Die Frühgeschichte Europas (3,5,18)

Buch 2

Atlantis II , die erste Kultur des Westens. Idee und Wirklichkeit.

Nachdem in den vorhergehenden Kapiteln grundsätzliche Erwägungen zur Entstehung der heutigen Menschheit angestellt wurden und danach die bisher nur in kleinen Resten wiederentdeckte Kultur des sagenhaften alten Atlantis sowie die möglicherweise von Überlebenden dieser alten Atlantiskultur begründete Kultur von Catal Hüyük folgte, wenden wir uns jetzt dem eigentlichen Entstehen unserer heutigen Kultur zu.

An ihrem Anfang steht ein oft zitiertes und immer wieder dementiertes Phänomen, das trotz aller Dementis aus den Köpfen der Menschen offenbar nicht zu vertreiben war. Die, wie wir sehen werden, nach neuesten Erkenntnissen tatsächlich vorhanden gewesene Kultur von Atlantis, die der griechische Philosoph und Erzieher Platon in seinen Büchern Timayos und Kritias um 600 v. Chr. beschrieben hat, und die seit dieser Zeit immer wieder in den Köpfen der Menschen auftaucht. Diese erstaunliche Erscheinung des immer wieder Auftauchens einer bedeutenden geschichtlichen Idee ist ein Phänomen, auf das später in den Kapiteln über die Wiedergeburt noch weiter eingegangen wird.

So war Ignatius Donnelly, der begabte Sohn armer irischer Einwanderer in die Vereinigten Staaten von Amerika, offenbar einer der, von Zeit zu Zeit auftauchenden, atlantischen Ideenträger. Mit 28 Jahren war er bereits stellvertretender Gouverneur des Bundesstaates Minnesota und später Kongreßabdeordneter in Washington. Er gilt als Begründer der modernen Atlantologie. Er behauptete in seinem 1882 erschienenen Buch : > Atlantis, the Antediluvian World < ( Atlantis. Die Welt vor der Eiszeit ) unter anderem :

Daß Atlantis das Gebiet der Erde war, in dem die Menschheit zuerst das Stadium der Barbarei überwand und die ersten Stufen der Zivilisation erklomm.

Daß Atlantis im Lauf der Zeitalter ein blühender und mächtiger Staat wurde, durch dessen Ausbreitung das Mittelmeer, die Westküsten Europas und Afrikas, die Ostsee sowie das Schwarze und das Kaspische Meer mit Kulturvölkern besiedelt wurden.

Daß Atlantis in den Menschen eine universelle Erinnerung an ein herrliches Land hinterließ , in dem die Menschheit im Frühstadium ihrer Geschichte viele Generationen lang in Glück und Frieden lebte.

Daß die älteste von den Atlantiden gegründete Kolonie Ägypten war, dessen Kultur und Zivilisation denen der atlantischen Insel entsprachen.

Daß die Werkzeuge und Geräte der Bronzezeit eine Errungenschaft von Atlantis waren und die Atlantiden ebenfalls das erste Eisen herstellten.

Daß das phönizische Alphabet, Urform aller europäischen Alphabete, auf ein atlantisches Alphabet zurückging.

Daß Atlantis die Urheimat der arischen und indogermanischen Völkerfamilie sowie der semitischen und möglicherweise auch der turanischen Volksstämme war.

Davor und danach hat sich eine Vielzahl von Professionellen und Amateuren mit dem offenbar faszinierenden Thema Atlantis auseinandergesetzt. Es wurden über 1000 Bücher über Atlantis geschrieben und für die ehemalige Lage der Stadt gibt es über 40 von ernstzunehmenden Wissenschaftlern vertretene Theorien (2).

Da das Rätsel noch nicht gelöst erschien, wurden immer wieder neue Hypothesen über die Lage von Atlantis aufgestellt . In vielen steckte ein Teil Wahres. Viele entfernten sich aber weit von den Fakten, die durch den sehr detaillierten Bericht Platons vorgegebenen waren.

Andere wieder versuchten, nur die Fakten anzuerkennen, die auf ihr Modell von Atlantis paßten, und stellten Nichtpassendes mit allen Methoden der geistigen Auseinandersetzung in Frage. Trotzdem haben auch sie oft den Denkprozeß vorangebracht , vor allem dann, wenn ihren neuen Hypothesen wissenschaftlich neue Erkenntnisse zu Grunde lagen.

Eine der interessantesten Hypothesen nach heutiger Sicht dürfte die von Lewis Spence sein. Er war ein schottischer Mythenforscher mit offenbar ebenfalls sehr viel Atlanterblut in den Adern. Er schrieb zwischen 1927 und 1942 fünf Bücher über Atlantis und erkannte als erster, daß die Geschichte zwei Atlantis kennt.

Das erste, dessen Zentrum im Bereich der Antillen, der Sargassosee und dem heutigen Bermuda Dreieck lag und das durch eine Naturkatastrophe mit anschließendem Anstieg der Meere unterging und das wir im Kapitel über das sagenhafte alte Atlantis gewürdigt haben. Es wird in diesem Buch im weiteren Atlantis I genannt werden. Und das zweite, das Platon in seinen Büchern Timaios und Kritias beschrieb und das wir im weiteren, soweit eine Möglichkeit der Verwechslung besteht, Atlantis II nennen werden.

Auf Grund der heutzutage durch die Forschungsarbeit unzähliger Wissenschaftler vorliegenden Daten kann man sagen, daß sich die genannten Behauptungen Donnely's und Spence's weitgehend bestätigt haben und sich zunehmend weiter bestätigen und daß es darum heute schon möglich ist, weiteres hinzuzufügen :

a, Die Megalithkulturen Westeuropas sind ein Produkt der frühen Zeit von Atlantis II oder sogar, zumindest in ihren Anfängen an der Küste des Atlantiks, der späten Zeit von Atlantis I.. Die frühere Annahme, daß die Megalithkultur aus dem Osten kam, hat sich auf Grund der modernen Methode der Datierung nach der Radiokarbonmethode als falsch erwiesen. Die Megalithkultur ist danach von den Küsten des Atlantiks nach Osten gewandert.

b. Phönizier, Punier und Etrusker sind direkte Nachkommen der Atlanter und haben die Kultur von Atlantis II in die geschichtliche Zeit hinübergerettet. Auch bei diesem Punkt erweist sich durch die Funde auf der iberischen Halbinsel mehr und mehr, daß sie die eigentliche kulturelle Heimat und der Ursprung der Phönizier ist. In der geschichtlichen Zeit der Griechen wurden die nie ganz abgerissenen Beziehungen der Phönizier zur alten Heimat lediglich zunehmend wieder aufgenommen.

c.Die atlantische Kultur hat die Minoische Kultur auf Kreta und die Achaische Kultur in Griechenland hervorgebracht. Auch diese beiden Kulturen entsprechen weitgehend der atlantischen Kultur und ihre Aufeinanderfolge entspricht der Ausdehnung der atlantischen Kolonisation von Westen nach Osten.

d.Die arischen Inder sind die letzten Nachfahren von Atlantis II. Sie haben einen Teil des alten Wissens und der alten Kultur bis in unsere Tage bewahrt . Dies wird, wie auch die folgenden Behauptungen, ausführlich in den folgenden Kapiteln über das atlantische Reich und die atlantische Wanderung belegt.

e. Das alte Troja, das in Homers Ilias und der Odyssee erscheint, war eine Tochtergründung von Atlantis II. Die Stadt wies typische Konstruktionsmerkmale von Tharsis, der Hauptstadt von Atlantis II auf , die Platon in seinen Büchern beschreibt, was zu der neuerdings aufgestellten Behauptung Anlaß gab, Troja wäre identisch mit Atlantis II (41), was sicherlich nicht zutrifft. Aber die Kultur Trojas war die von Atlantis.

f. Sidon und Tyrus an der östlichen Küste des Mittelmeers waren zuerst Handelsniederlassungen von Atlantis II und später stark befestigte Stützpunkte der atlantischen Flotte. Sie übernahmen nach der völligen Zerstörung von Tharsis durch eine Naturkatastrophe deren Aufgaben. Auch sie waren nach den Konstruktionsmerkmalen von Tharsis gebaut. Ebenso auch andere phönizische und kanaanitische Städte wie z.B: Ugarit und das zwar im Binnenland liegende, aber für den auf dem Landweg weitergehenden Zinnhandel mit Mesopotamien wichtige Hazor (0a). ( Zyklopenmauern, Kanalisation)

g. Das Reich der Meder und der Perser im Iran wurde von nach dorthin nach der Katastrophe von 1250 eingewanderten atlantischen Völkern gegründet. Die in der bisherigen Geschichte bekannte indo-iranische Wanderung kann somit auch als atlantische Wanderung bezeichnet werden.Im gleichen Zusammenhang entstand auch die aus atlantischen Volksgruppen bestehende "arische" Einwanderung in Indien.

h. Bei den Aramäern Syriens und den Chaldäern Babylons handelte es sich ebenfalls um Volksgruppen atlantischen Ursprungs. Auch weitere, plötzlich in der Geschichte des vorderen Orients nach 1000 v. Chr. auftauchende Völker und Volksgruppen, wie beispielsweise die Nabatäer, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit atlantischen Ursprungs, soweit sie wesentliche kulturelle Merkmale des atlantischen Reiches aufweisen.

Da Nazaret, die Stadt in der Jesus seine Jugendjahre verbrachte und aus der seine Mutter Maria gebürtig war, in der jüdischen Geschichte keine Rolle spielte (0a,7a), hingegen erwiesenermaßen mindestens seit 1700 v. Chr. in atlantischem Einfluß- und Siedlungsgebiet lag und später im Zuge der atlantischen Wanderung aramäisch besiedelt wurde (0a,7a) ist sehr wahrscheinlich, daß auch Jesus von Nazaret, wie auch die meisten seiner aus Galiläa stammenden Jünger, mütterlicherseits ein Atlanter war. Auch seine zum Frieden mahnende Lehre paßt weit mehr in die zum Frieden tendierende atlantische Tradition als in das aggressive Judentum, das er in seiner Lehre angriff und an dem er dann schließlich im Leben scheiterte.

i. Das Reich der Hethiter in der Türkei, das Reich Mitanni der Churriter in Syrien und die Reiche Urartu und Man im Bereich von Armenien wurden zumindestens in ihrer Führungsschicht von eingewanderten Gruppen atlantischen Ursprungs bestimmt. Auch in diesen Staaten finden sich mehr oder weniger stark ausgeprägt die Merkmale des atlantischen Reichsverständnisses und die Religion von Atlantis.

j. Auch bei den "Kassiten", die 400 Jahre lang mit Unterstützung durch Ägypten und die Hethiter die "goldene Zeit" Babylons bestimmten, handelt es sich um eine atlantische Volksgruppe. Ebenfalls bei den Hyksos , die eine Zeitlang die Pharaonen ( von 1650-1570 ) in Ägypten stellten und den Horitern der Bibel.

k. Bei den Basken, die in Nordspanien und Südfrankreich im Bereich der Pyrenäen leben, handelt es sich um die letzte völkisch intakte Restgruppe der einstmaligen atlantischen Besiedlung Spaniens. Die baskische Sprache ist damit als die letzte auf atlantischer Basis beruhende Sprache im europäischen Raum anzusehen.

l. Als in der geschichtlichen Zeit, von der wir vor allem aus griechischen und römischen Quellen wissen ( da die atlantischen von den Siegern vernichtet wurden ), die politische Situation an der östlichen Küste des Mittelmeers immer gespannter wurde, gründeten die Atlanter von Phönizien aus eine "neue Hauptstadt".

Sie lag im Zentrum des Mittelmeers und am Eingang zum westlichen Teil, der ausschließlich phönizisch oder atlantisch bestimmt war, an der den Phöniziern gut bekannten nordafrikanischen Küste . Es entstand Karthago, das eine lange Zeit eine bedeutende Rolle im Mittelmeer spielte und die Traditionen der atlantischen Kultur bis zu seiner Zerstörung durch die Römer wahrte. Wie sich allerdings im Verlauf der weiteren Geschichte herausstellte war die Gründung der "neuen Hauptstadt" an dieser Stelle rein handelspolitisch ein Vorteil aber ein machtpolitischer Fehler, da die Stadt kein Hinterland hatte, aus dem im Kriegsfall Reserven geschöpft werden konnten.

Dieser "Fehler" ist ein weiterer Beweis dafür, daß das Hauptinteresse der atlantischen Gründungen trotz geänderter Zeitumstände entsprechend der atlantischen Tradition nach wie vor im friedlichen Handel bestand. Als dieser Fehler in Karthago von führenden Politikern erkannt wurde und die "neue Hauptstadt" wieder in die ursprüngliche Heimat der Atlanter, auf die iberische Halbinsel nach Karthagena zurückverlegt werden sollte, war es dafür bereits zu spät.

Die Römer verhinderten es durch ihren iberischen Feldzug. Auch diese geschichtlich belegten Tatsachen zeigen, daß das Erringen politischer und militärischer Macht um jeden Preis, wie es die Römer dann praktizierten, den in der atlantischen Tradition stehenden Staaten fremd war und lediglich von Gruppen betrieben wurde , die sich aus dem Reichsverband gelöst hatten und die oft auch bereits zu dem Mutterstaat ein gespanntes Verhältnis hatten.

Nach dieser Zusammenfassung der in den folgenden Kapiteln zum Teil recht ausführlich behandelten, zum Teil für die Geschichtswissenschaft neuen Behauptungen, wenden wir uns jetzt dem historischen Kernpunkt des ganzen, dem Bericht Platons über den idealen Staat von Atlantis zu .

Weil er so idealisiert wird, gilt er bei vielen Wissenschaftlern alter Schule noch heute als reine Erfindung, in der Platon seinen Schülern zeigen wollte, wie nach seiner Meinung ein idealer Staat auzusehen und zu funktionieren hat. Um diesen falschen Eindruck nicht auch beim Leser zu erwecken, sollen hier die von Platon vermittelten Fakten zuerst einmal rein sachlich betrachtet werden.

Die Lage der Stadt Atlantis und die Beschaffenheit des Landes nach Platon.

Die Beschreibung Platons deutet auf eine Lage auf der Höhe des Mittelmeerraums hin. Danach lag die Haupt- und Gründungsstadt von Atlantis westlich von Griechenland und Ägypten noch hinter den Säulen des Herakles, wie die Staße von Gibraltar in griechischer Zeit genannt wurde, also am Atlantik. Sie war anfangs eine relativ kleine Stadt mit einem Kerndurchmesser von einem Kilometer , und wurde von drei ringförmig angelegten Gräben oder Kanälen umgeben. Sie lag auf einem mäßig hohem Hügel aus Felsgestein in einer sehr großen, zum Meer hin offenen Ebene ca. zehn Kilometer vom Meer entfernt in einem großen Land, dessen Küsten sonst vorwiegend steil und gebirgig waren.

Die große Ebene wurde durch ein Gebirge im Norden gegen den kalten Nordwind geschützt, erstreckte sich also in West-Ost-Richtung. Sie war am Meer ca 360 Km breit und 540 Km lang. Sie wurde durch Flüsse gut bewässert und die Bewässerung wurde später durch künstlich angelegte Kanäle zu hoher Perfektion gebracht.

Die Stadt wurde mit diesem Kanalsystem , das auch als Transportweg für Bauholz und andere Rohstoffe benutzt wurde, durch Stichkanäle verbunden . Außerdem wurde ein ca 10 Km langer Stichkanal gegraben, der das die Stadt umgebende Kanalsystem mit dem Meer verband. Der Stichkanal und der äußere Ringkanal dienten als Handelshafen. Die inneren Ringkanäle , die mit dem äußeren Kanalsystem durch je einen überdachten Stichkanal verbunden waren , diente als Hafen für die hier stationierten Kriegsschiffe . Sie lagen zum Teil in in den Felsen des Hügels hineingearbeiteten überdachten Hohlräumen , die als Steinbruch für die Bausteine der Stadt gedient hatten. Es gab weiße, schwarze und rote Steine, aus denen Gebäude , Türme und Mauern gebaut wurden. Die Mauern waren mit Metall überzogen.

Das übrige sehr große Land, das größer ist als Libyen und das damals bekannte Asien (Palästina, Syrien, Türkei, Irak ) , ist eine große Insel, die ringsum von hohen Gebirgen umschlossen wird. Hinter ihr liegt das große Meer, gegen das das Mittelmeer wie ein Hafen mit einer schmalen Einfahrt erscheint. In diesem Meer liegen noch weitere Inseln und umgeben wird das große Meer von großem Festland "das wahrhaftig diesen Namen verdient", also größer ist als alles sonst im Mittelmeerraum bekannte. Soweit, kurz zusammengefaßt, der Bericht Platons über Lage und Beschaffenheit von Stadt und Land.

Die genaue Lage von Atlantis in heutiger Sicht.

Nach Platon lag die Stadt Atlantis hinter den "Säulen des Herakles ". Der Gau, der südlich der Stadt lag , hieß nach Platon Gadeiros. Die spanische Stadt Cadiz, die etwa 100 Km nordwestlich der Straße von Gibraltar an der Küste des Atlantiks liegt , hieß in alter Zeit Gades und davor in griechischer Zeit Gadeiros. Cadiz gilt als Gründung der Phönizier und hat den Ruf der ältesten Stadt der westlichen Welt. Es kann damit keinen Zweifel geben, daß das heutige Cadiz und Platons Gadeiros identisch sind.

Nördlich von Cadiz liegt eine Ebene , die am Meer etwa 300 Km breit ist und sich in West-Ost-Richtung 500 Km durch das heutige Spanien hinzieht . Gegen die kalten Winde aus dem Norden wird die Ebene durch ein langgezogenes Gebirge, das heute Sierra Morena heißt, geschützt. Durch die Ebene fließen viele kleinere Flüsse und als großer, noch heute für große Seeschiffe befahrbarer Strom der Gualdaquivir. Etwa fünfzig Kilometer von seiner Mündung landeinwärts liegt die Hafenstadt Sevilla, von der aus Südamerika in der Zeit des spanischen Weltreiches erobert und später verwaltet wurde.

Etwa 10 Km nördlich von Sevilla liegen die Ruinen der alten Römerstadt Italica, aus der zwei bedeutende römische Kaiser stammten. Und weiter landeinwärts am Gualdaquivir liegt Cordoba, das um das Jahr 1000 n. Chr. herum eine Weltstadt mit über einer Million Einwohner , Sitz des westlichen Kalifats und die Kulturhauptstadt der westlichen Welt war. Ein geschichtsträchtiges Land.

In der Sprache der damaligen arabischen Eroberer hieß das Land "al Andaluz ", was nach westlicher heutiger Auslegung von der Benennung nach den Vandalen kommen soll, die sich hier vorher und damit noch vor den Westgoten als erstes Volk der germanischen Völkerwanderung für eine Zeit angesiedelt hatten und dann nach Nordafrika weiterzogen. Aber etwas undeutlich ausgesprochen, und wenn man bedenkt , daß Tausende von Jahren mündlicher und schriftlicher Namensüberlieferung in verschiedenen Sprachen und Schriften dazwischen liegen, garnicht so weit von dem Namen der alten Ägypter " Atlantis " entfernt ist , das in ihrer Sprache " Insel ohne Namen " bedeutete.

Im heutigen Spanien heißt es Andalucia und ist eine autonome Region Spaniens.

In diesem Land lag einst eine reiche und berühmte Stadt, die von den späteren Griechen Tartessos genannt wurde und in der Bibel unter dem Namen Tharsis oder auch Tarschisch im Buch Jesaja und an vielen anderen Stellen erwähnt wird. Sie wird dort als "die fröhliche Stadt, die sich ihres Alters rühmt" bezeichnet . Ihre Kaufleute, die in Tyrus und Sidon Handelsniederlassungen hatten, werden "Einwohner der Insel" genannt und ihr Markt und Hafen war berühmt im ganzen mittelmeerischen Raum. Außer bei Jesaja wird es in der Bibel in 1.Mose 10,4; 2.Chronik 2,2; 20,36-37; Esther. 1,14 ; Psalm. 72, 10 ; Jeremia. 10, 9 ; Hesekiel. 27, 12. 25 ; Jona 1,3 ; 4,2 erwähnt. Das Jerusalemer Bibellexikon von 1990 bezeichnet es als das Land " aus dem die Leute von Tyrus Silberblech, Silber, Eisen, Zinn und Blei bezogen. Jona wollte mit dem Schiff dorthin fahren. Auch Salomon sandte Schiffe dorthin."

Nach den genannten Bibeltexten sind Tharsis und die Chittiter Söhne von Noahs Enkel Javan, der in den westlichen Ländern und auf den Inseln der Heiden wohnt.( Die Einwohner von Tharsis sind also nach der Bibel Nachkommen der in der Sintflut bewußt geretteten Einwohner von Atlantis I.) Die Tharsisschiffe sind die reichsten und mächtigsten auf den Meeren und Tharsis selbst wird die "Stadt aus der Urzeit" genannt.

Ich möchte die Stadt nicht mit ihrem späteren Namen Tartessos, unter dem sie in Spanien ein Begriff ist, benennen. Sie bekam diesen Namen erst in einer anderen Zeit nach ihrem späteren Wiederaufbau und in einer Zeit, die als die "phönizische" in die Geschichte der iberischen Halbinsel eingegangen ist. Da hier aber von ihrer ersten großen Zeit die Rede ist , soll sie den Namen führen , den sie in der Bibel hat

> T h a r s i s <.

Und wir werden sehen, daß sie in allen Punkten mit Platons Stadt "Atlantis" identisch ist.

Es erstaunt nicht, daß diese bedeutende Rolle in den wenigen aus der damaligen Zeit auf uns überkommenen Geschichtsaufzeichnungen : einer ägyptischen Stele mit Hieroglyphen , nach der ein alter hoher ägyptischer Priester dem Griechen Solon aus Athen den Bericht von der Macht und Größe von Atlantis gibt (27,29) , und der Bibel, dem wohl bedeutendsten Geschichtsbuch aus alter Zeit, ihren Niederschlag gefunden hat . Auch Homer hat ihr wahrscheinlich in der Beschreibung von "Scheria", der Königsstadt der Phäaken, zu der Odysseus schließlich auf seinen Irrfahrten gelangt und wo er herrliche Tage nach all den Strapazen seiner Reisen verbringt, ein Denkmal gesetzt. Darüberhinaus finden sich in ägyptischen Hieroglypheninschriften immer wieder Erwähnungen der verschiedenen Völker von Atlantis II, die oft einfach in dem Begriff der Seevölker zusammengefaßt werden. Aus den Archiven der ägyptischen Könige ist außerdem ein Briefwechsel mit dem Land Alasija bekannt, mit dem wohl auch Atlantis gemeint ist. Denn die ursprüngliche Annahme der Historiker, daß Alasija auf Zypern lag, ließ sich nicht bestätigen.

Dies erscheint trotzdem nicht sehr viel und der geschichtlichen Bedeutung des Landes und der Stadt nicht angemessen . Schuld daran sind zum Teil die Verwüstungen, die von späteren Völkern im Mittelmeerraum angerichtet wurden.

An hervorragender Stelle sind hier die Römer zu nennen. Sie haben nicht nur die Vernichtung der Bibliothek von Alexandria verschuldet, bei der ca 700000 Bände mit dem gesammelten Wissen der alten Welt verbrannten, sondern sie haben auch alles Wissen der letzten westeuropäischen Kulturerben von Atlantis , der Etrusker und der Punier, soweit es in ihrer Macht stand, vernichtet.

Die Nachfolge der Römer traten in diesem Punkt dann die frühen Christen und später die katholische Kirche an, die alles aus alter Zeit überkommene Wissen als "heidnisch" verdammten und verteufelten und rücksichtslos vernichteten.

Ein anderer Grund dafür ist aber auch die Geheimhaltungspolitik, die von den Ländern des atlantischen Reiches betrieben wurde.

Denn die Atlanter und ihre Nachfolger, die Phönizier und Karthager, sorgten mit allen Mitteln dafür, daß kein griechisches Schiff in ihren Seeraum westlich von Italien eindringen konnte und auch die Schiffe der Römer wurden in diesem Gebiet mit allen Mitteln bekämpft, um Küsten und Seewege möglichst geheimzuhalten.

Dies geschah aus rein kaufmännischen Erwägungen, denn man wollte die Seewege zu den Quellen des atlantischen Reichtums, den Minen von Kupfer, Zinn, Silber und Gold und anderen wichtigen Rohstoffen dem möglichen Konkurrenten nicht verraten.

Doch wir wollen jetzt einmal sehen, wie sich die damalige Stadt Atlantis II oder Tharsis dem Besucher , den wir uns als Seefahrer mit einem Schiff in den damals üblichen Abmessungen von ca. 20m Länge vorstellen, heute darbietet.

Die Lage der Stadt und das Aussehen des Landes heute.

Folgt man, nachdem man die "Säulen des Herkules" das heißt die Strasse von Gibraltar und bei Tarifa die engste Stelle zwischen Europa und Afrika passiert hat, der Küstenlinie weiter in nordwestlicher Richtung, so öffnet sich nach ca. 100 Km als erster guter natürlicher Hafen rechter Hand eine große Bucht, die von einer Landzunge teilweise gegen das offene Meer geschützt wird. Auf dieser Landzunge liegt heute Cadiz, das frühere Gades, das im Land Gadeiros lag.

Dringt der Seefahrer in diese Bucht, die schon einen gewissen Schutz vor Wind und Wellen des Atlantiks bietet, weiter ein, so erreicht er nach acht Kilometern Fahrt über das Wasser der Bucht die Mündung eines Flusses. In nordöstlicher Richtung verlaufend ist die Mündung des Flusses als Kanal ausgebaut und dieser Kanal dient als Hafen für eine Stadt, die sich zu beiden Seiten des Kanals ausbreitet. Im Norden mehr als Wohn- und Verwaltungsgebiet, im Süden als Hafenumschlagsplatz mit Kränen, Lagerschuppen und hafenorientierten Gewerbebetrieben.

