war. Nach der ausführlichen Beschreibung des Baus und seiner Ausstattung in der Bibel ( 1 Kg. 6, 2-36) ist es also möglich, die Bauart eines derartigen Tempels, von denen kein einziges Exemplar mehr vorhanden ist, nachzuvollziehen. Der Tempel war nach dieser Beschreibung ca. 32m lang, 11m breit und 16m hoch. Die Vorhalle war 11m breit und 5,3 m tief. An die Wände des Hauses baute man rings um den Hauptraum, d. h. an die hintere Wand und an die beiden Seitenwände einen nach außen dreistufigen Anbau, dessen Tiefe sich von unten nach oben, entsprechend der abnehmenden Dicke der Mauern, welche die Balken der Decke trugen, von 2,5m auf 3,5 m vergrößerte. Die Tür zu den Seitenräumen befand sich im Süden, über Treppen stieg man zum mittleren und von dort zum oberen Stockwerk. Jedes Stockwerk des Anbaus war 2,7m hoch. Von der Tiefe des Haptraumes wurden 10,6m durch vom Fußboden bis zum Gebälk der Decke gehende Zederndielen abgetrennt. Hinter ihnen befand sich das Allerheiligste. Die Fußböden wurden aus Zypressenholz angefertigt, Deckenbalken und die den ganzen Tempel von innen bedeckenden Wandverkleidungen waren aus Zedernholz. Die Wände des Hinterraums, also des Allerheiligsten, waren vollständig mit Gold überzogen. Ebenso der Altar, der im Hauptraum vor der Wand zum Allerheiligsten stand.

Auf die weitere Beschreibung der Ausstattung des Tempels, die bis ins Detail in der Bibel nachgelesen werden kann, soll hier verzichtet werden. Wichtig ist hier nur, daß, wie man aus der Kurzbeschreibung ersehen kann, kein griechischer Säulentempel und keine ägyptische Tempelstraße entstand und daß es sich auch nicht um eine Nachbildung eines mesopotamischen Zikkurats handelte, sondern um etwas Eigenständiges, dessen Vorbilder eindeutig im atlantischen Kulturkreis zu suchen sind.

Für die Hilfe, die Hiram, der König von Tyrus, Salomon beim Bau des Tempels und des Palastes von Salomon erwies, trat ihm Salomon zwanzig Städte in der Landschaft Galiläa ab, die in der folgenden Zeit vorwiegend von atlantischen Aussiedlern besiedelt wurden und Galiläa zu einer stark atlantisch orientierten Region Israels machten. In dieser Region sollte dann der dritte atlantisch orientierte Stern Israels aufgehen : Jesus von Nazareth.

Es soll hier nur kurz auf die sicher viele verblüffende Vermutung eingegangen werden, Jesus von Nazareth wäre kein Jude gewesen, sondern eigentlich ein später Atlanter. Für die Welt der Christen ist er in erster Linie der Sohn Gottes. Aber es gibt darüber hinaus Menschen, die dies kritischer sehen. Aber selbst für die gläubigen Christen hat Jesus eine irdische Wurzel. Das ist seine Mutter Maria. Hier ergibt sich allerdings sogleich das Problem, das schon bei der Abstammung Davids behandelt wurde, nämlich, daß die Mutter in der israelischen Vorstellung keinen Teil am Erbgut des Kindes hatte. Ihre Abstammung wird deshalb nur in besonderen Fällen, wenn es sich zum Beispiel um eine politische Ehe eines Königs oder um eine außergewöhnliche Zeugung im Stammbaum eines berühmten Mannes handelt, erwähnt. So ist auch über Maria, die Mutter Jesu, nicht viel mehr bekannt , als daß sie aus Nazareth in Galiläa stammt.( Lk 1, 26). Der Ort Nazareth war aber ein Platz, der in der israelischen Geschichte bis dahin überhaupt keine Rolle gespielt hatte. Er wird in keiner alten Schrift, weder im alten Testament noch in der talmudischen Literatur der Juden erwähnt und hatte damit für die sehr auf Abstammung und Herkunft bedachten Juden überhaupt keine Bedeutung. Selbst in der Zeit der Römer erwähnt ihn kein amtliches Dokument, während das nur drei Kilometer entfernte Jaffa, das von Titus erobert wurde und das sechs Kilometer entfernte Sepphoris , die ehemalige Residenz des Herodes Antipas, sehr wohl erwähnt werden.

