Asien und Ägypten (3,5,18)

Buch 3

 

Hattier und Hethiter in Anatolien. Das erste eigenständige Reich atlantischen Ursprungs auf asiatischem Boden (20).

 

Wie bereits in den vorhergehenden Kapiteln über die Anfänge und die Entwicklung des atlantischen Reiches erwähnt , war dieses Reich sehr expansiv. Dies lag zum einen Teil daran , daß es sich auf Grund des von ihm besiedelten Inselreichs um ein Volk von Seefahrern handelte, das gewohnt waren, mit seinen hochentwickelten und relativ schnellen kombinierten Ruder und Segelschiffen weite Entfernungen auch über das offene Meer zurückzulegen. Die geschützt liegenden Meere des Mittelmeerraums waren für die Atlantikbezwinger , die bis nach Amerika gelangt waren, ein leicht zu befahrender Raum, wenn auch wegen der im Sommer häufigen Windstille sicher oft über den harten Dienst am Ruder geklagt wurde. Dies führte dann schließlich auch dazu, daß bei Handelsschiffen bevorzugt Sklaven für die Ruderarbeit eingesetzt wurden.

Zum anderen Teil lag es daran, daß für die von den Atlantern bevorzugte Weidewirtschaft große Flächen freien Landes benötigt wurden und deshalb entsprechend der wachsenden Bevölkerung immer mehr Land gebraucht wurde. So waren die Atlanter ständig auf der Suche nach neuem Land und dehnten sich nach und nach in die bereits beschriebenen Gebiete Europas und schließlich bis nach Asien hinein immer weiter aus. Dabei scheuten sie auch weite Wanderungen über Land nicht. Diese Wanderungen gingen aber verglichen mit der Fahrt über das Meer, sehr langsam vor sich, da es keine Straßen und Wege in den neu zu besiedelnden Gebieten gab und für die Ochsenkarren und Rinderherden erst Wege gefunden und darauf , wenn erforderlich, freigemacht und gekennzeichnet werden mußten.

Ein dritter Grund war der bei den Atlantern von Anfang an zu beobachtende Drang nach Vorkommen von Werkstoffen, die sich für die Herstellung von Werkzeugen und Waffen eigneten. So wurden im Anfang die reichen Vorkommen von Feuerstein im norddeutschen Raum und die Vorkommen von Obsidian in Anatolien erschlossen. Später folgte dann der Zug zu Ländern mit Vorkommen von Erzen und Metallen. In der zweiten Hälfte des dritten Jahrtausends v. Chr. , das heißt, in der bereits ein halbes Jahrtausend währenden Bronzezeit und damit der beginnenden Blütezeit des atlantischen Reiches, gab es so in verschiedenen kleinen Fürstentümern Südost- Mittel- und Nordanatoliens eine von Archäologen wiederentdeckte kulturelle Entwicklung, die in den Grabbeigaben der Nekropolen mit hohem künstlerischen Niveau dokumentiert ist. Die Träger dieser Kultur werden in späteren hethitischen Texten Hattier genannt. Die wenigen Reste der hattischen Sprache unterscheiden sich von allen anderen anatolischen Sprachen, es handelte sich also offenbar um Einwanderer.

Auf Grund der hohen Kulturstufe und den besonderen Fähigkeiten dieser Einwanderer in der Gewinnung und Verarbeitung von Metall und dabei vorzugsweise der Bronze, kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit annehmen, daß sie atlantischen Ursprungs waren. Auch Troja wurde in dieser Zeit durch Atlantis erobert und zur Schlüsselstellung ausgebaut . Es liegt also nahe , daß einzelne unternehmerische Kleinfürsten aus dem atlantischen Raum sich dem erzreichen Anatolien zuwandten, in dem es reiche Vorkommen von Kupfer, Blei, Gold und Silber gab, um Metallgewinnung und Verarbeitung zu betreiben. Da Zinn zur Bronzeherstellung in Anatolien selbst nicht vorkommt , ist anzunehmen, daß die Neusiedler zumindestens anfangs noch Kontakte zum atlantischen Metallhandel unterhielten, der über Troja vom Mittelmeer ins Schwarze Meer lief. Auf diesem Wege dürften die Einwanderer auch von Norden her nach Anatolien eingedrungen sein.

Der Reichtum der in den Nekropolen dieser Fürstentümer gefundenen Grabbeigaben ist , sowohl von der Qualität der künstlerischen Verarbeitung wie auch vom Material her , überwältigend und zeugt einmal mehr vom Wohlstand, der im atlantischen Reich und seinen auf Metallbearbeitung und Gewinnung basierenden Tochterniederlassungen herrschte. Es melden sich allerdings leise Zweifel an, wenn die Zeit der Grabbeigaben genannt wird. Diese Zeit ist ja nicht weit von der entfernt, in der die atlantische Wanderung, die durch die Katastrophe von 1250 v. Chr., auf die wir später noch kommen werden, ausgelöst worden war, das Reich der Hattier erreichte und es vereinnahmte. Es wäre also durchaus möglich, daß die hier bestatteten Fürsten gar keine Hethiter, sondern im Eroberungskampf gefallene Atlanter waren, denen aus den mitgeführten atlantischen Schätzen so reichliche Grabbeigaben gemacht wurden. Da beide Kulturen im wesentlichen gleich waren, ist aus der Art der Grabbeigaben nicht unbedingt zu ersehen, ob es sich bei den bestatteten Fürsten um Hethiter oder Atlanter handelt.

Die Ausgräber glaubten jedenfalls in eine Märchenwelt versetzt zu sein, als sie die schimmernden Metallgefäße aus Gold und Silber , die bronzenen Tierstandarten, die Diademe und mit Gold eingelegten Frauenstatuetten sahen. Auf besondere Weise verbinden sich in diesen Metallarbeiten archaische rustikale Gedrungenheit mit formaler Eleganz, wie sie nur aus langer Erfahrung im Umgang mit dem Material entstehen kann.(20) Es wird deutlich, daß diese Fähigkeiten der Metallverarbeitung eine lange Tradition haben mußten , und daß diese Tradition oder auch die Gegenstände selbst bereits von den Einwanderern mitgebracht wurden. Da es bisher relativ wenig Beispiele für Metallarbeiten gibt, die mit so großer Wahrscheinlichkeit dem ursprünglichen atlantischen Stil zuzuordnen sind, muß hier einmal näher auf charakteristische Formen eingegangen werden. Sie sind im Museum für anatolische Kulturen in Ankara ausgestellt.

Frauengestalten : Es gibt die idolartigen bronzenen Frauengestalten aus Alaca Hüyük. Vom Kopf bis zur Hüfte sind sie ähnlich abstrahierend gestaltet wie auf den Kykladen gefundene Marmorfiguren aus der gleichen Zeit und erinnern dabei mit ihrem breithüftigen , kurzbeinigen Unterkörper an die Muttergottheiten , die im atlantischen Mittelmeerraum und in Catal Hüyük gefunden wurden. Die fast kniehohen Schuhe aus Goldblech haben ihr optisches Gegenstück in den goldenen Schalen der nicht übergroßen Brüste und in mit Gold eingelegten Ohrscheiben. Andere Frauengestalten haben den ganzen Kopf mit Goldblech überzogen und Goldbänder über Brust und Schultern. Das Dreieck der Scham wird plastisch hervorgehoben und erstreckt sich in geometrisch exakter Form über den halben Unterleib. Aus Horoztepe stammt eine Frauenfigur aus Bronze ohne Goldapplikationen, die ein Kind an die Brust drückt.

Bemerkenswert sind auch hier, wie in Lurestan im Iran, wo sie, wie wir noch sehen werden, eindeutig von den atlantischen Einwanderern mitgebracht wurden, die gefundenen "Standarten" . Sie haben unten alle einen Stab- oder zapfenförmigen Ansatz mit dem sie auf Trägern befestigt werden konnten. Welcher Art diese Träger waren, ob es sich um Wagen oder Stangen handelte, ist ungeklärt. Aus der späteren Verwendung ähnlicher Symbole als Heerzeichen - man denke an die "Adler" der römischen Legionen - oder bei zeremoniellen Umzügen auch noch der christlichen Kirchen, kann aber mit einiger Wahrscheinlichkeit auch ihre damalige Verwendung abgeleitet werden. Demzufolge wurden sie bei militärischer Verwendung, ähnlich wie später die Fahnen, auf langen Stangen steckend den einzelnen Heereseinheiten vorangetragen. Bei der Verwendung bei religiösen Umzügen trug man sie den einzelnen Priestergruppen oder Götterfiguren voran.

Es gibt hier Tierdarstellungen und durchbrochene Scheiben als Sonnensymbole. An manchen Standarten sind Metallscheiben in Ringen angehängt, die bei Bewegung klingen. Mit anderen lassen sich rasselnde oder schwirrende Geräusche erzeugen. Hirsche und Stiere sind die am häufigsten verwendeten Tiermotive. Sie sind oft mit ihrem Gehörn bis zu einem halben Meter hoch und wirken mit ihren versilberten Häuptern und konzentrischen silbernen Kreisen besonders eindrucksvoll. Bronzene Stierhörner sind oft in einem weit ausgreifenden Bogen herumgeführt, aus denen Strahlen oder Blüten hervortreten. In den Bögen stehen Tiergestalten oder es gibt geometrische Ornamente wie zum Beispiel das Hakenkreuz. Auch sternförmige Ornamente und fliegende Vögel kommen vor. Daß die Darstellung menschlicher Gestalten völlig fehlt, beweist einmal mehr , daß es sich hierbei um Zeichen handelt, die in Verbindung mit dem lebenden Menschen benutzt wurden. Seine Darstellung war nicht nötig, da er in lebender Form in großer Menge vorhanden war.

Leider gibt es aus dieser Zeit keine Aufzeichnungen, sodaß vieles letztlich ungeklärt bleibt. Durch das Mittel der Schrift etwas erhellt, wird die Zeit erst ab etwa 1900 v. Chr. In dieser Zeit kamen Händler aus dem assyrischen Raum in den südlichen Grenzraum Anatoliens, um mit den Hattiern Geschäfte zu machen. Es bildeten sich regelrechte Handelsniederlassungen, die sogenannten Karums , wie zum Beispiel Kanisch , das heutige Kültepe. In dem Schutt dieser Niederlassungen fand man Tausende von Tontäfelchen auf denen in altassyrischer Schrift Geschäftsurkunden niedergeschrieben waren. Kanisch war ein besonders gern besuchter Handelsplatz, denn hier trafen sich die Karawanenwege der Kupfer- , Zinn- und Textiltransporte.

Es ist bemerkenswert , daß in dieser Zeit um 1900 v. Chr. die sogenannten Churriter sich in Obermesopotamien ansiedelten. Die Herkunft der Churriter ist ungewiß, vieles deutet aber darauf hin, daß es sich, zumindestens in der Oberschicht, und dazu zählten damals auch die oft reichen Händler, auch um Menschen atlantischer Herkunft handelt. Dafür spricht ihre Bautätigkeit in "zyklopischem" Stil und ihre hervorragende Wasserwirtschaft, die sie weiter im Norden in dem später von ihnen gegründeten Reich von Urartu praktizierten, und es spricht weiter dafür ihre geradezu partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den ebenfalls dem atlantischen Handelsvolk entstammenden Hattiern. Denn bei den vorher genannten Händlern aus dem assyrischen Raum handelt es sich sehr wahrscheinlich um Churriter, die sich der landesüblichen altassyrischen Sprache und Schrift bedienten.

Die Churriter hatten offenbar in dieser Zeit auch Zugang zu den Zinnvorkommen im persischen Bergland und möglicherweise waren diese Zinnvorkommen auch das ursprüngliche Ziel ihrer Einwanderung. Mit Hilfe des Zinns aus diesen Minen waren die Hattier nun unabhängig von den Zinnlieferungen aus Spanien oder England , die auf dem langen teuren Seeweg über den atlantischen Metallhandel bezogen werden mußten. Da sich aber mit Bronze, wie beide "Völker" aus ihrem Ursprung im atlantischen Reich wußten, hervorragende Geschäfte machen liessen, entwickelte sich der neue Handel sehr positiv. Die Karums als Teffpunkte der Händler beider "Völker" wuchsen und gediehen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Lage und Bauweise dieser Handelsstädte. Sie wurden auf Plätzen angelegt, die auch schon früher Siedlungen getragen hatten, was beweist, daß es sich um von der Natur begünstigte Orte handelte. Die Abkömmlinge der atlantischen Staaten hatten erwiesenermaßen fast immer, auf Grund ihres alten Wissens, Erfolg bei der Wahl von Siedlungsplätzen, die dem Zweck der Stadt angemessen waren. Diese Städte lagen alle in offenem Gelände, meist bei einem von allen Seiten zugänglichem Hügel, auf dem sich das politische und religiöse Zentrum befand. Sie waren meist kreisförmig oder oval angelegt, um eine möglichst kurze Stadtmauer zu ermöglichen. Beide Merkmale erinnern deutlich an das von Platon beschriebene ursprüngliche Atlantis-Tharsis. Die Stadtmauern waren mit Türmen versehen und hatten eine Dicke bis zu sechs Metern. Manchmal gab es unter ihnen geheime Gänge, sogenannte Poternen, die in atlantischer Kragbauweise errichtet wurden. Solche Poternen sind auch aus dem atlantisch bestimmten Ugarit bekannt. Sie dienten dazu, bei Belagerungen nicht völlig von der Außenwelt abgeschnitten zu werden oder auch, um Ausfälle auf die Belagerer zu machen. Der Durchmesser dieser Städte betrug nur 500 bis 700 Meter. Bei großem Andrang von Handelskarawanen mußten sicher etliche vor der Stadt ihr Lager aufschlagen. Aber sie boten doch eine nicht zu verachtende Sicherheit für die kostbaren Handelswaren wie Kupfer, Zinn, Silber , Gold und Edelsteine, um nur einige zu nennen.

Innerhalb der Städte gab es keine besondere Ordnung. Man baute ohne Plan in buntem orientalischen Durcheinander, so wie vielleicht im Anfang die Zelte aufgestellt waren. Dies beweist, daß es sich hier um Städte handelt, die ausschließlich dem Zweck des Zusammentreffens der Händler geschaffen wurden. Entsprechend einfach wurden auch dann die festen Häuser gebaut. Auf einem Fundament von Bruchsteinen errichtete man die Mauern aus Lehmziegeln oder errichtete eine Holzkonstruktion, deren Zwischenräume mit Lehmziegeln gefüllt wurden. Diese Bauweise ermöglichte dann auch den Bau von mehreren Stockwerken. Die erste Blütezeit dieser Städte währte von 1910 - 1830 v. Chr. Darauf gab es eine Zeit der Stagnation, der eine zweite Blüte von 1815 - 1782 v. Chr. folgte. Danach wurden alle Handelsniederlassungen zerstört. Eine Ursache dafür ist zur Zeit noch nicht erkennbar.

Möglicherweise waren die von Norden allmählich einwandernden Menschen, die sich später Hethiter nannten, und eine von ihnen getragene neue Politik der Grund dafür, daß das Interesse an dem Handel mit den südlichen Nachbarn erlahmte. Wahrscheinlicher aber ist, daß die Kupfererzlager erschöpft oder nur noch sehr schwer abbaubar waren und man deshalb eine gute Technologie zur Gewinnung hochwertigen Eisens entwickelt hatte, die anfangs nur den Hethitern bekannt war und streng geheim gehalten wurde.

Dank dieses Wissens und der mit ihm hergestellten guten Waffen aus Eisen, die den alten Bronzewaffen an Festigkeit, Härte und Schärfe überlegen waren, gelang es den Hethitern in relativ kurzer Zeit ein beachtliches Reich aufzubauen.

Denn um 1750 v. Chr. lebte in der Stadt Kuschschar, die wahrscheinlich in Mittel- oder Ostanatolien lag, ein König Anitta, der die Stadt Hattuscha eroberte und verbrannte und darüber hinaus die Vorherrschaft über eine große Zahl der in diesem Raum bis dahin für sich lebenden Kleinkönige errang. Woher kamen nun diese neuen Menschen, die schon bald das politische Gesicht des vorderen Orients mitprägen würden. Es gibt Hinweise dafür, daß sie wie ihre Vorgänger, die Hattier, aus dem westlichen atlantischen Bereich, ja vielleicht aus dem Kernland Iberien selbst stammten. In der feierlichen Anrufung in einem Ritual, das zur Zeit des Hethiterkönigs Muwatalli um 1300 v. Chr. noch verwendet wurde, steigt die Sonne jedenfalls aus dem Meer empor, und das ist im ganzen kleinasiatischen Raum nicht möglich, aber sehr wohl an der Ostküste Spaniens. Die Anrufung beginnt mit den Worten :

Des Himmels Sonnengott, der Menschheit Hirte !
Du steigst aus dem Meer empor, des Himmels Sonne !
Hinauf zum Himmel wanderst du dahin
Des Himmels Sonnengott, mein Herr ! Dem Menschenkind,
dem Hund, dem Schwein, dem wilden Tier des Feldes
sprichst Recht du, Sonnengott, Tag für Tag !(20)

Auch aus der altindischen Tradition des Hinduismus- Brahmanismus , die, wie wir noch sehen werden, auf den alten atlantischen Traditionen beruhen, sind derartige Beziehungen zu der aus dem Meer aufgehenden oder im Meer versinkenden Sonne bekannt. Auch sie sind heute für Indien gegenstandslos und passen nur auf das Ursprungsland dieser Traditionen "die Insel" Iberien, die eine lange West- und Ostküste hat. Aus beiden Religionsäußerungen kann man aber entnehmen, daß der Himmelsgott, der sich in der Sonne manifestierte, eine bedeutende Rolle in der Religion der Atlanter spielte. Der Versuch der Wissenschaftler, aus der Sprache der Einwanderer einen Hinweis auf ihre Herkunft geben zu können, führte zu dem Ergebnis, daß man sich lediglich einig ist, daß das Hethitische zum indogermanischen Kreis der Kentumsprachen gehört, die im Westen beheimatet sind. Auch dies würde auf Iberien, aber auch auf andere westliche Länder passen.

Um nämlich das scheinbare Chaos für die Ursprungsforscher vollständig zu machen, stellte der Schweizer Sprachforscher Emil Forrer schon 1919 fest, daß in den Tontafelarchiven der Hethiter nicht weniger als acht Sprachen verwendet wurden : Das Sumerische, das Akkadische, das Hethitische, das aus dem Urindischen stammende Harrische, das Protohattische, das Luvische und das Balaiische. Das scheinbare Chaos klärt sich aber, wenn man anerkennt, daß die ersten beiden Sprachen der neuen Heimat der Hethiter zugehörig waren, die übrigen sechs aber von aus dem atlantischen Bereich stammenden Völkern gesprochen wurden, die sich später in den verschiedensten Gegenden Asiens ansiedelten. Offenbar stammten die Einwanderer nach Anatolien nicht nur aus einer Quelle im atlantischen Reich, sondern kamen aus vielen Bereichen. Das Land der Hattier galt wahrscheinlich zur damaligen Zeit als eine Art "El Dorado" oder als eine Art archaisches "Kalifornien des Goldrausches", in dem man schnell zu Reichtum gelangen konnte.

Daß die Einwanderer noch eine Zeitlang an ihrer alten Sprache festhielten, ist eine für Einwanderungsländer auch heute noch typische Erscheinung. Die Gründung des althethitischen Reiches kann man um 1750 v.Chr.datieren. Das von König Anitta dabei zerstörte Hattuscha wurde um 1600 v. Chr. wieder aufgebaut und wuchs zur Hauptstadt eines neuen Reiches heran, das seinen Machtbereich zeitweise bis an die Grenzen Ägyptens und Babylons ausdehnte.. Es dauerte mit wechselnder Ausdehnung bis 1450 v. Chr. als der kriegsbesessene Schuppililiuma I es zu seiner größten Ausdehnung und damit zum hethitischen Großreich emporkämpfte. Er stürzte das südlich gelegene , von den Churritern gegründete Reich von Mitanni und eroberte nach langen Kämpfen das am Euphrat gelegene Karkemisch.