Die Stadt heißt heute "El Puerto de Santa Maria" und wird in der Gegend seit undenklichen Zeiten "El Puerto" "der Hafen" genannt. Früher, vor der Eroberung durch die Mauren, hieß er gemäß der offiziellen Stadtgeschichte nach seinem sagenhaften Gründer " Puerto de Menestheo", was soviel heißt wie "der Hafen des Gottes Menes". Dem geschichtlich vorbelasteten Besucher kommt dabei in den Sinn, daß der sagenhafte König oder Gott Menes doch auch derjenige gewesen sein soll, der Ober- und Unterägypten etwa 3000 v. Chr. zu einem Reich zusammenführte und damit den rasanten kulturellen Aufstieg Ägyptens einleitete.

Dies deutet zumindest darauf hin, daß dieser Hafen uralt ist und damit auch älter als der erst in später phönizischer Zeit gegründete, Puerto vorgelagerte Handelsplatz Cadiz. Nicht Cadiz ist somit die älteste Stadt der westlichen Welt, und führt also diesen Titel zu Unrecht, sondern Puerto.

Ein Blick in die Michelin Karte von Andalusien im Maßstab 1:400 000 zeigt : In nordöstlicher Richtung weiter dem Hafenverlauf folgend, läuft ein schmaler Kanal in das Land, bis ihn die, in der Neuzeit hierher verlegte, Eisenbahnlinie Cadiz-Jerez zum Abknicken nach Osten zwingt. Die Eisenbahnlinie wiederum weicht einem in nordwest-südöstlicher Richtung im Abstand von etwa 10 Km parallel zur Küstenlinie verlaufendem Bergrücken von etwa sechs Kilometer Länge aus und umgeht ihn im Südosten bei dem kleinen Ort "El Portal".

Zwischen Eisenbahn und Berg verläuft die alte Straße von Puerto nach Jerez de la Frontera und auf der anderen Seite der Bahnlinie fließt der heute Guadalete genannte Fluß, der sich von hier aus in vielen Windungen durch die Ebene zum Hafen von Puerto schlängelt. Die höchste Erhebung des Bergrückens an seinem südöstlichen Ende ist mit 124 m in der Karte angegeben. Ihm vorgelagert ist ein Hügel von etwa 1 Km Durchmesser und ca. 60 m Höhe. Die Karte sagt weiter aus, daß sich an dem Bergrücken mehrere Steinbrüche und Sandgruben befinden sollen.

Im weiteren gebe ich jetzt die Eindrücke wieder, die dem an der Auffindung des alten Atlantis Platons interessierten Autor bei seiner ersten Begegnung mit dieser Stätte im Jahre 1997 erwarteten.

Der Weg beginnt in Puerto de Santa Maria. Die erhaltene Touristinformation und der Besuch des kleinen prähistorischen Museums geben schon einige interessante Auskünfte über die Geschichte der Stadt und ihres weiträumigen zugehörigen Bezirkes, dessen Größe auch ein Hinweis darauf ist, daß es sich um eine alte bedeutende Stadt handelt. Es gibt prähistorische Fundstätten aus der Altsteinzeit, weitere aus der mittleren Steinzeit und gegenwärtig laufen Ausgrabungen am mittelalterlichen Turm der Dama Blanca, die bis jetzt eine befestigte Ortschaft zutage brachten, deren Geschichte sich zwischen dem 9ten und dem 3ten Jahrhundert v. Chr. abspielte.

Man fand dort umfangreiche Mauerreste von zum Teil durch Feuer zerstörten Häusern, umschlossen von Befestigungsanlagen und in den Häusern Keramiken, phönizische Geräte und Reste, die auf einen intensiven Austausch mit den Griechen hinweisen. Ein hoffnungsvoller Auftakt.

Die Fahrt beginnt am Hafen. Er ist noch heute, wie schon in der Beschreibung Platons, als gerader Kanal von etwa 100 m Breite angelegt und geht im rechten Winkel zum Küstenverlauf in das Land hinein. Die Stadt an der Mündung des Kanals ins Meer ist alt, mit vielen schönen historischen Häusern, dem Baustil vieler alter spanischer Städte entsprechend. Die Häuser sind überwiegend niedrig und haben nur ein oder zwei Geschosse. Die Straßen sind schmal, kopfsteingepflastert und im rechten Winkel zueinander angelegt. Das entspricht atlantischer oder römischer Bauweise, Städte aus arabischer Zeit haben enge gewundene Gassen. Die Stadtkirche ist groß und ungewöhnlich schön und geschmackvoll ausgestaltet. Trotz des offenbar vorhandenen Reichtums keine Spur vom Protz und Prunk der Kathedralen von Sevilla oder Cordoba. Auch der Ort macht trotz seines Alters einen gepflegten und gefälligen Eindruck.

Auf der neuen, vierspurigen Nationalstraße 4 geht es aus dem Ort heraus in Richtung Jerez de la Frontera . Diese Straße geht hinter Jerez weiter nach Sevilla, überschreitet dort den Gualdaquivir und folgt darauf als "Ruta de la Plata" der uralten Handels und Heerstraße nach Norden . Nach einigen Kilometern zweigt nach rechts die alte Straße nach Jerez von der durch den Bergrücken gebrochenen Neubaustrecke ab. Sie ist jetzt mit "El Portal" ausgeschildert .

Man folgt dieser Richtung und die Straße verläuft jetzt am Hang des Bergrückens. Links und rechts liegen Ausbeutungsgruben eines Zementwerkes, das rechter Hand zurückbleibt. Die Straße folgt weiter dem Berghang und nach rechts kommt der Abzweig nach der Siedlung Dama Blanca. Folgt man ihr, so geht es hinab in die ausgedehnte Ebene. Ein ausgetrockneter Kanal wird überquert, dann führt die Straße hoch auf die Überquerung der Eisenbahnlinie Puerto-Jerez.

Kurz dahinter liegt die neue Siedlung Dona Blanca. Nach drei Richtungen verlaufen moderne aufgeständerte offene Wasserkanäle zur Bewässerung der hier fruchtbaren, völlig flachen Ebene.

Zurück zur Straße und am Hang entlang weiter in Richtung El Portal. Jetzt liegt rechts ein vorspringender etwas erhöhter Hügel am Hang. Auf ihm ein alter Festungsturm. Viereckig, vielleicht aus dem Mittelalter. Etwa 100 m daneben ein flacher neuer Bau ca. 10m breit und 60m lang. Steinbau im Schuppen- oder Barackenstil.

Die Straße führt weiter über einen Sattel zwischen dem Hügel und dem links liegenden Bergrücken, der hier ebenfalls einen ca 50 m höher gelegenen Sattel aufweist und dann nach rechts auf seine volle Höhe von 124 m ansteigt.

Links neben dem Sattel der Straße nach El Portal eine aufwendige Tordurchfahrt neuen Stils an einer Abzweigung, die den Berg hinaufführt.

Das Tor ist geschlossen , aber rechts davon führt eine Zufahrt in einen großen Steinbruch und über diese Zufahrt kann man, das Tor umgehend , auf die den Berg hinaufführende Straße gelangen.

Doch vorläufig geht es weiter in Richtung El Portal. Die Straße senkt sich, geht in einer langgestreckten Linkskurve um das Ende des Bergrückens herum und erreicht kurz vor dem Ortseingang von El Portal das Niveau der Ebene. Rechts von der Straße verläuft die Bahnlinie und dahinter der Fluß Gualdalete, der sich durch die Ebene schlängelt. Am Fuße des Berges ein trockener Kanal.

Der Berg steigt hier steil an. Ein Aufstiegsversuch scheitert am Schild : "Betreten verboten. Militärisches Sperrgebiet."

Der Ort El Portal liegt im Engpaß zwischen Berg und Fluß, und es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, daß hier der nördliche Eingang zum Stadtbereich , das "Portal" lag.

Zurück geht die Fahrt. Der Abzweig in Richtung Berg ist zu erkunden. Nach Erreichen des Sattels geht es nach rechts hinauf. Rechts der Straße liegt jetzt der große Steinbruch, in dem Bagger und Lastwagen den weißen Kalkstein brechen und abtransportieren. Wohl zum Zementwerk. Die Straße gewinnt jetzt an Höhe. Weit geht der Blick zurück in die Ebene. Eine Weggabelung mit Wegweiser nach links : Cuevas, Grotten, Höhlen!

Ihm folgend, jetzt auf einer Schotterstraße ohne weiteren Anstieg, erscheinen Brunnenhäuser und Pumpstationen. Alte, dicke Wasserrohre liegen gestapelt. Es sieht aus wie Quellfassungen und Platon kommt in den Sinn der sagt : "und er führte zwei Flüsse von der Erde herauf, deren einer seiner Quelle warm, der andere kalt entquoll".

Der Weg geht weiter bis zu einer kleinen Ansiedlung. Armselige primitive Häuser liegen hier, in Spanien kein seltener Anblick auf dem Lande. Der Weg verzweigt sich zu den einzelnen Anwesen. Das Auto wird stehengelassen und zu Fuß geht es weiter, um nichts zu übersehen. Nach links steigt das Gelände leicht an, nach rechts steil. Geradeaus fällt es leicht ab. Höhlen müßten wohl am tiefsten Punkt liegen. Und da sind sie!

Nach mehreren Seiten in den Berg hineingetrieben liegen, vom Grund eines Grabens ausgehend, mehrere Stollen. Zwei Gräben oder Kanäle sind durch einen Tunnel verbunden. Die Wände der Gräben und der Tunnel sind senkrecht und glatt behauen. Die Decken sind leicht gewölbt. In ihrem altersgrauen Zustand erinnern sie an die Beton-U-Bootbunker des 2ten Weltkrieges oder die Bunker des Atlantikwalls. Aber es gibt keine Markierungen der Verschalung und keine herausragenden verrosteten Stahlarmierungen. Diese Bunker wurden aus dem Felsen herausgehauen und in ihnen wurden möglicherweise die Reserven der atlantischen Kriegsflotte vor 3500 Jahren aufbewahrt. Es könnten die Steinbrüche sein, von denen Platon berichtet :

"Die Steine dazu aber, teils weiße, teils schwarze und teils auch rote, wurden unter der in der Mitte liegenden Insel und unter der Innen- und Außenseite der Gürtel gehauen und so beim Aushauen zugleich doppelte Behälter für die Schiffe augehöhlt , die von den Felsen selbst überdacht wurden."

Die Größe der Stollen würde wohl ausreichen zwei atlantische Fünfzigruderer nebeneinander zu lagern. Auch die Höhe entspricht der eines kleinen Hauses. Deshalb haben sie bereits auch eine Verwendung gefunden. Häuser sind halb hineingebaut, Kühe und Ziegen laufen auf dem Grund des Kanals, dessen Wände als vorhandene Einfriedigung dienen, und wachsame Hunde lassen ein weiteres Vordringen ungeraten erscheinen. Hier und dort zeigt sich auch ein mißtrauisch blickender Bewohner. Das Mißtrauen ist beiderseits.

Einige Photos für die Dokumentation werden gemacht und dann geht es zurück zum alleingelassenen Fahrzeug. Mit ihm zurück zu den Brunnenhäusern und zu Fuß den hier recht steilen Berghang auf einer Treppe hinauf. Oben eine ansteigende asphaltierte Straße. Die rechte Seite der Gabelung von vorhin. Sie führt auf den Gipfel des Berges und dort , im Kiefernwald versteckt und von unten nicht wahrzunehmen, öffnet sich der Blick auf eine parkartige Anlage mit Schlagbaum und gepflegtem Pförtnerhaus.

Ein moderner Brunnen auf dem Platz vor dem Haus spendet aus mehreren Röhren reichlich Wasser, gepflegte Rasenflächen und Blumenbeete umrahmen einige Straßen, die sich auf der ebenen Fläche auf der Spitze des Berges zwischen flachen, sockelartigen grauen Bauten und Bäumen verlieren. Nach dem Erlebnis des armseligen Dorfes unten bei den Höhlen eine ganz andere Welt. Blitzartig kommt die Erkenntnis : Natürlich, hier lag die Königsburg und der Tempel des Poseidon, und es scheint sich garnicht soviel verändert zu haben.

Der Poseidon von heute hat nur einen anderen Namen : Wasserversorgung des Bezirks Gualdaquivir - Einfahrt verboten, steht auf einem Schild am Eingang. Aber auf der Straße davor ist reichlich Raum zum parken. Also zurück und wieder das alleingelassene Fahrzeug mit der Photoausrüstung geholt. Photoapparat mit neuem Film laden und dann zum Pförtnerhaus. In sicher nicht perfektem Spanisch dann die Frage :" Kann ich einige Photos machen ?" Ein prüfender Blick des Pförtners. "Si !" "Gracias !" Ein Stein fällt vom Herzen, mein ist das Gelände zur Erkundung. Und es lohnt sich.

Die großen grauen Sockel, auf denen gut der Parthenon der Akropolis von Athen Platz hätte, erweisen sich zwar heute als in den Felsen gehauene Wasserbehälter mit einer riesigen ebenen Abdeckplatte und mit von ägyptischen Tempeln her bekannten konisch zulaufenden Abstützmauern, aber die etwas ansteigenden Straßen zwischen den einzelnen Sockeln sind mit Büschen und Blumen wie eine Tempelallee angelegt und nach Südosten hin schließt sich an die "Tempelsockel" ein Hain schöner Bäume an. Und wieder kommt Platon in den Sinn : "Der Tempel des Poseidon selbst war ein Stadion lang, 500 Fuß breit und von entsprechender Höhe."Er hätte hier gut Platz gehabt und darüber hinaus die Königsburg und alles andere von Platon beschriebene.

Die Frage an einen der mit der Pflege des Parkes beschäftigten Menschen mit dem Aussehen eines Atlanters - oder ist es Poseidon persönlich - ob es hier Quellen gibt, versteht er nicht, oder er kann sie nicht beantworten. Sie sind auch sicher im System des Wasserwerks integriert. Dafür schließt er die Tür in dem, das ganze Gelände umgebenden, Zaun auf und zeigt das phantastische Panorama, das sich bietet :

Wahrhaftig, ein Blick für die Götter !!!



Weit, weit geht der Blick über die fruchtbare Ebene, das weiße Jerez erscheint als kleines Dorf in der riesigen Fläche und zur anderen Seite geht der Blick über die Ebene bis zum Meer und den Kränen von Cadiz. Alles, was Platon über die Einmaligkeit der Lage sagt, erfüllt sich hier. Wahrhaftig ein Platz, den Götter sich aussuchen würden. Hier wird auch klar, warum in allen Religionen der aus der atlantischen Kultur hervorgegangenen Völker die Götter auf einem mythischen Berg zu Hause sind. Dies ist der Berg, der für den Olymp der Griechen, die Walhalla der Germanen und viele andere natürliche oder künstlich geschaffene Götterberge die Grundidee lieferte. Und es muß hier noch einmal Platon zitiert werden, denn besser kann man das Gefühl, das von diesem Blick ausgeht, garnicht beschreiben :

" An der Seeküste, gegen die Mitte der ganzen Insel, lag eine Ebene, die schöner und fruchtbarer als irgendeine gewesen sein soll."

Zurück auf das Plateau des Berges und die parkartige Anlage und wieder kommt Platon zu Wort :" So benutzten sie auch die Quellen, die kalten und die warm strömenden, die einen reichen Zufluß an Wasser hatten und wovon jede durch Güte und Annehmlichkeit des Wassers wundersam zum Gebrauch geeignet war, indem sie dieselben mit Gebäuden und am Wasser gedeienden Baumpflanzungen umgaben, sowie mit teils unbedeckten, teils für die warmen Bäder im Winter überdeckten Baderäumen.

Von dem abfließenden Wasser aber leiteten sie einen Teil nach dem Haine Poseidons, zu Bäumen aller Art, vermöge der Trefflichkeit des Bodens von überirdischer Schönheit und Höhe. Den anderen aber, vermittels neben den Brücken hinlaufender Kanäle, nach den Gürteln außerhalb."

Auch dieser Gedanke findet heute noch seinen Niederschlag: Auf dem höchsten Punkt des Geländes, auf dem nur ein kleiner Tempel Platz gehabt hat, befindet sich heute noch ein kleines Schwimmbecken mit einer dekorativen Umrahmung und einer phantastischen Aussicht in die Ebene. Und auf der anderen Seite liegt der Hain Poseidons. Nicht mehr mit so wunderbaren Bäumen, wie Platon sie beschreibt, aber für den Menschen von heute noch immer schön und eindrucksvoll genug.

Doch zurück vom Göttersitz zu den Menschen. Die Fahrt geht den Berg hinunter auf der Strecke die sicher einstmals die Prozessionsstraße von der Stadt zum Götterberg war. Sie geht zu dem Hügel mit dem Turm, der vor dem Bergrücken liegt . Auf ihm nahm nach Platon alles seinen Anfang . Das Gelände ist umzäunt, an der Einfahrt ein Schild : Archaeologische Ausgrabungsstätte VIII - III Jahrhundert v. Chr. . Etwas bescheiden, vielleicht auch alt, denn in der in Puerto verteilten Information ist man bereits bis zum 9ten Jahrhundert v. Chr. vorgedrungen. Mit Sicherheit zu erwarten ist, daß auch das 9te Jahrhundert nicht das letzte gewesen ist, das hier seine Spuren hinterlassen hat.

Die Schwierigkeit wird sein, wie in Troja, daß so viele Schichten übereinanderliegen, daß nur ein rücksichtsloser Ausgräber wie Schliemann die Aussicht hat, in absehbarer Zeit bis zu den untersten Schichten vorzudringen. Es ist zu erwarten, daß man Spuren findet, die bis zum 10 ten Jahrtausend v. Chr. oder noch darüber hinaus reichen, denn hier befinden sich übereinander gelagert die Reste der ältesten Städte der westlichen Welt : Tartessos, Tharsis und Atlantis. Die ergiebigste Schicht aber dürfte die sein, die, von vielleicht meterhohen Schlammschichten bedeckt, die Zeit vor 1250 v. Chr. und damit die Bronzezeit und die Glanzzeit von Atlantis-Tharsis dokumentiert, denn hier müßte mehr als nur ein "Schatz des Priamos" zu finden sein.



Der lustigen Versammlung junger Leute in dem schuppenähnlichen Ausgrabungsbebäude, die auf ihre archaeologische Leiterin warten, scheint dies nicht bewußt zu sein. Nach erfolgreicher Suche nach jemandem, der Englisch spricht , erfährt man, daß die Ausgrabung zur Zeit nicht besichtigt werden kann, da es darinnen zu "cool" sei. Was auch immer das sein mag. Da es sich aber um junge Leute handelt, bei denen alles, was wir früher als "heiß" bezeichneten heute "cool" ist , kann man wohl davon ausgehen, daß die Ausgrabung so interessant ist, daß man die Öffentlichkeit lieber davon fernhält.

Außerdem sei die Leiterin zur Zeit nicht anwesend und befände sich in der Kulturabteilung des Rathauses von Puerto, wo man sie eventuell antreffen könnte. Auf die Frage, ob man die von der Straße her sichtbaren Mauerreste näher ansehen könne, ergeht die Antwort : Man wisse nichts von solchen Mauerresten, aber man könnte sie ansehen, sollte aber vorsichtig sein, da es sehr gefährlich wäre. Dieses Argument wird nachhaltig unterstützt durch einen soliden Zaun, der den Zugang verwehrt. Auf weitere Fragen erfährt man im März 1997 noch, daß die jungen Leute keine Archaeologen sind. Der einzige Sachverständige ist wohl die genannte Leiterin, die anscheinend den Posten einer Stadtarchaeologin innehat, da sie auch Führungen veranstaltet und Vorträge hält.

Im Oktober 1997 bei einem weiteren Besuch hat sich die Situation schon etwas gebessert. Die archaeologische Abteilung ist in das Stadtmuseum umgezogen, wo sie eigene Räume erhalten hat . Hier wird der Stand der Ausgrabungen anhand von Photos, Grafiken und vielen interessanten Fundstücken phönizischer und griechischer Herkunft demonstriert . Die Fundstücke stammen aber alle noch aus der "tartessischen Periode" zwischen dem 8ten und 4ten Jahrhundert v. Chr.

Immerhin ist aber inzwischen durch einen radial angelegten Graben, der möglicherweise ein archäologischer Tiefschnitt werden soll, die mächtige Stadtmauer freigelegt worden , die zeigt, daß die auszugrabende Stadt stark befestigt war. Eine Besichtigung der Ausgrabungsstätte ist aber nach Auskunft des Museums nur mit einer Sondergenehmigung der Kulturbehörde in Cadiz möglich.

Wenn man bedenkt, mit welchem Einsatz an Fachleuten und an Geld der Boden Griechenlands, Roms, Ägyptens und Mesopotamiens durchforscht wurde, und was hier, an der Stelle an der höchstwahrscheinlich die westliche heutige Kultur begann, geschieht, wird deutlich, wie wichtig es ist, daß die Lage und die Bedeutung von Tharsis-Atlantis endlich erkannt wird.

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Nachdem im Vorangegangenen schon einige Passagen aus Platons Bericht zitiert wurden, soll Platon jetzt mit seiner Originalbeschreibung von Atlantis zu Wort kommen (29),( die für die Ortsidentifikation wichtigen Stellen sind jeweils unterstrichen) :

"Wie im Vorigen von der von den Göttern angestellten Verlosung erzählt wurde, daß sie unter sich die ganze Erde in bald größere bald kleinere Lose verteilten und sich Tempel erbauen und Opfer darbringen ließen: so bevölkerte auch Poseidon, dem jene Insel Atlantis zum Lose fiel, dieselbe mit seinen eigenen Nachkommen, die er mit einem sterblichen Weibe an einer folgendergestalt beschaffenen Stelle der Insel erzeugte.

An der Seeküste, gegen die Mitte der ganzen Insel, lag eine Ebene, die schöner und fruchtbarer als irgendeine gewesen sein soll. In der Nähe dieser Ebene aber, wiederum nach der Mitte zu, befand sich, vom Meer in einer Entfernung von etwa 50 Stadien ( 1 Stadion ist gleich ungefär 192 Meter , d.h. in etwa 10 Km Entfernung ), ein allerwärts niedriger Berg; auf diesem wohnte ein Mann, namens Euenor, aus der Zahl der anfänglich der Erde Entwachsenen, welcher die Leukippe zur Frau hatte. Beide erzeugten eine einzige Tochter, Kleito. Als das Mädchen bereits die Jahre der Mannbarkeit erreicht hatte, starben ihr die Mutter und auch der Vater.

Poseidon aber, von Liebe zu ihr ergriffen, verband sich mit ihr und machte den Hügel, den sie bewohnte, zu einem wohl befestigten, indem er ihn ringsum durch größere und kleinere Gürtel abwechselnd von Erde und von Wasser abgrenzte, nämlich zwei von Erde und drei von Wasser, die er mitten aus der Insel gleichsam herausdrechselte, überallhin gleich weit voneinander entfernt, so daß der Hügel für Menschen unzugänglich war, da es damals noch ebensowenig Schiffe wie Schiffahrt gab. Er selbst verlieh, als ein Gott, ohne Schwierigkeiten der in der Mitte liegenden Insel fröhliches Gedeihen, indem er zwei Flüsse von der Erde heraufführte, deren einer seiner Quelle warm, der andere kalt entquoll, und der Erde Nahrungsmittel aller Art zur Genüge entsprießen ließ.

Ferner erzeugte er fünf männliche Zwillingspaare, ließ sie auferziehen und verlieh, indem er die ganze Insel Atlantis in zehn Teile teilte, dem zuerst Geborenen des ältesten Paares den Wohnsitz seiner Mutter und den diesen rings umgebenden Anteil, als den größten und vorzüglichsten, und machte ihn zum König der übrigen, die übrigen aber zu Statthaltern. Jedem derselben bestimmte er eine Statthalterschaft mit zahlreichen Bewohnern und einem weiten Gebiete. Allen gab er Namen, dem Ältesten und Könige aber denjenigen, nach welchem auch die ganze Insel und das Meer genannt wurde, welches deshalb das Atlantische hieß, weil damals der erste König den Namen Atlas führte.

Dessen nachgeborenen Zwillingsbruder, dem das äußerste, nach den Säulen des Herakles, dem Landstrich, der jetzt der Gadeirische heißt, gelegene Stück der Insel zugefallen war, nannte er in griechischer Sprache Eumelos, in der des Landes aber Gadeiros, was dann jenem Gebiet die Benennung geben konnte. Den einen der zweiten Zwillingsgeburt nannte er Ampheres, den zweiten Euaimon; den erstgeborenen der dritten Mneseus,den nach diesem geborenen Autochthon; den älteren der vierten Elasippos, den jüngeren Mestor; dem Erstling der fünften wurde der Name Azaes, dessen jüngerem Bruder der Name Diaprepes beigelegt. Diese insgesamt nun, sowie ihre Nachkommen beherrschten viele Menschenalter hindurch noch viele andere im Atlantischen Meere gelegene Inseln und dehnten auch, wie schon früher berichtet wurde, ihre Herrschaft über die innerhalb der Säulen des Herakles nach uns zu Wohnenden bis nach Ägypten und Tyrrhenien hin aus.

Die Nachkommenschaft des Atlas aber wuchs nicht bloß im übrigen an Zahl und Ansehen, sondern behauptete auch die Königswürde viele Menschenalter hindurch, indem der Älteste sie stets auf den Ältesten übertrug, da sie eine solche Fülle des Reichtums erworben hatten, wie weder vorher bei irgendeinem Herrschergeschlecht in den Besitz von Königen gelangt war noch in Zukunft so leicht gelangen dürfte, und da bei ihnen für alles gesorgt war, wofür in Bezug auf Stadt und Land zu sorgen not tut. Denn vermöge ihrer Herrschaft floß von außen her ihnen vieles zu, das meiste aber für den Lebensbedarf lieferte ihnen die Insel selbst. Zuerst, was da an Starrem und Schmelzbarem durch den Bergbau gewonnen wird, und auch die jetzt nur dem Namen nach bekannte Art - damals dagegen war mehr als ein Name, die an vielen Stellen der Insel aus der Erde gegrabene Gattung des Bergerzes, welche unter den damals Lebenden, mit Ausnahme des Goldes, am höchsten geschätzt wurde.