Offenbar war Nazareth in der Zeit der Juden und Römer das, was man heute als "den letzten Ort" bezeichnen würde, und so ist auch die Frage des Nathanael erklärlich , der in Joh. 1,46 sagt : "Was kann von Nazareth Gutes kommen ?" (7a)

In den Augen der Juden also genoß Nazareth kein Ansehen und es ist naheliegend, anzunehmen, daß es sich um einen Ort handelt, in dem vorwiegend Nichtjuden ansässig waren. Die Nichtjuden dieser Zeit und in diesem Gebiet waren aber vorwiegend aramäische Einwanderer. Sie hatten sich auf Grund der alten atlantischen und kanaanitischen Tradition mit Vorliebe im Norden Israels nahe den phönizischen Siedlungsbereichen und dem Gebiet der mächtigen Stadt Tyrus, die diese Ansiedlung förderte, niedergelassen. Es ist also sehr gut möglich , daß Nazareth eine relativ neue aramäische Siedlung war, die in dieser Zeit sogar noch im Wachstum begriffen war. Dies würde auch erklären , warum der aus dem renomierten Bethlehem stammende Zimmermann Josef sich hier niedergelassen hatte. Hier wurden Häuser für Neubürger gebaut und es gab daher genug Arbeit für einen Zimmermann. Die junge Maria, in die sich Josef hier verliebte, war also wahrscheinlich eine Aramäerin und damit eine späte Atlanterin.

Doch auch Josef hatte als Vorvater in seinen zwei voneinander abweichenden Stammbäumen bei Mt 1, 1-17 und Lk 3, 23-38 den König David, über dessen atlantischen Blutanteil bereits berichtet wurde. Bei Mathäus bleibt der Stammbaum dann über Salomon und Rehabeam in der Königsfamilie, bei Lukas wechselt er nach David in die Priesterfamilie des Natan. Dieser Umstand erhöht nicht gerade die Glaubwürdigkeit der Stammbäume, die zwar beide den David beinhalten, der als Vorvater des Messias von den Propheten genannt worden war, bald danach aber bereits voneinander abweichen. Da Rehabeam, den Mathäus nennt, der Sohn Salomons wahrscheinlich mit der Pharaonentochter, seiner Erstgemahlin, war (die Bibel macht keine Angaben zur Mutter) ist es möglich, daß hier von Lukas selbst oder später manipuliert wurde, um Jesus keine ägyptische Vormutter zuschreiben zu müssen. Vom Standpunkt der Forschung nach atlantischen Spuren ist dies nicht von Bedeutung, denn auch die ägyptischen Pharaonen waren, wie an anderer Stelle beschrieben wird, weitgehend atlantisch orientiert und achteten sehr auf die Erhaltung des atlantischen Blutanteils in der Sippe. Dabei wurden, im Gegensatz zum Wissen der Israeliten, die hier noch auf dem Niveau eines Nomadenvolkes standen, auch die mütterlichen Anteile voll berücksichtigt.

Doch genug davon. Ob Jesus nun der leibliche Sohn Josefs war oder nur nach jüdischem Recht, nach der Anerkennung durch den Vater, dessen Stammbaum erhielt, er hat zumindestens durch das Zusammenleben auch von der Seite des Vaters Anteile atlantischer Lebensart erhalten. Dies wird sich nicht zuletzt auch in der Erziehung des jungen Jesu ausgewirkt haben und schon in der Geschichte vom zwölfjährigen Jesus im Tempel wird klar, daß er ein freidenkender, selbständiger Mensch ist, der sich in bester atlantischer Tradition als Abkömmling Gottes, seines "Vaters" fühlt.

Auch in seinem späteren Verhalten und in seinen Lehren zeigt er sich viel mehr in der Gedankenwelt der atlantischen toleranten Tradition zu Hause, als in der sektiererischen Eiferei der jüdischen Schriftgelehrten. Da die atlantische Gedankenwelt und die liberalen atlantischen Sitten seit Moses der Hauptfeind der jüdischen Religion und des durch sie geeinten jüdischen Volkes waren, wurde Jesus schon dadurch von vornherein zum Feind der jüdischen Priesterwelt. Als solcher wurde er dann auch behandelt und bis zur Tötung verfolgt.

Der von ihm neu gefaßte atlantische Glaube, seine Toleranz und Liebe zu den Menschen, die von den Juden aus vermeintlicher Besserwisserei abgelehnt wurden, verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch die Völker und Länder mit atlantischer Glaubenstradition, für die sie eine Fortführung und Weiterentwicklung des Bekannten und Vertrauten darstellten.