Von Ägypten wurde er als Vertreter einer respektablen, nahezu ebenbürtigen Großmacht angesehen und erhielt deshalb von der Witwe Tutenchamuns ein Heiratsangebot für einen seiner Söhne. Nach einigem Zögern und Einholung von Informationen über die Ernsthaftigkeit des Angebots, wurde dann auch ein Sohn nach Ägypten entsandt. Man ermordete ihn aber schon auf der Reise, denn in Ägypten hatte inzwischen eine neue Dynastie die Macht ergriffen, der derartige Heiratspläne äußerst suspekt waren. Der Ermordung des Prinzen führte dann zum Krieg mit Ägypten, der sich längere Zeit mit Grenzstreitigkeiten hinzog, bis im Jahr 1285 v. Chr. der Pharao Ramses II - im fünften Jahr seiner 66 jährigen Regierungszeit - dem ein Ende zu machen suchte und mit einem großen Heer gegen die Hethiter zog. Es kam nördlich von Damaskus zur großen Schlacht von Kadesch, nach der beide, nach unentschiedenem Ausgang und beiderseitigen riesigen Verlusten, behaupteten, der Sieger zu sein.

Der Krieg zog sich darauf im vorherigen Stil weiter hin, bis im Jahr 1269 v. Chr. die Einsicht siegte und einer der ältesten Nichtangriffspakte geschlossen wurde. Die Silbertafeln, auf denen er ursprünglich geschrieben wurde, sind verloren, aber auf ägyptischen Tempelwänden und hethitischen Tontafeln ist sein Text erhalten geblieben. Es kam dann auch doch noch zu einer ehelichen Verbindung der beiden Reiche, denn im 34. Regierungsjahr heiratete Ramses II die älteste Tochter Hattuschilis´ III. Sie erhielt in Ägypten den Titel :"Des großen Königs Gattin, Herrin der beiden Länder, Matnefrure, Tochter des großen Fürsten von Hatti" und war damit nicht nur eine von vielen Nebenfrauen. Die nun bald einsetzenden Wirren der Wanderung der Seevölker verwischten die weitere Geschichte des Reiches Hatti. Offenbar schlossen sich die hier ansässigen Menschen, wahrscheinlich nach anfänglichen Widerstandsversuchen, der großen Welle der hereinströmenden stammverwandten atlantischen Völker an, und teilten ihre weitere Geschichte.

Geblieben sind von diesem ersten Reich atlantischen Ursprungs auf asiatischem Boden die bereits beschriebenen Funde aus den Gräbern seiner Fürsten und die großartigen Ruinen der Hauptstadt Hattuscha in den Bergen von Bogazkale, ca 150 Km östlich von Ankara. Ihre mächtigen Grundmauern von Tempeln, Palästen, Wohnhäusern und Magazinen bilden einen einzigartigen Zusammenklang mit der umgebenden Landschaft, und ihre erhalten gebliebenen überlebensgroßen Skulpturen an den Toranlagen der Stadtmauern und die in den Fels gehauenen Reliefs des Heiligtums von Yazilikaja sind noch heute ein Erlebnis einzigartigen Ranges.

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Die Anfänge der heutigen Menschheit im Hochland von Iran und im Gebiet von Mesopotamien (33,35)

Das iranische Hochland, dessen besondere Lage durchaus mit der Iberiens verglichen werden kann und das auch sonst , wie wir sehen werden , ähnliche Züge aufweist, läßt sich mit einer Hängebrücke vergleichen, die im Osten im Pamir verankert ist und dessen westlicher Pfeiler das Bergland von Armenien bildet. Im Südwesten und Süden wird das iranische Bassin durch die vom armenischen Bergland südöstlich verlaufenden Gebirgsketten des Zagros gegen Mesopotamien hin begrenzt. Seine Ketten folgen dann den Uferzonen des persischen Golfes, bis sie auf die westlichen Ausläufer der Soliman-Dagh Ketten treffen, welche, den südiranischen Randbergen ausweichend , nach Nordwesten umbiegen und sich im Zentrum des iranischen Hochlandes verlieren, nachdem sie dieses in zwei Teile geteilt haben. Ähnlich wie vom iberischen Hochland kann man also von ihm sagen, daß es ringsum von Gebigen umschlossen und damit weitgehend gegen die umgebenden Gebiete abgeriegelt ist. Damit stellt es ebenfalls eine Art Insel dar.

Auch die geschichtliche Rolle dieses Hochlandes besteht unter anderem darin, daß es in alter Zeit ein Durchgangsland und der Warenumschlagplatz für den Verkehr und den Handel war, nur daß dieser hier zwischen dem Mittelmeerraum und Zentralasien stattfand , während Iberien zwischen Afrika und Europa vermittelte. An der Nordostecke , wo die Steppen an die Ausläufer des Pamir stoßen, liegen die Pässe, über die, aus dem fernsten Osten kommend, die Karawanen zogen. Denn es mündet hier der uralte Weg, der später als "Seidenstraße" bezeichnet wurde. Jener uralte Weg, der seinen Ausgang in der nordchinesischen Ebene nimmt und einerseits bis Istanbul, andererseits durch das Tor von Asien bei Susa in die mesopotamische Ebene und weiter an die syrisch palästinensische Küste führt. Seine besondere geographische Lage brachte es mit sich, daß das Hochland von Iran selbst zu einem kulturellen Zentrum wurde, dessen Ausstrahlungen vom westlichsten Mittelmeergebiet bis nach Nordchina spürbar sind. So gelangte, nach der geltenden geschichtlichen Vorstellung, der im Iran beheimatete Mithra-Kult durch römische Legionäre bis Großbritanien und die iranische Lehre des Mani, der Manichäismus, findet sich sowohl in den Glaubensvorstellungen der südfranzösischen Albigenser , wie auch in Ostturkestan und Nordchina. Wie wir noch sehen werden, kann man über Herkunft und Ausbreitungsrichtung dieser Glaubensformen aber auch anderer Meinung sein.

Innerhalb des iranischen Gesamtgebietes spielt der Nordosten eine besondere Rolle. Hier lag , im heutigen Badakschan und Afghanistan, das alte baktrische Reich, in dem eine eigene Kultur entstand, deren Grundlagen sowohl griechisch wie auch iranisch waren. Alle helenistischen Einflüße, die sich um die Zeitwende und auch später im fernen Osten, im Iran, in Indien, in den Altailändern und sogar im Norden Chinas aufspüren lassen, gehen auf das Herrschaftsgebiet des alten baktrischen Reiches zurück. Das im Süden gelegene Hochland begünstigte in alter Zeit die Entwicklung seßhafter Kulturen. Fruchtbarste Talauen, die sich allmählich zu gutem Weideland erweiterten, lagen zwischen bewaldeten Bergketten, die - fächerförmig ausgebreitet und zur Mitte abfallend - das Hochland im Osten und im Westen anfüllen und ihren Ausgang vom Pamir und vom armenischen Bergland nehmen.

Inmitten des Hochlandes muß einst ein gewaltiger Binnensee gelegen haben , jedoch verwandelte die fortschreitende Austrocknung des abflußlosen Gebietes - nach der Abholzung der großen Wälder und durch die zunehmende Erwärmung dieser Zone nach der Polverschiebung von 8500 v. Chr. - hier vieles von fruchtbaren Weideland in Steppe und von der Steppe in Salzwüste. In den durch niedrige Bergketten getrennten Wüstenbecken liegen nun Salzseen. Der gleiche Prozeß vollzog sich auch in den weiten Tälern des südlichen Zagroskomplexes. Eine solche totale Ausdörrung hatte eine erhebliche Verkleinerung der natürlich bewässerten Gebietes zur Folge und es entwickelte sich eine den besonderen Verhältnissen gut angepaßte und auf der Erde sonst nicht verwendete Art der Bewässerung. Kilometerlange, unterirdische Kanäle fangen die Wasseradern auf, ehe sie zutage treten können und leiten sie in die Dörfer. Diese sogenannten Qannat mit ihren zur Reinigung vorhandenen Einstieglöchern im Abstand von zehn Metern gelten heute noch als besonderes Kennzeichen der iranischen Wasserwirtschaft, deren Anfänge weit in vorgeschichtliche Zeit zurückreichen. Welche Bedeutung der Erhaltung und dem weiteren Ausbau dieser genialen , den Verhältnissen optimal angepaßten Art der Bewässerung zum Beispiel schon im 6ten Jahrhundert v. Chr. zur Zeit der Achämenidenherrscher beigemessen wurde, zeigt sich im Erlaß dieser Fürsten, der besagt , daß fünf Generationen freie Nutzung des durch derartige Bewässerungsanlagen gewonnenen zusätzlichen Ackerlandes zugesichert wird.

Ein weiterer für die Geschichte des Landes bedeutender Vorteil liegt in dem Vorkommen wichtiger Mineralien und Erze. Alabaster, Diorit und Lapislazuli finden sich im Elbursgebirge. Bernstein kommt aus Yezd in der Zentralwüste und im Hochland gibt es Kupfer und Schwefel. Die armenischen Berge und Azerbeidjan liefern Eisen, Zinn, stark silberhaltiges Blei und ebenfalls Kupfer . Im Altertum war auch noch Holz ein wichtiger Exportartikel in das nahezu baumlose Mesopotamien. Auch in diesen Punkten gibt es , wie man sieht , viele Parallelen zu den Verhältnissen in Iberien.

Lange bevor die Perser auf das iranische Hochland einwanderten, betrieb die vorpersische Bevölkerung Viehzucht. Um 7000 v. Chr. bauten hier die Menschen bereits Gerste, Weizen und Roggen an und auf den ausgedehnten Weideflächen , die es zu der Zeit hier noch gab, konnten ganze Herden von Ziegen, Schafen und Kühen aufgezogen werden. Die Bewohner der Berghänge gruben Tunnel und unterirdische Höhlen, um im Winter Schnee und im Frühjahr Schmelzwasser aufzufangen. Diese geniale Art der Wassergewinnung ermöglichte es ihnen auch schon Obstbäume anzupflanzen. Alles dies deutet darauf hin, daß im persischen Hochland, neben den Hochländern Iberiens und Nordafrikas ein weiterer Ursprungsort einer hohen Kultur nach der weltweiten Katastrophe von 8500 v. Chr. zu sehen ist. Die Erträge, die diese frühe agrarische Gesllschaft erwirtschaftete, deckten nur den Eigenbedarf, es entstanden zwar einige Gemeinwesen größeren Ausmaßes, doch die geringe Fruchtbarkeit des Bodens verhinderte ein schnelles Wachstum der Bevölkerung. Wie wir im folgenden sehen werden, gibt es wissenschaftliche Hinweise für folgende Annahmen :

"Die Menschen wanderten , als sie sich nach der Katastrophe wieder entsprechend vermehrt hatten, möglicherweise noch unter "göttlicher" Anleitung , in das Industal und gründeten hier die Indus Kultur, von der wir die Städte Mohenjo-Daro und Harappa wegen ihres hohen städtbaulichen Standards bereits erwähnt haben. Weil es in der Indus Kultur, von der heutigen Wissenschaft noch nicht ganz gelöste Probleme gab - man stellte in den in Harappa aufgefundenen Skeletteilen eine erheblich erhöhte Radioaktivität fest - die möglicherweise zu ihrem Niedergang führten, breiteten sich Volksteile dieser Kultur auf dem Weg über die Insel Dilmun , dem heutigen Bahrein, nach Mesopotamien hin aus. Hier nannte man sie dann "Sumerer" . In Mesopotamien waren zur damaligen Zeit die idealen Voraussetzungen für eine extensive Viehzucht und intensiven Ackerbau gegeben und dort entwickelten diese bereits auf einer hohen Kulturstufe stehenden Menschen dann die erste in Mesopotamien Geschichte machende Hochkultur."

Die Geschichtwissenschaft sagt dazu Folgendes :"Vor der Erfindung der Schrift um 3100 v. Chr. ist der Historiker auch in Mesopotamien fast ausschließlich auf das angewiesen, was die Prähistoriker und Archäologen aus den Bodenfunden ablesen können. Die Sumerer und ihre Kulturnachfolger behaupteten zwar, daß ihre Überlieferung viele Jahrtausende weit bis in die Zeit vor der Sintflut zurückreiche; sie nennen auch eine große Zahl von urzeitlichen Königen vor und nach der Flut mit ihren Regierungszeiten und schreiben diesen Regierungszeiten bis zu zweiundsiebzigtausend Jahren zu", (35) aber dabei ist sicher einiges fehlerhaft und doppelt gezählt. Andererseits ist es durchaus möglich, daß mit der Zeit im Industal und vorher im Hochland von Iran Zeiten von 35000 Jahren zusammenkommen.

Es gibt hier also durchaus Daten, die denen entsprechen, die man bisher von Atlantis annimmt. Vielleicht war die Indus - Kultur sogar der Gegner in der atomaren Auseinandersetzung, die der alten Atlantiskultur von den Indianern Nordamerikas in ihren Mythen nachgesagt wird und die in den indischen Waffenberichten aus grauer Vorzeit ihren Niederschlag gefunden hat. Die atomare Verseuchung der Skelette von Harappa und der unerklärliche Niedergang der Induskultur, sowie die Auswanderung der Sumerer aus dem verseuchten Gebiet, würden so eine natürliche Erklärung finden. Viel spricht jedenfalls dafür , daß es schon vor 4000 städtische Siedlungen als wahrscheinliche Ableger der Indus Kultur in Mesopotamien gab, mögen diese auch noch so bescheiden gewesen sein. Die Ausgrabungen bestätigen jedenfalls, daß man bestimmte Städte wie etwa Eridu, Uruk und Kisch, und deren Kulte, mit Recht für sehr alt halten kann.

Dennoch gehört Mesopotamien selbst eindeutig nicht zu den frühesten Gebieten menschlicher Besiedlung. Funde aus der älteren Steinzeit gibt es nur in der Gebirgszone. Aus den Gebirgen und den Hochländern Irans, Syriens und Kleinasiens werden die ersten Siedler gekommen sein. Der Norden Mesopotamiens wurde sicher wesentlich früher besiedelt als der Süden. Sehr früh lernte man hier neben der uralten Herstellung von Geräten aus Stein, Holz und Knochen sowie der seit etwa 5000 v. Chr. bezeugten Verarbeitung des Tons zu Gefäßen und Figürchen die Gewinnung und Bearbeitung von Metall, vor allem das Hämmern des Kupfers.

Mannigfache Beziehungen verbinden die vorgeschichtlichen Kulturen Mesopotamiens mit denen , die auf bestimmten Ruinenhügeln Syriens und vor allem Irans beobachtet wurden. Als sicher kann gelten, daß die Bevölkerungen in diesen Gebieten damals einander ähnlich gewesen sind. Daß gleichwohl beträchtliche Unterschiede vor allem in der Sprache bestanden haben, können wir den recht ungleichartigen alten Substraten entnehmen, die im akkadischen Assyriens und Babyloniens sowie im Sumerischen erkennbar sind. Es handelt sich also offenbar um Sprachen aus zwei verschiedenen Kulturkreisen. Außerdem stehen zwei im wesentlichen grundverschiedene Malstile im nördlichen Mesopotamien nebeneinander, der von Tell Halaf und der von Samarra. Beide Stile geometrisieren weitgehend die der Natur entnommenen Motive, sind also nicht naturalistisch. Besonders beliebte Motive des Stils von Tell Halaf sind die Doppelaxt, Stierköpfe, Rosetten und das Malteserkreuz, religiöse Symbole, die man auch plastisch in Stein und Ton abbildete. Die oft zweifarbige Malerei bezeugt ein entwickeltes Formgefühl. Es sind Motive, wie sie auch im Mittelmeeraum und in Kanaan verwendet werden. Ihre Anwender könnten demnach zur nordafrikanischen, atlantischen Ursprungsgruppe gehören.

Ein Grundmotiv der Samarratöpferei ist das Hakenkreuz , um das Tiere ( neben dem Steinbock Vögel und Fische ) oder seltener Menschen gleichsam rotieren. Die Zeichnung ist ganz schematisiert, um die Figuren dem abstrakten Kompositionsschema einzufügen. Man kann sich schwer vorstellen, daß beide Stile auf dem Boden desselben Volkstums und gleichartiger religiöser Vorstellungen ausgebildet wurden; der Samarrastil scheint aus dem Iran zu stammen, Fast nur geometrische Motive zeigt die aus der gleichen Zeit stammende viel ärmlichere und gröbere bemalte Keramik des Eridu Stils in Südbabylonien. Babylonien war damals also noch dem Norden kulturell unterlegen.

. Das Mittel- und Spät-Chalkolithikum ( Kupfersteinzeit) (etwa 3600-3200) hat für ganz Mesopotamien den Namen Obed - Zeit bekommen. In dieser Zeit wurden der Metallguß und die sich langsam drehende Töpferscheibe erfunden. Unter den Tonfiguren überwogen nackte Frauen (oft mit Kind an der Brust) und Stiere , beide Figurentypen sind auch aus den Anfängen der atlantischen Kultur aus dem Mittelmeerraum bekannt . Die Steinschneidekunst, die früher nur geringe Möglichkeiten hatte, wurde technisch verfeinert ; es entstanden Tierfigürchen aus Stein . Auch schnitt man jetzt in die Stempelsiegel, deren Abdrücke in Ton als Eigentumsmarken dienten, Tierbilder ein. Obwohl die Siegelbilder negativ eingeschnitten wurden, gelangen den Künstlern bisweilen überraschend lebendige und naturgetreue Darstellungen. Groß waren die Fortschritte der Baukunst, von der wir in Eridu in Südbabylonien und in einem kleinen Kulturzentrum Nordassyriens auf dem Tepe Gaura Zeugnisse haben. Die nicht sehr großen, jetzt stets rechteckigen Tempel enthielten meist mehrere Räume neben dem eigenlichen Kultraum, der vielleicht nicht immer überdacht war.

Aber in Südbabylon entstand, wie bereits erwähnt, jetzt etwas ganz Neues. Die Sumerer, die Leute des Ackerbaus, hatten um 3500 v. Chr. den Wert der Lage erkannt und nun ihre ersten Städte hier errichtet. Möglicherweise reichte das bisherige Siedlungsgebiet auf der Insel Dilmun auch nicht mehr aus. Einige von ihnen sollen gottähnliche Eigenschaften und gottähnliches Wissen besessen haben. Auch ein sehr langes Leben wurde einigen von ihnen nachgesagt. Wahrscheinlich beruhen diese Aussagen aber auf dem erheblichen Kultur- und Wissensgefälle, das zwischen den Sumerern und den bisher in Mesopotamien lebenden Menschen bestand. Jedenfalls erscheint es heute noch so, daß die Sumerer als erste Wesen dieser gegenwärtigen Erdzivilisation eine Schrift erfanden und benutzten, die sich auch für den Alltagsgebrauch als so geeignet erwies, daß sie von allen späteren Völkern der Region für Jahrtausende übernommen und weiterentwickelt wurde.

Auch sonst wußten sie sehr viel. Sie konnten Städte und Bewässerungssysteme bauen, legten Felder und Gärten an und hielten Tiere in Gehegen, die nicht ausbrachen und flohen, sondern sich friedlich von den Einwohnern hin und hertreiben ließen, bis sie schließlich von ihnen geschlachtet und aufgegessen wurden. Das alles war etwas ganz neues in der Region und erregte die Bewunderung und den Neid der Nachbarn. Wenn nicht alles täuscht, ist dieses Neue nicht allmählich gewachsen, sondern wurde von den Sumerern bereits mitgebracht und hat sich rasch in der kurzen Zeit von etwa hundert Jahren entfaltet. Die damals entstandene Hochkultur nennen wir sumerisch, weil ihre Träger sumerisch schrieben , wer aber waren die Sumerer?