Ferner brachte die Insel auch alles in reicher Fülle hervor, was der Wald für die Werke der Bauverständigen liefert, und an Tieren eine ausreichende Menge wilder und zahmer. Und so war denn auch das Geschlecht der Elefanten hier sehr zahlreich; bot sie doch ebenso den übrigen Tieren insgesamt, was da an Seen, Sümpfen und Flüssen lebt und was auf Bergen und in der Ebene haust, reichliche Nahrung, wie auch in gleicher Weise diesem größten und gefräßigsten. Was ferner jetzt irgendwo die Erde an Wohlgerüchen erzeugt, an Wurzeln, Gräsern, Holzarten und Blumen oder Früchten entquellenden Säften, das erzeugte auch sie und ließ es wohlgedeihen, sowie desgleichen die durch Pflege gewonnenen Früchte; die Feldfrüchte, die uns zur Nahrung dienen, und das, was wir außerdem - wir bezeichnen die Gattungen desselben mit dem Namen der Hülsenfrüchte - zu unserem Unterhalt benutzen. Was Sträucher und Bäume an Speisen, Getränken und Salben uns bieten, die uns zum Ergötzen und Wohlgeschmack bestimmten, schwer aufzubewahrenden Baumfrüchte und was wir als Nachtisch dem Übersättigtem, eine willkommene Auffrischung des überfüllten Magens, vorsetzen. Dieses alles brachte die heilige, damals noch von der Sonne beschienene Insel schön und wunderbar und in unbegrenztem Maße hervor. Da ihnen nun ihr Land dieses alles bot, waren sie auf die Aufführung von Tempeln und königlichen Palästen, von Häfen und Schiffswerften sowie anderen Gebäuden im ganzen Land bedacht und schmückten es in solcher Aufeinanderfolge aus.

Zuerst überbrückten sie die um den alten Hauptsitz laufenden Gürtel des Meeres, um nach außen und nach der Königsburg einen Weg zu schaffen. Diese Königsburg erbauten sie aber sogleich vom Anbeginn in diesem Wohnsitz des Gottes und ihrer Ahnen. Indem aber dem einen von dem anderen dieselbe überkam, suchte er durch jedesmalige Weiterausschmückung des Wohlausgeschmückten seinen Vorgänger nach Kräften zu übertreffen, bis sie ihre Wohnung zu einem durch Umfang und Schönheit Staunen erregenden Bau erhoben. Denn vom Meere aus führten sie einen 300 Fuß breiten, 100 Fuß tiefen und 50 Stadien langen Durchstich nach dem äußersten Gürtel, durch welchen sie der Einfahrt vom Meere nach ihm wie nach einem Hafen den Weg bahnten, indem sie einen für das Einlaufen der größten Schiffe ausreichenden Raum eröffneten. Auch durch die Erdgürtel,welche zwischen denen des Meeres hinliefen, führten sie, an den Brücken hin, Durchstiche, breit genug um einen Dreiruderer die Durchfahrt von dem einen zu dem anderen zu gestatten, und überdachten dieselben, damit man unter der Überdachung hindurchschiffen könne; denn die Erdgürtelränder erhoben sich hoch genug über das Meer.

Des größten Gürtels, mit welchem das Meer durch den Graben verbunden war, Breite betrug drei Stadien; ebenso breit war der folgende Erdgürtel. Von den beiden nächsten hatte der flüssige eine Breite von zwei Stadien ( 390m ), und der Feste war wieder ebenso breit wie der ihm vorausgehende Flüssige. Ein Stadion breit war endlich der um die in der Mitte liegende Insel selbst herumlaufende. Die Insel aber, auf welcher die Königsburg sich erhob, hatte 5 Stadien (ca.1Km) im Durchmesser. Die Insel sowie die Erdgürtel und die 100 Fuß (ca30m) breite Brücke umgaben sie von beiden Seiten mit einer steinernen Mauer und errichteten auf den Brücken bei den Durchgängen der See nach jeder Seite Türme und Tore, die Steine dazu aber - teils weiße, teils schwarze, teils auch rote - wurden unter der in der Mitte liegenden Insel und unter der Innen- und Außenseite der Gürtel gehauen und so beim Aushauen zugleich doppelte Behälter für die Schiffe ausgehöhlt, die vom Felsen selbst überdacht wurden. Zu den Bauten benutzten sie teils Steine derselben Farbe, teils fügten sie zum Ergötzen, um ein von Natur damit verbundenes Wohlgefallen zu erzeugen, ein Mauerwerk aus verschiedenartigen zusammen. Den ganzen Umfang der den äußersten Gürtel umgebenden Mauer versahen sie mit einem Überzug aus Kupfer, übergossen den des inneren mit Zinn, den um die Burg selbst aufgeführten aber mit wie Feuer glänzendem Bergerz.

Der Königssitz innerhalb der Burg war folgendermaßen aufgebaut. Inmitten derselben befand sich ein unzugängliches, der Kleito und dem Poseidon geweihtes Heiligtum , mit einer goldenen Mauer umgeben, ebenda, wo einst das Geschlecht der zehn Herrscher erzeugt und geboren wurde. Dahin brachten sie jährlich aus den zehn Landschaften jedem derselben die Früchte der Jahreszeit als Opfer. Der Tempel des Poseidon selbst war ein Stadion lang, 500 Fuß breit und von einer entsprechenden Höhe, seine Bauart fremdländisch. Von außen hatten sie den ganzen Tempel mit Silber überzogen, mit Ausnahme der mit Gold überzogenen Zinnen. Im Innern war die Wölbung von Elfenbein, mit Verzierung von Gold und Silber und Bergerz; alles übrige, Wände, Säulen und Fußboden, bedeckten sie mit Bergerz. Hier stellten sie goldene Standbilder auf; den Gott stehend, als eines mit mit sechs Flügelrossen bespannten Wagens Lenker, der vermöge seiner Größe mit dem Haupt die Decke erreichte; um ihn herum auf Delphinen hundert Nereiden, denn soviel glaubte man damals , gäbe es von ihnen.

Auch viele andere, von Männern aus dem Volke geweihte Standbilder befanden sich darinnen; außerhalb aber umstanden den Tempel die goldenen Bildsäulen aller von den zehn Königen abstammenden und ihrer Frauen sowie viele andere große Weihgeschenke der Könige und ihrer Bürger aus der Stadt selbst und dem außerdem ihrer Herrschaft unterworfenen Lande. Auch der Altar entsprach, seinem Umfange und seiner Ausführung nach, dieser Pracht, und ebenso war der königliche Palast angemessen der Größe des Reiches und angemessen der Ausschmückung der Tempel.

So benutzten sie auch die Quellen, die kalt und warm strömenden, die einen reichen Zufluß an Wasser hatten und wovon jede durch Annehmlichkeit und Güte des Wassers wundersam zum Gebrauch geeignet war, indem sie dieselben mit Gebäuden und am Wasser gedeihenden Baumpflanzungen umgaben, sowie mit teils unbedeckten, teils für die warmen Bäder im Winter überdeckten Baderäumen, den königlichen abgesondert von denen des Volkes sowie denen der Frauen, geschieden von den Schwemmen der Pferde und des anderen Zugviehs, diese alle mit einer der Bestimmung eines jeden angemessenen Einrichtung. Von dem abfließenden Wasser aber leiteten sie einen Teil nach dem Haine Poseidons, zu Bäumen aller Art, vermöge der Trefflichkeit des Bodens von überirdischer Schönheit und Höhe. Den anderen aber, vermittels neben den Brücken hinlaufender Kanäle, nach den Gürteln außerhalb, wo vielen Göttern viele Tempel auferbaut waren, außerdem viele Gärten und Übungsplätze für Menschen und davon geschieden für Pferde, auf jeder der beiden Inseln.

Unter anderem war mitten auf der größten Insel eine Rennbahn abgegrenzt, deren Breite ein Stadion betrug und welche ihrer Länge nach, zum Wettrennen der Pferde bestimmt, die ganze Insel umkreiste. Zu beiden Seiten dieser Rennbahn befanden sich für die Masse der Leibwächter bestimmte Wohnungen; die zuverlässigeren aber waren auf dem kleineren, der Königsburg näheren Gürtel als Wachtposten verteilt, und denjenigen, die durch ihre Treue vorallen anderen sich auszeichneten , Wohnungen in der Burg um die der Könige selbst herum angewiesen. Die Schiffswerften waren mit Kriegsschiffen und allem Zubehör eines solchen Schiffes angefüllt, alles aber war vollkommen ausgerüstet.

Solche Einrichtungen waren in der Nähe des Königssitzes getroffen. Hatte man aber nach außen hin die Häfen, deren drei waren, überschritten, dann lief vom Meere aus eine Mauer rings herum, welche allerwärts vom größten Hafen und Gürtel 50 Stadien entfernt war und welche sich dort, wo der Durchstich zum Meer einmündete wieder zusammenschloß. Diesen ganzen Raum nahmen zahlreiche und dicht gereihte Wohnhäuser ein; die Einfahrt und der größte Hafen aber waren mit allerwärtsher kommenden Fahrzeugen und Handelsleuten überfüllt, welche bei solcher Menge am Tag und in der Nacht Geschrei, Lärm und Getümmel aller Art erhoben.

Es war, der Erzählung nach, die ganze Gegend vom Meere aus sehr hoch und steil, das die Stadt Umschließende dagegen durchgängig eine ihrerseits von bis an das Meer herablaufenden Bergen rings umschlossene Fläche und gleichmäßige Ebene, durchaus mehr lang als breit, nach der einen Seite 3000 Stadien ( 576 Km ) lang, vom Meere landeinwärts aber in der Mitte deren 2000 ( 384 Km ) breit. Dieser Strich der ganzen Insel lief, nordwärts gegen den Nordwind geschützt, nach Süden. Von den ihn umgebenden Bergen wurde gerühmt, daß sie an Menge, Größe und Anmut alle jetzt noch vorhandenen überträfen. Sie umfaßten viele reiche Ortschaften der Umwohnenden sowie Flüsse, Seen, Wiesen zu ausreichendem Futter für alles wilde und zahme Vieh, desgleichen Waldungen, die durch ihren Umfang und der Gattungen Verschiedenheit für alle Vorhaben insgesamt und für jedes einzelne vollkommen ausreichend waren. Zwei Ernten brachte ihnen jährlich der Boden, den im Winter der Regen des Zeus befruchtete, während man im Sommer den Erzeugnissen desselben von den Durchstichen aus Bewässerung zuführte.

Was die Streiterzahl betraf, so war angeordnet, daß von den zum Kriege tauglichen Bewohnern der Ebene jeder Bezirk, dessen Fläche sich auf 10 mal 10 Stadien belief und deren überhaupt 60 000 waren, einen Feldhauptmann stelle. Die Anzahl der von den Bergen und anderweitigen Landstrichen her kommenden wurde als unermeßlich angegeben, und alle insgesamt waren, ihren Wohnorten und deren Lage nach, diesen Bezirken und Feldhauptleuten zugeteilt. Jeder Feldhauptmann mußte nach Vorschrift in das Feld stellen: zu 10 000 Streitwagen den sechsten Teil eines Streitwagens, zwei berittene Streiter, ferner ein Zwiegespann ohne Wagenstuhl, welches einen leicht beschildeten Streiter und nächst ihm den Lenker der beiden Pferde trug, zwei schwergerüstete, an Bogenschützen und Schleuderern zwei jeder Gattung, so auch an Leichtgerüsteten, nämlich Steinwerfern und Speerschleuderern, von jeder drei. Endlich vier Seesoldaten zur Bemannung von 1200 Schiffen. So war die Kriegsrüstung für den Herrschersitz des Königs angeordnet, für die neun übrigen anderen anders, was anzugeben zuviel Zeit erheischen würde.

In Beziehung auf Herrsch- und Strafgewalt waren von Anbeginn folgende Einrichtungen getroffen. Jeder einzelne der zehn Könige übte in seiner Stadt Gewalt über die Bewohner seines Gebietes und über die meisten Gesetze. Er bestrafte und ließ hinrichten, wen er wollte. Aber die untereinander geübte Herrschaft und ihren Wechselverkehr bestimmte Poseidons Gebot, wie das Gesetz es ihnen überlieferte und eine Schrift, von den ersten Königen aufgezeichnet auf einer Säule von Bergerz, welche in der Mitte der Insel im Tempel Poseidons sich befand, wo sie sich das eine mal im fünften, das andere im sechsten Jahre, um der geraden und ungeraden Zahl gleiche Ehre zu erweisen, versammelten. Bei diesen Zusammenkünften berieten sie sich über gemeinsame Angelegenheiten, untersuchten, ob jemand einem Gesetze zuwider handle, und fällten sein Urteil. Über die Ehrenrechte der einzelnen Könige gab es manche besonderen Gesetze, das wichtigste aber war, keiner solle gegen den anderen die Waffen erheben und alle Beistand leisten, wollte etwa jemand unter ihnen versuchen, in irgendeinem Staate dem Königshaus den Untergang zu bereiten. Gemeinsam aber, wie ihre Vorgänger, sollten sie sich beraten über Krieg oder andere Unternehmungen und dabei dem atlantischen Geschlechte den Vorrang einräumen. Jedoch einen seiner Anverwandten zum Tode zu verurteilen, das sollte, ohne Zustimmung des größeren Teils der Zehn, in keines Königs Gewalt stehen.

Bei solchen Grundsätzen also und solange noch die göttliche Natur vorhielt, befand sich bei ihnen alles früher Geschilderte im Wachstum. Als aber der von dem Gotte stammende Bestandteil ihres Wesens, häufig mit häufigen sterblichen Gebrechen versetzt, verkümmerte und das menschliche Gepräge die Oberhand gewann, da vermochten sie bereits nicht mehr ihr Glück zu ertragen, sondern entarteten und erschienen, indem sie des schönsten unter allem wertvollen sich entäußerten, dem, der dies zu durchschauen vermochte, in schmachvoller Gestalt. Dagegen hielten sie die des Lebens wahres Glück zu erkennen Unvermögenden gerade damals für hochherrlich und vielbeglückt, wo sie des Vollgenusses der Vorteile der Ungerechtigkeit und Machtvollkommenheit sich erfreuten."

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Es folgt jetzt bei Platon die erzieherische Erklärung, daß auf Grund der Entartung des Lebens in Atlantis die Götter beschlossen, die Stadt und das Land zu vernichten. Diese erzieherische Deutung des Untergangs von Atlantis wird auch in der Bibel vertreten, er mündet jedesmal in der Drohung der Priester oder Propheten, daß, wenn das Volk nicht nach den von ihnen vertretenen Regeln lebt, das Strafgericht Gottes in Form der Vernichtung des ganzen Volkes, über sie hereinbrechen wird.

Wenn man bedenkt, welchen Schrecken die Vernichtung des so glücklichen und selbstsicheren Atlantis bei den Menschen des Mittelmeerraums ausgelöst hat, kann man sich vorstellen, daß die Priester mit ihrer Version großen Erfolg hatten und ihre Stellung als Vermittler zu den Göttern erheblich aufgewertet wurde. Sie wären ihres Amtes nicht würdig gewesen, wenn sie das nicht ausgenutzt hätten. Platon selbst hat sich mit dieser Wendung der Geschichte keinen Gefallen getan. Er ist dadurch bei vielen kritischen Menschen in den Geruch eines Erziehers geraten, der diese Geschichte von Atlantis nur erfunden hat, um seinen Griechen zu zeigen, wie ein Staat auszusehen hat. Man hat also den erzieherischen Schluß auf die ganze Geschichte bezogen. Dies erscheint bei der Ausführlichkeit der geschichtlichen Darstellung zwar etwas übertrieben, aber es gab und gibt immer noch genügend Leute, die deshalb Platons Geschichte von Atlantis in das Reich der Fabel verweisen.

Nun kann man natürlich einwenden, daß Platon, als hochintelligenter Mensch, diesen ungewollten Effekt hätte vorhersehen müssen. Es ist aber auch denkbar, daß er diesen Effekt, mehr oder weniger notgedrungen, vielleicht sogar gewollt hat.

Man muß dazu bedenken, daß die Atlanter und ihre Nachfahren, die Phönizier und Punier, bei den Griechen die bestgehaßten Leute waren. Dieses hatte sich in den Jahrhunderten der gegenseitigen Konkurrenz und der grausamen Kriege, die man gegeneinander führte, bis schließlich die atlantische Seite auf der Strecke blieb , so ergeben und war zur Zeit Platons und auch Solons noch hochaktuell. Vielleicht hat deshalb Solon, der nach den Angaben Platons diese Geschichte aus dem ägyptischen Sais mitgebracht hatte, gezögert, sie der griechischen Öffentlichkeit mitzuteilen. Sein späterer Nachkomme Platon jedoch , dem die Geschichte zu wertvoll erschien, um sie der Vergessenheit anheimzufallen zu lassen, hat sie mit Absicht und mit der Schläue, für welche die Griechen berühmt und auch berüchtigt waren, mit einem Schluß versehen, der sie in die Nähe einer Fabel rückte. So konnte er sie, ohne besonders unangenehm aufzufallen oder sogar als Agent des Feindes angeklagt zu werden, unter das Volk bringen.

Nach Herodot (13) hat die "Feindschaft von Anfang an" zwischen Griechen und Atlantern, die er nur unter dem zeitgemäßen Namen "Phöiniken" kennt, noch eine andere Ursache, die durchaus glaubhaft erscheint, weil sie auch aus anderen Räumen mit Neusiedlern bekannt ist. Nach ihm haben nämlich die in den griechischen Siedlungsraum eindringenden Atlanter, die als Kämpfer ohne Frauen kamen, den Griechen die Frauen geraubt, was diese mit bleibendem Zorn erfüllte und schließlich sogar durch Homer in die Weltliteratur einging, als Raub der schönen Helena durch den trojanischen Atlanter Paris.

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Die Anfänge des ersten Kulturstaates Atlantis und die Ausdehnung des atlantischen Einflußbereichs.

Nach dem heutigen Stand des Wissens kann man annehmen, daß Iberien und die nördlich und westlich daran angrenzenden Gebiete , die um 15000 v. Chr. in weiten Küstenstreifen und vielen Inseln, darunter wahrscheinlich einem großen Teil des mittelatlantischen Rückens, nicht von Wasser bedeckt waren (also das Gebiet des sagenhaften alten Atlantis I ) ihre Erstbesiedlung durch über Nordafrika einwandernde Cro - Magnon Menschen erfuhren. Es ist gut möglich, daß diese Cro -Magnon- Menschen damals nicht nur kräftiger im Körperbau, was durch Funde bewiesen ist, sondern zum Teil auch größer als die damaligen Menschen waren, und deshalb in die atlantische Geschichte als "Riesen" eingingen. Wie wir bereits gesehen haben, waren dem Cro - Magnon - Menschen Neandertaler vorausgegangen, doch verschwanden sie bei der Einwanderung der neuen Menschen und spielten keine Rolle mehr bei der weiteren Entwicklung.

Die Einwanderung vollzog sich in der Zeit der Eiszeiten und Zwischeneiszeiten im wechselndem Rythmus dem Vordringen und dem Zurückweichen des Eises folgend seit etwa 30 000 v. Chr. Es spricht viel dafür, daß diese Einwanderer im Bereich des damaligen Atlantik bereits eine Hochkultur entwickelten, deren Überreste seit 1968 allmählich an vielen Stellen im Atlantik, von Wasser und Meeresablagerungen bedeckt, gefunden werden, wie bereits im Kapitel "Das sagenhafte alte Atlantis im Bermuda-Dreieck" geschildert wurde.

Ca 10 000 v. Chr. , mit dem Ende der letzten Eiszeit, hatte sich jedenfalls erwiesenermaßen in Nordafrika, Spanien und dem Süden Frankreichs eine Kultur gebildet , die einen relativ hohen Stand hatte, was sich in den Höhlenzeichnungen Spaniens und Südfrankreichs und den Zeichnungen in der Sahara aus dieser Zeit zeigt . In der Wissenschaft wird diese Kultur nach ihren Hauptfundorten Azilien und Tardenoisien genannt.

Um ca 8500 v. Chr. hat es dann, wie bereits erwähnt, höchstwahrscheinlich einen riesigen Asteroideneinschlag in den nördlichen Atlantik, möglicherweise im Bereich der Bahama-Bänke gegeben, der diese Kultur bis auf kleine Reste vernichtete. Ab ca 7 000 v. Chr. , nach der Überwindung der katastrophalen Folgen des Asteroideneinschags, der den Austrittspunkt der Erdachse, also den Nordpol um ca 3500 Km von Europa weg nach Norden verschob und mit seinen Erdbeben und gewaltigen Meereswogen das alte Atlantis I der Vorzeit mit seinen Menschen hinwegfegte, soweit sie nicht in Gebirgen, Höhlen und auf Hochflächen davor geschützt lebten, begann die Bildung des atlantischen Reiches II , das von Platon später dann beschrieben wird. Damit beginnt dann auch die Geschichte der Menschen unserer gegenwärtigen Zeit.

Die Menschen, welche die kosmische Katastrophe auf geschützt liegenden Hochflächen oder auf irgenwelchen schwimmenden Untersätzen und anschließend in Höhlen lebend überstanden hatten, folgten, nach einer Zeit der Erholung von der Katastrophe und einer Wiedervermehrung, dem zurückweichenden Eis. So gelangten sie, da der Meeresspiegel anfänglich noch 120 m unter dem heutigen Niveau lag, im Bereich des Atlantiks trockenen Fußes nach Großbritanien, Deutschland, Dänemark und in die baltischen Länder. In Südiberienien, in das die Menschen aus Nordafrika einwanderten - soweit es nicht auch Gruppen gegeben hatte, die auf den Hochflächen Iberiens und in den dort vorhandenen Höhlen überlebt hatten - und das damit die südlichste und damit älteste Niederlassungsregion im europäischen Bereich war, bildete sich im Bereich des ersten großen Naturhafens nach dem Zugang zum Mittelmeer eine Niederlassung. Auf Grund der klimatisch und verkehrstechnisch günstigen Lage und der umliegenden fruchtbaren Ebenen, die eine reiche Bauernkultur ermöglichten, entwickelte sie sich später zur Zentrale für Handel und politische Kommunikation , als das atlantische Vorland und eine Insel nach der anderen dem steigenden Wasserspiegel der Meere zum Opfer fielen.

Daß bei der Auswahl des Ortes und der Einrichtung des von hier aus entstehenden Reiches auch außerirdische Einflüsse mitgewirkt haben, ist möglich, aber schwer zu beweisen. Nach Platon und damit alten ägyptischen Aufzeichnungen war dies der Fall. Auch Zeichnungen in den Höhlen Nordspaniens von Gebilden, die den in der heutigen Zeit wieder beobachteten UFOs ähnlich sind und auf die wir später noch kommen werden, deuten darauf hin. Jedenfalls waren die Menschen in der Lage, ein erstes Staatswesen mit einer beispielhaften Organisation, hohen Fähigkeiten im Bauwesen und in der Anlage von Städten und einem hohen Wissensstand in der Gewinnung und Verarbeitung von Metallerzen und in der Verarbeitung der Metalle in der relativ kurzen Zeit von etwa zweitausend Jahren aus dem Nichts heraus zu erstellen. Dabei ist allerdings ungewiß , ob nicht doch Wissen aus dem in der Katastrophe von 8500 v. Chr. untergegangenem Atlantis I, von dessen Kultur uns so gut wie nichts bekannt ist, nach Atlantis II übertragen wurde. Das offenbar von Anfang an vorhandene reiche Wissen um Auffindung, Gewinnung und Verarbeitung von Metallen aller Art, das lange Zeit ein Monopol des atlantischen Reiches war und seinen Reichtum begründete, deutet in diese Richtung.

Was heute zudem wie eine südliche Randlage erscheinen mag, war in der Zeit der Gründung eine absolut zentrale Lage im sich neubildenden Reich. Es ist nämlich so gut wie sicher, daß das gesamte Nordafrika einschließlich der Sahara Zone während der Eiszeiten und Zwischeneiszeiten Europas eine bäuerliche Besiedlung hatte. (25) Im siebten und sechsten Jahrtausend v. Chr. lebten in den heutigen ausgetrockneten Flußtälern und Wadis noch zahlreiche Wassertiere, wie die Knochenreste von Flußpferden und Krokodilen erkennen lassen. Felsbilder von Elefanten, Wasserbüffeln und Rindern sind untrügliche Zeugen günstiger Lebensbedingungen.Sichere Nachweise für ein bäuerliches Neolithikum gibt es außerdem nördlich des Atlas im marokanisch algerischen Grenzgebiet. Die auf 1502 datierte König Jaime Weltkarte, die auf wesentlich älteren Karten basiert, zeigt die Sahara noch als fruchtbares Land mit großen Flüssen, Seen und Städten. (2a)

Obwohl in allen diesen Gebieten die Forschung noch nicht sehr weit fortgeschritten ist, genügt doch das, was bisher bekannt wurde, für den Nachweis intensiven bäuerlichen Lebens - ein Kennzeichen der atlantischen Besiedlung - in diesem Bereich während des sechsten, fünften und vierten Jahrtausends v. Chr. Man kann also davon ausgehen, daß auch Nordafrika bis zu dieser Zeit ein wichtiger Teil des atlantischen Besiedlungsgebietes war. Es gibt starke Anzeichen, daß sich diese bäuerliche Nutzung der Saharagegenden erst mit dem Einschlag des großen Meteoriten von Aorounga im Tschad - Gebiet um 2200 v.Chr. (11) schlagartig und dann fortschreitend veränderte. Er verursachte einen Krater von 12 Km Durchmesser und die Einschlagsenergie reichte aus, um bis zum ca 1500 Km entfernten Ägypten verheerende Schäden anzurichten. Das Kerngebiet dürfte vollständig verwüstet worden sein und war der Auslöser für jene Entwicklung der Wüste, die heute das Gesicht der Landschaft bestimmt und die überlebenden bäuerlichen Siedler nach Norden und in das Flußtal des Nils abwandern ließ. Es ist anzunehmen,daß die Bindung an das atlantische Reich seit dieser Katastrophe in Afrika mehr und mehr nachließ, weil die Voraussetzungen für bäuerliches Leben verschwanden.