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Das Weiterleben der Idee des atlantischen Reiches

Die Idee des atlantischen Reiches, das heißt, eines Reiches, in dem alle Menschen in Frieden und in gegenseitiger Achtung nach bestimmten göttlichen Regeln leben und glücklich sein können, in dem Handel und Wandel blühen und ein starker, in sich fest gefügter Staat den Frieden und die Rechte des einzelnen schützt , hat, seitdem dieses Reich einmal auf der Erde existierte, die Menschheit nie losgelassen und wird dies auch in Zukunft nicht tun, bis es vielleicht eines Tages wiederersteht. Diese Idee wird immer wieder genährt durch die Erinnerungen der wiedergeborenen Menschen, die einmal in diesem Reich gelebt haben.

In der Geschichte der Menscheit ist in vielen Reichsgründungen der Versuch unternommen worden , dieses Reich des "goldenen Zeitalters" wiedererstehen zu lassen, aber immer wieder scheiterten die Versuche oder waren nur von sehr begrenzter Dauer, da es oft an wichtigen Grundvoraussetzungen oder auch an dem erforderlichen Wissen fehlte. Denn bekanntermaßen haben Träume, ohne die dazu gehörende reale Grundlage, oft nur ein kurzes Leben.

Den ersten Versuch, das durch die kosmische Katastrophe von 1250 v. Chr. schwer getroffene Reich wiederherzustellen, wurde von den an der phönizischen Küste liegenden Filialen und Flottenstützpunkten des atlantischen Reiches unter der Führung der starken Festung Tyrus unternommen. Da Tyrus aber der Tradition nach eine Handelsstadt und kein politisches Zentrum war, wurden vor allem die handelspolitischen Aspekte gepflegt. Die politischen, geistigen und kulturellen Bereiche gerieten dabei ins Hintertreffen und so fehlte dieser Nachfolgemacht der echt zusammenbindende Geist. Die Lage von Tyrus war darüberhinaus nur sehr schlecht geeignet, die Interessen im Westteil des Reiches ausreichend wahrzunehmen. Aus dieser Erkenntnis wurde dann von Tyrus aus, auf dem Höhepunkt seiner Macht im Jahr 800 v. Chr., die "neue Hauptstadt" Karthago gegründet, die als neuer Mittelpunkt des Reiches gedacht war.

Diese Gründung geschah schon im Hinblick auf die Schwierigkeiten, die man von den erstarkenden Nachbarstaaten Phöniziens vor allem von Assyrien her erwartete. Aber Karthago fehlten wichtige Aspekte einer auf Dauer erfolgreichen Nachfolge. Es war zwar weniger den Einflüssen und politischen Beeinträchtigungen des vorderen Orients ausgesetzt, auch seine Lage an der Engstelle zwischen den beiden Haupthandelsräumen westliches und östliches Mittelmeer und etwa in der Mitte zwischen Tharsis und Tyrus versprach eine erfolgreichere politische Einflußnahme auf beide Bereiche, die sich ja dann auch realisierte. Aber es war ein Fremdkörper auf nordafrikanischen Boden, da sich die Einwohner Nordafrikas schon seit langem dem Einfluß des atlantischen Reiches entzogen hatten und ihre eigene, auf kleine politische Einheiten begrenzte Politik betrieben. Damit fehlte ihm das bevölkerungspolitische Hinterland und es litt, als der Zustrom von Zuwanderern aus Tyrus aufhörte, zunehmend an Mangel an neuen ideenreichem Nachwuchs. In seinen Kriegen mußte es deshalb weitgehend auf Söldner zurückgreifen, die sich zum Teil aus den Staaten rekrutierten, mit denen die kriegerischen Auseinandersetzungen stattfanden, was der Kampfmoral der Truppen nicht gerade zuträglich war, und den karthagischen Feldherren schwere Aufgaben bei der Findung einer Schlachtordnung stellte, in der nicht Landsleute gegeneinander kämpfen sollten. So scheiterte Karthago schließlich an dem Unvermögen, nach zwei Abnutzungskriegen, die viel Menschen und Material gekostet hatten , für den dritten, von Rom aufgezwungenen Krieg, ausreichend eigene, für die Sache begeisterte Krieger in die Schlacht gegen den Angreifer zu führen.