Schumer ist die akkadische Form von Kengi(r) , dem sumerischen Namen von Südbabylonien, und bedeutet >Kulturland<. Es wird angenommen, daß die Sumerer etwa zur Zeit des Übergangs zur Uruk - Kultur in Babylonien eigewandert sind, wobei die Wanderunggsbewegungen sich vermutlich über viele Jahrzehnte erstreckten. Die für diese Zeit außerordentlich hohen kulturellen Leistungen der Sumerer führen zu dem Schluß, daß diese Kultur , wie die Kultur von Atlantis, ursprünglich göttlich oder außerirdisch inspiriert war und daß sie dazu noch eine lange Vorgeschichte haben mußte. Doch wo sollte diese Vorgeschichte stattgefunden haben? Aus neueren Forschungen ist bekannt, daß Enki, der "Herr der Wassertiefe" wie er genannt wird, der älteste Gott der Sumerer, auch für das Land "Melucha" zuständig war. In dem Land Melucha sehen einige Forscher Nordwestindien. Sie werden in dieser Annahme gestützt durch Keilschrifttexte, die den Ursprung der Sumerer im Land Aratta ansiedeln. Aratta liegt im Hochland des Irans, es ist also durchaus vorstellbar, daß die Sumerer aus diesem Hochland durch Afghanistan und Nordwestindien ins Industal wanderten, wo sie die Induskultur mittrugen. >

Enki wurde auch auf der Insel Dilmun, die 700 Km südöstlich von Eridu im persischen Golf liegt und dem heutigen Bahrein entspricht, verehrt. Wahrscheinlich hat sich auf dieser Insel, die völlig geschützt lag, die Kultur unter göttlicher Aufsicht und Leitung von Enki entwickelt oder von den ihr im Industal zugefügten Schäden erholt, bevor sie auf das Festland in Mesopotamien überwechselte. Wohl auch deshalb gilt Dilmun in der sumerischen Überlieferung als die Insel der Seligen und der "Ort des Schilfs, von dem alles Wissen seinen Ausgang nahm".

Auffällig ist dabei, daß in Sumer, wie in Atlantis, der Gründungsgott der "Herr des Wassers" ist und daß die Kultur in beiden Fällen zuerst auf einer geschützten Insel entwickelt wurde, bevor sie - als sie (wieder) stark genug dafür war - aufs Festland überwechselte. Das Festland ist in beiden Fällen eine fruchtbare Ebene, die von Flüssen durchzogen wird und sich damit zum Bau von umfangreichen Bewässerungssystemen eignet, in deren Anlage beide Kulturen Meister waren.

Dies erinnert wieder an die durch Platon überlieferten Aussagen, daß die Götter die Erde unter sich aufteilten und jeder in seinem Bereich seine Kultur gründete. Möglicherweise wurden so beide Kulturen auch nahezu gleichzeitig gegründet und aus einer ähnlichen, möglicherweise sogar konkurrierenden Quelle gespeist. Die alten Mythen Sumers, wie die Aussagen, die aus den Anfängen von Atlantis bekannt sind, sagen jedenfalls eindeutig, daß ohne die Hilfe der Götter bei der Gründung dieser ersten Kulturen, die Menschen heute noch als Jäger und Sammler, in Felle gekleidet, ihr Leben fristen würden.

Auch in den Sprachen beider Kulturen gibt es ähnliches. Das Sumerische ist eine die Wortwurzeln nicht verändernde agglutierende (verklebende) Sprache wie in Europa das Finnische und Ungarische. Man hat es in keine der bekannten Sprachfamilien einordnen können und eben deswegen mit fast allen schon einmal verglichen. Relativ am meisten Gewicht haben Hinweise auf Strukturähnlichkeiten mit einigen Kaukasussprachen, mit denen das Sumerische die passivische Verbalauffassung teilt - man sagte statt >er schrieb< etwa >von ihm wurde geschrieben< - und auf Eigentümlichkeiten , die sich ähnlich auch in den erst aus viel jüngerer Zeit bekannten Dravida- Sprachen Indiens finden.(35) In dieser Hinsicht hat die Sprachwissenschaft mit dem Sumerischen die gleichen Probleme wie mit dem baskischen, das heute als letzter Rest der alten atlantischen Sprache betrachtet werden kann. Offenbar beruhen diese beiden ältesten Sprachen des westlichen Kulturraums auf Ursprüngen, die nicht mehr rekonstruiert werden können. Vielleicht sind sie ein Teil der außerirdischen Kulturübermittlung in den Anfängen der menschlichen Kultur gewesen , mit dem Zweck, den Menschen überhaupt erst einmal das Prinzip einer Sprache näher zu bringen.

Als die Menschen das Prinzip begriffen hatten, fingen sie an, in jeder Gruppe eigene Wege zu gehen. Es folgte die Zeit der "babylonische Sprachverwirrung" in der die Sprachen sich so auseinanderentwickelten, daß selbst Bewohner benachbarter Orte, die nicht andauernd miteinander in Kontakt standen, wie beispielsweise die in parallelen Gebirgstälern wohnenden, sich nach einiger Zeit nicht mehr gegenseitig verstehen konnten. Dies würde auch noch heute andauern , wenn nicht die Regierungen der Kulturstaaten die Sprache für ihren Bereich festgeschrieben hätten.

Über die Städte der Sumerer herrschten wie in Atlantis Gottkönige, die als Nachkommenschaft der Götter galten. Ihren Göttern errichteten die Bewohner, wohl in Ermangelung vorhandener Berge, Tempeltürme, die sogenannten Zikkurats. In der Stadt Uruk soll Gilgamesch gelebt haben, nach dem das älteste erhaltene Epos benannt ist. Hier entstand auch das älteste bisher bekannte System einer brauchbaren Schrift. Um das Jahr 3000 v.Chr. wurden die bis dahin selbständigen Städte unter der Herrschaft eines Königs zusammengefaßt. Der erste sumerische Staat entstand. . Nach den Befunden der Ausgrabungen von Uruk wird der Neubeginn zuerst in der Baukunst sichtbar. Neben die überkommene und nun feiner ausgestaltete Form des Hochterrassentempels mit seinen bescheidenen Ausmaßen treten jetzt monumentale Tempelanlagen zu ebener Erde, zum Teil mit Mauerwerk aus einer Art von Gußbeton über Sockeln aus kleinen Kalksteinblöcken, eine im Lande des Lehmbaus ganz ungewöhnliche Bauweise. Aus ganz kleinen Lehmziegeln mit quadratischem Querschnitt wurden die gewaltigen Mauern von meist dreischiffigen Tempeln errichtet , deren Längsachse bis zu achtzig Metern maß. Eine Pfeilerhalle verband benachbarte Tempel.

Einzigartig war der Bauschmuck: Man steckte in eine dicke Lehmputzschicht ungezählte Tonkegelchen, seltener Steinkegel mit gefärbten Köpfen. Die dadurch gebildeten Mosaiken (Hauptfarben schwarz, weiß, rot) (wie die Mauern von Atlantis) zeigten meist Rautenmuster, die deutlich das Geflecht von Schilfmatten nachahmten. Die Stiftmosaiken sollten die Tempelmauern schützen und waren zugleich ein leuchtender Farbschmuck für große Wandflächen und Pfeiler. Von der Frontgliederung mit flachem Dach vermitteln uns Siegelbilder wenigstens eine ungefähre Vorstellung.(35)

Die Sozialstruktur der frühsumerischen Tempelstädte und der umliegenden Dörfer, die man aus den Denkmälern der Bau und Bildkunst und aus den oft nicht ganz verständlichen Schrifturkunden ablesen kann, war wie folgt : der Tempel des Stadtgottes war wirtschaftlich und sozial die alles beherrschende Größe. Kein Palastbau deutet in dieser frühen Periode auf eine davon unabhängige Staatsverwaltung von vergleichbarem Gewicht. Landwirtschaft und Viehzucht spielten eine gleich bedeutende Rolle. Der hohe Stand der Kunst setzt das Vorhandensein eines Handwerkerstandes und damit verbundene Arbeitsteilung voraus. Die Bauten bezeugen einen Reichtum, der aus der Landwirtschaft allein kaum gewonnen werden konnte. Ein einträglicher Handel muß die fehlenden Rohstoffe, vor allem Steine und Metalle, im Austausch gegen Getreide und Erzeugnisse des Handwerks ins Land gebracht haben. Ob in Handel und Gewerbe die Privatwirtschaft von wesentlicher Bedeutung war, ist zweifelhaft, wahrscheinlich wurde zumindest auch das Gewerbe vom Tempel her bestimmt.

Erst als einige dieser neuen Tempel bereits standen, kam es nach den Schichtenbeobachtungen der Ausgräber zu einer weiteren Erfindung, die der Kleinbildkunst ganz neue Wege wies: dem Rollsiegel ( etwa 3150 v. Chr. ) . Es wurde das Siegel in den Mantel kleiner zylindrischer Rollen eingeschnitten und das Bild dann auf dem Ton abgerollt. Diese Bilder hatten keine Seitenbegrenzung mehr, weil die Abrollung beliebig lang sein konnte. Wohl an hunderttausend solcher Rollsiegel sind uns im Original oder in Abrollungen aus fast dreitausend Jahren in Mesopotamien und später auch Kleinasien und Syrien sowie seltener Ägypten und der Ägäis erhalten. Die meisten nur handwerkliche Reproduktionen gängiger Bildmotive, die besten aber kleine Kunstwerke.(35) Einige Kultbilder zeigen Opferszenen oder Prozessionen zu Schiff. Ebenso begegnen uns schon einige der später so oft dargestellten Mischwesen. Die Figuren sind naturgetreu nachgeschnitten, manche Bilder wilder Tiere sind prachtvoll gelungen. Eine regellose Verteilung der Motive über die Bildfläche ist aber selten. Das normale sind sorgfältig ausgewogene Kompositionen, wobei die Gegenüberstellung fast gleicher Bildhälften ein beliebtes Prinzip ist; bei zwei Bildreihen übereinander sind die ( gedachten ) Mittellinien zwischen den Bildhälften gegeneinander versetzt. Der Symmetrie zuliebe schafft man auch unwirkliche Gestalten, zum Beispiel zwei Löwen mit zweimal verschlungenen Hälsen. Die Perspektive fehlt, dadurch schweben die im Hintergrund gedachten Figuren scheinbar in der Luft.

Die Tempel, die riesige Wirtschaftskörper mit Tausenden von Bediensteten bildeten, ohne irgendwelche Aufzeichnungen zu verwalten, war auf die Dauer unmöglich. Man half sich zunächst gewiß mit dem Einkerben von Zahlzeichen in Wandplatten oder Täfelchen; auch ließen sich die Gegenstände durch Siegelabrollungen kennzeichnen. Aber auch das konnte wohl nicht verhindern, daß das Gedächtnis der Verwalter ständig überfordert war, wenn sie die Ein- und Ausgänge von Korn, Öl und allem anderen im Kopf behalten sollten.

Der Gedanke, Gegenstände, Zahlen und Maße durch Bilder oder abgekürzte Symbole zu bezeichnen, später aber auch Schriftzeichen für andere Wörter und noch später für grammatische Elemente zu schaffen, ist die dritte große Leistung der Sumerer dieser Zeit. Da Schrifttafeln aus Ton erst nach den Rollsiegeln und lange nach den ersten Monumentalbauten auftauchen , können die Sumerer die Schrift nicht schon mitgebracht haben. Von den Sumerern aus wanderte die Idee des Schreibens, aber nicht die sumerische Schrift, durch die Handelsbeziehungen nach Westen zu den Ägyptern und nach Osten zu den Indusleuten und von dort weiter zu anderen Völkern. Geschrieben hat man mit Griffeln auf Ton zunächst nur Verwaltungsurkunden, von denen in Uruk viele hunderte aus den ersten Jahrzehnten des Schreibens gefunden wurden.

Den Zeichenbestand dieser frühen Schrift schätzt man auf etwa zweitausend Bild- und Symbolzeichen. Für den Unterricht der Schreiber begann man sehr früh, Zeichenlisten in sachlicher Anordnung zu schaffen; ebenso alt dürften die ersten Amulettäfelchen sein, auf die man mit wenigen Zeichen eine magische Formel schrieb. Abstrakte Begriffe umschrieb man zunächst wohl mit Bildern für Gegenstände, deren Namen ähnlich klangen. Besonders früh bezeugt ist die Verwendung des Pfeilzeichens (sumerisch ti) für ti(l) >Leben< . Exakt lesen können wir diese früheste Schrift noch nicht, wohl aber alle Zeichen deuten, die in geometrischer Gestalt auch später noch verwendet wurden oder die als Bilder eindeutig sind.(35)

Doch auch das hervorragende Wissen der Sumerer war, zumindest was die Verhältnisse auf der Erde angeht, begrenzt. Alle ihre Städte und Anlagen bauten sie anfänglich ohne jedes Verteidigungssystem. In Uruk endete wahrscheinlich deshalb diese Zeit um 3000 mit einer großen Katastrophe, welche die Bauten der Schrifterfinder-Generation vernichtete. Wir wissen nicht was diese Katastrophe heraufführte. Nur glauben wir, in dieser Zeit einen geschichtlich bedeutsamen Vorgang ansetzen zu können, nämlich den ersten Einbruch größerer Gruppen von Semiten in Mesopotamien. Für diese kriegsgewohnten, an die harten Bedingungen des Existenzkampfes auf der Erde gewöhnten Menschen war es kein großes Problem, in die aufblühenden schutzlosen Städte der Sumerer einzudringen und sich anzueignen , was ihnen gefiel . Wehrten sich dann die Bewohner, so war es nur normal, daß sie getötet wurden und ihre Stadt wurde zerstört.

So hielt man es schon seit langem auf der Erde und so geschah es wahrscheinlich auch in der Stadt Uruk. Aber nicht immer kam es so schlimm. In anderen Städte gab es Überlebende und die Eindringlinge erkannten den Wert der Anlagen und Einrichtungen, wurden ebenfalls hier seßhaft und vermischten sich mit den sumerischen Einwohnern. Trotzdem war die Zerstörung von Uruk der Auftakt zu immer neuen Überfällen und Eroberungen, welche die Geschichte dieses Landes bis in die heutige Zeit geprägt haben. Auch die nun immer stärker werdende Befestigungsanlagen konnten nicht verhindern , daß die Städte in diesem nach allen Seiten hin offenen Land immer wieder erobert, ausgeraubt und zerstört wurden. Auch die Bevölkerung hatte immer wieder zu leiden. Tod oder Verschleppung in die Sklaverei war oft ihr Schicksal.

Umso erstaunlicher ist es , daß sich immer wieder Menschen gefunden haben, die in diesem Raum leben wollten. Die Natur entschädigte offenbar durch die Fruchtbarkeit der Böden und das Vorhandensein von reichlich oder zumindest ausreichend Wasser für die Gefahr, die das Leben in diesem Gebiet mit sich brachte. Die Offenheit nach allen Seiten hatte ja auch wichtige Vorteile. Man konnte das Land leicht erreichen. Das förderte den Handel und den Verkehr mit den Nachbarn. Und da die Lage den weiteren Vorteil bot, ein Durchgangsland zwischen der damals bekannten und besiedelten Welt im Westen, das heißt dem Mittelmeerraum, Europa und Nordafrika, Kleinasien, Syrien und Palästina und dem Osten, das heißt dem Hochland von Iran, Turkestan, Indien , Afghanistan, Tibet und China zu sein, war es als Land des Handels bestens geeignet, und zog deshalb auch immer wieder Menschen und Händler aus allen Teilen der Welt magisch an.

So geschah es dann, daß in Zeiten des Friedens, in denen der Handel sich frei entwickeln konnte, ungeheure Reichtümer durch das Land flossen. Ein Teil davon blieb im Lande und wurde angehäuft , was dann wieder die Begehrlichkeit der nächsten Nachbarn weckte und sie zu einem neuen Raubzug veranlaßte. Trotzdem stieg der Reichtum der Region immer weiter an und wurde für lange Zeit von keinem Gebiet der Erde übertroffen. Das lag nicht zuletzt daran , daß die Schätze meist in der Region verblieben. Sie wechselten nur von einer Stadt zur anderen. Von Babylon nach Susa und wieder zurück. Von Babylon nach Assur und Ninive und wieder zurück.

So wird der Stolz und der Hochmut und auch die manchmal durchbrechende Maßlosigkeit der Herrscher verständlich, die sich auf Grund ihres unermeßlichen Reichtums und dem hohen Stand ihrer Kultur als Götter und Herren der Erde fühlten, und am liebsten nur noch mit Göttern verkehrt hätten. So wird es aber auch verständlich, daß sich immer wieder Kriegsherren und Heere fanden, die durch den Reichtum der jeweiligen Sieger magisch angezogen wurden und versuchten, einen Teil davon zu erbeuten.

Nach dem Eindringen der, ursprünglich aus der nordafrikanischen Stammgruppe der Atlanter stammenden, Semiten in die sumerischen Stadtstaaten änderte sich die soziale Struktur der gemischten Siedlungen . Hatten die Sumerer noch ein System, das wir heute "religiösen Staatssozialismus" nennen würden, und das darin bestand, daß es einen Stadtgott gab, der in einem Tempel wohnte und dort verehrt wurde, und daß diesem Tempel aller Besitz an Land und Anlagen gehörte, so entstand jetzt neben dem Tempel der Palast des erobernden weltlichen Herrschers, der mit dem Tempel in wirtschaftliche und machtpolitische Konkurrenz trat. Auch der einst so friedliche Geist, der die Region erfüllt hatte, änderte sich. Mit der Menge der Eindringlinge und dem Konkurrenzkampf um Macht und Einfluß kamen Neid, Mißgunst und Streit um das Land und die besten Siedlungsplätze .

Immer neue Städte und Königssitze wurden gegründet, so Chamazi, Adab oder Akschak , und das Schwergewicht der Neugründungen wanderte immer mehr nach Norden. Hier siedelt dann auch die in der Spätzeit entstandene "Sumerische Königsliste" die "1. Dynastie nach der Flut" mit 20 Herrschern an. Sie soll in Kisch , das 160 Km von Uruk entfernt liegt, gelebt haben. Hier verehrte man den kriegerischen Gott Zababa und die Königsliste beginnt mit Etana, der auf einem "Adler" in den Himmel aufstieg und nicht zurückkehrte. "Er einigte alle Lande" heißt es von ihm, und die 100 Jahre später bei den Fürsten Eannatum und Entemena in Lagasch entstandenen Urkunden sagen auch aus, daß ein König Mesilim einst einen Streit zwischen Lagasch und seiner Nachbarstadt Umma schlichtete und eine Gedenksäule als Grenzstein an der neu festgelegten Grenze errichtete. Dies beweist, daß es eine Einigung und einen Oberkönig gegeben hat. Die genannte "Sumerische Königsliste" nennt Mesilim zwar nicht, aber es gibt mehrere Inschriften auf einem als Weihgabe gedachten Keulenknauf , die etwa folgendes aussagen : Mesilim, König von Kisch, Erbauer des Ningirsutempels, weiht dieses für Ningirsu. Lugal - schag - engur, Ensi von Adab.(35)

So, wie das politische Gewicht jetzt auf Kisch übergegangen war, so hatte das 50 Km südöstlich von Kisch gelegene Nippur eine Art von religiöser Vorherrschaft gewonnen. Hier befand sich der Tempel Ekur "Berghaus" und in ihm wurde Enlil verehrt, der ursprünglich "Gott der Lüfte" war, dann "Herr der Länder" und dann "König der Götter" genannt wird . Mit Enki und An gehört er zur sumerischen Trinität. Er war Herr der Schicksalstafeln, ein unerbittlicher Herrscher, Spender des Lebens und der Fruchtbarkeit und wurde als Reichsgott Sumers überall anerkannt. Sein durch seine Priester geäußerter Spruch entschied, wer Herrscher im Lande sein sollte. Nach der Beschreibung seines Werdegangs und seiner auf der Erde ausgeübten Funktionen kann es sich durchaus um einen außerirdischen "Kulturbringer" gehandelt haben, der erst einmal dafür sorgte, daß ein auf Erden funktionierendes politisches System geschaffen wurde und auch für eine längere Zeit erhalten blieb, um sich zu stabilisieren.

Mit der Einwanderung von immer mehr Semiten aus den Wüstengegenden und dem syrischen Raum waren die Zeiten jetzt allgemein unsicherer geworden und man begann deshalb, nicht nur Tempel und Palast zu befestigen, sondern die Befestigung sollte die ganze Stadt, möglichst noch mit Gärten und Viehweiden, umschließen. So erhielt man auch die Ernährungsbasis für eine längere Belagerung. Das schönste Beispiel hierfür bietet die sogar in das Gilgamesch - Epos eingegangene Mauer von Ur. Ein doppelter Mauerzug von 9,5 Km Länge umschloß Heiligtümer, Wohnviertel, Gärten, Äcker und Weiden. Zwei Tore, im Süden und im Norden, von 3,5 m Breite, durch Rechtecktürme gesichert, gewährten Einlaß. Die Mauer war 5m breit und im Abstand von 10m durch 800 Halbkreistürme verstärkt. Ein für die Zeit gewaltiges Werk, dessen Erbauung den Einsatz aller Kräfte von den Bewohnern forderte.