Nach Westen in den Atlantik hinein, gab es anfänglich noch eine Unzahl von großen und kleinen Inseln, die bis auf wenige Reste , die Azoren, Madeira, die kanarischen und kapverdischen Inseln und natürlich die britischen Inseln, die aber schon zum europäischen Festlandssockel gehören, dem Anstieg des Meeresspiegels zum Opfer fielen. Die Bevölkerung der untergehenden Inseln siedelte nach Iberien über oder wanderte gleich weiter in weiter östlich gelegene, zu der Zeit noch fast unbesiedelte Gebiete. So ist wahrscheinlich die bäuerliche Neubesiedlungs Griechenlands um 7000 v. Chr. zu erklären, auf die später noch eingegangen wird.

Nach Osten erstreckte sich der weite Raum des Mittelmeers, das aber anfangs nur im westlichen Teil , also bis zur Westküste Italiens, Westküste Siziliens, Malta, und hinüber an die Küste Nordafrikas zum Kap Bon zum atlantischen Siedlungsgebiet und damit zum späteren eigentlichen Reich gehörte. Weiter nach Osten erstreckte sich ein Art Niemandsland, das erst im Hochland von Anatolien , in Kanaan und Mesopotamien in das Gebiet der nächsten Hochkultur im iranischen Hochland und im Industal überging. Diese Anordnung der Hochkulturen entsprach nach der Überlieferung der Aufteilung der Erde unter verschiedenen außerirdischen Hochkulturen oder "Göttern".

Nach Funden, die an der Atlantikküste Andalusiens und in Spanien in Form von Inschriften aus vorrömischer Zeit, sowie in den Felshöhlen Lybiens gemacht wurden, meinen einige Forscher (2), daß im atlantischen Bereich schon 4000 v. Chr. eine runenartige Schrift verwendet wurde, von der man bisher bereits 150 Schriftzeichen gefunden hat. Damit wäre diese Schrift dann wirklich die älteste bisher auf der Erde verwendete und rund 1000 Jahre älter als die Keilschrift der Sumerer. Es sieht allerdings so aus, als wenn diese Runenschrift ausschließlich für religiöse Zwecke benutzt wurde und gleichsam als "heilig" galt. Sie war für profanen Gebrauch, etwa für normale Mitteilungen des täglichen Lebens oder zur Aufzeichnung von besonderen weltlichen Ereignissen offenbar nicht zugelassen. Vielleicht galt sie auch mißverständlich deshalb als "heilig" weil sie von den "Göttern," also den Kulturbringern, benutzt worden war, um Gesetze für die Menschen aufzuschreiben.

Da die staatliche Organisation auch ein gut funktionierendes Rechtswesen, eine ständische Gliederung der Gesellschaft und ein anerkanntes erbliches Königtum mit unbeschränkter Rechts - und Militärgewalt beinhaltete, ist kaum vorstellbar, daß Menschen allein , nahezu aus dem Nichts heraus, zur Schaffung eines so perfekten Staates in der Lage gewesen wären. Man kann also davon ausgehen, wie es auch die Überlieferung berichtet, daß es außerirdische Helfer gegeben hat, die sich in der Religion des Staates als anbetungs - und verehrungswürdige Wesen und als angerufene Helfer in schwierigen Situationen erhalten haben. In der heutigen westlichen Wissenschaft werden sie noch überwiegend, in Anlehnung an die Vorstellungen der Griechen, als "Götter" bezeichnet, und da der christliche Kulturkreis nur einen einzigen Gott anerkennt, als "Aberglauben" und nicht real existent abqualifiziert.

Aus den von den "Göttern" erhaltenen Regeln entwickelten dann die mit der Pflege und Wahrung des Kultes beauftragten Menschen, die dann Priester genannt wurden und schon bald eine eigene Kaste bildeten, einen Verhaltenskodex für die Menschen, der dafür sorgen sollte , daß die Menschen nicht gegen die göttliche Ordnung verstießen. Es wurden Gesetze erlassen und religiöse Riten eingeführt. Ein Stab von Priestern und Beamten überwachte die Einhaltung der neuen Normen. Da von Menschen gemacht, waren sie anfangs unvollkommen und verbesserungsbedürftig. Im Laufe der Zeit wurden sie dann immer weiter ergänzt, um nur keinen Umstand , der eintreten konnte, ungeregelt zu lassen.

Natürlich gab es auch Verstöße sowohl gegen die göttlichen Gesetze, wie auch gegen die durch die Menschen geschaffenen Ergänzungen. Da die Todesstrafe nicht im Sinne der göttlichen Lehren lag, da sie unnützerweise wertvolle Menschen, von denen viele gebraucht wurden, um die Erde zu verbessern, vernichtet hätte, war die gängige und oft praktizierte Höchststrafe die Verstoßung aus dem Familienverband oder - noch stärker - die Verbannung aus dem Staatsverband. Diese Form der Bestrafung findet sich in allen Nachfolgestaaten einschließlich der "neuen" Staaten ohne atlantische Tradition, Griechenland und Rom, fand seinen Niederschlag im europäischen Mittelalter im Bannfluch des Papstes und in der Reichsacht des Kaisers und wurde von den imperialistischen Staaten des 19.ten Jahrhunderts noch durch die Verbannung in die Kolonien praktiziert.

So geschah es dann, daß sich im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende am Rande der Kulturstaaten Gruppen von Verbannten sammelten. Diese verbanden sich, soweit sie nicht von ihnen getötet wurden, mit den hier lebenden "Barbaren" , das heißt Menschen von Cro-Magnon Typus ohne höhere kulturelle Prägung auf dem kulturellen Stand der mittleren Steinzeit, und bildeten im Laufe der Zeit eigene Staaten. Vorbild für die Staatsbildung war natürlich, da es keine bekannten Alternativen gab, der Mutterstaat. Aber etliche von den Gesetzen und religiösen Riten, mit denen man ja in Konflikt geraten war, wurden als "nicht gut" nicht übernommen oder durch eigene "bessere" ersetzt. Je geringer der Anteil der durch atlantische Erziehung geprägten Menschen in diesen "Staaten" war, um so geringer war sicher auch deren kultureller Einfluß und man kann deshalb davon ausgehen, daß, soweit nicht kulturelle Prägung von anderer Seite, also der nächsten Hochkultur kam, ein starkes Kulturgefälle außerhalb der Grenzen des Reiches nach weiter außen vorhanden war.

Aus der schlechten Erfahrung, die man mit dem Mutterstaat infolge der Bestrafung durch Ausschluß gemacht hatte, bestand in diesen neuen Randvölkern, geschürt durch die Ausgestossenen, auch eine innere Abneigung gegen diesen. Diese innere Abneigung wurde verstärkt, wenn der erfolgreich wachsende Mutterstaat sein Gebiet in den Bereich des eigenen Siedlungsgebiets auszudehnen versuchte. Man mußte dann weichen, oder sich dem innerlich abgelehnten System unterwerfen, soweit der Mutterstaat überhaupt bereit war, die Ausgestoßenen wieder in seinen Bereich aufzunehmen. Dieser Vorgang fand bei allen Kulturstaaten statt. Er wirkte sich besonders stark aus bei Staaten mit einem hohen Bevölkerungszuwachs und einer demzufolge hohen Ausdehnungsrate, denen noch dazu ein großes Gebiet zur Verfügung stand, in das sie sich ausdehnen konnten. Besonders förderlich für die Ausdehnung über weite Bereiche war es, wenn sich in diese Bereiche günstige Verkehrswege ergaben. Diese Verkehrswege konnten schiffbare Flüsse, gut befahrbare Küsten oder Steppengebiete ohne schwer zu durchwandernde Gebirge sein. Im Gegensatz dazu stellten schroffe Gebirgsketten, tiefe Wälder, Sümpfe und Wüsten fast unüberwindliche Hindernisse dar.

So geschah es dann, daß sich der atlantische Staat, einschließlich seiner Randzonen, bis in die Gebiete der heutigen Staaten Frankreich, Großbritannien, Irland, Deutschland, Dänemark, die baltischen Länder und darüber hinaus in die Ebenen Rußlands und im Mittelmeer bis Tyrrhenien, Sardinien, Südsizilien, Süditalien, Kreta und schließlich auch Griechenland ausdehnen konnte . Ägypten und Kanaan zählten schon von den Anfängen her zu seinem Kolonisationsbereich , gingen zum Teil aber dann doch auf Grund ihrer besonderen Bedingungen eigene Wege, obwohl es verschiedene , auch mit zeitweiligem Erfolg gekrönte, Versuche gab, sie wiederzugewinnen. Auch dieses zeigt, daß die am Rande liegenden Länder der Zentralmacht in Iberien nur noch relativ locker verbunden waren und auch manchmal, wie im Fall Griechenland, ihr nicht besonders freundlich gegenüberstanden. Das hatte zur Folge, daß nach der kosmischen Katastrophe von 1250 v.Chr. , in der die Zentralmacht in Andalusien mit am Stärksten getroffen wurde, die Randländer Morgenluft witterten. Gruppen der achaischen Griechen zogen in den Krieg gegen das schon lange als Ärgernis empfundene stark atlantisch orientierte Troja und die nördlichen Dorer fielen anschließend über die Länder der durch den aufreibenden Krieg und innere Auseinandersetzungen geschwächten Achäer her und nahmen sie in Besitz.

Beim Aufbau des neuen klassischen Griechenlands aber versuchten die neuen Griechen, die sich aus den Resten der Achäern und dorischen Neusiedlern zusammensetzten, deshalb auch neue Wege der Organisation ihres Staatswesens zu gehen. Zwar orientierten sie sich in Ägypten, wie ein Staat organisiert sein mußte , und dabei erhielt Solon dann ja auch die Informationen über den Vorzeige - und Modellstaat Atlantis , in dessen Tradition die Ägypter voll standen. Aber die Verfassung, die Solon den Griechen dann gab, wich , wohl auch auf Grund der gemachten Erfahrungen, erheblich von der des alten Systems ab. Später gab es dann in Italien eine ähnliche Entwicklung. Rom wurde zwar von in der atlantischen Tradition stehenden etruskischen Königen gegründet , entwickelte sich dann aber zum Sammelpunkt aller etruskischen Ausgestoßenen und Verbannten. Später kamen dann auch Ausgestoßene und Abenteurer aus anderen Ländern des Mittelmeerraums hinzu. Es entwickelte sich zum Sammelpunkt revolutionärer Kräfte und machte daraus schließlich einen Staat und ein Weltreich, das aber in seinem politischen System, für dessen Organisation es die verschiedensten Versuche machte, nie richtig zur Ruhe kam. Es endete schließlich in der Militärdiktatur, bevor es dann, auf Grund der inneren Kämpfe um die Macht, den von Norden eindringenden neuen Völkern zum Opfer fiel.

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Das atlantische Reich.

Schon 1776 veröffentlichte Jacob Bryant eine sechsbändige Enzyklopädie mit dem Titel: Analysis of Ancient Mythologie, in der er die Trojaner von den Meropern ableitete, die er als Volk von großem Einfallsreichtum und Stolz schildert und die sich als Nachfahren des >erdgebundenen Riesengeschlechts < bezeichneten. Die Meroper oder Meropiden werden auch Atlanter - die mutmaßliche Nachkommenschaft des Atlas - genannt. Nach Bryant siedelten diese Meroper - Atlanter sowohl weit im Westen als auch weit im Osten: >Daher stellen wir fest , daß, gleich ob wir in Mauretanien Forschungen anstellen oder am Indus, die gleichen Namen auftauchen<. Sie waren sehr geschickt in den Wissenschaften und behaupteten mit > den Göttern und Heroen im Bunde zu sein

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Nach Platon (27,28 ) berichteten die Ägypter von Sais dem Griechen Solon , daß die Atlanter von Tharsis über ein großes Gebiet im Mittelmeer herrschten , nämlich über Europa bis nach Tyrrhenien und über Libyen bis nach Ägypten. Nach der Bibel ( Jesaja 23 ) fuhren ihre Schiffe bis nach Sidon und Tyrus , woraus zu schließen ist , daß sie auch die Seeherrschaft im östlichen Mittelmeer hatten. Troja, das die Dardanellen und damit die Zufahrt zum Schwarzen Meer beherrschte, war offenbar nach den durch Homer überlieferten Daten, die bis in die heutige Zeit durch immer neue Ausgrabungsergebnisse bestätigt werden, eine Tochtergründung von Tharsis. Zusammen mit Ausgrabungsergebnissen aus Griechenland (Mykene, Tyrins (41) ), Ugarit (7), Kreta , um nur die wichtigsten zu nennen, ist auch dies ist ein Hinweis auf die Seeherschaft im östlichen Mittelmeer.

Wie wir in den vorangegangenen Kapiteln gesehen haben, wurde Atlantis II in der Zeit zwischen 7000 v. Chr. und 5000 v. Chr., also zu Beginn des europäischen "Neolithikums", möglicherweise mit Unterstützung durch eine außerirdische Kultur, gegründet. Diese Kultur stattete die Atlanter mit hohen Fähigkeiten in der Gewinnung und Verarbeitung von Metallen und von Stein aus. Stein wurde oft in sehr großen Formaten verarbeitet (Zyklopenmauern) . An Metallen wurden gewonnen und verarbeitet : Kupfer, Zinn, Bronze, Zink, Eisen, Gold, Silber und heute zum Teil nicht mehr verwendete Mischungen aus diesen Metallen wie Elektron, und eine Mischung von Kupfer und weißen Metallen , das Bergerz genannt wurde, sehr korrosionsbeständig war und in der Sonne > wie Feuer leuchtete < ( 28). Die Kultur war ursprünglich an den Rändern und auf den Inseln des alten Atlantik gegründet worden und verlagerte sich, nach dem durch einen Asteroideneinschlag mit anschließender Polverschiebung und Klimaänderung verursachtem Anstieg der Meere, in ein Land , in dem alle diese Metalle als Rohstoffe vorhanden, oder doch auf dem Seewege leicht zu beschaffen waren. Dieses Land war die iberische Halbinsel , die Hauptstadt hieß Tharsis und lag in Andalusien ca. 10 Km vom Meer entfernt auf einem Hügel.

Iberien bot in der damaligen Zeit für die Gründung einer solchen Kultur hervorragende Bedingungen.

Es hatte praktisch eine Insellage am Rande des Mittelmeerraums und des atlantischen Raums und bildete doch eine Brücke zwischen dem afrikanischen und dem europäischen Kontinent. Über die um Spanien herumführenden Seewege mußte der Seehandel zwischen beiden Bereichen abgewickelt werden. Für einen Betrachter des Erdballs aus der Sicht des Raumfahrers wird diese besondere Qualität Iberiens sofort sichtbar. Sie ist einzigartig auf der Erde. Auf Grund seiner geologischen Struktur bot darüberhinaus Iberien guten Schutz durch Gebirgszüge gegen das Mittelmeer, nach Nordeuropa und nach Afrika. Zusätzlichen Schutz gaben Wasser oder Sumpfgebiete in diesen Bereichen. Es war so einer durch Wall und Graben geschützten Wasserburg vergleichbar, die nur von Westen her über den Wasserweg gut erreichbar war. Und hier lag die riesige , fruchtbare und klimatisch günstig gelegene Ebene Andalusiens : nur nach Südwesten hin offen, den anfangs noch vorhandenen atlantischen Inseln und den atlantischen warmen Winden und Regenfällen zugewandt.

Besonders wichtig aber war das Vorkommen fast aller wichtigen Metallerze in Iberien . Die großen, leicht abbaubaren Kupfererzlager lagen in den nördlichen Bergen Andalusiens am Rio Tinto und waren günstig über kurze Wasserwege mit der Ebene und dem Meer verbunden. Auch Zinn, Gold, Silber, Eisen, Blei wurden in Iberien gefunden. Das für die Herstellung der Bronze in großer Menge darüberhinaus erforderliche Zinn konnte auf dem Seeweg günstig aus Südbritaniens Cornwall herangeschafft werden.

Im Süden der großen Ebene Andalusiens bot dazu die Natur eine durch eine Landzunge geschützte Bucht mit einer Flußmündung und dazu in gutem Abstand von der Küste einen Hügel für die Gründung einer Stadt. Daß hinter dieser Stadt noch ein Bergrücken lag , der die Stadt gegen den kalten Nordwind schützte und der Errichtung einer weithin sichtbaren Köngsburg dienen konnte , der darüber hinaus noch ein gutes Gestein für den Bau von Häusern und Tempeln lieferte und mit seinen Quellen die Wasserversorgung der Stadt sicherstellte, erscheint uns Menschen von heute schon fast als etwas zuviel des günstigen Zusammentreffens. Aber auch Platon sah es vor über 2000 Jahren schon als eine außerordentlich günstige Lage an, die nur mit Hilfe eines Gottes , Poseidons, so perfekt ausfallen konnte.

Hier also wurde die Stadt , die wahrscheinlich eine der ältesten oder überhaupt die älteste der jetzigen Welt ist , gegründet und erhielt den Namen Tharsis. Später in phönizischer Zeit wurde sie in griechischen Schriften Tartessos genannt und Platon, der seine Kenntnisse von ihr über Ägypten erhielt, bezeichnete sie mit der griechischen Abwandlung des Namens der in Ägypten üblich war : Atlantis. Diese ägyptische Bezeichnung, die in der Korrespondenz der ägyptischen Könige als "Alasija " erscheint, bezeichnete aber mehr das Land als die Stadt . Sie selbst wurde in der damaligen Welt oft nur "die Stadt" oder "der Hafen" oder "der Markt" genannt. Und diese Bezeichnung hat sich bis heute gehalten. Denn was an der Stelle des alten Hafens von Tharsis in phönizischer und griechischer Zeit an der Mündung des Flusses, der heute Gualdalete heißt und dem ehemaligen Hauptkanal entspricht, neu entstanden war hieß damals " der Hafen des Gottes Menes " oder in der heutigen Landessprache " Puerto de Menestheo".

In der Zeit der arabischen Herrschaft in Andalusien hieß er "Amaria Alcanter, Alcanate oder Alcanatif was soviel heißt wie " der Hafen der Salzminen , des Bogens oder der Brücke ". Nach der Eroberung im Jahr 1260 n.Chr. durch Alfons X wurde er in " Santa Maria del Puerto " umbenannt, erscheint aber in den folgenden Jahrhunderten in allen Schriften wieder unter dem uralten Namen "der Hafen" oder in der Landessprache " El Puerto".Eine Zeitlang, als er der Haupthafen der königlich spanischen Flotte war, führte er auch den Namen "Puerto Real". Auf den heutigen Landkarten erscheint er als "Puerto de Santa Maria" .Aber im einheimischen Sprachgebrauch ist er immer noch "El Puerto", "der Hafen".

Hier rüstete Kolumbus sein Flaggschiff die "Santa Maria" für die Fahrt über den Atlantik nach Amerika aus und hier soll er auch den " anonymen Seefahrer" getroffen haben, der ihm von seinen Kenntnissen des fernen Landes im Westen hinter dem Ozean berichtete. Dies ist auf Grund der uralten Tradition des Hafens und seiner Einwohner sogar glaubhaft.

Tharsis entwickelte sich auf Grund seiner günstigen Lage und der Kenntnisse in der Metallgewinnung und Verarbeitung zum wohl bedeutendsten Handelsplatz für das wichtigste Rüstungsmaterial der damaligen Zeit, die Bronze. Ohne Bronze gab es keine brauchbaren Waffen und ohne brauchbare Waffen war man macht - und beutelüsternen Feinden gnadenlos ausgeliefert. Die übliche Form der Kriegführung bestand nämlich zu der Zeit darin, daß der im Krieg unterlegene bis auf den letzten Mann getötet wurde, sein Besitz und manchmal auch schöne Frauen wurden als Beute davongeführt und seine Städte und seine Äcker wurden vollständig verwüstet . Dies ist nachzulesen in der Bibel oder in Homers Ilias. Angesichts dieser Situation ist es verständlich, daß man schon damals, mit dem für das Überleben unabdingbaren Rüstungsmaterial Bronze blendende Geschäfte machen konnte.

Die Bedeutung von Tharsis ergab sich aus seiner hervorragenden Lage. In nächster Nähe lagen die Kupferlager vom Rio Tinto, die über den Wasserweg gut mit Tharsis verbunden waren. In den Bergen Andalusiens fand man außerdem Silber und Gold. In Iberien gab es das einzige Zinnvorkommen im Mittelmeerraum und außerdem lag man am Seeweg zum bedeutendsten zweiten Zinnvorkommen in Südenglands Cornwall. Mit einer brauchbaren Kriegsflotte und Handelsniederlassungen im östlichen Mittelmeerraum, welche die Zinnlieferungen aus den Bergen Irans und aus Mitteleuropa über den Donauweg kontrollierten, konnte man sich das Zinn- und damit Bronzemonopol für die damalige Welt aneignen.

Und das tat Tharsis und wurde reicher und reicher. Da es an einem ungestörten Handel, der die Basis seines Reichtums war, interessiert war, baute es eine große Streitmacht und eine große Flotte von (nach Platon) 1200 Kriegsschiffen auf. Mit diesen, für ihre Schnelligkeit im Mittelmeer bekannten 50-Ruderern in schlanker Bauform, mit steil hochgezogenem Bug und scharfem Rammsporn, beherrschte es den ganzen Mittelmeerraum , sorgte für ungestörten freien Handel und bescherte der ganzen Mittelmeerregion ein goldenes Zeitalter : die Bronzezeit.

Dieser neue archäologischer Zeitabschnitt begann im Mittelmeer um 3000 v. Chr. mit der ersten wissenschaftlich bewiesenen Verwendung der Bronze in der Ägäis. Kupferlegierungen, die Arsen enthielten, waren seit mehreren Jahrhunderten in Zentralasien hergestellt worden, aber die Entdeckung der Zinnbronze, eine Legierung aus Kupfer und bis zu zehn Prozent Zinn, mit hervorragenden metallurgischen Eigenschaften wie Korrosionsbeständigkeit und Festigkeit, fand woanders statt. Es spricht viel dafür, daß dies in Atlantis in Iberien geschah, wo alle erforderlichen Rohstoffe und offenbar auch das Wissen um die Gewinnung und Verarbeitung von Metallen vorhanden waren.

Man kann sich schwer vorstellen, daß der Mensch von damals, ohne fremde Hilfe und Anleitung, auf die Idee gekommen sein soll, in den Bergen nach bestimmten Steinen zu suchen, aus denen er dann, unter Verwendung von starker Hitze und Beimengung bestimmter anderer Stoffe, Metalle, die er ja noch garnicht kannte, gewinnen konnte. Es muß hier zumindestens eine Initialunterweisung gegeben haben. Eine entsprechende Initialunterweisung war ebenfalls nötig, um beispielsweise die Bronzelegierung zu finden, die bestmögliche technologische Eigenschaften versprach. Man muß sich ja immer vor Augen halten , daß der Mensch von damals ja nicht die geringste Ahnung von Chemie und keinerlei metallurgische Kenntnisse besaß. Er war deshalb überhaupt nicht in der Lage, durch Überlegung oder gezielte Experimente ein Metall aus seinen in der Natur vorkommenden Verbindungen zu gewinnen, es sei denn, es gab ihm jemand das genaue Rezept dafür. Er konnte dies Rezept zwar nicht verstehen , aber er konnte es anwenden und aus der Anwendung und dem mehr oder weniger positiven Ergebnis, Schlüsse für weitere eventuelle Verbesserungen ziehen.

Aus diesen Tatsachen geht eindeutig hervor, daß es Hilfe von außermenschlicher Seite gegeben haben muß, es sei denn, man geht davon aus, wie in den vohergehenden Kapiteln schon erwähnt, daß dieses Wissen um die Gewinnung und Verarbeitung von Metallen aus der 10 000 jährigen Geschichte von Atlantis I stammte. Denn 10 000 Jahre dürften vielleicht ausgereicht haben , die zweifellos technisch begabten Atlanter entsprechende revolutionäre Entdeckungen machen zu lassen. Ob diese Hilfe nun von Göttern oder Wesen von außerirdischen höher entwickelten Zivilisationen oder von den sagenhaften, mit den "Göttern" kooperierenden Vorfahren der Atlanter stammte , bleibt zur Zeit noch offen . Der Tatbestand der Hilfe kann jedenfalls nicht bestritten werden. Geradezu rührend muten deshalb die Versuche einiger Archäologen moderner Prägung an, das plötzliche Erscheinen von einer Reihe von Metallen mit einer Art Evolutionstheorie Darwinscher Prägung zu begründen. Für eine derartige Evolution hätte die erwiesenermaßen kurze Zeit für die Einführung der Metalle in die Geschichte niemals ausgereicht . Es zeigt nur einmal mehr, daß die sogenannten exakten Naturwissenschaften manchmal sehr schnell an ihre Grenzen stoßen. Es ist in dem vorliegenden Fall sicher besser, auf die in fast allen Kulturvölkern vorhandenen religiösen Überlieferungen zu hören, welche die Übermittlung der Kunst der Metallgewinnung und Verarbeitung einem "Gott" der Schmiede und Bergwerke nachsagen.

Unbestreitbare Tatsache ist jedenfalls, daß es um 3000 v. Chr. die Verwendung von Gold, Silber, Blei, Kupfer, Zinn und auch Eisen gab. Kupfer und Zinn wurden unter Verwendung von weiteren Zusätzen wie beispielsweise Antimon, das die Bronze härter macht und sie früher schmelzen läßt, zur hervorragend für Werkzeuge und Waffen geeigneten, gieß- und schmiedbaren Bronze verarbeitet. Auch das Eisen und seine hervorragenden Eigenschaften als Werkstoff für Waffen waren bereits bekannt. Es wurde jedoch auf Grund seiner mangelhaften Korrosionsbeständigkeit und schwierigen Herstellung noch nicht besonders gern verwendet. Außerdem stand die weit besser zu bearbeitende und edlere Bronze ausreichend zur Verfügung und die Atlanter, die sehr gut am Bronzemonopol verdienten, hatten kein Interesse an der Entwicklung oder Verbreitung der Technologie des Konkurrenzproduktes Eisen..