Das nächste Reich, das bestrebt war, die Nachfolge des atlantischen Reiches anzutreten, wurde dann im Iran von den dorthin ausgewanderten Kerngruppen des atlantischen Reiches und ihren Führern, den Achämeniden, unternommen. Es ist interessant zu sehen, daß sich in diesem Namen, den sie nach ihrem sagenhaften Anführer Achämenes bei der Auswanderung führten, sowohl der Name der Achäer, der griechischen Komponente des atlantischen Reiches , wie auch der Name des Menes , dem sagenhaften Gründer des Hafens von Tharsis und andererseits des Königs, der Ober- und Unterägypten zu einem Reich vereinte, wiederfindet. Offenbar handelte es sich also um uralten atlantischen Adel, der sich im atlantischen Reich hervorragend bewährt hatte. Diese Begabung bestätigte sich denn auch sehr schnell, denn die Gründung eines riesigen, in sich fest gefügten und gut organisierten Reiches dauerte nicht mehr als 50 Jahre.

Das neue Reich machte dann aber den politischen Fehler, sich von den Phöniziern, denen - als einzige in den Wirren des Untergangs des atlantischen Reiches nahezu unversehrt davongekommenen alten Atlantern - sicher eine hohe politische Kompetenz zugetraut wurde, in deren Auseinandersetzungen mit den Griechen mit hineinziehen zu lassen. Sicher argumentierten die Phönizier mit der Möglichkeit, bei einem Sieg gegen die Griechen die alten Machtpositionen des atlantischen Reiches im Mittelmeerraum wiedergewinnen zu können. Ein für die Perser nicht uninteressanter Aspekt. Aber sie machten den Fehler, den nach ihnen noch etliche Reiche machen sollten, nämlich den, die Größe eines Heeres und seine Ausrüstung höher zu bewerten, als dessen Qualität und Kampfmoral. Außerdem war in dem relativ kleinen und stark durch Gebirge zergliederten Griechenland ein riesiges Heer eher ein Nachteil als ein Vorteil. So vergeudete das persische Reich seine Energie in einem gewaltigen Kraftakt gegen den relativ unbedeutenden Gegner, dem dazu noch der " Heimvorteil" und günstige Umstände zur Hilfe kamen. Infolge des Verlustes der Seeschlacht bei Salamis - trotz einer hohen Überlegenheit an Schiffen und Kämpfern - mißlang die angestrebte Beherrschung des Mittelmeers, das eigentliche Ziel dieses Krieges. Hinzu kam ein nicht zu reparierender Verlust an Prestige der persischen Streitkräfte, der dazu führte, daß 100 Jahre später der makedonische König Alexander es wagte, gegen das riesige persische Reich anzutreten und es schließlich sogar in einem beispiellosen Siegeszug eroberte, was ihm dann in der westlichen Geschichtsschreibung den Beinahmen " der Große" eintrug.

Alexander der Große ist damit die erste von Einzelpersönlichkeiten, die, von der atlantischen Reichsidee besessen, die Welt in wenigen Jahren , in denen man die fast magische Zahl 12 zu erkennen glaubt , verändert, ohne allerdings zu dem angestrebten Reich zu gelangen. Ihm folgen später, wie noch im Kapitel " Der Mensch in der Geschichte" erwähnt werden wird, andere nach.

Man könnte geneigt sein, das nun als nächstes in der Geschichte entstehende römische Reich auch als Nachfolger des atlantischen Reiches zu bezeichnen, vor allem deshalb , weil es den traditionellen Raum des Mittelmeers einschließlich der ehemals atlantischen Länder Spanien, Frankreich und England in der Zeit seiner größten Ausdehnung mitbeherrschte. Sicher lagen den römischen Eroberern auch derartige Gedanken nahe. Aber die tragenden Ideen des Reiches waren andere. Es ging hier vorwiegend um militärische Beherrschung durch Besatzungstruppen und um materielle Ausbeutung der eroberten Gebiete zugunsten der Metropole Rom.

An einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung der beherrschten Länder war man wenig interessiert, und oft genug wurden bei militärischen Strafexpeditionen die von den Legionen Roms durchzogenen Länder schwer geschädigt und in den Ruin getrieben. Gegen diese schlechte Behandlung gab es natürlich immer wieder neue Aufstände in den beherrschten Ländern , die durch weitere militärische Vernichtungsaktionen vergolten wurden. Das ehemals reiche römische Reich verwandelte sich so allmählich in ein armes und verwüstetes und es kam sogar soweit, daß den ehemals ruhmreichen Legionen der Zugang nach Italien von der römischen Regierung verboten wurde, weil man Übergriffe im eigenen Land befürchtete. So ging dieses Reich dann schließlich an seiner ursprünglichen Stärke, nämlich der immer mehr ausufernden Macht des Militärs zugrunde, was dem sowieso nicht sehr stabilen politischem System , das mehrere verschiedene Regierungsformen versuchte ohne dabei zu einer dauerhaften Lösung zu gelangen, weitere Schwächen hinzufügte.