Die bevorzugte Art des Tempelbaus ist jetzt wieder der Zikkurat, ein stufenförmiger Tempelturm, der auf einem mehr als 20m aufragendem Lehmziegelblock errichtet wird. Er entspricht offenbar dem Wunsch, die Wohnung des Stadtgottes - den Tempel - über das allgemeine Niveau der Wohnungen der Menschen zu erheben. Wo Berge vorhanden waren, geschah dies durch Anlage der Kultstätten auf ausgesuchten markanten Bergen. Hier, in der Ebene Mesopotamiens, mußten die Berge künstlich durch den Menschen erschaffen werden. Die Höhe des Zikkurats wurde schließlich ein Maß für die Größe und die Macht der Stadt. Das erklärt auch den Hintergrund der biblischen Geschichte von Turmbau zu Babel, wo menschlichem Größenwahn gehuldigt werden sollte. Die Grundform der Tempelanlage war das Rechteck oder Quadrat. Nur in besonderen Fällen wich man davon ab, so zum Beispiel beim Tempeloval von Chafidji, 25 Km südöstlich von Bagdad. Dieser Tempel war unter anderem der Liebesgöttin Innana geweiht und man bemühte sich offenbar, typisch weibliche Formen bei der Planung der Gesamtanlage zu berücksichtigen.

Im Jahr 2360 v. Chr. schwingt sich dann Lugalzaggesi, der ehrgeizige König von Umma, der Nachbarstadt von Lagasch, auf, um das sumerische Land mit Gewalt unter eine Hand zu bringen. Er erobert und zerstört Lagasch, wobei er auch die Tempel nicht verschont - eine frevlerische Neuheit in der Geschichte des Landes - und verlegt seine Residenz nach Uruk, das offenbar kampflos aufgibt. Auch Ur und Larsa fallen ihm zu. Kisch wird erobert und Nippur öffnet ihm die Tore .Die Priesterschaft verleiht ihm, wahrscheinlich gezwungenermaßen, die Würde "König der Länder". Sein weiterer Titel, den er selbst nennt, verrät einiges über die damaligen Machtverhältnisse. Er lautet : "König von Uruk, König des Landes, Priester Ans, Prophet der Nisaba, Groß - Ensi Enlils, mit Verstand begabt von Enki, mit Namen benannt von Utu, Versorger der Innana, Kind der Nisaba, mit heiliger Milch getränkt von Ninchursang, Hauptzögling der Ninabuhadu, der Herrin von Uruk, Begeisterter der Götter". Seine "Begeisterung" verlieh ihm die Fähigkeit , Sumers Macht auch in größeren Fernen zu verbreiten und eine aufgefundene Inschrift bescheinigt ihm die Ausweitung seiner Herrschaft bis nach Syrien hin. Sie dauerte 25 Jahre, in denen - nach seinen Worten - "die Menschen in Sicherheit wohnten" und der Einfluß Sumers sich bis ans Mittelmeer hin ausbreiten konnte. Sein Ende war allerdings tragisch. Sargon aus Akkad besiegte ihn, zwängte seinen Hals in eine Holzgabel und ließ ihn am Portal von Enlils Tempel in Nippur ausstellen. So rächte sich letztendlich doch die Zerstörung der Tempel von Lagasch. Die kurze Zeit der politischen Macht von Sumer - die eigentlich ja auch nicht mehr rein sumerisch war - fand ihr Ende, und mündete in das "semitisch" bestimmte Reich von Akkad.

Durch reiche Ausgrabungsergebnisse ist bestätigt, daß auf dem Gebiet der Goldschmiedekunst und der Metallbearbeitung die Handwerker von Sumer hervorragende Künstler und Techniker waren. Vor allem die Funde aus den Königsgräbern von Ur , die in der ersten Dynastie von Ur entstanden sind und die damit in die Zeit vor 3000 v.Chr. zurückreichen, beweisen eindeutig die hohe Stufe der Kultur der Sumerer, die sich durchaus mit der späteren ägyptischen messen kann.

Die Königsgräber, die man hier fand , stellen auch sonst eine Besonderheit dar. Es sind Gruftbauten, die in einem bis zu zehn Meter tiefen Schacht angelegt wurden. Sie bestehen aus einer oder mehreren Kammern, aus Kalkstein errichtet und mit einem Tonnen- oder Kuppelgewölbe überdeckt. In diesen Gewölben hatte man Könige, Fürstinnen und Hohepriesterinnen zur letzten Ruhe gebettet und mit überreichen Grabbeigaben versehen. Aber sie waren nicht allein bestattet worden. In den Vorkammern und in der Rampe, die in den Schacht hinabführte, fand man die Leichen des Gefolges. Diener, Musikanten und Leibwächter, dazu die Wagenlenker mit ihren esel - oder rinderbespannten Fahrzeugen. Man zählte bis zu 80 Mitbestattete in einem einzigen Grab. Die Krieger, 50 oder 60 an der Zahl , hatten Kupferhelme auf dem Haupt und zwei Speere bei sich. Gruppen von neun Mädchen mit reichem Haar -, Hals - und Gewandschmuck und Musikinstrumenten wurden gefunden. Die Hand der Harfenistin lag noch auf den Saiten ihres Instrumentes.

Man erklärt heute diese eigenartige Bestattungsweise mit dem Kult der heiligen Hochzeit, der in allen Staaten des alten Kulturkreises eine große Rolle spielte. In ihm fand die Vereinigung eines Gottes mit einer Hohepriesterin oder der Göttin Inanna mit ihrem göttlichen Liebhaber - in Sumer Dumuzi genannt - ihren kultischen Ausdruck. Der bestattete Fürst war zu Lebzeiten dieser "Dumuzi" gewesen und dadurch selbst in den Rang eines Gottes erhoben worden. Damit war er unsterblich geworden und würde nach der Überzeugung der Menschen wieder auferstehen. Die Auferstehung würde auch für sein Gefolge gelten, das durch Trinken aus einem mit Gift gefüllten Becher mit ihm freiwillig in den Tod ging. Die Auferstehung hatte für den König offensichtlich dann auch stattgefunden, denn sein Leichnam wurde in keinem Grab gefunden. Dafür fand sich ein Loch in der Decke des Gruftgewölbes, durch das der Leichnam wahrscheinlich entfernt worden war. Die reichen Grabbeigaben wurden dabei aber nicht angetastet, es handelt sich also nicht um das Werk von Grabräubern. In unserer Zeit, die für alles eine rationale Erklärung sucht und findet, deutet man das so, daß der Leichnam später in einem kultischen Auferstehungsakt - eventuell zum Neujahrsfest, das eine hohe kultische Bedeutung hatte - von Priestern aus dem Grab geholt und nach der "Auferstehung" in ein höhergelegenes Grab oder ein Mausoleum umgebettet wurde.

Trotzdem bleibt eine solche Opferhandlung rätselhaft, genauso wie der unwahrscheinlich hohe Stand dieser nahezu aus dem Nichts auftauchenden Kultur. Aus den ganzen bekannten Kulturräumen ist nichts Vergleichbares in dieser Zeit bekannt. Auch die etwas seltsame Unangepaßtheit an irdische Verhältnisse, die dann auch zum zeitweisen Niedergang und zur teilweisen Vernichtung dieser Kultur führte, gibt zu denken. Hier gibt es aber gewisse Parallelen in der noch rätselhafteren Induskultur.

Darüberhinaus gab es bis zu dieser Zeit auf der Erde keine Möglichkeit über geschriebene Zeichen miteinander zu kommunizieren noch irgendwelche Dinge für die Nachwelt festzuhalten. Die Sumerer beherrschten diese Kunst bereits in einem sehr frühen Stadium ihrer Kultur und wandten sie perfekt an. Die Schrift, die sie entwickelten, war noch dazu so genial, daß sie sich mit damals überall vorhandenen Mitteln ausüben ließ und von den Menschen dieser Zeit leicht begriffen und erlernt werden konnte.

Um 2370 v.Chr. wurden die Sumerer durch die Dynastie der Akkader abgelöst , eines semitischen Stammes, der aus der Wüste im Westen einwanderte. Viele sehr alte semitisch akkadische Lehnwörter zeigen, daß die Semiten schon früh im dritten Jahrtausend in Babylonien eine bedeutende Rolle gespielt haben müssen und bereits damals akkadisch, die älteste bekannte semitische Sprache , gesprochen haben. Die Tradition der Königsliste nennt als erste Dynastie, das heißt Folge von Königen mit derselben Hauptstadt ohne Rücksicht auf deren Abstammung, > nach der Sintflut < die von Kisch und gibt trotz ihrer Herkunft aus dem sumerischen Gebiet einigen dieser Könige akkadische Namen eines archaischen Typs.

Möglicherweise brachten die Akkader bereits atlantisches Wissen mit, oder waren selbst atlantischer Herkunft . Die straffere Organisation des Staatswesens mit atlantischen Merkmalen deutet jedenfalls in diese Richtung. Die Akkader ließen sich weiter flußaufwärts in der Gegend der späteren Stadt Babylon nieder. Babylon war dann auch in späterer Zeit immer wieder der bevorzugte Niederlassungsort atlantischer Einwanderungsgruppen in Mesopotamien.

Mesopotamien war zu dieser Zeit bereits ein reiches Kulturland. Man baute Datteln und Feigen an, und durch Fermentation gewann man aus Honig ein berauschendes Getränk. Als besonderes Geschenk der Götter galten die Trauben, die zu Wein verarbeitet wurden. Durch die Schaf und Rinderzucht wurde der Bedarf an Fleisch gedeckt. Die städtische Kultur verfügte jetzt über differenzierte Gewerbezweige. Erz wurde geschmolzen und das Metall zu Waren verarbeitet. Es wurden Gesetze aufgezeichnet, ein Steuersystem und Schulen eingeführt. Es gab ein gut organisiertes Verwaltungssystem und eine Berufsarmee. Ein König dieser Dynastie ist Etana, der Held eines berühmten akkadischen Mythos, in dem die Gründung der Stadt und des Königtums unmittelbar auf die Götter zurückgeführt wird. Auch dies erinnert sehr stark an Atlantis. Es ist gut möglich , daß dieser Etana wirklich lebte und in die Zeit vor etwa 2700 gehört.

In der Akkade Zeit ist die Siegelkunst reich an neuen Motiven. Vor allem sind Themen aus den Göttermythen sehr beliebt; leider können wir die Szenen nur selten deuten. Besonders oft wird der Sonnengott dargestellt, auf einem Schiff mit einem als Gottesfigur gestalteten Bug bei Nacht durch die Unterwelt fahrend oder mit der Säge in der Hand morgens aus der Erde emporsteigend. Kämpfe der Götter gegen die Urweltmächte sind gleichfalls beliebte Motive. Der literarisch erst viel später bezeugte Mythos von Etanas Aufstieg zum Himmel auf dem Rücken eines Adlers begegnet mehrfach, wobei die Zeichnung der zusammen mit den Menschen dargestellten Tiere vielleicht die Bedeutung hat, daß diese Tiere den Sumerern erst von Etana gebracht wurden. Möglicherweise gehörte auch er zu den außerirdischen Kulturbringern, der eines Tages mit seinem Raumfahrzeug, dem "Adler", wieder die Erde verließ.

Eine Besonderheit der sumerischen Religion war das System der " Schutzgötter". Jede Stadt hatte einen solchen, aber damit war es nicht genug. Auch die Regierenden hatten ihren persönlichen Schutzgott, und da das Beispiel Schule machte, beanspruchte bald jeder einen aus der Vielzahl der Untergötter, von denen es 3600 gegeben haben soll , der für ihn persönlich wirken sollte. Dennoch waren die großen Götter für den einzelnen nicht ohne Bedeutung, weil nämlich der Schutzgott nur in den kleinen Nöten, nicht aber in den größeren helfen konnte. Traten solche ein , mußte die Schutzgottheit die Unterstützung der großen Götter erbitten und ihnen die Wünsche ihrer Schutzbefohlenen vortragen. Auf vielen hundert Siegelbildern und bisweilen - etwa bei Gudea und Urnammu - auch auf Reliefs wurde diese Situation in der sogenannten "Einführungsszene" im Bilde dargestellt. Sie zeigt den Siegelinhaber , wie er etwa von seiner Schutzgottheit an der Hand vor den sitzenden höheren Gott oder die Göttin geführt wird, um seine Wünsche vorzubringen. (33) ( Interessanterweise installierte die katholische Kirche viel später mit ihren Heiligen ein ähnliches System.)

An der Spitze der Götterwelt stand der Himmelsgott An von Uruk, der nur selten in irdische Dinge eingriff. Umso mehr tat dies sein Sohn Enlil von Nippur, der Gott des Luftraumes, der die Könige ein und absetzte, obwohl seine eigene Stadt nie Hauptstadt war. Die Erde galt als weiblich und wurde durch die Muttergöttin vertreten, die fast überall unter einem anderen Namen verehrt wurde, etwa als Baba in Lagasch, Ninchursang in Kisch, Mama in Kesch. Die die Erde befruchtende Kraft des Grundwasserozeans vertrat der weise Enki von Eridu als vierter Gott des Kosmos. Kultorte im sumerischen Süden wie im akkadischen Norden hatten die großen Gestirnsgottheiten, unter denen der Mondgott Nanna von Ur wegen seiner Weisheit den Vorrang hatte.

Der Sonnengott Utu von Larsam trat demgegenüber, anders als Schamasch von Sippar, etwas zurück, während die Venusgöttin Inanna von Uruk ebenso wie die Ishtar der Semiten, die zahlreiche Tempel hatte, zugleich Göttin der Liebe mit dirnenhaften Zügen und Muttergöttin war. Mehrere Vertreter hatte der Typ des jungen Kriegsgottes, so Enlils Sohn Ninurta von Nippur, Zababa von Kisch, Ningirsu von Lagasch und noch andere. Die Gemahlinnen der männlichen Götter spielten bei den Sumerern neben den Muttergöttinnen nur eine bescheidene Rolle.(33)

Von kaum geringerer Bedeutung als die persönlichen Gottheiten waren für die Sumerer unpersönliche Wesenheiten, die das Tun der Götter weithin bestimmten. Das Wichtigste ist das me , das man etwa als "Fähigkeit , etwas zu tun oder zu erkennen " bestimmen kann. Die me's waren ursprünglich den Göttern vorbehalten, wurden aber durch die Göttin der Liebe Innana programmwidrig an die Menschen weitergegeben. . Auf Götter und Menschen wirkt es sich in Gestalt des auf Tafeln geschriebenen nam aus, für das die konventionelle Wissenschaft nur die sehr unzureichende Übersetzung > Schicksal < hat. Wahrscheinlich ist aber das gemeint, was man heute esoterisch als "Karma" bezeichnet. An den dadurch gegebenen Ordnungen konnten auch "Götter" d.h. außerirdische Kulturbringer schuldig werden. Verschiedenen Mythen liegt dieser Gedanke zugrunde.

In den uns leider recht unvollständig erhaltenen und oft schwer verständlichen Mythendichtungen handeln meist zwei oder mehrere Götter gegeneinander. Nur der Himmelsgott An steht außerhalb und über diesem Geschehen, nachdem sein Sohn Enlil durch seinen Hauch Himmel und Erde getrennt hatte. Die Sumerer hatten keinen eigentlichen Weltschöpfungsmythos, sondern begnügten sich damit, in den Einleitungen ihrer Mythen auf ein Urchaos zu verweisen, das vor dem gegenwärtigen Zustand bestand.

Auch die Erschaffung des Menschen war nicht Thema eines Mythos, obwohl deutlich gesagt wird, daß sie um der Versorgung der Götter willen geschaffen wurden. Man dachte aber viel nach über die primitiven Elemente der Kultur, ohne die der Mensch ein Tier geblieben wäre, und sah in ihnen Göttinnen, die erst später ins Leben gerufen worden waren.

>Die Menschen der damaligen Zeit kannten nicht das Essen von Brot, nicht das Anziehen von Gewändern; sie gingen auf Händen und Füßen, aßen wie Schafe das Gras und tranken Wasser aus Gräben <. So wurden die Korngöttin Ashnan und die Schafgöttin Lachar geschaffen , die den Göttern und den Menschen ihren Segen schenkten.(33) Als das im Göttersitz gebührend gefeiert wurde, gerieten die beiden im Rausch in Streit darüber , wer mehr leiste. Enlil und Enki mußten eingreifen und sprachen Ashnan den Sieg zu. Auch Enki und die Muttergöttin Ninmach stritten bei einem solchen Mal darüber, wer mehr könne. Ninmach schuf sieben abartige Wesen, konnte aber Enki nicht daran hindern, auch ihnen Berufe zuzuweisen; sie selbst war dagegen unfähig , dem von Enki geschaffenen >uralten Mann < auch nur das Essen zu lehren.(33)

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Die Entwicklung der Kultur im Südiran und in Babylonien (21, 33)

In der zweiten Hälfte des 4. Jahrtausends zogen die ersten Siedler vom iranischen Hochland, dem Flußlauf des Karun folgend, in die fruchtbare Ebene von Elam. Die entstehenden Siedlungen hatten höchstwahrscheinlich auch schon Beziehungen zu den sumerischen Tempelstaaten in Südmesopotamien, denn über die Siedlungen in Elam lief , auf Grund der Lage, der Handel zwischen den Tempelstaaten und dem Hochland. Die vorzugsweisen Handelswaren bestanden aus Holz, Gestein (Alabaster und Diorit ) , Edelsteinen ( Lapislazuli, Türkis und Karneol ) und Metallen wie Kupfer, Zinn, Blei, Silber und dazu Gold aus Zentralasien.

In der Djemdet- Nasr - Periode ist der wirtschaftliche und politische Einfuß von Sumer dann auch bereits aus Resten nachweisbar. In Susa wurden in entsprechenden Schichten Stempel und Rollsiegel gefunden, die Ähnlichkeiten mit den sumerischen aufweisen. Aus dieser Zeit stammen auch Tontafeln mit einer piktografischen, bisher unentzifferten Schrift, die Ähnlichkeiten mit der sumerischen aufweist. Ob es sich dabei um einen Vorläufer handelt und ob die Schrift nicht eventuell sogar im Hochland erfunden wurde , wie einige Forscher vermuten, konnte bisher nicht bewiesen werden. Sicher ist, daß es sich in Elam um ein reiches Land handelte, das den Wohlstand sowohl durch Ackerbau und Viehzucht, Garten- und Plantagenwirtschaft - letztere besonders gefördert durch die Herrscher - wie auch durch die Handelsverbindungen nach beiden Seiten erwarb.

Über die Herkunft der Bevölkerung ist wenig bekannt, sicher ist jedoch , daß es weder Sumerer , noch Akkader noch Indoeuropäer waren. Man faßt sie wegen ihrer Namen unter dem Begriff "asianisch" zusammen. Auf Grund der archäologischen Funde kann man sagen , daß sie die gleiche Kultur hatten wie die Bewohner der Zagrosberge und des Hochlandes. In der sumerischen Tradition wird ausgesagt, daß die vierte, noch sagenhafte Dynastie "nach der Flut" aus Awan gekommen sei, das man wohl in den östlichen Randbergen vermuten darf.