Das Schicksal eines Schlüsselortes für die moderne Archäologie von heute, nämlich Trojas, war besonders eng mit dem neuen Zeitabschnitt, der Bronzezeit verknüpft. In der Ägäis tauchte Zinn-Bronze zuerst in der Nähe des Hellespont auf, kurz nachdem dort Troja als Handelsniederlassung und strategischer Stützpunkt von Tharsis gegründet worden war. Auch das Gebiet von Troja und ebenfalls einige der in der Nähe liegenden griechischen Inseln hatten nämlich bemerkenswerte Vorkommen von Gold , Silber, Kupfer und auch geringe Mengen von Zinn. Sie waren deshalb für die Metallinteressen der Atlanter wichtige Gegenden, auf die sehr früh schon zugegriffen wurde. Beispielsweise wurden die Goldvorkommen auf der Insel Thasos (man beachte die Namensverwandtschaft mit Tharsis) schon weit vor der Gründung von Troja von den Atlantern ausgebeutet (13). Das Schicksalsmetall für Troja war aber offenbar die Bronze.

Nicht nur daß das atlantische und klassische Troja Homers und die Bronzezeit etwa gleichzeitig auf den Plan traten, sie sollten auch beide parallel ungefähr zweitausend Jahre später ihr Ende finden. Troja war offenbar ein Verarbeitungs- und Handelszentrum für Zinnbronze und verlor nach dem Untergang des atlantischen Reiches und damit auch des Bronzemonopols seine Bedeutung. Die bedeutende Stellung Trojas für den atlantischen Metallhandel erklärt wahrscheinlich auch besser den unter großen Opfern geführten Raubzug der Griechen nach Troja, der als der trojanische Krieg in die Literatur einging, als die von Homer sicher erfundene oder auf der uralten Geschichte des Raubes griechischer Frauen durch einwandernde Atlanter (13) beruhende poetische Geschichte vom Raub der schönen Helena.

Zinn- Bronze war nämlich nach dem um 1250 v. Chr. erfolgten Naturereignis, das zum Untergang von Atlantis führte, zur Mangelware im Mittelmeerraum geworden. Dies geht aus Tontafelaufzeichnungen in zerstörten griechisch - achaischen Palästen hervor (41). Da es als Waffenrohstoff große Bedeutung hatte, und man wahrscheinlich in Troja große Vorräte vermutete, wäre ein Raubzug dorthin theoretisch lohnend gewesen. Wie die Geschichte beweist, war er es nicht, denn die inneren Auseinandersetzungen der nach dem Verschwinden der atlantischen Ordnungsmacht sehr instabilen achaischen Länder und der spätere Rachefeldzug der atlantischen Seevölker vernichtete die Teilnehmer des Kriegszuges und darüber hinaus die gesamte achaisch griechische Kultur.

Durch die reichen Kupfervorkommen auf Zypern ergab sich zwangsläufig eine Erweiterung des atlantischen Interessengebiets in den östlichen Mittelmeerraum. Hierzu wurden schon sehr früh die auf dem gegenüberliegenden Festland liegenden Hafenplätze Tyrus, Ugarit und Sidon, und später auch kleinere, als atlantisches Einfluß- und Siedlungsgebiet gewonnen. Auch die Zinnvorkommen in den armenischen und iranischen Bergen erweckten offenbar schon sehr früh das Interesse der Atlanter und führten zur immer wiederholten Ansiedlung von atlantischen Volksgruppen in diesem Bereich. Die hier entstehende Urbevölkerung, die als kanaanitisch bezeichnet wird, war deshalb immer mehr oder weniger stark atlantisch bestimmt.

Um das östliche Mittelmeer durch sichere Handelswege mit dem westlichen zu verbinden, wurden Niederlassungen auf Malta, Kreta, Thera und an der Südküste Italiens und Siziliens gegründet. Malta, Kreta und Thera gerieten bald vollständig unter atlantischen Einfluß und wurden die ersten echten Tochterstaaten mit atlantischer Kultur. Zypern und Iberien waren die wichtigsten Lieferanten für Kupfer im Mittelmeerraum und im atlantischen Raum.. Die heute noch bekannten Abbaugebiete für Zinn sind die Tschechei, Rumänien, Spanien, Armenien und Cornwall.

Spanien und Cornwall waren sicher in der Hand der Atlanter. Troja beherrschte den Zugang zum schwarzen Meer und kontrollierte damit eventuelle Lieferungen , die aus Rumänien und der Tschechei auf dem Weg über die Donau und das Schwarze Meer in den Mittelmeerraum gelangen konnten. Es hatte damit eine ähnliche Bedeutung für das Zinn , das aus den Donauländern kommen konnte, wie es Tharsis für das Zinn aus dem atlantischen Raum hatte. Die Zinnlieferungen aus Armenien und den iranischen Bergen wurden von Kanaan aus unter Kontrolle gehalten. Auf Grund dieser Verhältnisse stand der Errichtung eines atlantischen Bronzemonopols nichts mehr im Wege.

Während die Kultur auf dem, bis dahin vom atlantischen Machtstreben nicht berührten griechischen Festland noch ein paar Jahrhunderte länger auf einem wenig beeindruckenden Niveau verblieb, wurden an für den atlantischen Handel wichtigen anderen Orten im Mittelmeer hervorragende kulturelle und wirtschaftliche Fortschritte erzielt (41) .So entwickelte sich im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts v. Chr. die seit langem bestehende und blühende bäuerliche Gemeinde auf Kreta durch den einträglichen atlantischen Metallhandel zu einer Luxusgesellschaft. Es entstand eine bis dahin unerreichte Architektur mit kunstvollen offenen Palästen, die die fürstliche Herrschaft widerspiegelte.



Der berühmteste Palast , 19000m² groß, entstand in Knossos, aber auch in Phaistos und Mallia gab es Residenzen der Oberschicht, die ebenso oder doch fast so bedeutend waren. Diesen Palästen angeschlossen waren riesige Speicheranlagen für Öl, Getreide und Wein und man kann deshalb wohl annehmen, daß Kreta in dieser Zeit auch als Arsenal für die im östlichen Mittelmeer stationierten oder im Bedarfsfall eingesetzten Land- und Seestreitkräfte des atlantischen Reiches diente. An all diesen Orten waren früher schon wichtige Siedlungen gewesen, die nun durch den wirtschaftlichen Aufschwung begünstigt wurden , so daß manche alteingesessene Sippe und auch mancher Neubürger, den der Handel ins Land geführt hatte, allmählich einen höheren Grad an Wohlstand erreichten.

Die Paläste waren vorzüglich geordnete Gefüge, mit einem rechteckigen zentralen Hof und abgetrennten Bereichen für das offizielle und das familiäre Leben, für handwerkliche und religiöse Verrichtungen und die Vorratshaltung. Meisterliche Künstler schmückten die Paläste mit herrlichen Fresken, die den minoischen und damit atlantischen Lebensstil darstellten . Die enormen Leistungen in der bildenden Kunst gingen einher mit zunehmender politischer Macht und größerem Reichtum. Auch außerhalb der Paläste war der Lebensstandard hoch, was an städtischen Abwassersystemen und kopfsteingepflasterten Straßen abzulesen war.

Obgleich die minoische Kultur auf Kreta keinesfalls eintönig oder einheitlich war, scheint sich der Lebensstil im Laufe der Zeit doch wenig verändert zu haben. Der Grund für diese Stabilität des Kulturschaffens und der religiösen Bräuche in allen der atlantischen Welt angehörenden Staaten ist wahrscheinlich darin zu suchen, daß sowohl Religion wie auch Kultur zum großen Teil keine eigene Entwicklung waren. Sie waren bei der Gründung des Staates Atlantis von den" Göttern" einer außerirdischen Hochkultur den Atlantern als Starthilfe mitgegeben worden. Das war den Atlantern immer bewußt, und so wagte niemand, etwas daran zu ändern.

Inwieweit die "Basis" Kreta tatsächlich als solche bei den ab 2000 v. Chr. einsetzenden Eroberungs- und Besiedlungsaktivitäten von atlantischen Volksgruppen im östlichen Mittelmeer benutzt wurde, ist nicht bekannt. Eine größere kriegerische Auseinandersetzung hat es möglicherweise aber doch in dieser Zeit gegeben. Die in Ägypten von Solon erschlossenen Aufzeichnungen berichten jedenfalls von einem Feldzug von Atlantern, der nach Ansicht der Ägypter das ganze östliche Mittelmeer unterwerfen sollte, aber am erbitterten Widerstand der Griechen, wobei die Athener eine hervorragende Rolle spielten , scheiterte.( 27 )

Der Einfall der Hyksos in Ägypten um 1780 v. Chr. der zur vorübergehenden Eroberung und einer ca. 130 Jahre dauernden Fremdherrschaft über Unterägypten führte, könnte die Auswirkung dieses Feldzugs auf Ägypten gewesen sein. Die Hyksos wurden in Ägypten " Häuptlinge der Fremdländer" genannt und brachten als neue Kampftechnik Pferde mit Streitwagen mit. Da es sich offenbar um unter "Häuptlingen" operierende Kampfgruppen ohne echte gemeinsame Führung handelte, ist ihr Vorgehen typisch für die in dieser Zeit praktizierte Ausbreitungsart der Atlanter, die weitgehend ohne die Unterstützung durch die Zentralmacht in Tharsis erfolgte.. Wie wir bei der Betrachtung anderer asiatischer Staaten in gesonderten Kapiteln noch sehen werden, gingen sie auch in diesen Ländern entsprechend vor.

Nach dem Ausbruch des Vulkans auf der Insel Thera , die heute Santorin heißt, wurden weite landwirtschaftliche Gebiete Kretas durch Versalzung der Böden infolge der Flutwelle des Vulkanausbruchs und durch giftigen Ascheregen unfruchtbar. Da die Basis der atlantischen Staaten immer eine hervorragend organisierte Landwirtschaft und Viehzucht war , wurde Kreta deshalb uninteressant. Sicher nicht ohne Anwendung von Waffengewalt wurde deshalb das südliche Griechenland gewonnen und es entstand hier das Land der Achäer. Aus diesem Eindringen der Atlanter in bereits von anderen genutzten Siedlungsraum sind wohl auch die verstärkten Animositäten der Griechen gegen die Atlanter entstanden. Sie führten dann später zum trojanischen Krieg und in noch späterer Zeit zu den Jahrhunderte währenden kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Griechenland und den atlantischen Nachfolgestaaten Phönizien und Karthago.

Als bedeutendste Neugründungen der Atlanter in Griechenland können Mykene und Tyrins gelten. Darüberhinaus entstanden aber eine ganze Reihe von Städten, in denen vor allem die Metallverarbeitung und die Keramikproduktion einen hohen Stand erreichte. Wenn sie auch in der Zeit der größten Macht des atlantischen Reiches fest zu diesem gehörten, so ist doch wahrscheinlich bereits eine gewisse Opposition entstanden. Ein Hauptgrund des Ärgernisses war sicherlich die Vorrangstellung der atlantischen Filiale Troja, die den Metallrohstoffhandel fest in der Hand hatte und auch die Flottenbasis für den Teil der atlantischen Flotte war, der die Ägäis kontrollierte. Aber diese Kontrolle über ihre wirtschaftlichen und politischen Aktivitäten, die natürlich auch mit gewissen Abgaben gekoppelt war, gefiel den ihre Freiheit und ihren Reichtum liebenden Achäern wenig und unter der Oberfläche, die durch die atlantische Kontrolle ruhig gehalten wurde , gärte es. Man muß dabei im Auge behalten, daß der größte Teil der achaischen kleinen Fürsten und Könige einst aus dem Bereich des atlantischen Zentralstaates ausgewandert waren um in Griechenland unabhängig leben zu können. Einige unter ihnen waren sicher einst auch aus Atlantis wegen Aufsäßigkeit gegen die strenge Ordnung verbannt worden. Jetzt hatten sie wieder das Joch über sich, das sicher nicht ganz so drückend war, wie im Zentrum, aber doch drückend genug, um manchen zu veranlassen, weiter nach Osten, nach Anatolien, Kanaan oder in die Berge des Iran zu ziehen, wo man sein Glück noch in Unabhängigkeit machen konnte.

Der minoische und auch der ihm folgende achaische Reichtum hatten sich aus einer sorgfältig strukturierten , kulturell gefestigten und hochspezialisierten Gesellschaft mit verläßlichen, weitreichenden Handelsverbindungen entwickelt . Sowohl die Rohstoffe als auch die fertigen Produkte wurden über das Meer transportiert und politische Einzelgänge oder sogar Umwälzungen ebenso wie Störungen des Seehandels durch Privatinitiativen hätten einen Dominoeffekt mit dramatischen Folgen für die ganze atlantische Ökonomie auslösen können.(41).



Das war der atlantischen Zentrale sehr wohl bewußt und mit Hilfe ihrer starken und schnellen Flotte sorgten sie dafür, daß jeder mögliche Störenfried schnell zur Räson gebracht wurde. Für die Eigeninitiative unternehmerischer Kleinfürsten blieb in diesem festgefügten System nicht viel Raum. Die die Ordnung garantierende atlantische Flotte stützte sich auf eine Reihe von Hafenplätzen, die zum Teil später, als die Zeiten unruhiger wurden, zu starken Festungen ausgebaut wurden. Dazu zählten mit Sicherheit Malta, Troja und Tyrus. Dazu kamen eine Reihe von befestigten Handelsplätzen, in denen auch das einheimische Element gut vertreten war, wie Tiryns, Ugarit, Sidon und andere, vor allem an der griechischen und phönizischen Küste gelegene Orte. Von den Bemühungen auch an der Küste Kleinasiens, in Milet, Fuß zu fassen, berichten Aufzeichnungen, die in Hattusa gefunden wurden. Die hier ansässigen Karer und später die Hethiter vereitelten einige dahingehende Versuche. Dahingegen war Zypern, als Hauptlieferant des Kupfers für die Bronze, solange in atlantischer und später phönizischer beziehungsweise tyrischer Hand, bis das klassische, erstarkte Griechenland ihr dieses abnahm.

Kanaan und Phönizien (7)

Die da sprechen zum Baum : "Du bist mein Vater", und zum Stein : "Du hast mich geboren", ( Prophet Jeremias) das sind die alten Kanaaniter, die Abkömmlinge von Atlantis, die späteren Phönizier , die Einwohner von Tyrus und Sidon und Gründer von Karthago und Karthagena, ihren "Neuen Hauptstädten" . Nach ihrem Weg rund um das ganze Mittelmeer, schließt sich dort ihr Lebenskreis mit der Wiedereinnahme ihrer ihnen ursprünglich von den Göttern zugewiesenen Heimat Iberien.

Das geschah schließlich und endlich, nachdem sie mit ihrer Religion, ihrer Kultur und Zivilisation den gesamten Mittelmeerraum und große Teile Vorderasiens geprägt hatten. Auch sie sind Kinder des Volkes des " Atlantischen Reiches " Europas, die Stammverwandten der nordeuropäischen Völker, die dann später als Seevölker ihnen folgen werden und dabei die dorische Wanderung im Mittelmeer und die arischen und aramäischen Wanderungen in Asien auslösen.

Wie Ägypten, so ist auch Kanaan mindestens eines der allerersten Gebiete gewesen sein, das von Atlantis aus, vielleicht als es noch ein außerirdisches Management hatte, kultiviert wurde. Es könnte dies die Zeit gewesen sein, in der das Zentrum der Kulturübermittlung noch in Nordafrika lag. Nach kanaanitischen Mythen geschah es aber bereits nach der großen Naturkatastrophe von 8500 v. Chr. in der die Urväter Kanaans als Überlebende von Atlantis Idurch die Meereswogen an den Strand Kanaans geworfen wurden und in seinen Höhlen eine erste Bleibe fand.

Danach wäre Kanaan , wie auch Westeuropa, vom Beginn der jetzigen Geschichte an von Atlantern besiedelt gewesen, Zu den hierauf verweisenden Geschichtsmonumenten der fernsten kanaanäischen Vergangenheit gehören die Dolmenfelder auf den Hochflächen des östlichen Jordangebiets und bei Hebron. Über ihre Entstehungszeit ist sich die bisherige Wissenschaft bis heute nicht einig. Alles deutet aber darauf hin, daß auch sie wie die megalithischen Monumente Westeuropas aus der Anfangszeit von Atlantis II stammen, also ihren Ursprung in der Zeit um 7000 bis 6000 v. Chr. haben. Diese Ansicht wird auch von fortschrittlich denkenden Vorgeschichtsforschern vertreten, die eigenartigerweise fast alle aus den USA stammen. In Europa, das diesen Gedanken von den Ursprüngen her viel näher sein müßte, tut sich in dieser Hinsicht fast garnichts, denn man hängt mit Vorliebe noch an den Geschichtvorstellungen des 19. Jahrhunderts und verteidigt sie mit Zähnen und Klauen. Ein Umstand auf dessen vermutliche Ursachen später noch näher eingegangen wird.

Der amerikanische Palästinaforscher W. F. Albright glaubt jedenfalls diese ähnlich den nordischen und westeuropäischen Hünengräbern aus großen Steinplatten in Haus- und Gangform errichteten Gräber zwischen das sechste und vierte Jahrtausend v. Chr. datieren zu können. Zu den Dolmen gehören öfters auch Reihen von aufgerichteten Steinen, sogenannten Menhirs, und Steinkreise, die wie einige zyklopische Befestigungsanlagen, die vielleicht zeitlich auch zu diesen megalithischen Bauten gehören, aus großen Blöcken aufgeschichtet sind. Man hat bisher nur feststellen können, daß die megalithische Bauweise in Palästina wie in Europa schon sehr alt ist , ebenso wie die Anbetung der Gottheit in einem konischen Stein, für die sehr frühe Zeugnisse vorhanden sind.(7)

Um die Mitte des fünften Jahrtausends kannte man in Kanaan bereits das Kupfer. Im Yarmuktal entdeckte man eine Kultur, die mit ihrer durch Grätenmuster verzierten Tonware und ihren kleinen Kunstwerken aus Kieseln, Basalt und Kalkstein- unter ihnen teils naturalistische , teils schematische weibliche Darstellungen - einen bedeutenden Einfluß auf die frühen Kulturen des Ostmittelmeers ausgeübt zu haben scheint.(7) Diese Feststellungen deuten darauf hin, daß der Ursprung der Kanaaniter , ähnlich wie der der Einwohner von Catal Hüyük und der Anfänge von Atlantis II an den Küsten des Atlantiks, in Atlantis I lag. Denn zu Beginn des vierten Jahrtausends blühte in Kanaan bereits eine Kultur, deren Höhe in mancher Hinsicht einmalig war. Die Grabungen von Teleilat el Ghassul in der Nähe von Jericho zeigten, daß man um diese Zeit in gut gebauten Ziegelhäusern mit Fundamenten aus Feldsteinen und Holzdächern lebte. Die Lehmziegelwände waren oft mit wunderbaren Malereien geschmückt: Man fand unter anderem einen mit kunstvollen Mustern ausgefüllten großen achteckigen Stern.

Seine Form mag kultische Bedeutung haben, denn die älteste sumerische Bilderschrift setzte einen achteckigen Stern für den Begriff > Gott <÷< ein. Um den Stern von Ghassul gruppieren sich stilisierte drachenähnliche Wesen und geometrische Figuren.(7)

Um das Jahr 2000 v. Chr. herum, als die Expansion von Atlantis II in den östlichen Mittelmeerraum ihren ersten Höhepunkt hatte, war die Küste Kanaans eines der bedeutendsten Gebiete für den atlantischen Handel . Atlantische Schiffe brachten Holz, Korn, wohlriechende Harze und Öle, Luxusgegenstände und Schmuck sowie die berühmten Purpurstoffe, deren Farbe an den syrischen Küsten aus dem verwesten Fleisch der Murexmuschel gewonnen wurde, Parfüms und selbst exotische Tiere nach Ugarit, Sidon und Tyrus. Von dort wurden diese kostbaren Waren dann nach Kleinasien und Mesopotamien über den Landweg oder durch atlantische Schiffe nach Ägypten, Griechenland, Kreta oder Tharsis , als dem Umschlagplatz für den nordatlantischen Raum , weiterverfrachtet. Wie die in Ugarit gefundenen Texte beweisen, lieferte Kanaan seinerseits nach dem Süden für Ägypten besondere Hölzer namens >urkarinnu< , Kupfer aus Zypern, Bronzegeräte und Waffen, in deren Herstellung die atlantischen Volksteile, die sich in den Metallbergbauregionen Anatoliens und des nördlichen Iran niedergelassen hatten, besonders geschickt waren. Dazu kamen Pferde aus Kleinasien. Ägypten, das sich zur Kornkammer entwickelt hatte, lieferte große Mengen von Getreide zur Versorgung der Bevölkerung der Städte.

Vieles änderte sich, als durch die kosmische Katastrophe von 1250 v. Chr. die Zentrale des atlantischen Reiches Tharsis ausfiel und in den folgenden Jahrzehnten die Wellen der Seevölker Phönizien und Syrien überschwemmten. Das Geschick des damals schon mehr als 3000 Jahre alten Ugarit sollte sich nun vollenden. Es wurde zuerst von den Seevölkern eingenommen und als Basis für weitere Operationen benutzt. Als Ägypten die Völkerlawine zum Stehen und , nach eigenen Angaben, in einer großen Schlacht besiegt hatte, begann auch der König Tiglatpileser I von Assyrien einen Feldzug gegen die eingedrungenen Seevölker und zerstörte das vom Feind besetzte Ugarit vollständig.

Das von allen Katastrophen verschont gebliebene, durch zyklopische Mauern schwer befestigte und als uneinnehmbar geltende Tyrus konnte um das Jahr 1000 v. Chr. die Seeherrschaft im Mittelmeer ungestört übernehmen. Es stellte die traditionelle Verbindung zum Königreich Tharsis , das sich inzwischen einigermaßen von der Naturkatastrophe erholt hatte, aber auf Grund der Vernichtung oder Auswanderung großer Teile der kulturtragenden Bevölkerung nie wieder zur alten Macht gelangte, wieder her. Es wurde auch jetzt im griechisch sprechenden Raum Tartessos genannt und hatte mit dem Macht- und Kulturzentrum Tharsis - Atlantis II von einst nur noch wenig gemeinsam, obwohl sich - in diesem "El Dorado" der Antike - wieder der landwirtschaftliche Reichtum Andalusiens mit jenem an kostbaren Erzen verband, die aus dem Boden Iberiens gewonnen oder längs der Ozeanküsten aus den Ländern des Nordens herangeschafft wurden . Die nach wie vor gastlichen Könige des Landes räumten den stammverwandten Phöniziern eine Niederlassung in Gades ein. An diesem Orte, dem späteren Cadiz, verehrte man noch zur Römerzeit den tyrischen Stadtgott Melkart, der dann von den Griechen mit Herakles identifiziert wurde, nach "asiatischem" Ritus.

Die wiederaufgenommene Verbindung mit Tartessos und den im Westen liegenden Gebieten des ehemaligen atlantischen Reiches war für die Tyrer handelspolitisch ebenso bedeutsam wie später die Besetzung Indiens im 18. und 19. Jahrhundert für die Engländer. Um die Verbindungen in den inzwischen unruhig gewordenen Zeiten zu sichern, wurde ein ganzes Netz von Zwischenstationen, Festungen und Landeplätzen angelegt oder wieder in Betrieb genommen. Ein regelmäßiger Handel mit Tartessos machte die Kontrolle über die gesamte nordafrikanische Küste notwendig, wollte man nicht den Umweg über Italien und die Provence nehmen oder Südspanien über Sizilien, Sardinien und die Balearen auf offener See ansteuern.(7) Zum Schutz der mittleren Route sicherten sich die Phönizier wieder die Kontrolle über die alten Einflußgebiete des ehemaligen atlantischen Reiches : das östliche Sizilien, wie auch über die sardischen Küsten und die Balearen. Ihre bevorzugte und am eifersüchtigsten gehütete Fahrstrecke aber blieben stets die Küstengewässer Nordafrikas

Nach der wild bewegten Zeit der Invasion der Seevölker erholten sich die phönizischen Städte verhältnismäßig rasch und gelangten zu neuer Blüte.(7) Durch den Einfall der stammverwandten Seevölker von der Fremdherrschaft Ägyptens befreit, und dank der erheblichen Vermehrung des gutausgebildeten Bevölkerungsanteils atlantischer Herkunft, erreichte Phönizien um die Jahrtausendwende seinen Höhepunkt als Handels - wie als Seemacht. Die kretisch - achaische Konkurrenz war durch die Seevölker oder durch innere Auseinandersetzungen zerstört worden, und das durch Bevölkerungsverlust und Verwüstung weiter Gebiete ins Abseits geratene Tharsis, erholte sich, wie bereits erwähnt , nie wieder richtig von den Folgen der Naturkatastrophe.

Tyrus genoß sein goldenes Zeitalter, das nahezu zweihundert Jahre dauerte. Seine Flotten waren es vor allem, die auf große Fahrt gingen und überall im Mittelmeer die alten atlantischen Handelsniederlassungen wiederbelebten und neue Kolonien gründeten. Von Zypern bis Spanien fand man die phönizischen Faktoreien. Auch Karthago wurde in dieser Zeit gegründet. Der neue punische Staat an der afrikanischen Küste bekommt die zweitausend Jahre alte Erfahrung, die vielfältigen Traditionen, die Handelsbegabung und den Unternehmungsgeist des Mutterlandes mit auf den Weg. Es verwaltet und vollendet das Erbe Phöniziens , als dieses sein Eigenleben unter der Herrschaft der Assyrer und der Perser allmählich verliert.(23)

Tyrus und Sidon, die beiden Hauptorte der phönizischen Macht, mußten sich mit den Assyrern um 720, 701 und 678 herumschlagen. Sidon wurde eingenommen , zerstört und wiederaufgebaut. Als das Assyrerreich 612 von den verbündeten Babyloniern und Persern geschlagen wurde, wendet sich Phönizien noch einmal Ägypten zu, aber die Babylonier waren nicht bereit, das für sie wichtige Küstenland aufzugeben. Nach Babylon folgte Persien als Oberhoheit. Sidon gelangte wieder zu einiger Bedeutung und wurde Hauptstützpunkt der persischen Flotte und zeitweise sogar Regierungssitz. Das verhinderte aber nicht, daß es immer wieder Aufstände gegen die Perser gab. 346 wurde der Palast des persischen Königs geplündert. Artaxerxes marschierte daraufhin gegen Phönizien, Sidon wurde gebrandschatzt und 40 000 seiner Einwohner sollen mit ihrem König getötet worden sein.