Auch die nächste Reichsgründung stand weniger unter der Idee der Wiedererstehung des atlantischen Reiches als unter einer religiösen Zwangsvorstellung. Daß es nämlich göttlicher Wille sei , die eigene Religion über die Welt zu verbreiten, und das auch unter Anwendung von Gewalt. In gewisser Weise war diese Idee nicht ganz neu, denn auch das Christentum stand bereits unter dem Auftrag seinen Glauben über die Welt zu verbreiten. Neu war nur die Vorstellung, daß dies auch unter Anwendung von Gewalt geschehen könnte. Diese Idee war im semitischen Arabien entstanden und hatte seine Wurzel in der Strategie der Wüstenvölker, die an ihrem Rande lebenden seßhaften Kulturvölker von Zeit zu Zeit zu überfallen und auszuplündern, um ohne große eigene Anstrengungen auch in den Genuß ihrer kulturellen Errungenschaften zu gelangen.

Der Prophet dieser Idee war Mohammed und er hatte bei seinen Landsleuten damit einen solchen Erfolg, daß sie und ihre Reiterheere, kraft dieser Idee und einer Serie von Erfolgen, sich für unüberwindbar hielten und in einem beispiellosen Siegeszug den ganzen vorderen Orient bis nach Indien hin und dazu noch Nordafrika und fast den gesamten europäischen Bereich des alten atlantischen Reiches eroberten.

Damit hatten sie alten Kulturboden gewonnen, in denen die Idee des atlantischen Reiches immer noch lebendig war. Auch die Menschen und ihre Fähigkeiten, Schiffe zu bauen und Handel zu treiben und dazu die Kenntnis der Küsten und der Seewege, waren noch vorhanden und belebten sich unter der relativ milden und Handel und Wandel positiv gegenüberstehenden neuen Herrschaft zunehmend mehr. Dazu bot die Größe des Reiches, das von Indien bis Spanien reichte und damit den vollen Bereich des atlantischen Reiches zur Zeit seiner größten Ausdehnung abdeckte, ungeheure Möglichkeiten für den Austausch interessanter Handelswaren.

Die arabischen Neusiedler waren darüberhinaus auf Grund ihrer Erfahrungen im Trockenklima Nordafrikas und dank ihres alten, ungebrochen erhalten gebliebenen Wissens über die richtigen Anbaumethoden, Meister in der Erschließung problematischer Landschaften, zu denen viele Gegenden Spaniens aufgrund der Abholzung der Wälder in atlantischer Zeit und der Abschwemmung der Kulturböden in der Katastrophe von 1250 v. Chr. geworden waren. Sie legten an den Berghängen Terrassen an und installierten umfangreiche Bewässerungsanlagen, die zum Teil heute noch in Betrieb sind. Vor allem der Süden Spaniens, Andalusien, das bis zu 700 Jahren von den Arabern beherrscht wurde, wurde in dieser Zeit wieder zu dem landwirtschaftlichen Paradies, das es in der atlantischen Zeit und vor der Katastrophe von 1250 v. Chr. gewesen war.

Die weltoffene und tolerante Einstellung der neuen Herren, die auf Grund ihrer eigenen Bildung den Wissenschaften und den schönen Künsten überwiegend freundlich und förderlich gegenüberstanden, förderte zudem die Entwicklung der Naturwissenschaften wie der Medizin, der Geisteswissenschaften wie Philosophie und Astrologie und der schönen Künste wie Literatur und architektonische Gestaltung, um nur die herausragensten zu benennen. Universitäten wurden zum ersten Mal auf europäischem Boden gegründet und standen in einem hervorragenden Ruf.