Sargon I von Akkad unterwarf ums Jahr 2400 v. Chr. auch Elam . Aber unter dem dritten König der Sargon - Dynastie , Naramsin, war Elam an einem Aufstand der Bergvölker gegen die Akkader beteiligt, der aber niedergeschlagen wurde. Elamische Fürsten verwalteten nun im Auftrag der Akkader das Land. Die Sprache und Schrift war akkadisch. Als Andenken an die Niederschlagung des Aufstandes gibt es einige Felsbilder bei Darband - i - Gawr von Naramsin und einigen lulubäischen Fürsten, die, ihre Feinde zertretend und ihre Unterwerfung entgegennehmend, als Mahnung an die Nachwelt dargestellt werden. Interessant sind auf diesen und ähnlichen anderen lulubäischen Felsbildern die Darstellung von Fürst und Gefangenen. Der Fürst trägt eine runde , randlose Kappe und einen halblangen Lendenschurz, der vorn offen ist und einen verzierten Rand hat und durch einen breiten Gürtel gehalten wird. Im Gürtel steckt eine langschäftige Streitaxt. Um seinen Hals trägt er einen Ring mit halbmondförmigen Anhänger, die eine Hand trägt einen Bogen, die andere einen großen eiförmigen Stein. Die Gefangenen sind nackt, mit auf den Rücken gebundenen Händen dargestellt. Einer von ihnen trägt eine Federkrone.

In den akkadischen Auseinandersetzungen um die Königsfolge machte sich der Gouverneur in Elam, Puzur- Schuschinak, wieder unabhängig und unterwarf seinerseits den König des Berglandes, Schimasch. Er stärkte auch die Stellung von Susa. Der Tempel des Stadtgottes Schuschinak wurde erneuert und tägliche Opfer eingerichtet. Nach dem Tode von Puzur -Schuschinak übernahm die Dynastie von Schimasch die Herschaft in Elam. Noch zu Lebzeiten dieses Fürsten kamen die Guti wieder im Nordosten von Akkad von den Bergen, vernichteten die akkadische Macht und errichteten eine "barbarische" Fremdherrschaft über Sumer und Akkad. Als Tempelschänder und Plünderer werden sie in der mesopotamischen Chronik bezeichnet.

Siegelrollen und ihre Abdrücke geben einen Eindruck vom Leben in dieser Zeit. Unbekleidet geht der Elamiter auf die Jagd auf vielerlei Getier, darunter Löwen, Panther, Wölfe, wilde Stiere, Hirsche, Mufflons und Antilopen. Auch die Priester sind bei Kulthandlungen nackt. Sonst tragen die Männer halblange, von einem Gürtel gehaltene Lendentücher, die Frauen lange Gewänder. Die Haare sind bei den Frauen immer, bei den Männern manchmal zu Zöpfen geflochten.

Das interessanteste Monument dieser Anfangszeit wurde bei Kurangun, zwischen Susa und Persepolis gefunden. Es besteht aus einem in den Fels eingeschlagenen Kultplatz hoch oben auf dem Berg, von dessen Spitze eine Treppe zu einer schmalen Plattform führt. Die Längswand zeigt ein göttliches Paar mit Gefolge. Dem Götterpaar nahen sich viele über eine Treppe herabsteigende Anbeter, die wegen ihrer wechselnden Größe und Anordnung wahrscheinlich verschiedenen sozialen Schichten angehören. Sie sind mit halblangen Lendentüchern bekleidet und bartlos, ihr Haupthaar ist in einem Zopf gebunden. Die Tracht der Anbetenden sowie die Darstellung in reinem Profil entspricht nicht dem sumerischen Darstellungsstil Es handelt sich hier offenbar um den ältesten Teil des Bildes. Nach der Meinung etlicher Forscher ist die Darstellung des Götterpaares in einem etwas vertieft liegendem Feld, das wahrscheinlich in späterer Zeit an der Stelle eines alten, weggemeißelten angebracht wurde , neueren Datums. Der hier dargestellte bärtige Gott trägt ein einfache Hörnerkrone und ein langes Gewand, das vorn offen ist. Er sitzt auf einer riesigen zusammengerollten Schlange in der Form eines Thrones, deren Kopf er mit einer Hand hält. In der anderen Hand hat er eine kugelige Vase, aus der nach beiden Seiten Wasser strömt. Die freundlich blickende Gemahlin hinter ihm, ebenfalls mit einer Hörnerkrone, sitzt auf einem nicht genau zu erkennenden Vierfuß. Vor dem göttlichen Paar steht ein altarähnliches Gebilde . Über dem Paar ist eine gewellte Linie zu sehen, die man als Kontur eines Berges deuten kann .Vor dem Altar und hinter den Gottheiten stehen Menschen in langen Gewändern, die wohl Priester darstellen sollen. In dieser Darstellung ist der sumerische Einfluß unverkennbar : Die Hörnerkronen und die Vase mit den zwei Wasserströmen würden hierherpassen. Aber aus dem sumerischen Kreis gibt es sonst keine Darstellungen monumentaler Art wie die hier vorliegende.

Es wäre also auch denkbar, daß diese Ergänzung erst zur Zeit der Achämeniden erfolgte. Die Darstellung könnte dann den Gründungsgott von Atlantis mit seiner Frau zeigen , die beiden Flüsse wären die zwei von Platon beschriebenen und die Berglinie im Hintergrund wäre der sagenhafte Götterberg von Atlantis. Die vor und hinter ihnen stehenden Priester würden aber in eindrucksvoller Weise die Macht der Magier demonstrieren. Auch die Zweiteilung des Bildes hätte dann eine tiefere Bedeutung : Der ältere Teil zeigt die einheimische Bevölkerung , die in Anbetung verharrt , der neuere Teil zeigt das neue System von Priestern und dem Königspaar, das gottähnliche Anbetung genießt.

Um 2100 v.Chr. wurden die Guti Fürsten von einer sumerisch akkadischen Koalition wieder in ihre Berge zurückgetrieben, in der Ebene kam es unter der dritten Dynastie von Ur zu einem etwas festeren Zusammenschluß. Elam stand in einem Vasallenverhältnis zu Ur, was sich aber vorwiegend nur auf die Stadt Susa und ihre Umgebung bezog. Als amoritische Scharen atlantischer Herkunft zur Zeit Ibisins von Ur die Stadt bedrohten , machte das elamitische Hilfschor gemeinsame Sache mit den Angreifern und drängte den Einfluß von Ur zurück. Einige Jahre später wurde Ur dann von den Elamitern erobert und Ibisin und die Stadtgottheit Nanna wurden nach Susa gebracht. Der elamische Herrscher bezeichnete sich nun als "göttlicher Bote und Hochkommissar". Unter ihm standen ein Sukkal von Elam und Schimasch und ein Sukkal von Susa, die sich beide auch König nannten. Eine Zeilang hatte es den Anschein, daß sich Elam als stärkster politischer Faktor im südlichen Mesopotamien durchsetzen könnte. Im 18. Jahrhundert setzte der "Göttliche Bote und Hochkomissar" Kudur Mabug seinen Sohn als Herrscher in das altsumerische Kulturzentrum Larsa ein. Dessen Bruder und Nachfolger Rimsin gelang es im Laufe von 32 Jahren eine mesopotamische Stadt nach der anderen unter seine Oberhoheit zu bekommen. Er befahl die Anlage neuer Kanäle und ließ neue Tempel anlegen sowie vorhandene wiederherstellen. Die Einwohner der Stadt Isin verdankten ihm , laut eines akkadischen Textes "Leben und Wohnstätte".

Nur das damals noch recht unbedeutende Babylon, das von den Amoritern bewohnt wurde , konnte sich seinem Machtanspruch entziehen. Hier kam dann in dem zumindest atlantisch denkenden Hammurabi einer der größten Herrscher des Orients an die Macht, die er im Laufe der Zeit über das ganze Mesopotamien ausdehnte. Rimsin mußte immer weiter zurückweichen und schließlich im 61. Jahr seiner Regierung die letzte Besitzung im Zweistromland, die Stadt Larsa, aufgeben und nach Elam fliehen. Hier wurde er aber dann doch noch gefangengenommen. Die elamischen Hochkommissare wurden wieder Vasallen der Herrscher des Zweistromlandes und zwar jetzt in Gestalt der amoritischen Herrscher von Babylon. Ihre lange Erfahrung in dieser Rolle ermöglichte es ihnen und ihrem Land, regen Anteil am allgemeinen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung des Zweistromlandes zu nehmen.

Aus dieser Zeit gibt es in den Archiven von Susa und Malamir eine ganze Reihe von Dokumenten , die Auskunft über das damalige Leben in Elam geben. Akkadisch ist, wie in Mesopotamien, die Amtssprache, und in den juristischen Texten läßt sich deutlich die Befolgung des Codex Hammurabi feststellen. Die Anrufungen von Gottheiten in Rechtsgeschäfte enthalten nun auch die Namen semitischer Götter. Neben den alten Hauptgott von Susa, Schuschinak , tritt Schamasch, und in Malamir erscheint statt Schuschinak der dort beheimatete Ruuartir neben ebenfalls Schamasch. In der Stadt Susa kommen nun auch verschiedentlich semitische Eigennamen vor. Die Urkunden beziehen sich auf alle Arten von Rechtsgeschäften wie Käufe und Verkäufe, Heiraten, Adoptionen, Schenkungen, Pachtverträge und Pfändungen. Außerdem gibt es Niederschriften von Gerichtsbeschlüssen, die teilweise auf Grund eines "Gottesurteils" durch Wasserprobe gefaßt wurden.

In den ersten Jahrzehnten nach 1700 v. Chr. erscheinen auch die Stämme der Zagrosberge wieder auf der politischen Bühne. Die sogenannten "Kassiten", die nach ihrem ganzen Verhalten nach Osten abgewanderte Fürsten atlantischen Ursprungs und möglicherweise teilweise sogar mit den aus Ägypten und Kanaan vertriebenen Hyksos identisch waren, hatten sich hier in in den ehemaligen Wohnsitzen der Lulubi, den Ebenen Luristans, niedergelassen und drängten allmählich in die Ebene, wo sie sich am östlichen Tigrisufer festsetzten. Gewisse Eigennamen deuten jedenfalls in atlantische Richtung. So trug zum Beispiel der fünfte der ersten Kassitenfürsten um 1600 v. Chr. den "arischen" Namen Abiratta.

Eine andere Gruppe dieser Einwanderer atlantischen Ursprungs, die wahrscheinlich über Kanaan von Westen kam, riß, möglicherweise als Minderheit, die Führung der im nördlichen Mesopotamien ansässigen Churriter an sich und gründete das Reich von Mitanni , das sich sehr bald um eine freundschaftliche Stellung zu Ägypten bemühte und die bedeutende Frau eines Pharaos stellte. Es war Nofretete, die Frau Amenophis IV, der sich später Echnaton nannte und in die Geschichte Ägyptens als Ketzer einging , weil er versucht hatte, der ägyptischen Staatsreligion eine neue Richtung zu geben. Nofretete war demnach keine Asiatin, sondern stammte aus dem Stamm von Atlantis, aus dem auch die ägyptischen Pharaonen einst entsprossen waren. Die Macht der Amoriter hatte inzwischen so nachgelassen, daß der hethitische König Murschili I etwa 1530 v. Chr. es wagen konnte, einen erfolgreichen Raubzug nach Babylon zu unternehmen. Die daraus resultierende Schwächung Babylons nutzten die Kassiten aus und eroberten Babylon. Das geschah unter Agum II, der sich auch Agukakrime nannte. Von hier ab herrschten die Kassiten für fast 400 Jahre über Mesopotamien. Nur der Norden mit dem Reich von Mitanni in den alten churritischen Gebieten und das anfangs noch kleine Fürstentum Assur , die beide ebenfalls in dieser Zeit stark atlantisch bestimmt waren und deshalb als befreundete Völker betrachtet wurden, blieben davon ausgenommen. Auch der Süden mit den schwer zugänglichen Sumpfdeltas von Euphrat und Tigris behielt anfänglich eine gewisse Unabhängigkeit ,während Elam sich aus seinen Vasallenstatus nicht befreien konnte und zum Herrschaftsbereich der Kassiten gehörte. Die neuen Herren Babylons akzeptierten aufgrund ihrer eigenen atlantischen Vorgeschichte ohne Probleme die hohe Kultur des Landes , und schon jener erste Kassitenkönig Agum II hatte nichts Eiligeres zu tun, als die von den Hethitern weggeschleppten und in dem euphrataufwärts gelegenen Chana stehengelassenen Statuen des Stadtgottes Marduks und seiner Gemahlin Sarpanitu im Handelsaustausch zurückzuholen und mit vollem Ornat in dem wiederhergerichteten Tempel Esangila wiederaufzustellen.

Das Schwergewicht der damaligen Weltpolitik hatte sich in der Mitte des zweiten Jahrtausends in den östlichen Mittelmeerraum , Ägypten, Kleinasien und Nordmesopotamien verlagert und die Geschehnisse während der knapp vierhundertjährigen Kassitenherrschaft ( ca 1530 - 1160 v. Chr.) hatten mehr provinziellen Charakter, wenn man von den andauernden Grenzauseinandersetzungen mit Assyrien im Norden und Elam im Osten und der intensiven diplomatischen Aktivität, die Babylon zeigte, einmal absieht. Die straffe Regierung des Hammurabi war einer weichen Handhabung der Staatsgewalt gewichen.

Die kassitische Kriegerkaste verwandelte sich in einen selbstherrlichen und weitgehend selbständigen Landadel, der abgabefreien Grundbesitz, immer reichere Belehnungen und höhere Steuererlasse anstrebte und auch erhielt, so daß die Macht des Königshauses immer mehr absank und sich fast nur noch in den Titeln "König von Sumer und Akkad" oder "König der Gesamtheit" widerspiegelte. Diese innenpolitischen Details zeigen deutlich, daß hier nicht mehr der starke Zentralstaat östlicher Prägung, sondern der im späten atlantischen Reich praktizierte Feudalstaat das Organisationsprinzip des Staates war. Auch daraus ist zu sehen, daß atlantisches Denken und Handeln im Volk der Kassiten eine dominierende Rolle spielte.

Daß der Staat deshalb doch nicht schwach war und sich besser behaupten konnte, als viele zentral und straff regierte Staaten , zeigt sich in der langen Zeit der Herrschaft der Kassiten. Es zeigt sich auch in einzelnen geschichtlichen Vorgängen, wie der Beseitigung der Selbständigkeit der Meerlande durch den Fürsten Ulamburiasch um 1450 v. Chr. und den erfolgreichen Grenzauseinandersetzungen, die Karaindasch mit dem damals noch von Mitanni abhängigen Assur hatte, und die zu einer festen Vereinbarung über den Verlauf der Grenzen führten. Das Ansehen von Karaindasch am ägyptischen Hof war dadurch so gestiegen, daß das ägyptische Außenamt unter Amenophis III eine Tochter des Kassitenkönigs für den Harem des Pharao anforderte und auch gegen einen in Gold erstatteten Brautpreis erhielt. Auch dies zeigt, daß die Ägypter die Kassiten als Atlanter betrachteten, weil sie vorzugsweise aus ihren Kreisen die Frauen des Pharaos wählten um die atlantische Komponente in der Pharaonenlinie zu bewahren, ohne dabei in Inzucht zu geraten. Der durch den Sohn von Karaindasch, Kadaschmancharbe I , im Gegenzug geäußerte Wunsch, eine Tochter des Pharaos als Frau zu erhalten, wurde allerdings von der Großmacht Ägypten brüsk abgelehnt und auch das Ansinnen, stattdessen eine schöne Ägypterin zu schicken, die man als Pharaonentochter ausgeben könnte, fand bei den Ägyptern wenig Gegenliebe. Die Vorgänge zeigen aber, daß die Beziehungen zu Ägypten gut waren, und das bestätigte sich auch in der Folgezeit. Als nämlich unter Karaindaschs Nachfolger Kurigalzu I ein kanaanäischer Städtebund Babylon zur Teilnahme an einem Krieg gegen Ägypten aufforderte, erhielt er eine klare Absage. Dieser Kurigalzu der sich "König der Gesamtheit" und "Berufener des Götterherrn" nannte, war offenbar auch sonst ein recht fähiger Fürst. Er eroberte wieder einmal Susa, wo er den dortigen Palast der Göttin Ninlil weihte, und erbaute gegen die Assyrer die befestigte Grenzstadt Durkurigalzu.

Wir befinden uns jetzt in der Mitte des 14. Jahrhunderts , der sogenannten Amarna Zeit. So benannt nach der Stadt , die der "ketzerische" Pharao Amenophis IV , der sich dann Echnaton nannte, an den Ufern des Nils in einem von ihm neu definierten Stil erbauen ließ. Die Stadt wurde nach seinem Tode wieder verlassen , verfiel und bewahrte unter ihren Trümmern den ganzen reichen Schriftwechsel des ägyptischen Staates aus dieser Zeit. Eine unschätzbare Fundgrube und zuverlässige Quelle wichtiger Informationen für die Archäologen von heute. Das Reich der Hethiter stand zu dieser Zeit unter seinem größten Herrscher Suppiluliuma auf dem Höhepunkt seiner Macht und Ägypten suchte in dem geschickt taktierenden Kassitenfürsten Burnaburiasch II ein Gegengewicht zu erhalten. Dieser nutzte die Situation und ließ sich seine "Freundschaft" durch reichliche Geschenke in Edelsteinen, Gold und Silber vergelten. Das Verhältnis zu Assyrien pflegte er, indem er seinem Sohn eine assyrische Prinzessin zur Frau gab. Dies löste auf Dauer aber nicht die Probleme, die es in der folgenden Zeit mit dem immer stärker werdenden Assyrien gab. Es gab immer wieder Kriegshandlungen, in denen zeitweise der eine oder der andere die Oberhand behielt. Manchmal griffen auch die Hethiter in das Spiel der Kräfte ein, und auch die Elamiter witterten hin und wieder Morgenluft und mußten immer wieder niedergekämpft werden.

Unter Tukutiniurta I griffen dann die Assyrer entschlossen und mit aller Macht den ewigen Gegner im Süden an und besiegten im Jahr 1234 v. Chr. den damaligen Herrscher von Babylon , Kaschtiliasch IV. Er wurde gefangengenommen und Tukutiniurta setzte dem gefesselten König zum Zeichen seiner Unterwerfung den Fuß auf den Nacken "wie auf einen Schemel". Ein Aufstand in Babylon war die Folge. Er wurde blutig niedergeschlagen, die Mauern Babylons wurden geschleift und viele Kassiten deportiert. Die Stadt selbst wurde geplündert, der Stadtgott Marduk wurde nach Assur gebracht. Tukutiniurta nannte sich jetzt auch "König von Babylon" und ließ die altberühmte Stadt durch einen Gouverneur regieren. Die unverhältnismäßige Härte des Vorgehens gegen das "befreundete" Babylon erregte aber in den atlantischen Kreisen Assurs Ärgernis und die Stellung Tukutiniurtas wurde erheblich geschwächt.

Sieben Jahre später mußten die Babylonier einen Angriff Elams abwehren. Sie benutzten die dazu vorhandene Waffengewalt um den Gouverneur zu verjagen, und im Bunde mit der in Assur entstandenen und gegen Tukutiniurta aufstehenden atlantischen Partei konnte ein Sohn von Kaschtiliasch den Thron Babylons wieder einnehmen. Eine neue Statue Marduks wurde aufgestellt und der Kult wieder aufgenommen. Da die Stellung Assurs durch innere Wirren in der Folgezeit geschwächt war, gelang es dem Wiederhersteller der kassitischen Macht Adadschumnasir sogar , die schwachen Nachfolger Tukutiniurtas wieder in Abhängigkeit zu bringen. Doch auch das dauerte nicht lange. Beide Könige fielen in einer neuen Auseinandersetzung, möglicherweise sogar im atlantischen Stil des Zweikampfs. Darauf folgten einige Jahrzehnte Ruhe, in denen der in Babylon offiziell herrschende Kassitenfürst Melischipak ein Leben als reicher Grundbesitzer führen konnte.

Nun aber regte sich wieder Elam. Als die Assyrer 1174 v.Chr. unter ihrem König Assurdan I den Babyloniern eine Niederlage bereiteten, fiel sein König Schutruknachhunte in Babylon ein und machte seinen Sohn zum König des Landes . Bei dieser Gelegenheit brachte er auch die Siegesstele Naramsins und den Obelisken mit dem Codex Hammurabi nach Susa. Der Gegenschlag Babylons ließ nicht lange auf sich warten und brachte für fünf Jahre wieder einen Kassiten auf den Thron. Als die Elamiter 1160 v. Chr. auch ihn beseitigten, wurde von babylonischen Kreisen ein neuer Führer mit Namen Nabukhudrossor aufgestellt, dem es gelang, die Elamiter zu vertreiben. Die neue Dynastie war nicht mehr kassitisch und nannte sich, um das zu betonen, nach der alten Schamaschstadt Isin.