Als 333 v. Chr. das persische Heer vernichtend durch Alexander geschlagen wurde, öffneten die phönizischen Städte außer Tyrus ihm die Tore. Alexander belagerte Tyrus sieben Monate lang, baute einen Damm und schloß es mit Hilfe der zyprischen Flotte vollständig ein. Nach der Eroberung, die nach alten Berichten nur mit der Hilfe "fliegender Schilde" also "UFOS" möglich war, die die unüberwindbaren Zyklopenmauern mit ihren Energiestrahlen zum Einsturz brachten, vernichtete er die Einwohner durch Feuer und Schwert. Der Damm Alexanders blieb als Wahrzeichen des Untergangs der Stadt bestehen. Heute ist er versandet und die sagenhafte Insel von Tyrus, die in gewisser Weise die Nachfolgerin der sagenhaften Insel Atlantis war , ist fest mit dem Land verbunden.

Dreitausend Jahre lang erfüllte das kanaanäische Volk seine Aufgabe als Mittler zwischen den Kontinenten . Sein Wesen war vielfältig wie seine ethnische Zusammensetzung und die Kulturströme, die durch Kanaan hindurchgeflossen waren. In den auf der atlantischen Basis beruhenden religiösen Vorstellungen aber, die zur Grundsubstanz seines Lebens gehörten und denen alle Manifestationen seines Daseins untergeordnet waren, blieb dieses sonst so bewegliche Volk stets eigenartig konservativ.(7) Auch in diesem Volk zeigte sich, wie vorher in Kreta und später in Karthago und Etrurien, daß man sich seines Glaubens und seiner Götter aus eigener in der Tradition überlieferter Erfahrung ganz sicher war, und daß man nicht bereit war, von diesem Glauben auch nur ein wenig abzurücken. Noch in historischer Zeit ragte seine Religion als ein seltsames Stück Urzeit in die aufgeklärte Welt der Griechen, und keine Brücke führte von den kanaanäischen Kulten zum Monotheismus der Hebräer.(7)

Dieses beweist, mehr als alles andere, das Zugehörigkeitsgefühl des kanaanäischen Volkes zum atlantischen Urvolk und zu den direkt von den "Göttern" erhaltenen Lehren und Gesetzen. Man fühlte sich als Volk "das von den Göttern und den Riesen abstammt" und hielt daran fest, bis die dieser alten Tradition verständnislos oder sogar feindlich gegenüberstehenden, im Vergleich "traditionslosen" neuen Völker Griechen, Römer, Juden, Christen und Mohammedaner schließlich auch den letzten unbelehrbaren "Barbaren" oder "Heiden"getötet oder zur Verleugnung seiner Religion gezwungen hatten.

Karthago und Etrurien , die letzten Staaten mit atlantischer Tradition in Europa.

Die Etrusker und Karthager, diese beiden aus derselben Wurzel - Phönizien und Atlantis -stammenden Völker, begriffen rasch, daß ihre Vereinigung gegen die Griechen in beiderseitigem Interesse lag. Die vereinigten karthagisch-etruskischen Flotten verhinderten im Jahre 536 v. Chr. die Besetzung von Korsika durch die Griechen aus Marseille. Danach schloß man ein dauerhaftes Bündnis, in dem die Einflußzonen genau abgegrenzt wurden. Die Etrusker waren damals auf dem Gipfel ihrer Macht und hatten Italien von den Alpen bis Kampanien beinahe zusammengeschlossen. Das Bündnis zwischen Etruskern und Karthagern wurde durch wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen vervollständigt. In Karthago wird dies durch Ausgrabungen von etruskischen Statuetten, Keramiken und einigen Inschriften in tyrrhenischer Sprache bestätigt . Besonders ein Statuen - Sarkophag von Karthago findet in Tarquinia sein genaues Gegenstück. Das deutet auf Ähnlichkeiten im Jenseitsglauben beider Völker hin und gibt einen zusätzlichen Hinweis auf die gemeinsame Wurzel in Atlantis.

Auch Phönizien, der Dritte im Bunde der Staaten mit atlantischer Tradition, wehrte sich im Rahmen seiner Möglichkeiten gegen die immer fühlbarere Ausdehnung der Griechen. Der große Kampf zwischen dem Perserreich und den Hellenen ist zum großen Teil auf die Machenschaften der Phönizier zurückzuführen, die dadurch ihren gefährlich wachsenden Konkurrenten ausschalten wollten. In Zypern begannen die Phönizier von ihren Niederlassungen im Osten aus, die Griechen zurückzudrängen. Im ganzen Westgebiet steht Karthago an der Spitze des Kampfes. Zunächst in Sizilien, wo es auf die Verteidigung seiner Handelsniederlassungen an der Ostküste verzichten muß, dafür seine Stellung im Westen aber mit Hilfe der Elymer ausbaut. Ähnlich verhält es sich in Libyen, wo es zwar die Besetzung der Cyrenaika durch die griechischen Dorer nicht verhindern kann, deren Vormarsch nach Westen aber am unteren Rand des Golfes der Syrten zum Stehen bringt.

Obwohl die seefahrenden und handeltreibenden Phönizier als Nachfahren der Atlanter von Natur aus den Krieg nicht liebten, mußten sie eine Militärmacht aufbauen. Sie zeigten dabei manchmal einen persönlichen Einsatz, der sogar die Griechen erstaunte. So wird berichtet, daß nach unentschiedenen Kämpfen zwischen Puniern und kyrenäischen Griechen ein Wettlauf zweier Läufergruppen , die von jeder Seite aus starteten, entscheiden sollte, wo die Grenze verlaufen sollte. Auf karthagischer Seite starteten die phylenischen Brüder und legten die größere Strecke zurück. Aber die Griechen bestritten die Korrektheit des Erfolges. Die Phyläer erklärten sich darauf bereit, sich an der Stelle ihres Sieges lebendig begraben zu lassen, wenn sie dafür die Grenze ihres Vaterlandes bilden sollte. Die Griechen akzeptierten, wohl in der Meinung, daß dies nicht ernst gemeint war. Sie stellten mit Verwunderung fest , daß die Karthager dies ausführten . Ihr Respekt war so groß, daß bis zum Ende des Altertums die Ara Philaenorum am Ufer der Syrte die westlichste Grenze des Hellenismus in Afrika bezeichnete. Vielleicht bewirkte dies auch der Geist der Getöteten , der nach punischem Glauben von da ab jedes Überschreiten der Grenze magisch verwehrte. Natürlich waren Männer mit solcher Härte gegen sich selbst auch den Feinden gegenüber nicht menschlich. Da die Griechen aber die begangenen Grausamkeiten in gleicher Münze heimzahlten, entstand zwischen beiden Völkern ein mörderischer Erbhaß.

Mit dem fast gleichzeitigen Verlust der Schlachten von Himera in Sizilien und von Salamis in Griechenland im Jahr 481 v. Chr., verschlechterte sich die Situation der phönizischen Seite dramatisch. In Himera verloren die Punier nach Angaben der sizilischen Griechen mehrere hundert Schiffe , ca 38000 Krieger, 2700 Kilogramm Gold und eine Kriegsentschädigung von 2000 Talenten Silber. In Salamis verloren die Phönizier, die den Kern der persischen Flotte bildeten und den Ruf hatten, auf Grund ihrer Seefahrertradition die besten Seeleute des Perserreichs zu sein, 300 Schiffe, die den rechten Flügel bildeten und an den Felsenriffen von Psytalia zerschmettert wurden.

Im Jahr 468 V. Chr. folgte dann die Katastrophe von Eurymedon, in der Kimon von Athen das gesamte phönizische Geschwader von 80 Schiffen gefangen nahm. Dies eröffnete der griechischen Flotte den Weg nach Zypern, von wo aus sie leicht die phönizische Küste blockieren konnte. Acht Jahre darauf wurde es noch gefährlicher, als die Griechen, nach der ägyptischen Revolte gegen die Perser, sich die Kontrolle des Nildeltas sichern konnten. Zur gleichen Zeit brach auch das Reich der verbündeten Etrusker zusammen. Schon seit 510 v. Chr. hatten sie die Kontrolle über Latium an Rom verloren. 474 zerstörten Syrakus und Cumae die tyrrhenische Flotte. Kampanien war isoliert und fiel bald den Samnitern zur Beute. Eine einzige Generation hatte genügt ,um die gewaltige Koalition zu zerstören, deren Haupt Karthago war (23). Das eigentliche Herrschaftsgebiet war davon allerdings noch nicht betroffen. Noch wagen sich die Griechen nicht in den Bereich von Sardinien oder den spanischen oder westafrikanischen Küstenstreifen.(23) Allerdings ergriffen die Libyer, die schon besiegt waren und auf Tribut verzichtet hatten, wieder die Waffen, und konnten nur durch Wiederaufnahme der Tributleistungen ruhig gehalten werden.

Die rasche Erkenntnis der Gefahren und ihrer verborgenen Ursachen und die Veranlassung kluger Abwehrmaßnahmen durch die leitenden Kreise Karthagos, stellte wiederum deren politischen Scharfblick und ihre hohe Intelligenz unter Beweis. Nicht weniger beachtlich ist die Energie bei der Durchführung der Pläne und die Härte, mit der die erforderlichen Opfer auferlegt und getragen wurden.(23) Als erste Folge der Kette von Niederlagen wurde das bestehende mächtige Herrscherhaus der Magoniden abgesetzt und durch ein Tribunal von 100 aus dem Senat gewählten Richtern ersetzt. Die bedeutendsten Angehörigen des Herrscherhauses wurden verbannt. Die 100 wurden von zahlreichen Ausschüssen von je fünf Mitgliedern, die aus einer Zusatzwahl hervorgingen, unterstützt. Diese Ausschüsse zogen wahrscheinlich mit der Zeit einen großen Teil der Befugnisse der Vollversammlung an sich. Die Heerführer mußten dem Tribunal nach jedem Krieg Rechenschaft ablegen, und es sind verschieden Fälle bekannt, in denen Heerführer plötzlich in Ungnade fielen, weil sie in ihren Unternehmungen nicht erfolgreich waren.

Als weitere einschneidende Maßnahme kann die offensichtliche Einführung von Importbeschränkungen griechischer Waren gelten. In den Gräbern aus dem 5. und 4. Jahrhundert fehlen Grabbeigaben ausländischen Ursprungs fast vollständig. Der karthagischen Regierung war offensichtlich klargeworden , daß der Außenhandel dem Land wertvolle Rohstoffe und Metalle entzog und dafür Luxusgüter ohne praktischen Nutzen eingeführt wurden. Die Handelsbeziehungen wurden deshalb abrupt abgebrochen und es kamen nur noch wenige griechische Waren über die Verbündeten in Sizilien ins Land. Offenbar bewußt wurde auch auf das Prägen eigener Münzen verzichtet. So wurde wertvolles Metall gespart und dazu noch der Handel mit den Griechen erschwert, da diese auf Bezahlung in Bargeld bestanden Da die Schiffe kein Getreide und kein Öl mehr heranbrachten, mußte dies im Lande selbst erzeugt werden. Das bisher vernachlässigte Hinterland wurde dazu erschlossen und die Libyer gezwungen, von der extensiven Weidewirtschaft auf intensive Bodenbebauung überzugehen.(23) Das Land dafür hatten die letzten Repräsentanten des vertriebenen Herrschergeschlechts der Magoniden noch von den Libyern erobert. Es umfaßte wahrscheinlich den größten Teil des heutigen Tunesiens, auf alle Fälle waren darin die Halbinsel des Kap Bon, die Ebenen am Unterlauf des Medjerdah und das Hügelland von Sahel enthalten , also die fruchtbarsten Teile des Landes.(23)

Man verlor keine Zeit, sie nutzbar zu machen. Erfahrene punische Agronomen legten die Bebauungsmethoden fest, die dem Boden am besten angepaßt waren. Einer von ihnen , Magon, wurde sogar von den Griechen und Römern als Meister seines Faches angesehen. Seine Werke wurden , als einzige punische Literatur, ins Lateinische übersetzt.(23) Hier zeigt sich einmal mehr, über welches Wissen die Abkömmlinge von Atlantis immer noch verfügten. Es ermöglichte ihnen, aus einem öden Steppenstreifen einen Garten Eden zu machen, der auch später, nach der Eroberung durch die Römer, diesen lange Zeit noch als Kornkammer diente. Als jedenfalls, zu Beginn des 4. Jahrhunderts v. Chr., die Krieger des Agathokles nach ihrer Landung auf Kap Bon auf Karthago marschierten, waren sie verwundert über die Fruchtbarkeit der Felder, die mit Weinreben, Ölbäumen und Obstbäumen bestanden waren. Tatsächlich eignet sich diese Gegend besonders für Baumkulturen, während die Ebenen im Inneren mehr für den Getreideanbau in Frage kommen.

Hand in Hand mit der Erschließung des Hinterlandes gingen auch Bemühungen um die Erweiterung des Kolonialreiches. Übereinstimmend wird heute die berühmteste der punischen Expeditionen auf das 5. Jahrhundert datiert. Himilkon drang dabei längs der spanischen und gallischen Küsten mindestens bis zum Kap Finisterre vor und besuchte die Insel Ouessant, die als Umschlagplatz für das Zinn aus Cornwall diente. Die kühnste und bedeutendste Expedition wurde jedoch in südlicher Richtung unternommen . Herodot berichtet, daß unter dem Pharao Nechao ( 609/594 ) eine von diesem Herrscher unterstützte phönizische Expedition in drei Jahren ganz Afrika zu umschiffen vermochte. Hier lag die Initiative zwar nicht bei Karthago , aber man kann davon ausgehen, daß die Expedition mit seiner Billigung und Unterstützung durchgeführt wurde.

In einer weiteren Expedition , die etwa um 450 v. Chr. stattfand, versuchten die Karthager die einstigen atlantischen Handelsniederlassungen weit im Westen für sich wieder zu gewinnen. Ihr ferneres Ziel war jedoch die Küste des Senegal, das als Goldland bekannt war. Auch auf dem Weg durch die Wüste versuchten sie , das Goldland zu erreichen, und es soll einigen von ihnen mehrfach gelungen sein. Der Goldhunger Karthagos erklärt sich nicht aus dem Wunsch nach Luxus und Reichtum, sondern es war bemüht, Kapital zu sammeln, um einer zwangsläufig auf sie zukommenden Auseinandersetzung mit den Griechen möglichst gut gerüstet begegnen zu können .

Schon im 6. Jahrhundert hatten die Magoniden in ihren Feldzügen in Sizilien weitgehend Söldner eingesetzt. Auch die danach herrschende Oligarchie änderte in diesem Punkt ihre Politik nicht. Sie war jedenfalls sehr darauf bedacht, die Bürgerwehr phönizischen Ursprungs auf das schonendste zu behandeln, da das punische Element Karthagos keinen Zuwachs mehr durch Einwanderung erfuhr. Die jetzt unterworfenen , zwar tapferen, aber wenig zivilisierten Libyer aber konnten nicht viel mehr stellen als Hilfstruppen, deren Treue obendrein nicht immer gesichert war. Den Kern der damaligen Taktik bildeten die Hopliten, schwer bewaffnete Fußtruppen, die in strenger Kampfordnung vorgingen. Hierfür eigneten sich vorzugsweise Berufssoldaten, und diese konnte man, wenn man ausreichend zahlungskräftig war, im Mittelmeerraum in guter Qualität anwerben. So zielten die Bemühungen Karthagos auf die Schaffung eines möglichst großen Kriegsschatzes ab, der zu Zahlungen an die Truppen, zur Unterstützung von Verbündeten oder zur Bestechung gegnerischer Politiker verwendet werden konnte

Im Jahr 409 v. Chr. begann Karthago dann mit dem Versuch , sich aus der griechischen Umklammerung zu befreien. Der Kriegsschauplatz war anfänglich wieder Sizilien , wo Karthago große Anfangserfolge erzielte. Selinunt, Himera und danach Agrigent und Gela wurden erobert und grausam verwüstet. Dann erzielte auch Dyonysos von Syrakus Erfolge. Das Kriegsglück ging dann über 40 Jahre hin und her. Am Ende war Karthago nur noch das Elymerland westlich von Selinunt verblieben. In der folgenden Generation schlug Syrakus dann zurück. Agathokles von Syrakus landete 324 v. Chr. am Kap Bon, verwüstete die landwirtschaftlichen Versorgungsgebiete von Karthago und schloß zum ersten Mal die Stadt ein. Dies Unternehmen war allerdings etwas zu kühn und endete in einer Katastrophe. Trotzdem versetzte es Karthago einen Schock. Es fühlte sich von den Göttern verlassen, und die Priester legten seinem Adel ein ungeheures Sühneopfer auf. Die adeligen Kinder , die bisher durch Ersatzopfer von Kindern armer Leute, die den Eltern von den Adligen abgekauft wurden, geschont worden waren, wurden in einem Autodafe dem Molk, dem atlantischen Gott des Todes, geopfert.

Solche Menschenopfer gehörten zwar zur atlantischen und kanaanitischen Tradition ( man denke nur an die von Gott geforderte Opferung Isaaks durch seinen Vater Abraham ( 1 Mose 22,2 ) ), sie wurden aber nur noch in Fällen der höchsten Not ausgeführt. Normalerweise begnügte man sich mit der Opferung von Tieren. Die Wiederaufnahme der Menschenopfer in dieser Zeit zeigt, daß Karthago das Gefühl hatte, in höchster Bedrägnis zu sein und hoffte, durch diese einschneidenden Opfer die Götter zu versöhnen und Hilfe von ihnen zu erhalten. Die Griechen, die sich ursprünglich gerade wegen dieser grausamen Gesetze von der atlantischen Tradition abgewendet hatten und ihr zu dieser späten Zeit schon verständnislos gegenüberstanden, betrachteten es als Rückfall in die Barbarei und schlachteten es propagandistisch aus, um Stimmung gegen den politischen Feind zu machen.

Der Wall aus Unnachgiebigigkeit und religiösem Fanatismus , den die karthagische Oligarchie gegen den Hellenismus errichtet hatte , bröckelte allmählich, nicht zuletzt auf Grund derartig drastischer Maßnahmen, die nun auch sie getroffen hatten, ab. Die Heerführer begannen gegen die Oligarchie zu kämpfen. Es gab Pläne, anläßlich einer Hochzeit den ganzen Senat ermorden zu lassen. Auch die ausgebeuteten afrikanischen Kleinstaaten wurden zunehmend unruhiger und warteten nur auf eine Gelegenheit gegen Karthago loszuschlagen. Trotzdem ging Karthago aus dem fast ununterbrochenen hundertjährigem Krieg nicht wirtschaftlich geschwächt hervor. Infolge der Verwendung von Söldnerheeren und des Kriegsschauplatzes Sizilien war der Krieg vor allem ein wirtschaftliches Problem gewesen. Dafür hatte Karthago vorgesorgt, und hatte auch die Möglichkeit, durch Ausbeutung des Hinterlandes und durch Erlöse aus den Handelsniederlassungen im Westen, die laufenden Kriegskosten leicht aufzubringen. Außerdem war der Krieg selbst recht einträglich. Die Plünderung aller großen sizilischen Städte mit Ausnahme von Syrakus, hatte in den karthagischen Schatzkammern jenen Reichtum angehäuft, den Scipio eineinhalb Jahrhunderte später noch vorfinden sollte.(23)

Doch es gab schlechte Nachrichten aus dem Osten des Mittelmeeres. Die letzte Bastion der Atlanter im Osten, die Mutterstadt Karthagos ,Tyrus war im Jahr 332 v. Chr. nach siebenmonatiger Belagerung durch Alexander den Großen gefallen und zerstört worden . Alexander hatte angekündigt, daß er demnächst auch Karthago angreifen werde . Das verhinderte zwar sein früher Tod, doch die neue kommende Macht im Mittelmeer, Rom , betrachtete das nun hellenistisch werdende Karthago als ernsthafte Konkurrenz und lohnende Beute, vernichtete es in den drei punischen Kriegen und gliederte seinen Einflußbereich im Jahr 146 v. Chr. in das römische Reich ein. Auch die Etrusker wurden jetzt von Rom wieder angegriffen. Im Jahr 79 v. Chr. kapitulierte Volterra und nach dem Bellum Perusinum im Jahr 40 v. Chr. wurde Etrurien von Rom zur VII Region des Reiches erklärt. Einige Jahre vorher, im Jahr 54 v. Chr. hatten die etruskischen Priester bereits das Ende des 10. Saeculums der Etrusker, und damit das Ende des etruskischen Staatswesens verkündet.

Damit war auch der letzte Kulturträger der atlantischen Kultur auf europäischem Boden den zur Macht drängenden neuen Staaten zum Opfer gefallen. In der Folgezeit bemühten sich die neuen Mächte, alle Spuren des alten Reiches der Atlanter zu beseitigen. Für die Griechen und die Römer war ihre Hinterlassenschaft offenbar etwas Hassenswertes und sie wurde deshalb, wo auch immer man auf sie traf, mit Fleiß und Ausdauer beseitigt oder aus dem Verkehr gezogen. Die Kenntnisse über die Seewege der Atlanter aber gingen verloren, weil sie selbst, wie auch ihre Nachfahren, die Phönizier und Karthager, alles taten, um dieses Wissen vor den Griechen und den Römern geheim zu halten. So war es beispielsweise noch bei den Karthagern bei Todesstrafe verboten den Namen der Insel "Antilia" ,der an Atlantis erinnert, auszusprechen, da schon die Existenz dieser Insel möglichst geheimgehalten werden sollte. Über die Meere, die westlich von Italien lagen und für griechische Schiffe jahrhundertelang absolutes Sperrgebiet waren, wurden die schauerlichsten Geschichten erzählt, um Wagemutige davon abzuhalten, hierhin vorzudringen.

So berichtet Pausanias in seiner "Beschreibung Griechenlands" von den Erfahrungen des Karianers ( das Land der Karer lag in der heutigen südwestlichen Türkei ) Euphemos folgendes : (2a) Auf einer Seereise nach Italien wurde er von den Winden nach Westen in das "äußere Meer" abgetrieben. Dort gebe es viele unbewohnte Inseln, auf anderen wieder wohnten wilde Männer. Diese Inseln würden Satyriden genannt und die dort lebenden Männer hätten rote Haare und "Schwänze" nicht viel kleiner als die von Pferden. Als sie ihre Besucher erblickten, rannten sie, ohne einen Schrei auszustoßen, zu dem Schiff hinunter und fielen über die Frauen her. In ihrer Angst warfen die Seeleute schließlich eine fremde Frau auf die Insel, die daraufhin von den wilden Männern nicht nur in der üblichen Art, sondern in jeder anderen möglichen Weise geschändet wurde.

Diese und andere ähnliche Geschichten verfehlten nicht ihren Zweck und so war das Wissen der Griechen von den Seegebieten westlich von Italien praktisch gleich Null. Den Römern, die sowieso keine Seefahrernation waren, ging es nicht viel besser und sie begnügten sich mit ihren unförmigen und nicht sehr seetüchtigen Schiffen lange Zeit mit der Küstenschiffahrt im Bereich ihrer Küsten, wo man fast jederzeit bei Wetterverschlechterung das rettende Land erreichen konnte.

Trotzdem müßte sich bei intensiver Suche nach dem Wissen der Atlanter noch etliches in den Nachfolgearchiven des römischen Reiches und in den Trümmern der zerstörten Städte Tharsis, Tyrus und Karthago finden lassen. So sind zum Beispiel die von den Römern in Karthago erbeuteten Bücher, außer einem einzigen Werk über die Landwirtschaft, nie übersetzt worden. Es besteht aber durchaus die Möglichkeit, daß sie in römischen Archiven noch vorhanden sind. Auch die in Kreta gefundenen durch Feuer konservierten Tontafeln in der Schrift Linear A wurden bisher noch nicht entziffert. Da das atlantische Reich und seine Religion und Kultur sowie auch sein beachtliches technisches , politisches und ökonomisches Wissen das Fundament für die heutige westliche Kultur bildete, sollte es ein bisher viel zu sehr vernachlässigtes Anliegen des westlichen Kulturstaaten sein, diesen Ursprüngen nachzuforschen.

Vielleicht kann dann eines Tages das" ex oriente lux" , " Aus dem Osten kam das Licht" ,das heute noch das historische Denken zumindestens Europas prägt, durch ein " EX OCCIDENTE LUX " , "Aus dem Westen kam das Licht" ersetzt werden.

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Sitten und Lebensformen im Gründungsstaat Atlantis und in den Sekundärstaaten

Achaisches Griechenland, Kreta, Phönizien und dem Tertiärstaat Karthago

Was wir über die politische Organisation , das Rechtswesen, die Sitten und Lebensformen des Ursprungsstaates Atlantis wissen, ist uns fast nur durch Platon und Homer überliefert. Platon erhielt dieses Wissen auf dem Umweg über Ägypten und Homer basierte auf alten Geschichten, die im Volk aus der Zeit der Achäer lebendig geblieben waren. Man kann die Quellen also sicher zu Recht als dürftig bezeichnen und viel aussagefähiger sind deshalb in diesen Bereichen die Berichte aus den Nachfolgestaaten, die bis in die geschichtliche Zeit hineinreichen. Trotzdem soll das, was bisher aus den Anfängen bekannt ist, hier noch einmal wiedergegeben werden.