So könnte man das muselmanische Reich, das seinen Höhepunkt in dem Kalifat von Cordoba um das Jahr 1000 n. Chr. herum fand, obwohl es nicht als Nachfolger gegründet worden war, doch auf Grund seiner Eigenschaften und seiner Lebensdauer von 700 Jahren, als echtesten neueren Nachfolger des atlantischen Reiches der alten Zeit betrachten. Es fand sein Ende durch ein beutegieriges Heer verhinderter Kreuzfahrer, das sich vorwiegend aus europäischen Abenteurern zusammensetzte und ein Stück nach dem anderen aus dem reichen Kuchen herausbrach, den das in viele kleine Fürstentümer zerfallene arabische Reich in Spanien in der Mitte des europäischen Mittelalters darstellte. Daß dieses Heer sich "christlich" nannte, war anfangs mehr als Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem Heer der Mauren oder "Moros", wie sie genannt wurden, gedacht. Nachdem aus den Anfangserfolgen dem Papst aber reichliche Geschenke gemacht wurden, erhielt der Raubzug die Billigung der Kirche und ihre Anführer, die Könige der nordspanischen Provinzen Arragon und Navarra, erhielten schließlich sogar den Titel der "allerchristlichsten katholischen Majestäten" obwohl sie sich alles andere als "christlich"- im positiven Sinne verstanden - verhielten, und geschlossene Verträge nach dem endgültigen Sieg in großer Menge brachen.

Zum Unglück für Amerika fand Christoph Columbus ausgerechnet im Jahr des endgültigen Sieges über die Mauren den westlichen "Seeweg nach Indien" und entdeckte das Land, das anfangs noch "Westindien" genannt und später, als man merkte, daß es ein eigener Kontinent war, in Amerika umbenannt wurde. Zum Unglück für Amerika deshalb , weil sich nun das Heer von Abenteurern, das bis dahin Spanien geplündert und ausgeraubt hatte, dem neuentdeckten Land zuwandte und es nach den gleichen Räubermethoden mit höchster Billigung des Papstes und der offiziellen Kirche behandelte und blühende Kulturen rücksichtslos vernichtete.

In dem nun auf dieser Basis entstehenden Weltreich Spaniens, in dem "die Sonne nicht unterging" wie sein mächtigster König, Karl V, zu Recht feststellte, nachdem er durch Bestechung der deutschen Kurfürsten auch noch zum Deutschen Kaiser gewählt worden war, könnte man auf Grund seines Kernlandes Spanien und auf Grund der anfänglichen Seeherrschaft über die Meere und Ozeane, durchaus einen Nachfolger des atlantischen Reiches sehen.

Doch dieses Reich stand vom Geist her nicht in der alten liberalen Handelstradition , sondern war betont auf Eroberung und Ausbeutung der eroberten Gebiete und ihre völlige Unterwerfung unter das zur Doktrin erhobene Christentum ausgerichtet. Es stand damit in der Reichsidee dem römischen Reich viel näher als dem atlantischen, und es hatte dann ja auch eine ähnliche Geschichte. Religiöse und geistige Toleranz waren in diesem Reich absolute Fremdwörter und es dominierte in seiner Innenpolitik der Geist der Inquisition, der Folter und der"peinlichen Befragung". Wer sich , wenn er in die Fänge von Justiz und Inquisition geriet, nicht als absolut und linientreu christlich und staatstreu erwies oder von mißgünstigen Menschen verleumdet wurde, wanderte erbarmungslos in die Folterkammer und anschließend auf den Scheiterhaufen. Spanien, das ehemalige weltoffene Atlantis, begründete in dieser Zeit seinen schlechten Ruf in Europa, das es kenntenlernte als intolerant, hochmütig, kleinkariert christlich und unfähig, über den Tellerrand der Interessen ihrer herrschenden Oligarchie, die sich an mittelalterliche Machtvorstellungen klammert, hinauszudenken.

Auch seine, mit dem in Amerika geraubten Gold finanzierten, Machtdemonstrationen in Europa, die vom brutalen Kampf um die spanischen Niederlande bis zur Erringung der Papstmacht durch die berüchtigten Borgias und ihre Untaten reichte, trugen dazu bei, daß die spanische Herrschaft in einen schlechten Ruf in Europa und damit in eine Außenseiterstellung geriet. So ist es durchaus verständlich, daß der europäische Geist sich innerlich gegen die Vorstellung sträubt, das ideale Atlantis, das Reich des goldenen Zeitalters, ausgerechnet in dem unpopulären Spanien angesiedelt zu sehen.

Die Stellung Spaniens als Großmacht ist auf Grund der ungeschickten Machtpolitik und der zunehmenden Unpopularität dann auch nur von kurzer Dauer. Im Augsburger Religionsfrieden 1555 endet der Machtanspruch Karls V in Mitteleuropa, und die Vernichtung der spanischen Armada 1588 vor England, bei der die stürmischen Wetterbedingungen vor Englands Südküste eine hilfreiche Rolle spielen, sind der Anfang vom Ende der spanischen Beherrschung der Meere.