Wie im Mittelmeerraum, so ging auch hier eine Epoche zu Ende. Es ist bemerkenswert, daß auch die Macht der Kassiten erlosch, als das klassische atlantische Reich im Mittelmeerraum zusammenbrach. Eine neue Zeit der Wirren kündete sich an , die Zeichen standen auf Krieg , und für eine Politik, die auf internationalen Handel und offene Grenzen gegründet war, gab es keinen Platz mehr.

Elam erlebte eine Zeit der relativen Ruhe. Von1150 bis 821 v. Chr. gibt es keine besonderen Aufzeichnungen aus dieser Region. Das Schwergewicht der Auseinandersetzungen verlagerte sich nach Norden. Die 400 Jahre der kassitischen Herrschaft in Babylon hatten kulturell keine umwälzenden Fortschritte gebracht. Es war auch kein großes Reich entstanden, und militärisch und wirtschaftlich hatte Babylon nur seine unabhängige Existenz gewahrt, was allerdings in der unruhigen Zeit und bei der ungeschützten Lage, die die babylonischen Lande hatten, schon eine erhebliche Leistung war. Der Gewinn dieser Zeit bestand in anderen Dingen :

Babylon wurde zu dem phäakischen Land der Händler, als das es die Bibel sieht. Wie auch im atlantischen Reich des Mittelmeerraums blühten Handel und Wandel. Karawanen zogen durch alle Lande und ihr Schutz und ihre Unversehrtheit wurde von Babylon aus auch im fremden Land mit allen verfügbaren Mitteln der Politik betrieben. Auch aus dieser Tatsache geht hervor, daß die Kassiten vom atlantischen Reich, das schon Jahrhunderte lang die gleiche Politik im Mittelmeerraum getrieben hatte, gelernt hatten. In gewisser Weise verlängerte so das Reich der Kassiten das atlantische Reich nach Osten und stellte dessen Handelsverbindung zu den Schätzen des fernen Orients her. Angesichts dieses Konzepts und der darin enthaltenen Logik kann es als nahezu sicher gelten, daß die Kassiten aus dem atlantischen Reich stammten, daß sie eine ausgesuchte Kerntruppe guter Leute waren, und daß sie vielleicht sogar den Auftrag hatten, im babylonischen Raum Verhältnisse zu schaffen, die den atlantischen Handel nach Osten erleichterten. Auch die Metallvorkommen in diesem Raum könnten anfänglich ein interessantes Motiv für die Infiltration gewesen sein. Der ihnen gegebene Name "Kassiten" weist eigentlich auf ihre Beziehungen oder ihr anfänglich dominierendes Interesse an dem für das atlantische Bronzemonopol wichtigen Zinn hin, das aus diesem Raum kam.

Daß ausgesucht gute Beziehungen zum Westen bestanden, beweist die intensive diplomatische Aktivität mit Ägypten, mit den Hethitern, dem Reich von Mitanni, den kanaanitischen Städten und Assyrien. Gesandtschaften zogen hin und her, Subventionen wurden gezahlt, Hilfstruppen wurden angefordert und politische Heiraten geschlossen.

Die babylonische Heilkunst stand in dieser Zeit in hohem Ansehen. Der Kassitenkönig Kadaschman- Enlil II schickte um 1270 v.Chr. seinem Bündnispartner, dem Hethiter Chattusili II einen bewährten Arzt, der in Hattusa soviel Erfolg hatte, daß er viele Jahre dort bleiben mußte, obwohl sein Herr ihn brieflich zurückbeorderte. Auch Literatur und Musik wurden am kassitischen Hof gepflegt. Nazimaruttasch war um 1300 v. Chr. als friedliebender und literarisch interessierter Fürst bekannt, und aus zufällig erhaltenen medizinischen Bulletins wissen wir, daß der Leibmedicus eines kassitischen Herren täglich Bericht über den Gesundheitszustand der Sänger und Sängerinnen der königlichen Musikschule zu geben hatte. Bei anderen Fürsten wieder wurden Pferdezucht und Wagenlenkkunst gepflegt. Aber auch die Erhaltung und die Neuerstellung von Tempeln wurde nicht vernachlässigt und so findet man Bauinschriften der bedeutenderen Kassitenkönige wie Karaindasch, Burnaburiasch, Kurigalzu fast an allen babylonischen Fundstätten.

Das am kleinen Ishtartempel von Uruk , den Karaindasch hat erbauen lassen, erhaltene Ziegelrelief weist einige Besonderheiten auf. Es besteht aus einem aus den jeweils gleichen Ziegelformen hergestellten Wandsockelfries, der abwechselnd die Figur eines bärtigen Berggottes und einer Flußgöttin zeigt, die beide ein überquellendes Gefäß vor der Brust tragen. Die Figuren stehen jeweils in einer Nische , die vorspringende Wand zwischen ihnen zeigt einen stilisierten Wasserstrahl. Bei diesen Gestalten könnte es sich um die Heimatgottheiten der Kassiten, nämlich um die Gründungsgötter von Atlantis handeln, die Platon in seinem Bericht Poseidon und seine Frau Kleito nennt. Ihnen ist anscheinend hier je eine der beiden Quellen des historischen atlantischen Götterberges zugeordnet. Eine andere Art der Plastik aus dieser Zeit sind die in großer Zahl erhaltenen Kudurrus, die als Verleihungsurkunden und Grenzsteine gedacht waren. Über Schenkungs - und Königsdarstellungen oder religiösen Szenen und Feldgrundrissen zeigen sie die Embleme der angerufenen Gottheiten : den achtstrahligen Ishtarstern, die Mondsichel Sins, die Sonnenscheibe des Schamasch, den Skorpion der Ischchara, die Lampe des Nusku u.s.w.. Auch die Rollsiegel aus dieser Zeit weisen einige Besonderheiten auf. Das Siegelbild wird oben und unten oft von einer kräftigen Randleiste abgeschlossen und zeigt eine erweiterte Legende, zuweilen sogar ein vollständiges Gebet. Der Bildteil zeigt oft die schon früher beliebte Einführungsszene oder Anbetung aber auch Tier- und Jagddarstellungen. Neben dem Text gibt es eine Fülle von Emblemen, welche die Götter vertreten. Es gibt die verschiedenen Formen des Kreuzes, so auch das Malteserkreuz, Rosetten und Rauten aber auch konkrete Motive wie Biene, Heuschrecke oder Hund.

Das religiöse Leben dieser Zeit bewegte und entwickelte sich weiter in der vorhandenen Tradition Babylons. Die Götter wurden aber zunehmend ihrer menschlichen Züge entkleidet und auf einen höheren, perfekteren Status angehoben. Die Literatur wird auch entsprechend überarbeitet. Das Mardukepos von der Weltschöpfung erhält seine klassische Form. Die Geschichten von Adapa und Etana werden neu aufgezeichnet und sind als Literatur in Ägypten und Assur weit verbreitet. Auch das Gilgameschepos wird aus seinen überlieferten Teilstücken neu zusammengefaßt und zu dem eindrucksvollen, heute bekannten Werk gestaltet. Neu in dieser Zeit entstanden ist die Erzählung von Ishtars Erhöhung , die berichtet, wie Ishtar auf Bitten der Götter von einer Dienerin zur legitimen Gemahlin Ans aufsteigen durfte und von ihm Schmuck, Göttermütze und Königsstab und schließlich Eanna, ihr Heiligtum, zum Geschenk erhielt. Wahrer alter Tradition, bildet die Geistlichkeit wie in Atlantis und in Ägypten einen Staat im Staate. Aber auf Grund der verschiedenen Götter und ihrer Priesterschaft und deren oft gegenläufigen Interessen erreicht sie nicht die Macht, wie in den anderen beiden Traditionsstaaten . Alle Tempel, von denen jede Stadt mindestens ein halbes Dutzend aufwies, hatten ihren Oberpriester, ihre Hausbetreuer, ihre Leutepriester und Spezialisten für Beschwörungen, Bestattungen , Schreibarbeiten und anderes mehr. So konnten es bis zu 100 Priester pro Tempel werden. Alle kleideten sich in weißes Leinen, das bei besonderen Anlässen auch mit Rot vertauscht wurde. Als Kopfbedeckung wurden schmale, kegelförmige, oben abgeschnittene Mützen getragen Die Dienerinnen der Gottheit unterstanden einer oft dem Königshaus entstammenden Oberpriesterin. Auch bei ihnen gab es verschiedene Ränge und Aufgaben. Den Opferdienst, rituelle Waschungen und Beschwörungen, Wahrsagerei und die sakrale Prostitution im Tempelbordell, die vor allem bei den Kultfesten der Ishtar in den Vordergrund trat. Da sie andererseits aber die Pflicht der Kinderlosigkeit hatten, gab es bereits eine entsprechende Praxis der Geburtenverhinderung. Die Priesterinnen waren hochangesehen und fanden nach Ablauf ihrer Dienstjahre im Tempel nicht selten einen guten Ehemann.

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Ägypten, Schatzinsel der Überlieferung (39)

Das Niltal hat in der Geschichte der Menschheit immer eine ganz besondere Rolle gespielt. Auf Grund seiner geographischen Ausdehnung, die durch den ganzen nördlichen Wüstengürtel reicht und darüber hinaus den Mittelmeerraum tangiert und sich im Süden bis in die tropisch bestimmten Zonen erstreckt , ist es einmalig auf der Erde. Am interessantesten war aber immer der Bereich, wo sich das Niltal als ein schmales Band über viele Hunderte von Kilometern durch die Wüste hinzieht . Die heiße und trockene Luft der Wüste wirkte über Jahrtausende konservierend auf alles was vor Räubern geschützt hier lagerte. Sie erhielt Farben und Dekors in ihrem ursprünglichen Charakter und konservierte so empfindliche Dinge , wie auf Pflanzenfasern geschriebene Berichte , die an anderen Orten längst zerfallen wären.

Aufbauend auf diese Gegebenheiten der Natur kommt Ägypten und der ägyptischen Geschichte eine hervorragende Rolle zu. Diese Rolle wurde von den ägyptischen Priestern schon sehr früh erkannt und getreulich über die Jahrtausende der ägyptischen Geschichte fortgeführt. Warum dies so war, und wie sich in Ägypten selbst die Menschheit entwickelte bis sie einen hohen Grad von Einsicht und Weisheit gewann, soll hier noch einmal unter diesem Aspekt kurz betrachtet werden. Die ersten Funde von Produkten aus Menschenhand finden sich in den geologischen Schichten der fünften Stufe von oben. Es sind Handbeile aus Feuerstein, die den Beilen aus den europäischen Abbeville Funden ähnlich sind. Skelettreste aus dieser Zeit gibt es nicht. Wahrscheinlich hat der erste Mensch des Niltals ähnlich wie der anderer Regionen ausgesehen.

In der nächsten Stufe finden sich dann Geräte aus Feuerstein, die denen des europäischen Acheuleen entsprechen und auf den zwei untersten Terrassen fand man Spuren späterer Techniken, entsprechend dem Levalloisien und dem Mousterien. Auf Grund der Seltenheit dieser Funde kann man annehmen, daß sich der Mensch nur vorrübergehend und kurzzeitig am Fluß aufgehalten hat, um dort zu jagen oder zu fischen. Erst als Nordafrika begann auzutrocknen, d.h. nach der Polverschiebung von 8500 v. Chr. wurde der Fluß als Rückzugsgebiet der Tierwelt interessanter. Den Tieren folgte dann allmählich auch der Mensch. Der Schlamm der Nilschwemmen hat sicher viel vorgeschichtliches Material vernichtet und so ist es schwierig, die fortschreitende Ansiedlung des Menschen am Fluß nachzuvollziehen. Man kann aber annehmen, daß mit zunehmender Bevölkerungsdichte in Nordafrika auch die Ufer des Nils, die wegen der immer wiederkehrenden Überschwemmungen nicht unproblematisch waren, immer interessanter wurden und es demzufolge auch zur Bildung von Siedlungen kam. Da es hier genug Wasser und Nahrung für die Haltung von Tieren in der Nähe der Siedlungen gab, ist anzunehmen , daß es auch Versuche zur Einpferchung von Wildtieren gab. Ebenfalls wurden wahrscheinlich Versuche zum Anbau von als besonders nahrhaft und nützlich empfundenen Wildpflanzen gemacht. Ein Problem blieben aber die periodisch wiederkehrenden Überschwemmungen und der damit sich immer wieder verändernde Uferbereich des Flusses, der die Bemühungen, am Fluß seßhaft zu werden, immer wieder zunichte machte.

Bei Merimde -Beni Salame am südwestlichen Deltarand, wo der Wasserstand nicht mehr so stark schwankte und die Fluten nicht alles Geschaffene bei Hochwaser wieder vernichteten, hat man die Überreste eines Dorfes gefunden, die diese Annahmen stützen. Es bestand aus einigen aus Lehm erbauten ovalen Hütten, von denen jede nur etwa zweieinhalb mal vier Meter groß war. Das Dach sammelte das Regenwasser, das in einem in den Boden versenkten Gefäß aufgefangen wurde. In für das ganze Dorf gemeinsamen Behältern fand man die Anfänge einer Vorratshaltung von Wildgetreidesamen. Emmer, Sandwicke und auch Gerste, wie wir sie noch heute kennen, fand man hier. Auch Flachs wurde bereits angebaut, versponnen und auf einfachen Webstühlen zu Leinen verwoben. Die vielen Knochen wilder Tiere zeigen aber deutlich, daß die Hauptnahrungsquelle in den Ergebnissen der Jagd bestand. Der nun langsam einsetzende Weg zu einem reicheren und entwickelterem Dasein war in dieser Zeit noch eine eindeutig innerägyptische Angelegenheit. Einflüsse von außen hat es offenbar bis zum Ende der vordynastischen Zeit so gut wie nicht gegeben. Das zeigt sich auch in den Grabfunden , die den Ägypter dieser Zeit für lange Zeit unverändert erscheinen lassen. Er war von kleiner Gestalt, schlank , langschädelig und dunkelhaarig. Die Männer waren etwa einen Meter fünfundsechzig groß, die Frauen etwa einen Meter fünfzig. Beide waren starkknochig, aber doch von schmächtiger Gestalt und hatten ovale Gesichter mit mit stark ausgeprägtem Nasenbereich, was ihnen ein fast vogelartiges Aussehen verlieh. Die Männer waren im Gesicht und am Körper wenig behaart und hatten auch nur einen minimalen Bartwuchs. Die Bekleidung war sparsam, bestand aber schon aus Leinen. Als Schmuck trug man Perlenschnüre und bemalte das Gesicht, wobei die Farbe grün besonders beliebt war.

Die Geräte, die für Haus und Acker benötigt wurden, fertigte man in Eigenarbeit an. Das für Werkzeuge mit Metallteilen benötigte Kupfer wurde im Tauschhandel gegen Landprodukte erworben. Es wurde in offene , später dann auch in geschlossene Formen gegossen und verdrängte allmählich die bisher verwendeten Naturprodukte Horn und Stein. Für den ärmeren Landwirt behielten jedoch Holzwerkzeuge mit Steinspitzen oder Steinkanten noch lange ihre Bedeutung. Die Archäologie hat eine erhebliche Menge von Pfeilspitzen und Keulenknäufen zutage gefördert. Die Skelette der frühen Ägypter zeigen außerdem eine hohe Rate von gebrochenen Knochen. Offenbar gab es reichlich Fehden zwischen benachbarten Ansiedlungen und Sippen, so wie es schon seit Urzeiten gewesen war. Das Bevölkerungswachstum und der enger werdende Lebensraum erhöhten jedoch jetzt die Anzahl der kriegerischen Auseinandersetzungen. Irgendwann gab es dann auch territoiale Herrscher, die mehr als nur eine Sippe unter sich hatten und es kam zur Bildung kleiner Lokalstaaten.

Wenn der Ägypter nicht gerade gegen seinen Nachbarn in den Krieg ziehen mußte, bestellte er seinen Acker. Aber auch der weitergehende Handel fing an, an Bedeutung zu gewinnen. Die Nilkähne, die man zu bauen gelernt hatte, versah man mit Segeln und wagte sich im Bereich des Deltas auch schon einmal auf das "große Grüne" ,wie das Meer genannt wurde, hinaus. Aus dem ägyptischen Landwirt und Flußschiffer wurde aber nie ein Seefahrer. Möglicherweise verhinderte auch der Mangel an hochwertigem Bauholz im Bereich des Nils die Entwicklung von Schiffstypen, die hochseetauglich waren. Das Meer und die Völker, die es befuhren, blieben dem Ägypter deshalb immer fremd und unheimlich. Der Handelsverkehr nach Ägypten über das Meer lag deshalb schon in der Anfangszeit vorwiegend in den Händen der Anwohner des nördlich gelegenen Saums des Mittelmeers, die das Bauholz für ihre Schiffe aus den Gebirgen Palästinas und dem Libanon bezogen. Der Handelsverkehr mit Ägypten fing nun langsam auch an, eine zunehmende Rolle zu spielen. Es kam Gold und Kupfer aus den östlich liegenden Gebirgen am roten Meer, Elfenbein und Weirauch aus dem fernen Süden, Olivenöl aus Lybien und Palästina, Zedernholz aus Kanaan, Lapislazuli und Obsidian aus den Gebirgen Irans und aus Anatolien. Mit dem Handel kamen auch kulturelle Einflüsse und so ähnelten sich die Formen von Töpfen, Steinvasen und Schminkpaletten Palästinas und Ägyptens schon erheblich.

Was wir über die Religion des vordynastischen Ägypters wissen, stammt aus seinen Gräbern. Der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tode spielte offenbar eine große Rolle. Zunehmend aufwendiger wurden Speise und Trank, Kleidung, Schmuck, Kosmetikartikel, Waffen und Werkzeuge, die dem Toten mitgegeben wurden. Manchmal bestattete man auch getötete Hunde mit ihrem Herren. Dies alles sollte offenbar dem Toten das angenehme Weiterleben in einer anderen Welt erleichtern. Erst zu Anfang der historischen Zeit hörte diese Sitte für den kleinen Mann auf und wurde zum Vorrecht der Reichen und Mächtigen. Mit dem zunehmenden Wohlstand des Ägypters kam auch das Bedürfnis nach Verschönerung des Lebens. Es entwickelte sich eine nicht zweckgebundene Kunst, die sich anfänglich noch mit Verzierung der Gegenstände des täglichen Lebens zufriedengibt. So wird eine Schüssel mit einer Zeichnung versehen oder bei einem Steinkrug wird die bestehende Aderung kunstvoll herausgearbeitet. Ein Krug aus Keramik zeigt ein Boot, das festlich geschmückt den Nil hinabfährt.

Über die Ergebnisse der Kämpfe und die daraus folgende Bildung von größeren politischen Einheiten im vordynastischen Ägypten ist fast nichts bekannt. Es ist anzunehmen, daß durch die Vergrößerung von Siedlungseinheiten und die daraus resultierenden Grenzstreitigkeiten mit den Nachbarn sich schließlich die Notwendigkeit ergab, übergeordnete Institutionen zu schaffen, die den ewigen Kleinkrieg der benachbarten Sippen um die Dinge des täglichen Lebens gütlich regelten und die Macht hatten, diese Regelungen auch durchzusetzen. Diese Institutionen mußten sich dann wieder mit den benachbarten größeren Einheiten auseinandersetzen. Das geschah in einem langwierigen Prozeß, der mit Sicherheit nicht immer friedlich verlief. Ein Problem betraf alle nach wie vor in gleicher Weise. Das waren die periodisch wiederkehrenden Überflutungen durch den Nil, die weite Sumpfgebiete zurückließen, die nur durch die Anlage von künstlichen Gräben und Kanälen in brauchbares Ackerland verwandelt werden konnten. Auch die angrenzenden Gebiete konnte man bei entsprechender Planung von Kanälen und Rückhaltebecken bis an die Randhügel in fruchtbares Ackerland umformen. Wann und wodurch bewirkt wurde, daß diese Probleme und Chancen erkannt und mit wasserbautechnischer Planung angegangen wurden, ist nicht bekannt. Aber es ist vorstellbar, daß aus vielen Einzelversuchen in begrenzten Regionen die Erkenntnis wuchs, daß dieses Problem nur gemeinsam und in größerem Maßstab gelöst werden könnte. Es wuchs also aus den natürlichen Gegebenheiten der Wunsch nach einer übergeordneten Macht, die in der Lage war die erforderlichen Planungen durchzuführen und sie auch bei widerstrebenden Gruppen, die es erfahrungsgemäß immer gibt, auch durchzusetzen.