Der Staat Atlantis hatte eine bundesstaatähnliche Gliederung. Er wurde regiert von zehn Königen, von denen einer, nämlich der, welcher im ursprünglichen Gründungssitz residierte, die Oberhoheit ausübte. Den Königen war ein genau definiertes Gebiet zugeordnet, in dem sie die absolute Macht ausübten. Das heißt, der einzelne König konnte in seinem Gebiet bestrafen und hinrichten wen er wollte. Die gegenseitigen Machtverhältnisse der Könige und gemeinsamen Beziehungen wurden geregelt durch die Anordnungen des Gründungsgottes Poseidon und waren aufgezeichnet auf einer im Gründungssitz stehenden Stele aus Goldkupfererz. An dieser Stele trafen sich die Könige im Abstand von abwechselnd fünf und sechs Jahren um gemeinsame Probleme zu besprechen und sich zu beraten, wenn irgendjemand von ihnen gegen die bestehenden Gesetze des Poseidon verstoßen haben sollte. Auf gemeinsamen Beschluß konnte die Strafe sogar die Verurteilung zum Tode des betreffenden Königs sein.

Vor der Gerichtssitzung wurde ein bestimmtes Ritual abgehalten, das helfen sollte, ein gerechtes Urteil zu finden. Dazu wurden im heiligen Bezirk des Poseidon einige Stiere freigelassen und nach einem gemeinsamen Gebet an Poseidon von den zehn Königen, allein und nur mit Knüppeln und Schlingen bewaffnet, gejagt, was sicher nicht ungefährlich war. Offenbar sollte anfänglich wohl so dem Gotte über den Stier die Möglichkeit gegeben werden, das Urteil als quasi "Gottesurteil" direkt zu vollziehen.

War ein Stier dann gefangen, so wurde er über der Stele geopfert und zwar so, daß sein Blut über die Gesetzestexte und eine Schwurformel, die denjenigen verwünschte, der diese Gesetze nicht einhielt, hinrann. Der Stier wurde dann zerlegt und alle seine Glieder geweiht und dem Feuer übergeben. Lediglich zehn Tropfen geronnenen Blutes des Opfers, für jeden der Könige einer, wurden in einen gefüllten Mischkrug gegeben. Darauf wurde die Stele vom übrigen Blut gereinigt. Mit goldenen Schalen wurde nun von jedem der Könige aus dem Mischkrug eine Spende geschöpft und ins Feuer gegossen, wobei der Eid erneuert wurde, nur nach den auf der Stele aufgezeichneten Gesetzen Gericht zu halten, Übergriffe zu bestrafen und in Zukunft keinen der aufgezeichneten Punkte absichtlich zu übertreten. Ihre Regierung solle sich in Zukunft streng an die Vorschriften des Stammvaters halten. Nach diesem Schwur trank jeder König selbst und stellte anschließend die Trinkschale als Weihgeschenk im Heiligtum des Gottes auf. Dann wandte er sich der Mahlzeit und seinen dringlichen Geschäften zu. Wenn die Nacht kam, trafen sich alle, angetan mit wunderschönen dunkelblauen Gewändern, an der Stelle des Opferfeuers wieder, setzten sich auf die Erde und , nachdem alle Feuer im Umkreis gelöscht worden waren und nur die Sterne über ihnen leuchteten, ließen sie sich Recht sprechen oder saßen selbst zu Gericht, wenn sich einer von ihnen eines Übergriffs schuldig gemacht hatte. Hatten sie ihren Spruch gefällt, so wurde er, wenn es Tag wurde, auf eine goldene Tafel aufgeschrieben und zur Erinnerung zusammen mit den Gewändern im Tempel hinterlegt.

Außer dem, was bereits in dem Kapitel Atlantis II, Idee und Wirklichkeit, wörtlich berichtet wurde, ist dies alles, was wir von Platon über Sitten und Lebensweisen in Atlantis erfahren. Dies ist verständlich, da er selbst ja nicht aus eigenen Erfahrungen und Wissen sprechen konnte, sondern sein Wissen aus in Ägypten gemachten Aufzeichnungen schöpfte. Die Ägypter selbst, deren Staatsordnung weitestgehend der atlantischen entsprach, betrachteten es aber als völlig überflüssig, für sie selbstverständliche Dinge des täglichen Lebens auf einer Stele aufzuzeichnen.

Um deshalb mehr über über diese Dinge zu erfahren, muß eine Quelle herhalten, die bei weitem nicht so sicher verbürgt ist wie die Beschreibung Platons. Es handelt sich um die Beschreibung "Scherias" in Homers Odyssee. Homer fußte bei der Odyssee, wie auch bei der Ilias- der Geschichte vom trojanischen Krieg- auf alten Erzählungen, die im griechischen Volk aus der Zeit der Achäer noch lebendig waren. Sie waren zwar nicht aufgeschrieben worden, da die Kunst der Schrift verlorengegangen war, beruhten aber doch direkt auf Erfahrungen mit dem frühen Leben in Tharsis, das bei Homer dann den Namen "Scheria" bekommt, was nichts anderes als "Markt" im phönizischen heißt. Wie wir bereits im vorangegangenen gesehen haben, wurde Tharsis, als älteste Stadt des damals bekannten Raumes, aus Tradition fast nur als "der Hafen" oder "die Stadt" oder "der Markt" bezeichnet, da es anderes vergleichbares, mit dem man es hätte verwechseln können, in der Anfangszeit nicht gab. Die Bezeichnung erhielt sich aus Tradition aber auch, nachdem andere Städte und Märkte entstanden waren. Diese bezeichnete man dann aber mit ihrem Namen, um Verwechslungen auszuschließen.

Homer verwendete die Erzählungen über das Leben in Tharsis dann als Kulisse für den Bericht vom Aufenthalt des Odysseus in "Scheria" im Land der "Phäaken". Dabei gab er den alten Phoiniken, wie die Griechen die Phönizier nannten, wahrscheinlich einen von ihm erfundenen, altertümlich klingenden Kunstnamen. Nach Homer waren die "Phäaken" ruderfrohe Leute, berühmt in der Seefahrt und trugen ungewöhnliche maritime Namen wie Steuermann, Schnelle See, Meeresküste, Lotse, Seemann, Bootsmann, Reichsschiff und ähnliche. Sie benutzten Schiffe, die keine Segel sondern 52 Ruderer hatten und ihre Schiffe waren damit schnell "wie Flügel oder Gedanken". In den Hafen von "Scheria" konnten sie von Westen oder von Osten kommend gelangen, dies gilt natürlich für viele an der Küste gelegene Häfen. Was nicht für viele gilt, ist die Feststellung, daß die glücklichen Phäaken fern von "den mühsam lebenden Menschen" lebten und selbst keine Nachbarn hatten. Die Frauen der Phäaken waren "Meisterinnen im Weben"was sich offenbar bis in die phönizische Zeit gehalten oder sogar noch verbessert hat, wie wir später noch sehen werden. Wie auch die Bibel über Tharsis berichtet, waren die Einwohner lebensfroh und außerordentlich gastfreundlich. Nach Homer bereiteten sie Odysseus einen gewaltigen Empfang. Ihm zu Ehren veranstalteten sie Festmähler und sportliche Wettbewerbe und führten akrobatische Tänze auf. Die Vorstellung, daß jemand zu ihnen mit feindlichen Absichten kommen könnte , war ihnen völlig fremd was sich in den Versen Homers so anhört :

Noch ward nicht geboren der Mann und möge auch niemals leben,
welcher hierher ins Land der phäakischen Männer kommt und Feindschaft bringt;
denn sehr lieb sind wir den Göttern.

Die Sportarten , die sie dem Odysseus vorführen, sind : Laufen, Ringen, Weitsprung, Weitwurf und Faustkampf, also Sportarten, die auch einem Kämpfer gut anstehen, was zeigt, daß sie auch dafür trainierten. Zur Entspannung wird anschließend eine auch in Griechenland bekannte Komödie aufgeführt, die den "Ehebruch" der Aphrodite mit Ares zum Thema hat, von dem sie drei Kinder hat, obwohl sie mit Hephaistos, dem Gott der Schmiede, verheiratet ist. Hephaistos fängt beide "in flagranti" in einem Netz und führt sie so den versammelten Göttern vor. Poseidon, der immerhin der Gründungsgott von Tharsis- Scheria ist , überredet darauf Hephaistos, die beiden freizulassen und Ares wird zu einer Buße verpflichtet. Dies zeigt die relativ tolerante Einstellung der Scherianer zu Vergehen, die anderenorts mit dem Tode bestraft wurden und werden oder zur Auflösung der Ehe führen.

Odysseus ist von der Aufführung so angetan, daß er laut die Fähigkeiten der phäakischen Künstlergruppe rühmt, was wiederum dem König so gefällt, daß er dem Gast ein Schwert als Geschenk überreichen läßt. Während anschließend der blinde Hofsänger auf Wunsch von Odysseus vom Leben der Achäer, dem trojanischen Krieg und dem Untergang Trojas berichtet, wird Odysseus beim Gastmahl verwöhnt. Schließlich bittet ihn der König, seinen Namen zu nennen, aber als das dann geschieht, löst es keinerlei sichtbare negative Reaktion bei den Phäaken aus. Der König verliert sich lediglich in die tiefsinnige Betrachtung, daß den Phäaken der Untergang prophezeit worden wäre, weil sie alle Fremden so freundlich behandelten und geleiteten. Am folgenden Tag muß Odysseus bis zum Eintritt der Dunkelheit warten bis das Schiff, das ihn zurück nach Ithaka bringen soll, ablegen darf. Odysseus versinkt in tiefen Schlaf, aus dem er erst wieder erwacht, als der Strand Ithakas erreicht ist. Offenbar hat man ihm einen, noch weit über die Nacht hiausreichenden Schlaftrunk gegeben, damit er die geheime Route, welche die Phäaken benutzten, nicht wiedererkennen kann.

Hier deutet Homer zum ersten Mal die später von den Atlantern und ihren Nachfahren den Phöniziern geübte Praxis der strikten Geheimhaltung der Seewege nach Atlantis an und läßt sie dann später sogar in der Anordnung des Königs ausklingen, niemals mehr Fremde über das Meer zu geleiten.

Damit kehrt Homer aus der achaischen in die geschichtliche Zeit Griechenlands zurück, und auch wir werden uns jetzt dem griechischen Bereich zuwenden, um zu sehen, was die archäologische Wissenschaft, davon berichten kann.

Das Leben im achaischen Griechenland seit Beginn der bäuerlichen Besiedlung.(41)

Aus Ausgrabungen in Griechenland ist bekannt , daß um das siebte Jahrtausend v. Chr. das griechische Landesinnere erneut besiedelt wurde. Die neuen Siedler brachten das notwendige Wissen mit, um Weizen, Gerste und Hülsenfrüchte anzubauen und um Kühe, Schweine und Schafe zu halten.(41) Das deutet darauf hin, daß die Neusiedler atlantischen Ursprungs waren, oder daß sie zumindest in der Agrarwirtschaft vom Wissen der Atlanter profitierten. Da aus Iberien bisher solche Grabungsergebnisse nicht vorliegen, müssen wir vorläufig davon ausgehen, daß es dort ähnlich aussah, wenn auch die Ursprünge der Besiedlung hier viel weiter zurückreichen.

.Zunächst konzentrierte sich die Besiedlung auf die fruchtbaren Niederungen , denn der Boden dort war bestellbar und konnte für den Ackerbau ausreichend Feuchtigkeit speichern. Die Einwanderer brachten Mühlsteine für das Getreide mit und geschliffene Äxte, mit denen sie das mit Wald und Buschwerk bestandene Land für die Acker und Viehwirtschaft urbar machten. Die ersten Häuser waren rechteckig oder quadratisch und mit Reisig gedeckt. Kleine Dörfer, die nie mehr als zwanzig Häuser umfaßten und von 50 bis 300 Menschen bewohnt wurden, bildeten in der Regel politisch und ökonomisch unabhängige Einheiten.(41) Es handelte sich also um Einwanderer, die keine Verbindung mehr zum Ursprungsland pflegten. Möglicherweise handelte es sich um Verbannte, oder um Menschen, die freiwillig das Land auf eigene Faust verlassen hatten, weil das Leben dort ihnen aus irgendwelchen Gründen nicht mehr zusagte, oder auch um Gruppen, die vorher in Gebieten gewohnt hatten, die vom allmählich ansteigenden Meer in Besitz genommen wurden.

Zu Anfang war die von den Atlantern bevorzugte Weidewirtschaft ausschließlich auf die gerodeten Talsohlen beschränkt, allmählich jedoch veränderten die Menschen die Umwelt ihren Bedürfnissen entsprechend, indem sie mehr und mehr die umgebenden Berge urbar machten. Das rasche, für die atlantischen Länder typische Bevölkerungswachstum ging einher mit einer durch den Menschen herbeigeführten Entwaldung, beginnender Überweidung und der darauf folgenden Zunahme und Verbreitung von Krankheiten wie Malaria, Ruhr und Hakenwurmbefall. Tonwaren wurden etwa seit 6500 v. Chr. benutzt. Im vierten Jahrtausend v. Chr. wurden die Siedlungen größer, und es wurde eine Sozialstruktur nach atlantischem Muster erforderlich, die architektonisch in einer hierarchischen Bauweise, mit dem Hauptgebäude im Zentrum der Ansiedlung, ihren Ausdruck fand.

Das Leben der Atlanter auf Kreta. (41)

Während die Kultur auf dem griechischen Festland noch ein paar Jahrhunderte länger in dem eben beschriebenen Zustand verblieb, entwickelte sich auf den Inseln , die in direkter und ständiger Verbindung mit dem atlantischen Mutterland standen, zum Beispiel auf Kreta und auf Thera, ein beachtlicher Stand der Kultur.(41) Man kann mit großer Sicherheit davon ausgehen, daß die Verhältnisse in Iberien, dem Kernland der atlantischen Entwicklung, aus dem aber entsprechende Ausgrabungsergebnisse noch fehlen, noch besser waren.

So entwickelte sich im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts v. Chr. die seit langem bestehende und zunehmend aufblühende bäuerliche Gemeinde auf Kreta durch die Gewinne aus dem an Umfang ständig zunehmenden atlantischen Metallhandel zu einer Luxusgesellschaft, die sich in gewaltigen, herrlich ausgeschmückten Palastbauten manifestierte. Durch den wirtschaftlichen Erfolg und die intensiven Handelsbeziehungen zum atlantischen Mutterland und dem östlichen Mittelmeerraum, entstand dazu auch ein Bedarf an schriftlichen Aufzeichnungen. Bildhafte Zeichen, die an ägyptische Hieroglyphen erinnern, wurden auf Keramik, Siegelsteine und außerdem vermutlich auf weniger haltbare Materialien wie Wachs oder Papyrus graviert oder gemalt. Der größte Teil der bis heute erhaltenen Inschriften wurde in handgroße, blattförmige Tontafeln geritzt. Da diese nach dem Gebrauch nicht gebrannt wurden, wären auch sie heute verloren, hätte sie nicht ein Großbrand, der die Paläste zerstörte, gehärtet.

Dies bedeutet, daß alle erhaltenen Tafeln aus dem letzten Jahr der Paläste stammen ( etwa 1425 v. Chr.) Die Schrift, heute Linear-A genannt, gibt die Sprache der Menschen wieder, die die minoische Kultur geschaffen haben.(41) Da es sich hierbei um Menschen handelte, die im intensiven Kontakt mit ihrem Stammland Iberien standen, könnte diese Schrift auch dort bekannt gewesen sein, oder sogar von dort stammen. Abgesehen von den Numeralen ist Linear-A heute noch nicht dechiffriert und die Sprache daher noch nicht bestimmt. Es ist jedoch sicher , daß es sich nicht um Griechisch handelt (41). Möglicherweise handelt es sich um die erste Schrift der Atlanter. Ihre Entzifferung könnte vielleicht Aufschluß über die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen von Kreta zur atlantischen Zentrale in Andalusien geben

Der nach dem Vulkanausbruch des Thera beginnende politische und wirtschaftliche Erfolg der achaischen Kultur auf dem griechischen Festland, der sich gleichzeitig mit dem Niedergang der minoischen Kultur auf Kreta entwickelte, war ein Ergebnis der Verknüpfung von hochentwickelten künstlerischen Leistungen und technisch hochstehender Metallverarbeitung mit weitreichenden Handelsverbindungen und einer Kriegführung, die so moderne Waffen einsetzte wie zum Beispiel von Pferden gezogene Streitwagen.(41)

Dies weist darauf hin, daß die inzwischen bedeutende Zentralmacht des atlantischen Reiches mit ihrem hohen Stand des Wissens in der Metallverarbeitung und in der Rüstungstechnik einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung hatte. Auch militärisch hat sie offenbar mit ihren Streitwagen bei der Eroberung Südgriechenlands mitgewirkt. Als eigene Entwicklung produzierten die Achaier eine hervorragende schöne Keramik, die zwischen 1400 und 1250 v. Chr. in der ganzen Ägäis zu finden war. Sie trieben eifrig Handel mit Zypern, Syrien, Palästina, Ägypten und der Westküste von Kleinasien. Man tauschte Felle, Holz. Wein, Olivenöl und Purpurfarbstoff gegen Leinen, Papyrus, Seile und Steingefäße.(41)

Die begehrteste Importware aber waren sicher Rohmetalle, denn es gibt in Griechenland weder Kupfer- noch Zinnminen. Der Lieferant für diese Rohmetalle war der zentralisierte atlantische Metallhandel. Die Lieferungen von Rohware, vor allem der für die Anfertigung von Waffen unentbehrlichen Bronze, erfolgte wahrscheinlich fast ausschließlich über die atlantische Filiale Troja. Fertige Metallobjekte zählten dagegen zu den wichtigsten Exportgütern aus Griechenland.(41) So ist auch die Aufregung zu verstehen, die offenbar die Nachricht vom Untergang von Tharsis und damit der sich ankündende Wegfall der Lieferung von Rohmetall auslöste. Die Interpretation einer Linear-B-Tafel, die aus den letzten paar Monaten stammt, bevor der Palast von Pylos in Flammen aufging, deutet jedenfalls auf eine Metallverknappung hin, was ein Hinweis darauf sein könnte, daß der Seehandel unterbrochen war.

Der Tafel ist zu entnehmen, daß man Bronzegegenstände sammelte , möglicherweise weil man sich darauf vorbereitete, einen Angriff abzuwehren. (41) Dieser Angriff fand dann auch statt , wie die Zerstörung und Beraubung der Paläste beweist. Wahrscheinlich hat die Nachricht vom Untergang der ordnungsschaffenden atlantischen Zentralmacht vielen raublüsternen Kräften den Mut gegeben, lang aufgestauten Neid und Haß in räuberischen Überfällen auszuleben. Und dies war dann der Anfang vom Ende der achaischen Kultur.

Atlantisches Leben , Sitten und Religion in Kanaan und Phönizien.(7)

Die Kanaaniter und später ihre karthagischen Nachfahren haben, so wendig und allem Fremden aufgeschlossen sie sich sonst zeigten, in religiösen Dingen eine ausgesprochene Individualität bewahrt, eine merkwürdige archaische Haltung. Wie befremdend und abstoßend dies auf ihre Umwelt auch manchmal gewirkt haben mag, so lag darin doch auch eine gewisse Größe, ein Beweis, daß im Grunde ihres Wesens religiöse Leitbilder lebendig waren, denen sie fanatisch die Treue hielten und für die sie sich bis zum Schluß mit ihrem ganzen Sein, selbst bis zum Opfertod, einzusetzen vermochten.(7)

Durch Ausgrabungen wurde ein ganzer Stadtteil von Ugarit freigelegt, der die Stadt in den letzten Jahrhunderten ihres Bestehens, etwa vom 15. bis zum 12. Jahrhundert v. Chr. zeigt. Dies war auch die Zeit der höchsten Ausdehnung des atlantischen Reiches und so kann davon ausgegangen werden, daß der Baustil von Ugarit den Stand der atlantischen Architektur dieser Zeit wiedergibt. Ugarit hatte gerade, sich rechtwinklig kreuzende Straßen mit Steinhäusern , die zu Quartieren zusammengefaßt waren und je einen Tempel für den alten Korngott Dagon und seinen Sohn Baal, die aus dem Beginn des zweiten Jahrtausends stammen. Es gab Paläste der Oberschicht mit zahlreichen Räumen, mit Bädern und hygienischen Anlagen und meist noch einem Obergeschoß, in dem die eigentlichen Wohnräume lagen. Eine sorgfältig angelegte Kanalisation unter den Häusern leitete die Abwässer bis vor die Stadtmauern hinaus. Zu jedem größeren Gebäude gehörte ein Hof mit einem gemauerten , überdachten Brunnen.

Die vornehmen Geschlechter besaßen oft geradezu königlich ausgestattete Familiengrüfte unter ihren Häusern. Ein Gang führte hinab zu diesen unterirdischen Räumen, die in ihrer Konstruktion aus großen Platten und Quadern stark an kretisch- mykenische (7) und iberische atlantische Grabbauten z.B. in Antequera erinnern. Im 18. und 17. Jahrhundert deckten sie breite Platten wie in den Dolmengräber der alten atlantischen Zeit um 2500 v. Chr.( Cueva de Menga in Antequera ), später unechte Kraggewölbe mit deckelähnlichem Steinverschluß der neueren atlantischen Art aus der Zeit um 1800 v. Chr. ( Cueva de Romeral in Antequera ) . Die Leichen wurden , in Matten und Tücher gehüllt, auf den Boden gelegt. Das heiße, trockene Klima Syriens ließ sie rasch verdorren. Die Kammern der Toten wurden durch Mauerwerk vor ihren lebenden Nachbarn dicht verschlossen. Wie in den Schachtgräbern von Mykene gab man den Toten große Mengen von kostbaren Beigaben mit, die sie im Jenseits erfreuen sollten. Allerdings fand man die meisten Grüfte ihrer goldenen, silbernen und bronzenen Wertgegenstände beraubt . Die Keramik, die Fayencegefäße und Elfenbeinarbeiten hatten aber zum Glück weniger Interesse bei den Plünderern geweckt und so war die archäologische Ausbeute immer noch reich genug.

Die große Menge mykenischer Gefäße, die Bauart der späteren Gräber und die ganze Form des Totenkults sprechen dafür, daß die Oberschicht von Ugarit im 14. bis 13. Jahrhundert mehr kretisch-achäisch (7), oder besser atlantisch d.h. nach Westen orientiert als semitisch d.h. nach Osten orientiert war. Eines der berühmtesten Fundstücke aus Ugarit ist der fein geschnitzte Deckel einer Elfenbeinbüchse. Er zeigt in Reliefarbeit die kretische Fruchtbarkeitsgöttin mit dem charakteristischen Kopfputz, dem weiten Prunkrock und nacktem Busen, zwischen zwei aufrecht stehenden Böcken, denen sie Ährenbüschel reicht. Auch eine eigenartige Vase mit einer weiblichen Gesichtsmaske in kretisch - mykenischem Stil grub man aus. Dies alles zeigt, daß die starke Berührung der achäischen mit der kanaanäischen Welt, eher auf einer Zuwanderung der Atlanter, Kreter und Achäer in Phönizien beruhte, als auf einer Ansiedlung von Phöniziern in Griechenland. Das bedeutet, daß, entgegen der alten Geschichtsvorstellung, das Wanderungs- und Kulturgefälle in dieser Zeit von Westen nach Osten und nicht von Osten nach Westen ging.

Daß Kanaan lange vor Griechenland zum atlantischen Kulturbereich gehörte, beweisen die zyklopischen Bauten mit weit älterem Entstehungsdatum. So entstanden zum Beispiel die Zyklopenburgen der Kanaaniter teilweise schon tausend Jahre früher als die Festungen der Könige von Mykene, Tiryns oder Orchomenos. Die Phönizier hatten als Abkömmlinge der Atlanter immer eine besondere Vorliebe für Bauten megalithischer oder zyklopischer Art, bei denen oft riesenhafte Blöcke verwendet wurden. Diese Bauweise findet sich bei ihnen noch weit ins erste Jahrtausend hinein bei Hafendämmen, Heiligtümern und Befestigungsmauern. Diese schon lange bekannte Tatsache führte dann auch zu dem falschen Schluß, daß die Megalithbauweise in Griechenland aus dem Osten importiert wurde und dies wurde dann fortgesetzt in der Annahme, daß dies auch für die übrige Kultur gelte. Dies war verständlich für eine Zeit, in der der Megalithbauten in Iberien noch nicht bekannt oder sein Alter noch nicht bestimmbar war, kann aber heutzutage nicht mehr aufrechterhalten werden.

Unter allen Zeugnissen altphönizischer Kultur, die der Boden von Ugarit freigegeben hat, sind die für die Wissenschaft kostbarsten und unscheinbaren Tontafeln, die man in einem Gebäude fand, das man dann die "Bibliothek" nannte. Sie sind mit eingravierten Zeichen bedeckt, die an die babylonische Keilschrift erinnern. Zunächst schien die Schrift von Ugarit unlesbar, obwohl man feststellte, daß es sich um eine Art Alphabet mit nur 28 bis 30 Zeichen handelte.(7) In Zusammenarbeit von deutschen und französischen Sprachforschern gelang dann aber schon in den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts die weitgehende Enträtselung der meisten Texte. Es handelte sich größtenteils um eine Schrift , die man dann "Altkanaanäisch" nannte, eine Ursprache, aus der sich die phönizische, die hebräische und die moabitische Sprache entwickelt hatten. Sie steht dem Altarabischen wie dem Akkadischen nahe und wurde ursprünglich im Süden Kanaans gesprochen.

Damit können die Kanaaniter (7) oder vielleicht doch die Atlanter als Erfinder der Buchstabenschrift gelten, man hat jedenfalls eine Anzahl von Übergangsstufen zum phönizischen Alphabet in Kanaan entdeckt und im 13. Jahrhundert war die Erfindung eines Alphabets von 22 Konsonanten - die Vokale schrieb man nicht - schon lange vollendet.(7) Zu dieser Zeit beherrschten schon die einfachen Bauleute diese Schrift, was aus dem Gekritzel an der Wand des Grabschachts von König Ahiram von Byblos hervorgeht. Die Tontafeln von Ugarit vermittelten außer Erkenntnissen über die Religion und die Entwicklung des Alphabets bei den Phöniziern auch einen lebendigen Eindruck von der kosmopolitischen Atmosphäre dieser Stadt, die das Urbild eines Hafens der atlantischen Zeit war.