Eine einseitig christlich orientierte Innenpolitik , die 1610 in der vertragswidrigen Vertreibung der spanischen Mauren gipfelt, schwächt den spanischen Staat auch im Inneren. Nach der schon 1492 erfolgten Vertreibung der Juden bedeutet sie einen weiteren Verlust an geistigem und künstlerischem Potential, das der Staat, der schon durch die Auswanderung des größten Teils des ehemaligen atlantischen, hochbegabten und erfinderischen Volkes nach der Katastrophe von 1250 v. Chr. in seiner Grundsubstanz nicht mehr sehr stark war und nun zusätzlich durch die Auswanderung vieler guter Kräfte in die neueroberten Gebiete geschwächt wurde, nicht verkraftet. Die Folge ist weiterer Machtverlust und mit der Anerkennung der Niederlande 1648 und dem mit Frankreich geschlossenen Pyrenäenfrieden endet dann endgültig die Stellung Spaniens als Großmacht in Europa.

Dies bezieht sich nicht nur auf die politische, sondern auch auf die geistige und künstlerische Ebene, denn Spanien trägt in den folgenden 300 Jahren nur sehr wenig zur geistigen, kulturellen und technischen Entwicklung Europas bei. Durch Beharren auf einer fast mittelalterlichen politischen und wirtschaftlichen Struktur fällt es wirtschaftlich und politisch immer weiter zurück und erreicht damit zum Ende des zwanzigsten Jahrhunderts, als der Wunsch nach einer Rückkehr nach Europa immer deutlicher wird, nahezu die wirtschaftliche, geistige und politische Stärke eines Entwicklungslandes .

Das Land, das sich nach Spanien anschickt in die Fußstapfen des atlantischen Reiches zu treten ist da von ganz anderer Art. Schon die Katastrophe von 1250 v. Chr. hatte auf den britischen Inseln bei weitem nicht so viel Schaden angerichtet wie in Spanien. Die nördlichen gebirgigen Landesteile Schottlands waren nur durch die nachfolgende Klimaverschlechterung betroffen und ein Teil der Bevölkerung mußte deshalb auswandern, um nicht zu verhungern. Aber der Kern des Landes und der Bevölkerung blieb hier erhalten. In die südlich gelegeneren Landesteile waren im Laufe der späteren Geschichte Jüten, Angeln und Sachsen aus Norddeutschland und später dann auch noch Normannen , die ehemals im Ostseeraum und Dänemark siedelten, eingedrungen und seßhaft geworden. Die britischen Inseln waren so geradezu zu einem Sammelbecken der im Westen verbliebenen Restvölker des atlantischen Reiches geworden.

Da es sich bei den Restvölkern überwiegend um ehemalige Randvölker des atlantischen Reiches handelte, standen sie nicht sehr stark in der atlantischen Kultur- und Religionstradition. Die christliche Kirche konnte sich deshalb ohne besondere Widerstände ausbreiten, wobei sie sich geschickt vorwiegend an bereits vorhandenen Heiligtümern der Bevölkerung ansiedelte und die ehemals "heidnischen" also atlantischen Feste in den christlichen Kalender übernahm. Der Einfluß Roms blieb allerdings umstritten und führte schließlich sogar zur kriegerischen Auseinandersetzung mit Spanien, der romtreuesten Staatsmacht des Westens.

Auch danach gibt es immer wieder Versuche einer katholischen Partei, die Macht Roms innenpolitisch zu festigen, sie werden aber immer wieder zurückgewiesen und enden in der endgültigen Loslösung der neugegründeten Anglikanischen Kirche von Rom unter Heinrich VIII. Die verbleibenden Hochburgen der Katholiken in Schottland und Irland, stehen aber weiterhin im Dauerkonflikt mit der Staatskirche. So muß sich England erst im Inneren aus den verschiedensten Volksgruppen und Interessen zusammenfinden, bis es dann schließlich, mit einer fortschrittlichen Verfassung versehen, die als erste Verfassung der Welt Menschenrechte festschreibt, daran gehen kann, in der Weltpolitik eine Rolle zu spielen.

Aufgrund des hohen geistigen und unternehmerischen Potentials, das sich hier angesammelt hatte, war der Weg zur die Meere beherrschenden Großmacht dann ein ganz ähnlicher wie im atlantischen Reich. Es begann mit Einzelunternehmungen mutiger Männer wie Drake und Raleigh, die auf eigene Faust mit Billigung der englischen Krone gegen die spanische Seemacht kämpften und die ersten Kolonien gründeten und setzte sich fort in den "Merchant Adventurers", die Gesellschaften zur handelspolitischen Erschließung interessanter Gebiete auf der Erde bildeten.