Der Ägypter dieser Zeit war nicht mehr der unwissende und unzivilisierte "Wilde" der Anfangszeit. Er hatte aus eigenem Antrieb gelernt, Holz, Stein und Metall zu bearbeiten. Er konnte Keramik verschiedener Qualität herstellen. Aus bestehenden Wildpflanzen konnte er brauchbare herausfinden und züchterisch verbessern. Er konnte Brot backen, Bier brauen und Farben mischen. Er konnte Felder einteilen und Kanäle planen und anlegen und hatte gelernt, sich dazu mit seinem Nachbarn friedlich zu einigen. Er hatte schon früh den Gesteinsbohrer erfunden und handhabte ihn mit großer Geschicklichkeit. Nur die arbeitserleichternde Drehscheibe des Töpfers war ihm noch nicht bekannt, was zeigt, wie gegenüber der übrigen Welt abgeschlossen Ägypten noch war. Aber der Mensch war reif für einen größeren Sprung in der kulturellen Entwicklung und bereit Wissen und Errungenschaften aus anderen Regionen aufzunehmen, um sein Leben zu verbessern. (39)

Wenn man die eben beschriebene vordynastische Zeit auf 1800 Jahre schätzt, das heißt etwa von 5000 v. Chr. bis 3200 v. Chr. dann ist die jetzt folgende Zeit von etwa 200 Jahren durch eine Öffnung nach außen gekennzeichnet. Die Einflüsse der benachbarten mesopotamischen Hochkultur werden in den Funden immer deutlicher und beweisen, daß ein Bedürfnis nach mehr Wissen und Kultur bestand. Es gibt zylindrische Siegel eindeutig mesopotamischer Herkunft. An Bauten werden Ziegel als dekoratives Element eingesetzt, eine Idee, die sich an mesopotamischen Bauten schon lange vorher findet. Motive in der bildenden Kunst werden nach Prinzipien gestaltet, die sich auch in Mesopotamien finden. Es gibt symmetrisch aufgebaute Gruppen und Fabeltiere mit umeinander gerankten Hälsen. Kähne auf Abbildungen zeigen mesopotamische Bauformen. Auch die Metallbearbeitung, die in Mesopotamien schon viel weiter fortgeschritten ist, wird jetzt eindeutig besser. (39)

Doch noch etwas Wichtigeres könnte in dieser Zeit aus Mesopotamien übernommen worden sein. Es ist das Wissen um das Wesen einer Schrift und ihre Grundelemente. Die erste ägyptische Schrift, die in dieser Übergangszeit ziemlich abrupt erscheint ,verwendet nämlich bereits das Rebusprinzip und das ist nach der geltenden Theorie der Entwicklung einer Schrift bereits die zweite Stufe. Die erste Stufe, nämlich die Verwendung einer reinen Bilderschrift, erscheint in Ägypten garnicht. Im Rebus werden sprachlich gleichlautende Bildbegriffe zu Wortkombinationen zusammengefügt. So wird es möglich, auch Begriffe wiederzugeben, die selbst als Bild nicht dargestellt werden können. Zusammengesetzte Bildzeichen ergeben also ein Wort, das akustisch gleich klingt, aber eine ganz andere Bedeutung hat

Die erste bekannte ägyptische Hieroglyphenschrift verwendet das Rebusprinzip und zwar in einer voll auf Ägypten abgestimmten Form. Die dargestellten Bildelemente Rechen, Pflug und Gesteinsbohrer sind eindeutig die in Ägypten verwendeten Formen dieser Werkzeuge, was beweist, daß hier nicht sklavisch sondern mitdenkend übernommen wurde. Die neue Schrift sollte auch für den normalen Ägypter lesbar sein und nicht nur für eine kleine Zahl von Schriftkundigen. Diese weitschauende Umsetzung verhalf Ägypten zu einer raschen Anhebung des Bildungsniveaus und wurde damit zu einem wichtigen Faktor für die ägyptische Geschichte und darüberhinaus für die Geschichte der ganzen damaligen Welt. Auch diese schnelle und verbreitete Aufnahme eines völlig neuartigen Mittels der Kommunikation und seine sinnvolle Weiterentwicklung beweist, daß das ägyptische Volk fähig und willens war, einen großen Schritt in der kulturellen Entwicklung zu machen. Doch wer war schließlich der Auslöser dieses Schrittes und woher kam das neue Wissen, das Ägypten dann in relativ kurzer Zeit zu einer Hochkultur werden ließ. Nach den ägyptischen Königslisten standen am Anfang der dynastischen Zeit Götter. Später waren es dann Menschen, die aus den von den Göttern gegründeten Dynastien hervorgegangen waren.

Der Beginn der dynastischen Zeit, der zusammenfällt mit dem Beginn von schriftlichen Aufzeichnungen und damit der historischen Zeit, wird von der modernen Ägyptologie auf 3100 v. Chr. festgelegt. Dabei kann es bei Vergleichen mit anderen Zeitfestsetzungsmethoden wegen der schwierigen Umrechnung aus dem ägyptischen Kalender, der kein Schaltjahr kannte, zu Abweichungen in der frühen Zeit von 50 oder 200 Jahren kommen. Zur Zeit des neuen Reiches betragen die Abweichungen dann nur noch 20 Jahre. Man darf sich also über in dieser Größenordnung abweichende Jahreszahlen in den verschiedenen Werken der heutigen Geschichtswissenschaft nicht wundern. Jeder Autor hält seine Art der Berechnung für die bessere, was einmal mehr zeigt, wie unsicher und zerstritten die Frühgeschichtsforschung heute noch ist.

Nicht ganz so unsicher ist man bei den Namen der einzelnen Herrscher. Für sie gibt es von den Ägyptern in Stein gemeißelte unvergängliche Unterlagen. So gilt es als fast unumstritten, daß Narmer, der auch Menes genannt wird, Ober- und Unterägypten zu einem Reich vereinte und damit als Begründer des ägyptischen Staates gelten kann. Auch ein Name "Skorpion" erscheint für diese Zeit. Er war möglicherweise ein Vorläufer von Narmer, erreichte aber offenbar noch nicht die Vereinigung der Länder. Die Gesamtzeit der Aktivitäten von "Skorpion" und Narmer wird auf 3150 - 3050 v. Chr. datiert. Über die Herkunft dieser Herrscher, die anscheinend nicht allein kamen, sondern in einer größeren Gruppe die Macht, die hier für einen kulturell und wissensmäßig überlegenen Herrscher bereitlag, an sich rissen, herrscht Unklarheit. Von den Ägyptern selbst wurden sie später zu "Göttern" erklärt, was aber wahrscheinlich darauf zurückzuführen ist, daß sie für die Ägypter völlig neues Wissen mitbrachten. Auch für die späteren Pharaonen, die großen Wert auf ihre "Göttlichkeit" legten, war es sicher ein Vorteil,von "Göttern" abzustammen.

Wenn man einmal ausschließt, daß es sich tatsächlich um Außerirdische gehandelt hat, kommen nur zwei Ursprungskulturen in Frage, in denen entsprechend großes Wissen vorhanden war. Es ist der östliche Bereich mit Mesopotamien als Schwerpunkt und es ist der westliche Bereich mit dem Atlantischen Reich, das in dieser Zeit sehr expansiv wird. Aus dem weiteren Verlauf der Geschichte, in dem die ägyptischen Herrscher den "Asiaten" nie freundlich gesinnt waren und mit Vorliebe mit den aus dem atlantischen Reich stammenden Herrschern paktierten, was bis zu Eheschließungen ging, ist zu schließen, daß sie selbst auch aus dem Westen stammten. Die von einigen Forschern angenommene Herkunft aus Mesopotamien kann deshalb ausgeschlossen werden.

Auf welchem Weg diese Gruppe nach Ägypten kam, ist ebenfalls nicht sicher belegt. Immerhin gibt es aus viel späterer Zeit Angaben, daß diese Gruppe und die daraus entstehende Dynastie aus Thinis in der Nähe von Abydos in Mittelägypten stammte und deshalb Thiniten genannt wird. Wahrscheinlicher aber ist, daß diese Dynastie aus dem Bereich des atlantischen Reiches, und zwar aus Nordafrika, kam und erst von späteren Geschichtsschreibern zu Ägyptern gemacht wurde. Der Name Thiniten könnte nämlich auch von der Göttin Thinit abgeleitet sein. Diese Göttin , die auch fälschlicherweise Tanit geschrieben wird, ist bekannt aus der Endzeit der Stadt Karthago. Sie wurde in dieser Zeit zur Stadtgöttin erhoben. Es ist aber aus Funden aus der Anfangszeit des atlantischen Reiches bekannt, daß sie zu den ältesten Gottheiten des atlantischen Kulturkreises gehörte. Sie ist in Karthago Himmelsgöttin aber zu gleicher Zeit auch der Erde verbundene Fruchtbarkeitsgöttin. Ihr Symbol ist das Thinit - Zeichen : ein Dreieck oder Trapez mit Stab und einer Scheibe darauf. Ihre Attribute sind Granatapfel, Feige, Ähre und Traube. Es ist sehr wahrscheinlich, daß ihre ursprüngliche Hauptbedeutung die der Fruchtbarkeitsgöttin war. Als solche war sie für den agrarisch orientierten und stark expandierenden atlantischen Staat und ebenso für Ägypten, das nun agrarisch erschlossen werden sollte, von größter Bedeutung. Wie bei Herodot nachzulesen, war es in der frühen Geschichtsschreibung üblich, eine neu auftauchende Gruppe von Menschen nach ihrem Anführer oder ihrer Leitfigur zu benennen. Es ist sehr gut möglich, daß die mit großartigen Plänen und entsprechendem Machtanspruch auftretende Gruppe sich immer wieder auf ihre Leitgöttin Thinit berufen hat, was ihr dann den Namen Thiniten einbrachte.

Das fortschrittliche Wissen, das diese Herrscher mitbrachten und das den ägyptischen Staat in einem rasanten Aufstieg in relativ kurzer Zeit zu einem erstklassigen, beispielhaften Staatswesen machte, ist jedenfalls mit Sicherheit nicht in Ägypten selbst entstanden. Nach dem bereits vorher gesagten war Ägypten wohl reif für ein staatliches Dasein und nur noch der faktische Besitz und die Form der Staatsgewalt waren offen. Ganz friedlich scheint die Übernahme der Macht durch die neue Gruppe auch nicht vonstatten gegangen zu sein, jedenfalls zeigen die ältesten Funde aus dieser Zeit - der sogenannte Skorpion - Keulenkopf und die Narmer Palette - die neuen Herrscher als Sieger über das Volk und einzelne Anführer. Auch die Herkunft der neuen Herrscher aus dem atlantischen Kulturkreis wird auf diesen Fundstücken deutlich. So sind zum Beispiel Kiebitze, die in der ägyptischen Hieroglyphensprach das gemeine Volk darstellen, in einem Fries auf dem Keulenkopf an Standarten aufgehängt, die man an ihren Symbolen und Tierdarstellungen leicht als atlantischer Herkunft erkennen kann. Es soll wohl den Sieg der atlantischen Welt über das Volk darstellen. Ebenso deutet der Schwanz eines Opferstiers am Gürtel von "Skorpion" auf den atlantischen Stierkult hin, der ja dann auch auf Ägypten übertragen wurde.

Auch auf der Narmer Palette finden sich reichlich Symbole aus der atlantischen Welt. So wird die Vorder - und die Rückseite von je zwei Stierköpfen mit geschwungenen Hörnern gekrönt und dem König werden von Dienern vier Standarten mit möglicherweise bereits ägyptisierten Darstellungen vorangetragen. In einem anderen Darstellungsfeld besiegt ein Stier einen niedergeworfenen Menschen und weist auch damit auf den Sieg des atlantischen Reiches über den ägyptischen Menschen hin. Bemerkenswert ist auch, daß hier , wie auch auf dem vorher genannten Keulenkopf , der König wesentlich größer als die anderen Menschen dargestellt wird. Wahrscheinlich waren die Neuankömmlinge auch körperlich wesentlich größer als die relativ kleinen Ägypter. Diese Darstellungsart wurde dann zum traditionellen Bestandteil der ägyptischen Bildwerke.

Interessant ist in diesem Zusammenhang der Fundort der Beweisstücke, zu denen auch noch der Narmer Keulenkopf gehört. Sie wurden von J. E. Quibell 1897/98 bei Ausgrabungen im oberägyptischen Hierakonpolis , dem antiken Nechen, auf dem Westufer des Nils nördlich von Aswan, entdeckt, und lagen in einer Grube zwischen Mauern aus der Zeit des alten Reiches und einem Tempel aus dem mittleren Reich , die als "Hauptdepot" bezeichnet wird. Hierher gelangten sie ca 1000 Jahre nach ihrer Entstehung, wahrscheinlich zum Ende des alten Reiches, das hieße um 2000 v. Chr. Zu dieser Zeit war Ägypten schon lange Zeit ein selbständiger und unabhängiger stolzer Staat, der vielleicht nicht mehr an seine Gründer erinnert werden wollte und deshalb die Zeugnisse an sicherer , kaum zugänglicher Stelle einlagerte, wo sie dann in Vergessenheit gerieten. Es ist aber auch möglich, da es sich ausnahmslos um Bruchstücke handelt, daß diese bei der Zerstörung der Tempel durch die kosmische Katastrophe von 2180 v. Chr. infolge eines verheerenden Meteoriteneinschlags im ca. 1500 Km Tschad Gebiet entstanden sind und als jetzt nutzlos bei den Aufräumungsarbeiten in die Grube geworfen wurden.

Dem Ägypter der Zeit um 3100 v. Chr. war die Übernahme der Macht durch eine wissensmäßig überlegene Dynastie mehrheitlich sicher nicht unsympatisch. Brachte sie doch für die Fortentwicklung des Staates, von der auch er profitierte, Vorteile.So war er offenbar auch bereit, die umfangreichen Pläne zur Be- und Entwässerung seines Landes, die jetzt erstellt werden konnten, aufzunehmen und sinnvoll weiterzuentwickeln. Mit der umfassenden Bewässerung verbunden waren tiefgreifende wirtschaftliche und soziale Veränderungen, die eine größere Bevölkerung, größeren Wohlstand, eine herrschende Klasse und spezialisierte Berufe mit sich brachten.

Die ersten vier Jahrhunderte der dynastischen Zeit ,das heißt die Zeit, die heute der Dynastie 1 und 2 zugeschrieben wird, war offenbar die Zeit der Etablierung des neuen und für die Ägypter doch ungewohnten Systems. Es mußte viel Neues hinzugelernt werden und sicher gab es auch reichlich interne Probleme bis man den neuen Stil eines Staates begriffen hatte und ihn auch praktizieren konnte. Deshalb gibt es in dieser Zeit auch keine nennenswerte Veränderung der aus der vordynastischen Zeit überkommenen Kultur. Wahrscheinlich waren auch die Herrscher dieser Zeit, von denen zwar die Namen , nicht aber ihre genauen Regierungszeiten bekannt sind, viel zu sehr mit dem Aufbau eines fortschrittlichen Staates beschäftigt, als daß sie sich viel um die kulturelle Weiterentwicklung kümmern konnten. Soweit sie tatsächlich außerirdischen Ursprungs waren, wie die ägyptische Geschichtsschreibung behauptet, hatten sie wohl auch wenig Interesse daran. Das änderte sich ziemlich abrupt mit der dritten und vierten Dynastie das heißt ab etwa 2680 v. Chr. In dieser Zeit beginnen die als typisch ägyptisch empfundenen Ausdrucksformen des nun offenbar etablierten Systems. Man könnte daraus schließen, daß jetzt die Zeit der irdischen Herrscher beginnt, die zwar weiterhin durch Wissensübermittlung unterstützt werden, aber doch die Führung des Staates selbst in die Hand nehmen und damit auch das menschliche Bedürfnis nach Prachtentfaltung und Beeindruckung des einfachen Volkes entwickeln, das sie von der Masse abheben soll.

Es beginnt jetzt auch die Lehre von der göttlichen Natur des Herrschers. Auch dieses Dogma diente dazu, die Herrscher, die jetzt Menschen waren und deshalb auch menschliche Schwächen hatten, in ihrem Anspruch auf die Herrschaft über das gewöhnliche Volk vor sich selbst und gegenüber anderen zu bestärken. Sie wurden darin unterstützt durch eine herangebildete Priesterschaft, die sich jetzt als Trennschicht zwischen Gottkönig und Volk schob. Dieses System, das allen frühen Staaten gemeinsam war, war wahrscheinlich außerirdisch installiert worden und ermöglichte es den außerirdischen Kulturbringern sich allmählich aus den irdischen Geschäften zurückzuziehen und sie durch von ihnen eingesetzte und beeinflüßte irdische Herrscher weiterführen zu lassen. Wie die Überlieferung dieser Staaten übereinstimmend berichtet, waren diese ersten Herrscher zum Teil auch die leiblichen Nachkommen der "Götter". Sie waren von ihnen auf der Erde mit den Frauen des Herrscherhauses erzeugt worden und waren somit noch "Halbgötter". Dies war offenbar auch der tiefere Grund für die in Ägypten praktizierte Form der weiblichen Thronfolge , die nach mutterrechtlichen Regeln erfolgte. Der Pharao, der die eigentliche Macht ausübte, erwarb dieses Recht nur als Ehemann der "Großen Könglichen Gemahlin" , die der eigentliche Träger der Erbfolge war. In der in Ägypten geübten Praxis sicherte er diesen Anspruch oft noch dadurch ab, daß er auch noch die nächsten Trägerinnen der Erbfolge d.h. die nächstfolgende Schwester der ersten Ehefrau und die Töchter dieser Frauen zu Ehefrauen nahm. Anfänglich gab es dann, wie die Mythen berichten, hin und wieder noch einmal eine göttliche "Inspektion" bei denen die göttliche Abstammung durch weitere Zeugungen verstärkt wurde und in deren Verlauf Hilfe in unlösbar erscheinenden Problemen gewährt wurde. Später wurden die Staaten dann sich weitgehend selbst überlassen und die Hilfe beschränkte sich auf Wissensübermittlung durch Telepathie und göttliche Hinweise, deren Deutung bald eine eigene Kaste in der Priesterschaft heranwachsen ließ, die der Magier, Auguren oder Haruspexe, wie sie im Bereich der atlantischen Kultur genannt wurden. Sie lasen aus Zeichen in der Natur zum Beispiel dem Vogelflug oder in der Leber von Opfertieren, ob ein beabsichtigtes Unternehmen unter guten oder schlechtem Vorzeichen stand und hatten damit die Möglichkeit, die Politik entscheidend mit zu beeinflussen.

Für die Sicherung des Bestandes des neuinstallierten Staates war ein System der moralischen Verpflichtung, das sowohl für Herrscher wie für Beherrschte galt, von besonderer Bedeutung. Es war der Begriff des "ma át" ,der nur schwer in den heutigen Sprachen wiederzugeben ist, da ein entsprechend umfassender Begriff fehlt. Er besteht im wesentlichen in der Summe von Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit, Rechtschaffenheit, Ordnung und weiteren moralisch positiven Werten, die man vielleicht auch kurz in dem moralischen Sinngehalt des Wortes "gut" zusammenfassen könnte.

Wenn er sich auf die Kunst des guten Regierens bezieht, kann er mit guter Herrschaft, Regierung, Verwaltung und der Schaffung von guten Gesetzen übersetzt werden. "Maát war die kosmische Kraft der Harmonie, Ordnung, Stabilität, Sicherheit, bei der Ur-Schöpfung als die organisierende Qualität aller Schöpfungsgebild begründet" und mußte bei jedem Herrschaftsantritt eines Gott-Königs von ihm öffentlich in einer aufwendigen Zeremonie gelobt werden.

Ein sehr kleiner Rest davon ist noch heute in dem Amtseid von Regierungspersonen erhalten, in dem sie geloben, alles zum Besten des von ihnen regierten Volkes zu tun ," so war mir Gott helfe." Leider ist dieses Versprechen heute weder vom schlecht regierten Volk einklagbar, noch wird es von außerirdischen Instanzen direkt sichtbar überwacht. Es hat für viele also oft nur noch den Charakter einer Floskel, die als Kontrolle nur die eigene moralische Lauterkeit hat. Und mit der ist es bei den Menschen auf Grund der Schwächen, die jeder Mensch ohne Ausnahme hat, meistens im Fall der Versuchung nicht weit her. Das führt dann immer wieder dazu, daß ein Volk über längere Zeit ungestraft schlecht und nur den Interessen der Machthabenden nützlich, regiert wird, was die fortschreitend positive Entwicklung der Menschheit außerordentlich behindert.

Der Glaube an Leben nach dem Tode, an eine Unsterblichkeit, in der sich die besten Züge des diesseitigen Lebens wiederfinden sollten, war ein wesentlicher Bestandteil der ägyptischen Kultur. In seiner entwickelten Form versprach dieser Glaube dem "guten Menschen" ewige Glückseligkeit. Dieser aus der vordynastischen Zeit bereits bekannte Glauben wurde in der dynastischen Zeit anfangs vor allem auf die direkte Angehörigen des Königshauses und später dann auch auf hohe Beamte und Würdenträger, die zum Teil nur noch sehr entfernt verwandt mit dem Königshaus waren, angewendet. Sicher lebte der Glaube an ein Leben nach dem Tode auch im einfachen Volk weiter fort, fand aber keinen nachvollziehbaren Niederschlag mehr in den Gräbern der Menschen wie in der vordynastischen Zeit. In welcher Form sich die Ägypter das Weiterleben nach dem Tode vorstellten, ist nur schwer zu erkennen. Die altägyptische Sprache enthält mehrere Bezeichnungen für die nichtkörperlichen Eigenschaften einer Person, wie den"Namen" (ka) und den "Schatten" (ba). Beide Bezeichnungen enthalten aber mehr als ihre Übersetzungen aussagen. "Schatten" (ba) könnte man eventuell mit unserem Begriff "Seele" übersetzen, denn er löst sich im Tode vom Körper, verläßt ihn aber nicht vollständig, sondern schwebt auf ägyptischen Darstellungen als menschenköpfiger Vogel über ihm. Dies entspricht den Berichten heutiger Menschen, die durch moderne medizinische Techniken ins Leben zurückgerufen wurden und sich erinnern, daß sie sich in der Sterbephase über ihrem Körper schwebend befanden und den Wiederbelebungsversuchen der Ärzte von oben zusahen. Offenbar hatten die Ägypter ähnliche Erfahrungen oder wußten noch mehr. Im "ka", also im "Namen" könnte man das Kennzeichen für das Leben sehen, das die Seele in der Zeit, in der sie diesen Namen hat, führt. Dies zur Unterscheidung von weiteren Leben, nach der Wiedergeburt, unter anderem "Namen".

In Ausmaßen und technischer Vollendung erreichen die königlichen Gräber und großen Pyramiden von Gisé mit der Pyramide des Cheops ihren Höhepunkt. Von ähnlicher Größe sind unmittelbar vor ihnen nur die Denkmäler Snefrus und unmittelbar danach das Grabmal des Chephren.Diese Spitzenleistungen wurden in erstaunlich kurzer Zeit zuwege gebracht. Denn nur etwa fünfundsiebzig Jahre vor der Cheopspyramide wurde als erste Pyramide die Stufenpyramide für den Pharao Djoser erbaut . Die Anfangsformen der Pyramiden erinnern noch stark an die Grabhügel, die in Westeuropa über den Gräbern der führenden Persönlichkeiten des Staates errichtet wurden. In ihren Gängen weisen sie die gleichen Bauformen mit Steinplatten und Kraggewölben auf wie im atlantischen Reich. Doch in Ägypten entwickelt sich daraus etwas Neues und Eigenständiges, das in der Qualität und Größe der Ausführung die westeuropäischen Monumente weit übertrifft.

Am Anfang dieser Entwicklung steht ein Name, dem noch 3000 Jahre danach und erneut im heutigen modernen Ägypten tiefe Verehrung entgegengebracht wird. Es ist der Name Imhotep. Schon zu seinen Lebzeiten hatte Imhotep die höchsten Ehren erfahren. Er war : > Wesir des Königs von Unterägypten, Erster nach dem König von Oberägypten, Großer Haushofmeister, Inhaber der erblichen Adelswürde , Hoherpriester von Heliopolis, Baumeister, Bildhauer und oberster Vasenhersteller
<. Schon sein Vater war "Direktor des königlichen Bauamtes". Seine Heimat soll Oberägypten gewesen sein und man vermutet sein Grab, nach dem aber bisher vergeblich gesucht wurde , in der Nähe des Grabes von Djoser. In der Erinnerung der Ägypter lebt Imhotep als hervorragender Weiser und Erfinder weiter. Er war ein "Allroundgenie" beherrschte sowohl die Baukunst wie medizinische Techniken und gilt deshalb als Begründer der ägyptischen Heilverfahren und der ärztlichen Kunst. Bei den Griechen wurde er später mit dem Heilgott Asklepios gleichgesetzt, von dem der "Äskulapstab" abgeleitet ist. Er stellt noch heute das Wahrzeichen der ärztlichen Zunft dar. >
In Ägypten existiert eine Statue, die ihn als kleinen und unscheinbaren Mann erscheinen läßt, der eine gewisse Ähnlichkeit mit den im Kapitel "Aussehen, Herkunft und Botschaft der Außerirdischen" beschriebenen Außerirdischen der Art 1 hat. Auf Grund seines auch heute noch unvorstellbaren Wissens, für das es keine ersichtlichen irdischen Quellen gab, erscheint es nicht unmöglich, daß es sich bei Imhotep um einen der wenigen bekanntgewordenen außerirdischen Kulturbringer der geschichtlichen Zeit handelt. Imhotep war derjenige, der als Chefbaumeister des Pharaos die Kunst des behauenen Steins, die aus der atlantischen Zeit bekannt war, zur Vollendung brachte und dank seines Organisationstalents den Grundstein für die Methoden legte, die dann in den späteren Großpyramidenbauten zur höchsten Entfaltung kamen. Bei der Djoser-Pyramide, die sein Werk war, handelt es sich bereits um die Verarbeitung von einer Million Tonnen Kalkgestein, während vorher in Ägypten und auch in Westeuropa maximal einige hundert Tonnen Gestein verarbeitet wurden. Imhotep war mit der Schaffung der Stufenpyramide Djosers auch der erste, der aus der bis dahin verwandten Bauform der Gräber als sogenannte Mastaba die Bauform des überdimensionalen Grabhügels in Form einer Pyramide aus Stein, gebaut für die Ewigkeit , machte. Diese Idee war offenbar so überzeugend, daß sie, ähnlich wie im Europa des Mittelalters der Bau der großen gotischen Kathedralen, ein ganzes Volk zu motivieren vermochte, hier Baudenkmäler zur Ehre ihres Gottes, des Pharaos, und zur Ehre ihres Volkes zu schaffen, die alles bisher dagewesene und vielleicht auch alles künftige, bei weitem übertraf. Was ihnen dann ja auch gelang !

Daß diese sprungartige Entwicklung ausschließlich innerägyptisch gewesen sein soll , ist unwahrscheinlich. Wahrscheinlich holten sich die Pharaonen aus dem Land ihrer eigenen Herkunft, den atlantischen Ländern, Baumeister, Architekten und Spitzenhandwerker, die schon lange in diesem Stil bauten und über entsprechende Erfahrung verfügten.Das erklärt auch, warum nach der Schaffung der großen Pyramidengruppe bei Gisé, der Antrieb zum Pyramidenbau nachließ, die Bauqualität zunehmend schlechter wurde und schließlich der Bau von Pyramiden in Ägypten ganz aufgegeben wurde. Die geschaffenen Bauwerke reichten aus, den Ruhm Ägyptens bis in alle Ewigkeit zu verkünden und man brauchte dem nichts mehr hinzuzufügen.

Dennoch ist dieses genannte Motiv , das sicher auch eine Rolle spielte, nur eine unzureichende Erklärung dafür, warum und wofür diese riesigen, die ganze Kraft eines Volkes für Jahrzehnte in Anspruch nehmenden Bauten errichtet wurden. So gut wie sicher ist, daß es nicht nur Grabmäler für bestimmte Könige sein sollten. Dafür gab es vorher und nachher einfachere und bessere Lösungen. Eine noch nicht bestätigte aber auch nicht zu widerlegende Theorie sagt, daß die Pyramiden , die etwa im Zentrum der damals bekannten westlichen Welt, auf halbem Weg von Iberien nach Indien liegen, tatsächlich als Mittelpunkt der zivilisierten Welt angelegt wurden und als Aufbewahrungsstätte besonders wertvoller Dokumente im Falle einer schweren kosmischen Katastrophe dienen sollten. Darüberhinaus hat sich beim genauen Vermessen der Cheops Pyramide herausgestellt, daß ihre Abmessungen und ihre Ausrichtung allein schon zeigen, daß ihre Erbauer hohe Kenntnisse von Mathematik und astronomischen Daten hatten. Den Versuchen , mit Hilfe von Schallwellen und elektromagnetischer Strahlung ihre innere Struktur zu erkennen, haben sie bisher erfolgreich widerstanden. Ein dahinzielender Großversuch, der von der En-Shams Universität von Kairo mit Hilfe eines Großcomputers der IBM unternommen wurde, mußte ergebnislos abgebrochen werden, da er von Tag zu Tag wechselnde Ergebnisse brachte, die in keine logische Beziehung zueinander zu bringen waren (2a)

Vielleicht hatten auch die Pharaonen vor, sich in dem Fall einer schweren kosmischen Katastrophe in die zugängliche Cheops Pyramide zurückzuziehen. Die Pyramiden hätten also den Zweck erfüllt, den heute die atombombensicheren Regierungs- und Befehlszentralen in der ganzen Welt haben. Nur diese heutigen Anlagen sind einer schweren kosmischen Katastrophe durchweg nicht gewachsen, die ägyptischen Pyramiden hingegen wären es, wenn sie nicht gerade direkt getroffen würden. Ihre Bauart kann als absolut erdbebensicher bezeichnet werden, von den großen Ozeanen sind sie weit entfernt und liegen dazu auf einem Hochplateau, Regenfälle sind in Ägypten äußerst selten und das Wasser könnte auch ohne Probleme durch den Nil ablaufen, die Klimazone in der sie liegen ist klimatisch so begünstigt, daß auch im Fall einer Jahre andauernden zusammenhängenden Wolkendecke und der damit verbundenen Abkühlung des Klimas hier wieder zuerst die Sonne scheinen würde.

Diese Aspekte scheinen dem Menschen von heute weit hergeholt, wenn nicht sogar unsinnig. Das liegt aber nur daran, daß in unserer, relativ kurzen, bisher von der Geschichte erfaßten Zeit ein solcher größerer kosmischer Zwischenfall nicht bekannt ist. Der ägyptischen Führungsschicht war aber durch ihre Herkunft aus dem atlantischen Reich mit Sicherheit die große Katastrophe von 8500 v.Chr. mit ihren für die ganze Erde verheerenden Auswirkungen bekannt. In ihr war die sagenhaft hohe Kultur ihrer Vorfahren zugrundegegangen und es ist gut vorstellbar, daß sie einer Wiederholung des gewaltigen Kulturverlustes, der damals eingetreten war, vorbeugen wollten. Es gab dann ja auch in der Geschichte des alten Ägyptens bis zur Zeitenwende zwei schwere kosmische Zwischenfälle. Der erste davon , der nach der bisher vorliegenden Datierung seines Kraters etwas vor dem Jahr 2180 v. Chr. und damit nur etwa 500 Jahre nach der Fertigstellung der letzten der drei großen Pyramiden im Gebiet von Aorounga im Tschad, also an der Grenze der südlichen Sahara - und damit garnicht weit von Ägypten - stattfand, dürfte in Ägypten den ersten schweren Schock ausgelöst haben und war möglicherweise mit der Grund für den Untergang des alten Reiches, der auf 2181 v. Chr. datiert wird.

Der Meteorit, der diesen kosmischen Zwischenfall verursachte, schlug einen Krater von 12,8 Km Durchmesser. Seine Energie dürfte nach den heutigen Kenntnissen derartiger "Impakte" , das heißt Meteoreinschläge mit Kraterbildung , bei einigen Millionen Hiroshima - Bomben gelegen haben. Damit wurde alles Leben im Umkreis von hunderten von Kilometern mit Sicherheit vernichtet, aber auch in dem im Mittel etwa 1500 Km entfernten Ägypten dürften schwere Schäden durch Erdbeben und Sandstürme entstanden sein. Darüberhinaus verursacht eine derartige Explosion eine Veränderung des Klimas, die oft viele Jahre andauert und in Ägypten sicher auch zu Änderungen in den für das Land lebenswichtigen Nilschwemmen und damit zu Hungersnöten geführt hat.

Dabei ist Ägypten aber noch gut davongekommen, denn wäre der Einschlag mit einer Zeitverschiebung von nur etwa einer Minute geschehen , dann wäre das obere Niltal voll getroffen worden, was sicher zum sofortigen Tod von Millionen von Menschen und möglicherweise zum Untergang der gesamten ägyptischen Kultur geführt hätte.

Dabei ist auch die psychologische Wirkung einer derartigen kosmischen Katastrophe zu beachten. Da im atlantischen Reich und damit auch in Ägypten die Wissenschaft von den Sternen einen hohen Stand hatte, ist wahrscheinlich, daß dieses kommende furchtbare Ereignis - lange bevor es die Menschen zunehmend bedrohlich und unausweichlich auf sich zukommen sahen - von den Sternkundigen vorausgesagt worden war. Und diese Voraussage könnte im Bereich des atlantischen Reiches , zu dem ja auch Ägypten zu dieser Zeit noch gehörte, zu dem gemeinsamen Entschluß geführt haben, die großen Pyramiden als Depot für die Zeugnisse der möglicherweise untergehenden Kultur zu erbauen. Ihre auffällige Form und Anordnung hätte späteren Besiedlern der Erde sicher als Schöpfung einer großen untergegangenen Kultur auffallen müssen. Dies wäre auch ein einleuchtender Grund für den Aufwand, den der Bau der Pyramiden mit sich brachte. Und vielleicht sind sie sogar in dieser Zeit zu diesem Zweck benutzt worden und haben der ägyptischen Kultur , nach dem Chaos der 140 Jahre dauernden ersten Zwischenzeit, wieder das Niveau einer Hochkultur erreichen lassen.

Wir Menschen von heute neigen dazu, nur in den Dimensionen unseres Lebens und vielleicht noch etwas darüber hinaus, an die Erde zu denken, die uns das Leben ermöglicht. Kosmisches Denken liegt uns fern, obwohl wir von unserer Eingebundenheit in den Kosmos wissen. Die Weisen der alten Reiche hatten zum Kosmos, auf Grund des überlieferten Wissens, noch eine direktere Beziehung und es ist bewiesen, das sie aus dieser direkten Beziehung zu den Göttern großartige Schöpfungen vollbrachten. Man denke nur an die großartigen Tempelbauten Ägyptens und die Zikkurate Mesopotamiens. Auch die schöpferische Großtat des Baus der Pyramiden paßt hier durchaus hinein.

In Sargtexten aus der auf die kosmische Katastrophe, die das alte Reich beendete, folgenden ersten Zwischenzeit und den Anfängen des mittleren Reiches finden sich diese Stellen:

"Ich habe die vier Winde gemacht, auf daß ein jeder darin atmen kann wie sein Nächster. ...
Ich habe die große Überschwemmung gemacht, auf daß der Arme darin sein Recht haben möge wie der Große...
IIch habe einen jeden geschaffen wie seinen Nächsten; ich hieß sie nichts Böses tun, vielmehr verstießen ihre Herzen gegen das, was ich gesagt hatte...
I Meine Sünde ist aufgehoben, mein Irrtum ist hinweggewischt.....
IDas Trügerische, das in mir war ist ausgetrieben .....
IIch mache mich auf den Weg, von dem ich auf der Insel der Rechtschaffenen erfahren habe..."

Daß in dieser Zeit nach der großen Katastrophe mit ihren verheerenden Zerstörungen moralische Lauterkeit als Voraussetzung für die ewige Seligkeit angesehen und materiellen Gütern geringere Bedeutung als charakterlicher Bewährung beigemessen wurde, geht auch aus anderen Quellen als den Sargtexten hervor. Diese Einstellung war wohl zum großen Teil eine Folge des Schocks, den der Einschlag des Meteoriten und seine Folgen ausgelöst hatten.

Bevor der Tote zu den Göttern eingelassen wurde, mußte er von einem Göttergericht für würdig befunden werden. Anfangs stand das Totengericht noch unter dem Vorsitz des Sonnengottes Re und das Wiegen des Herzens hieß >Aufrechnung des Charakters
<, wobei die Waage des Re, auf der er das ma´at abwägt, eine wichtige Rolle spielte. Später wurde Osiris zum Totenrichter und stand der Prüfung vor , bei der das Herz des Toten - Sitz des Verstandes und des Willens - in die eine und das Symbol der ma`at in die andere Waagschale gelegt wurde. Wogen die Tugenden des Toten schwerer als seine Fehler, so waren die Fehler damit gelöscht, und der Tote durfte zu den Göttern eingehen. >
Aus ihrem vorzivilisierten Zustand waren die Ägypter recht abrupt mit Hilfe der "Götter" und der von ihnen eingesetzten Ordnung zu einer ausgeglichenen und harmonischen Lebensweise aufgestiegen, die sie, nachdem auch noch die gewaltigen Leistungen des Baus der Pyramiden und der Tempelanlagen, die auf der damaligen Welt nicht ihresgleichen hatten, vollbracht waren, mit vollendeter Lebenskunst genossen. Der ägyptischen Zivilisation hafteten bald eine Verfeinerung und eine genialische Komplexität an, die nur aus Selbstsicherheit und Lebensfreude erwachsen sein konnten. Wie auch die anderen in der atlantischen Tradition stehenden Völker schöpften die Ägypter aus dem Bewußtsein der von ihnen erbrachten, den Göttern wohlgefälligen Leistungen, eine nachlässige Eleganz und Selbstüberschätzung, wie sie oft >zivilisiertes< Dasein kennzeichnen.

Aber dieselben Qualitäten, die uns behaupten lassen, daß Ägypten in hohem Maße zivilisiert gewesen sei, rechtfertigen auch eine negative Aussage: Ägypten fehlte es an innerem Antrieb zur Weiterentwicklung und es hat nie ein brennendes Verlangen nach neuen Vorstößen und neuen Eroberungen in der Ebene des Geistigen und Seelischen verspürt. Das seelische Gleichgewicht, das man von den Göttern am Anfang der Zeit empfangen hat und das bis ans Ende der Zeit gesichert scheint, kann ein Volk von Ängsten befreien, aber es enthebt es zugleich der Notwendigkeit, die Götter und die Zwecke , die sie den Menschen aufgeben, immer von neuem zu entdecken. In diesem Sinne gleicht das alte Ägypten auch den anderen, in der atlantischen Tradition stehenden Staaten. Man fühlte sich im Besitz der Göttlichen Weisheiten und trachtete lediglich danach , sie zu erhalten. Die Vorstellung, daß es darüberhinaus auch noch andere Werte geben könnte galt als absolut unpopulär und wurde als Abweichung vom rechten Weg geächtet. Damit trat an die Stelle der von den "Göttern" gewünschten Fortentwicklung der Menschheit ein Verharren in satter Zufriedenheit. Da dies nicht im Sinne der sich andauernd fortentwickelnden Schöpfung liegt, kann es eigentlich nur den Unverständigen verwundern, daß erhebliche Veränderungen ins Haus standen, mit denen sich das nachfolgende Buch 4 befassen wird.

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Folgt Buch4

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