Der aufgrund der handelspolitischen Erfolge und des Reichtums , der damit ins Land strömt, erst langsam in seine neue Rolle hineinwachsende Staat, schaltet sich erst ein , als inzwischen lebenswichtig gewordene Positionen gefährdet erscheinen. Dann allerdings mit aller erforderlichen Macht und Konsequenz. So wächst England zur Seemacht Nr. 1 in der Welt heran und sorgt mit seiner Stützpunktpolitik und einer auf allen Weltmeeren gegenwärtigen Flotte, begleitet von der weltweiten Erforschung und Kartographierung der Meere, für einen weltweiten sicheren Handel, wie es einst das atlantische Reich für den Bereich des Mittelmeers tat. Auch die Behandlung und handelspolitische Erschließung der als interessant erkannten Länder folgt dem atlantischen Muster. Man ist an Gedeihen und positiver Entwicklung des erschlossenen Landes interessiert, denn nur mit einem wirtschaftlich blühendem Land kann man gute Geschäfte machen. Kriegerische Auseinandersetzungen, die den Handel stören, werden jedoch mit aller verfügbarer Macht unterdrückt. Dieses Konzept, das schon vor langer Zeit im atlantischen Reich erfolgreich angewendet wurde, bewährt sich auch jetzt in weltweitem Rahmen wieder, bis die fortschreitende Entwicklung der Welt der Kolonialpolitik und damit auch dem britischen Empire ein Ende setzt.

Dieses Ende beruhte nicht auf irgendwelchen Fehlern, die dem System innewohnten, sondern es wurde hervorgerufen durch die machtpolitischen Auseinandersetzungen, welche die an einer vergleichbaren Machtstellung interessierten europäischen Konkurrenten Frankreich und Deutschland der Vormachtstellung Englands aufzwangen. Die machtpolitische Situation Großbritanniens ist in dieser Auseinandersetzung durchaus der vergleichbar, in der sich Karthago gegen die nach Vergrößerung ihrer Macht strebenden Staaten Griechenland und Rom befand. Nur hier waren es statt eines Scipio und Cato die "Reichsgründer" Napoleon I, Wilhelm II und Hitler, die mit ihren Machtansprüchen dem britischen Staat nach und nach die Kraft raubten, das Riesenreich weiter aufrechtzuerhalten. England mußte zweimal die USA um Hilfe in einer europäischen Auseinandersetzung ersuchen, und dies blieb natürlich nicht ohne Folgen . Denn im ersten wie im zweiten Weltkrieg beendete erst das Eingreifen der USA den europäischen Krieg zugunsten Englands und der Westalliierten.

Dieses, vor allem den zweiten Weltkrieg entscheidende Eingreifen ließen sich die USA natürlich honorieren . So wurde die Welt danach vorwiegend nach seinen Vorstellungen und denen der, durch eine geschickte Politik Stalins und starken militärischen Einsatz bei der Eroberung Deutschlands zur zweiten Weltmacht aufgestiegenen Sowjetunion, gestaltet. Und in diesen Vorstellungen gab es keinen Platz mehr für ein britisches Kolonialreich. Es wurde nach und nach aufgelöst und die Kolonien wurden teilweise unerwartet schnell zu unabhängigen Staaten, denen sich in gegenseitiger Konkurrenz nun die beiden neuen Supermächte zuwandten, um ihre Wirtschaftskraft zu ihren Gunsten zu nutzen. Das machten sich wiederum die neuen Staaten zu Nutzen und führten eine Zeit lang eine Schaukelpolitik zwischen beiden Seiten, bis sich die Interessenzonen abgeklärt hatten.

Mit der Gründung des Nordatlantikpaktes zogen dann die USA endgültig die politische und militärische Führung in Westeuropa und dem größten Teil des ehemaligen atlantischen Reiches an sich und wurden so zum gegenwärtigen Nachfolger, der mit Geschick und unter weitgehender Achtung der Interessen der Verbündeten seine Stellung immer weiter politisch ausbaute und zur Zeit sogar von den Völkern des ehemaligen russischen Machtbereichs als Wunschpartner angesehen wird. Sein politisches Konzept liegt dabei voll auf der Linie des ehemaligen atlantischen Reiches und man kann erwarten, daß - soweit nicht besondere Umstände , wie der Einschlag eines großen Meteors eintreten - bei Fortsetzung der bisherigen Politik dem "neuen atlantischen Reich" ein langes, erfolgreiches Leben beschieden sein wird.

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Folgt Buch5

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