Die Schreiber aus der Bibliothek, die wohl eine Art Schule war, gebrauchten oft Kanaanäisch und Babylonisch auf derselben Tafel. Es gab auch sumerisch - akkadische Wörterverzeichnisse unter den Tafeln.(7) Am interessantesten sind aber die Informationen , die aus dieser Bibliothek über die Religion der Kanaaniter entnommen werden können. Stellen sie doch zur Zeit die älteste schriftliche Quelle für eine Religion dar, die der atlantischen weitgehend gleich oder ähnlich war. Andererseits fällt auf, daß, bis auf wenige Abweichungen, der kanaanäische Götterhimmel auch dem der alten Sumerer entspricht. Ob dies nun darauf beruht, daß Kanaan den Götterhimmel von Sumer übernommen hat, oder ob der alte atlantische Götterhimmel von Anfang an mit dem sumerischen übereinstimmte, da beide Kulturen aus einer ähnlichen außerirdischen Quelle gespeist wurden, ist zur Zeit noch schwer zu sagen.

Da es sich aber bei beiden Kulturen um sehr alte Ursprungskulturen handelt, die sich parallel entwickelten, kann man wohl davon ausgehen, daß es sich nicht um eine übernommene, sondern um eine im Ursprung gleiche Götterwelt handelt, was ihren Wahrheitswert natürlich erheblich steigert. Um das eben gesagte deutlich werden zu lassen, werden im Folgenden den kanaanäischen Göttern jeweils die entsprechenden Sumerischen zugeordnet.

An der Spitze des phönizischen Pantheons steht der Gott EL. Nur die Kanaaniter bezeichnen ihre Hauptgottheit einfach mit dem Namen EL, das heißt GOTT. Sicher hat dies auch zur Entwicklung des alttestamentarischen Gottesbegriffes beigetragen. EL ist der König und Herr aller Götter, Schöpfer des Universums und von höchster Weisheit. Er wurde auch Beth EL "Wohnung des EL" genannt.(7) Sumer kennt an dieser Stelle den Gott "AN" . Er entspricht im wesentlichen der Beschreibung von "EL".

Nach EL kommt im Range Baal, dessen Name an sich nur "Herr" bedeutet, mit dem aber der libanesische Berg- und Wettergott Hadad gemeint ist.(7) Man stellte diesen Gott meist als kräftigen, bärtigen Mann dar, einen Blitzstrahl schwingend, oft auch noch eine Steinkeule. Der Stier war sein Symbol , was wiederum auf die atlantische Abstammung hinweist. Auf phönizischen Stelen steht er auf dem Rücken des Stiers. Dieser Gott erscheint in vielen Abwandlungen als Adad in Mesopotamien, als hethitischer Wettergott Teshub, als Baal Hadad in Phönizien. In Palästina wird er Baal Saphon, "Baal des Nordens" genannt. Er wird als Krieger mit Hörnerhelm und einem Blitz in der Hand wie die horitischen oder hethitischen Wettergötter dargestellt. Baal ist ein Gott der Extreme, des zerstörenden Gewitters wie auch des befruchtenden Regens. (7) Sumer kennt hier den Gott Enlil, der Gott der Lüfte ist, und die Macht hatte, die Könige Sumers ein- und auch abzusetzen. Wie Baal greift er also wie ein "Herr" in das Geschehen auf der Erde ein und ist deshalb wahrscheinlich im Ursprung gar kein echter Gott, sondern ein außerirdischer Kulturbringer, der später zum Gott erhoben wurde. Diesem Bild entspricht auch, daß ihm, wie fast allen "Göttern zweiten Ranges" -nämlich den nach "AN" kommenden- eine Stadt als Eigentum zugeordnet ist. Bei Enlil ist es Nippur.

Aliyan Baal, der später als Sohn von Baal Hadad gilt , war ursprünglich wohl der ältere Gott. Er war der Hüter der Quellen und Brunnen und der zeitweise fließenden Flüsse ( also der unterirdischen Wasserläufe ). Er läßt das Korn wachsen, kann aber auch Überschwemmungen verursachen. Seine Wohnung "Zebul" befand sich anfänglich in den Tiefen der Erde. Aliyan Baal als Quellengott war zugleich auch Meergott.(7) In dieser Funktion entsprach er dem Poseidon der Griechen und dieser war nach Platon der Gründer, Stammvater und Schutzgott von Atlantis. Im westatlantischen Raum von Frankreich und Germanien erscheint er als BEL oder BELEN. Sumer kennt an dieser Stelle Enki mit nahezu gleichen Eigenschaften. Er ist hier Gründungsgott von Eridu, das als älteste Stadt der sumerischen Ansiedlung in Mesopotamien gilt und dürfte wie Enlil ebenfalls im Ursprung ein außerirdischer Kulturbringer gewesen sein. In Sumer gilt er darüberhinaus als an der Erschaffung des kulturbewußten Menschen beteiligt. Als Experte für unterirdische Gewässer und Lebensräume stammte er möglicherweise von einem Planeten, auf dem das Leben vorwiegend unter der Oberfläche stattfindet. (Vielleicht dem Mars ?)

Das verblüffende ist, daß es hier erstaunliche Parallelen zwischen Göttern und Umständen der Stadtgründungen in der Kultur von Atlantis und in der Kultur von Sumer gibt. Beide lagen in der Nähe des Meeres in fruchtbaren Flußebenen und beide entstanden von Anfang an mit einem hohen Niveau an Wissen und Kultur. Beiden vorangegangen waren dazu andere untergegangene Kulturen, Atlantis II die Kultur von Atlantis I und Sumer die Induskultur. Auch der Zeitpunkt der Gründung der Kulturen kann als identisch angenommen werden. Beiden gemeinsam war auch ihre friedliche Grundeinstellung, was sie in den Augen der oft recht unfriedlichen Nachwelt als Kulturen des "goldenen Zeitalters" erscheinen ließ.

Doch weiter zur Götterwelt der Kanaaniter. Die Schwester, manchmal auch die Geliebte des Aliyan ist Anath, die kriegerische Jungfrau, wohl eine Erscheinungsform der Astarte und in der Spätzeit mit ihr unter dem Namen Atargatis verschmolzen. Astarte entspricht als Fruchtbarkeits- und Liebesgöttin der babylonischen Ishtar oder der sumerischen Inanna. Wie in Babylonien genoß sie auch in Phönizien hohes Ansehen. In ihrem Dienst vollzog sich die kultische Prostitution der weiblichen und männlichen Hierodulen, die zu ihren Heiligtümern gehörten. Die Fruchtbarkeitsmagie der Vorzeit, vielleicht auch etwas von den uralten androgynen Vorstellungen lebte in diesen Bräuchen fort. Das Prinzip der Fruchtbarkeit wurde in weiblicher wie in männlicher Gestalt verehrt. Ursprünglich war es vielleicht auch als eine androgyne Gottheit vorgestellt, in der sich die kosmologischen Begriffe "männlich" und "weiblich" einten und zu einer Gottheit wurden, die aus sich selbst zu zeugen vermochte. Die ältesten Götter der ägyptischen und vieler anderer Religionen sind oftmals doppelgeschlechtlich, und auch in der Frühzeit Vorderasiens gibt es zahlreiche androgyne Idole.(7)

In Sumer ist Inanna über die bereits genannten Funktionen hinaus die Göttin, die den Menschen die "ME" gebracht hat, das heißt die Fähigkeiten, die ursprünglich den "Göttern" vorbehalten waren. Man kann das in übertragenem Sinne wohl so verstehen, daß sie als Fruchtbarkeits- und Liebesgöttin entscheidend dazu beigetragen hat, daß die Gene der Außerirdischen und damit viele ihrer geistigen Qualitäten über menschliche Frauen auf die Erde übertragen wurden. Und das über das eigentlich für die Menschen vorgesehene Maß hinaus. Die Stadt Inannas ist Uruk.

Der Feind und Gegenspieler des Baal und des Aliyan Baal ist Mot oder, wie er später genannt wird, Molk. Wie Baal und sein Sohn die Keimkraft der Vegetation in der winterlichen Regenzeit, das lebensspendende Quellwasser und die im Frühjahr sprießende Vegetation verkörpern, so ist Mot, der über die ausgetrocknete Erde regiert, die Personifikation des Sommers und der Ernte. Er regiert auch das Reich des Todes. In Sumer hat die Regentschaft über das Totenreich die Schwester Inannas Ereschkigal. Dies könnte im übertragenen Sinn bedeuten, daß die Domäne Inannas, Liebe, Zeugung und Geburt, als die Schwester des Todes, der Domäne Ereschkigals, empfunden wurde.

Der Tod war in Sumer und in Mesopotamien auf Grund der ständigen kriegerischen Auseinandersetzungen, bei denen auch die nichtkämpfende Bevölkerung wahllos und ohne jede Rücksicht erschlagen und getötet wurde, etwas, was zum Leben dazugehörte. Die Menschen wurden selten alt und lebten in dem Bewußtsein ihrer Wiedergeburt nach ihrem frühen Tod.

Nach Ausgrabungsergebnissen in Bahrein, dem Dilmun der Sumerer und Vorläufer der sumerischen Ansiedlung auf dem Festland erreichten die Menschen hier selten ein Alter, das über 40 Jahre hinausging (12). Diese etwas erstaunliche Tatsache erklärt möglicherweise auch von den Anfängen der sumerischen Kultur her ein anderes Verhältnis zum Tod und damit auch zur zugehörigen Götterwelt als im atlantischen Bereich, wo die Menschen nach entsprechenden Ausgrabungsergebnissen etwa doppelt so alt wurden.

Im weiteren Götterhimmel beider Kulturen finden wir dann die Naturgottheiten der Sonne, in Kanaan-Atlantis Shamash, in Sumer Utu, und des Mondes , in Kanaan- Atlantis Nikal, in Sumer Nanna. Sumer, als stark von kriegerischen Auseinandersetzungen geprägtes Gebiet ,kennt dazu eine Reihe von Göttern des Krieges wie Ninurta von Nippur, Zababa von Kisch und Ningursan von Lagasch. Darüberhinaus gibt es eine Unzahl von Stadtgöttern in beiden Kulturen. Bemerkenswert im atlantisch-kanaanäischen Raum ist noch das Vorhandensein eines göttlichen Ingenieurs, Schmiedes und Baumeisters mit Namen Usoos. Er war möglicherweise als außerirdischer Kulturbringer für die Übermittlung des besonders die Atlanter auszeichnenden technischen Wissens zuständig.

Die religiösen Dichtungen von Ugarit wurden wohl anläßlich kultischer Zeremonien zitiert, vielleicht sogar aufgeführt. Eine von ihnen, ein Schöpfungsmythos, ist zweifellos ein Drama mit Musikbegleitung.(7) Er wurde wahrscheinlich nach Abschluß eines siebenjährigen Zyklus , der bei den Kanaanitern wie auch noch bei den Hebräern eine große Rolle spielte, aufgeführt. Die Handlung schildert die Geburt zweier Götterpaare und sollte wohl die Gnade der Götter und die Fruchtbarkeit im nächsten Siebenjahreszyklus sichern. In die Handlung sind immer wieder Anrufungen der Götter eingefügt. In seinem ersten Teil geht es um die Wiederkehr des Aliyan Baal und einen Tempel für dessen Vater Baal Hadad, zu dessen Bau EL die Erlaubnis geben soll. Die Göttin Anath tritt als Vollstreckerin eines blutigen Opferrituals auf, wobei sie Scharen von Kriegern tötet, bis sie bis zu den Hüften im Blut der Erschlagenen watet. Sie taucht dann ihre Hände in das Blut der Opfer und färbt damit ELs weißen Bart rot, mit anderen Worten : Sie verjüngt ihn durch das geopferte Blut.

Nach dieser mörderischen Orgie, in der die Grausamkeit der menschenopfernden frühen Kulte lebt, aber wäscht sie sich mit dem Tau der Erde und des Himmels und mit dem Regen des "Wolkenreiters" Baal. Nach der Wildheit der Schlachtscene wechselt die Dichtung hin zu Bildern voll zarter Poesie, bei der auch die Sterne gleichsam als Tautropfen des Himmels der Reinigung der schönen Göttin dienen. EL gibt nun die Erlaubnis zum Bau des Tempels und dieser wird nach verschiedenen Schwierigkeiten und Kämpfen, die sich aus den Textbruchstücken nur schwer rekonstruieren lassen, von Usoos, einem göttlichen Ingenieur, der als Baumeister und Schmied wie der griechische Hephaistos bezeichnet wird, in Angriff genommen. Er ist aus Ziegeln, was für das hohe Alter des Mythos spricht, und wird mit Zedernholz gedeckt. Zur Feier seiner Vollendung erfolgt ein gewaltiges Opfer von Stieren, Kälbern, Schafen, Widdern und Lämmern.(7) Nach seinem Triumph aber muß sich das Schicksal Baals erfüllen. Mot ruft ihn in die Unterwelt. Er steigt in Begleitung seines Sohnes Aliyan Baal, seiner zwei Töchter und von sieben Dienern zu seinem Feinde hinab. Vor seinem Tode vollzieht er noch eine geheimnisvolle Vereinigung mit einer Kuh. Der Mythos spricht hier wohl eine rituelle Handlung an, die sich auf die Fruchtbarkeit der Herden bezog,(7) möglicherweise aber auch auf die Veränderung der Gene der wildlebenden Rinder durch die "Götter" angespielt, die aus ihnen friedliche Haustiere machte.

Das Verschwinden der Vegetationsgötter stürzt die Welt in tiefe Trauer. Selbst EL steigt von seinem Thron und vollbringt Trauerriten, wie wir sie aus der Schilderung der Bibel vom Schmerz Jacobs um seinen Sohn Joseph kennen. Anaths Verzweiflung ist groß, sie findet mit Hilfe der Sonnengöttin Shamash den Leichnam ihres Bruders Aliyan Baal und bestattet ihn. Doch ihr Schmerz ist ohne Ende. Sie fleht Mot, der nun die Erde regiert, an, ihr den Bruder zurückzugeben. Mot stößt sie zurück, und nun geht sie zum Angriff über und tötet ihn. Sie zerschneidet seinen Körper (7) , röstet und zermahlt ihn und streut ihn auf die Felder. Mit dieser Opferung des Gottes, in der vielleicht die Vorgänge der Ernte und der Getreidebereitung symbolisch dargestellt werden (7)möglicherweise aber auch die der Düngung der Felder , bewirkt Anath die Rückkehr des Aliyan Baal, aber auch die Befreiung des im Korn gefangenen Erntegeistes.

EL kann nun die Wiederkehr von Aliyan Baal verkünden und er verspricht dabei,"die Himmel werden Fett regnen lassen, und in den Flüssen soll Honig fließen". Der getötete, aber durch den Opferritus der Anath wiedererstandene Mot kämpft dann nochmals mit Baal und muß schließlich als Besiegter in die Unterwelt zurück. Ein ähnliches Thema, das sich auch auf den Agrarkult bezieht, wird noch in dem Daniel-Epos behandelt. Eine andere Dichtung besingt die Hochzeit der Mondgöttin Nikal.(7) Die kanaanäischen Götter und ihre Mythen, wie sie uns durch die Dokumente von Ugarit für das 2. Jahrtausend überliefert sind, verraten, wie bereits erwähnt, deutlich ihre Ähnlichkeit mit Mesopotamien und Nordsyrien, sie enthalten auch ein System von magischen Riten, um die als beseelt empfundene Natur zu beeinflussen.

Die Texte von Ugarit haben das Wissen um die geistigen Hintergründe der altkanaanäischen und damit der atlantischen Welt sehr bereichert. Wir wissen nun aus authentischer alter Quelle und nicht nur aus dem aus zweiter oder dritter Hand stammenden Bericht Platons, daß Priesterkönige dieses frühe Atlantis regierten, die sich, wie die Pharaonen, göttlicher Abstammung rühmten und religiöse Verehrung genossen. Wenn der König erkrankte, bedeutete dies Unheil für das ganze Land. Vom Thronfolger heißt es, daß er an den Brüsten der Göttinnen gesäugt worden sei. Wie von der Gottheit erwartet man auch vom König Güte und Gerechtigkeit. Er schützt und erhält die Witwen und Waisen, die Armen und die gebrochenen Geistes sind. Selbstverständlich erstreckte sich die Machtstellung des Königs auch auf seine Sippe, die an den Schlüsselstellungen des Staatswesens saß und besonders auch die wichtigen Priesterämter innehatte.

Die seßhafte Bevölkerung war in Stände eingeteilt, die wahrscheinlich erblich waren: in Priester, Krieger, Handwerker usw. Eine wohlorganisierte Verwaltung regelte die Erfüllung der Pflichten gegen den Staat und die Rechte der Bürger. Der Staat zahlte in Silber oder Waren. Die Abgaben wurden in Silber, Arbeit oder auch Waren entrichtet. Die Militärmacht bestand aus einem Landheer, bei dem es Fußvolk und Wagenkämpfer gab, und aus der Marine. Die Soldaten waren gesetzlich bevorzugt, und die Veteranen bekamen Land und Existenzmittel. Ebenso war die Priesterkaste bevorzugt und hatte eine wichtige Funktion bei den militärischen Unternehmungen. Sie sollte sie nach dem Willen der Götter, die sich ihnen in Träumen, Orakeln und Zeichen kundtat, lenken helfen.

Die Kriegssitten waren in Atlantis wie in Kanaan von "orientalischer Grausamkeit". Um die Zahl der getöteten Feinde besser feststellen zu können, hackte man ihnen die Köpfe und Hände ab. Sehr gebräuchlich war das Pfählen. Alle diese Kennzeichen der Organisation des Staatswesens sind auch aus Ägypten bekannt, was noch einmal und zusätzlich beweist, daß Atlantis, Kanaan und Ägypten aus derselben außerirdischen Quelle mit dem Wissen zur Gründung und Aufrechterhaltung eines in der damaligen Zeit auf Dauer funktionierenden Staatswesens ausgestattet wurden. Allen Staatsneugründungen, die diese "göttlichen Regeln" nicht beachteten, sei es aus Unkenntnis, sei es aus vermeintlichem Besserwissen, war danach nur noch eine kurze Existenz beschieden.

Sie gingen, oft nach beachtlichen Anfangserfolgen, meist schon nach Jahrzehnten , spätestens aber nach Jahrhunderten an durch menschliche Schwächen verursachten inneren Konflikten oder infolge der darauf beruhender Schwäche, sich gegen äußere Feind zur Wehr zu setzen, zugrunde. Das galt für die damaligen Nachfolgestaaten Griechenland und Rom und gilt weiter durch die ganze Geschichte bis in die heutige Zeit.

Das Familienleben war in Phönizien, wie auch bei den Ägyptern und Hebräern, patriachalisch. Der Mann war das Familienoberhaupt und hatte mehrere Frauen, die nicht alle von gleichem Rang waren. Der Haupterbe nahm unter den Nachkommen ebenfalls eine Sonderstellung ein und hatte einen eigenen Titel. Das Oberhaupt einer Familie war nicht nur Herr der Kinder und Frauen, sondern auch seiner jüngeren Brüder. Die in der Bibliothek von Ugarit aufgefundene Legende vom König Keret gibt anschaulich die Vorstellungen der Gesellschaft von wohlgeratenen Kindern wieder.

Die gute Tochter holt darin Wasser, verwaltet die Vorräte und hat die Gabe der Weissagung. Der Sohn hat die religiösen Zeremonien, vor allem auch jene für die Toten, zu vollziehen, er muß den betrunkenen Vater sorgfältig heimgeleiten, hält dessen Haus in Ordnung und wäscht seine Kleider. Trotz ihrer dem Manne untergeordneten Stellung konnten Witwen Alleinerbinnen sein. Ihre Söhne hatten ihnen zu gehorchen, und sie konnten sie sogar verstoßen. Die Sklaven, deren Handel einer der blühendsten Geschäftszweige der Phönizier war, bildeten einen wesentlichen Teil ihrer Gesellschaftsordnung. Sie hatten aber die Möglichkeit des Freikaufs.(7)

Aus ägyptischen Darstellungen und den homerischen Dichtungen haben wir ein Bild von der Tracht und dem Kleiderluxus der Phönizier und man kann wohl davon ausgehen, daß diese Art sich zu kleiden auch für die anderen bedeutenden Handelsstädte des atlantischen Reiches galt. Während man im Nilland durchsichtige zartplissierte Leinengewebe trug, liebten die Kanaaniter komplizierte und prunkvolle Kleidung, wie man sie später auch auf assyrischen Reliefs sieht. Starke Farben, schwere Stickereien, Borten und Schärpen kennzeichneten diese kostbaren Gewänder.

Die berühmte Purpurfarbe, die mehr ein tiefes Violett als ein Rot war, wurde in vielen Tönen bis zum hellen Rosa und Lila variiert. Streifenmuster waren besonders beliebt. Die Stickereien aus Sidon waren in der ganzen alten Welt hochgeschätzt.(7) Diese Art sich zu kleiden, galt natürlich nur für die Reichen und Wohlhabenden. Vor allem bei den Kaufleuten war es üblich den erworbenen Wohlstand in der Kleidung zu zeigen. Die einfachen Leute und die Haussklaven mußten sich mit sehr viel einfacherer Kleidung zufriedengeben. Das Leben der Sklaven war oft nicht einfach, wurden sie doch oft schon in sehr jungen Jahren und manchmal sogar von ihren eigenen Eltern verkauft. Das Schicksal eines jungen Mädchens aus Ugarit soll hier kurz zeigen, wie das Leben dieser Leute oft aussah (19). Die Geschichte wirft auch ein bezeichnendes Licht auf die in wohlhabenden Kreisen üblichen sexuellen Gepflogenheiten.

Das Mädchen berichtet : "Als ich vierzehn geworden war, kam mein Vater eines Nachts zu mir und unterwarf mich seiner Männlichkeit. Als ich das meiner Mutter klagte, gab sie mich an einen Sklavenhändler, der mich an einen Kaufmann aus Tyrus verkaufte. Bei ihm lernte ich, wie man den Männern Lust bereitet. Als ich mich anfangs wehrte, nahm er mir die Kleider fort, fesselte meine Hände auf den Rücken und legte um meinen Hals eine silberne Kette, damit ich nicht entfliehen konnte. Wenn er mit seinen Freunden beim Gelage weilte, mußte ich nackt an seinem Tische knien. Bald siegte der Hunger über meinen Stolz, und ich nahm Bissen, die er in seinen Schoß fallen ließ, mit meinem Mund auf. Ich verzichtete darauf, ihm Widerstand zu leisten und versuchte, ihm im Gegenteil Freude zu bereiten. Er ließ mich dann nie wieder hungern.(19)

Der Kaufmann hatte, wie es bei den Phöniziern Sitte ist, mehrere Frauen. Sie wollten meine Jugend ebenfalls genießen und baten ihn, mich ihnen auszuleihen. Sie liebten es, die letzten Winkel und Höhlungen meines Leibes zu erforschen, und lehrten mich die Frauenliebe. Am meisten liebten sie es, dort von mir liebkost zu werden, wo sie ihr Mann kurz zuvor verlassen hatte. Es brachte sie in Hitze und sie lobten unter Seufzern meine Geschicklichkeit. Nach drei Monaten hatte ich soviel Zuneigung meines Herrn gewonnen, daß ich es wagte, ihn um ein Kleid zu bitten. Er lachte, und ließ einen Schneider kommen. Der Meister maß mir ein Gewand aus dünner weißer Seide an, das mich vom Hals bis zum Fuß bedecken konnte. Doch als es fertig war und ich es freudig überstreifte, stellt ich fest, daß drei kreisrunde Löcher in den Stoff geschnitten waren - zwei dort ,wo sich mein Busen hob und eins wo sich der flaumbedeckte Hügel meines Schoßes befand. Das hatte sich mein Herr vom Schneider gewünscht, damit ich ihm auch jederzeit zugänglich sei.(19)

Mein Herr pflegte mich nur zu nehmen , wenn wir zu zweit waren. Er hatte dabei eine besondere Art , die mir sehr gefiel. Da ich noch sehr jung und eng in meinen Öffnungen war, er jedoch als reifer und erfahrener Mann über eine starke Männlichkeit verfügte, die, wenn ich auf dem Rücken lag in der üblichen Weise nur schwer in mich eindringen konnte, pflegte er sich anfangs auf meine linke Seite zu legen, und zwar so, daß er mein gespreiztes linkes Bein vor seinem Bauch und seiner Brust hatte. Mit der linken Hand konnte er nun leicht die Lippen meines Untermundes öffnen und mit der reichlich vorhandenen Flüssigkeit seine Männlichkeit anfeuchten, die nun dank der reichlichen Benetzung und meiner stark gespreizten Schenkel leicht eindringen konnte. War sie einmal darinnen , dann weitete sich der Eingang meines Untermundes voll Wohlbehagen und es war jede andere Möglichkeit der innigen Vereinigung, von denen wir oft sehr viele nacheinander probierten, möglich. So vergnügten wir uns oft lange Zeit , bis er in volle Hitze geriet.

Seine drei Söhne jedoch, die nur wenig jünger waren als ich, liebten es, zu gleicher Zeit sich an mir zu vergnügen, wobei ein jeder eine andere Öffnung meines Leibes wählte. Sie führten mich auch oft ihren Freundinnen vor, blutjungen und bildhübschen Mädchen aus den edlen Familien Phöniziens. Auch sie erkundeten gern mit den Fingern die Heimlichkeiten meines Körpers und gerieten dabei so in Hitze, daß sie ihre Gewänder hoben und sich von den drei Söhnen meines Herrn und auch von mir zufriedenstellen ließen. Eins dieser Mädchen, ein zierliches, schwarzhaariges Geschöpf von höchstens dreizehn Jahren, band sich sogar künstliche Männlichkeit aus einem Tempel der Astarte um ihre noch knabenhaften Lenden und drängte sich damit in mich, während der jüngste der drei Söhne meinen Mund besaß.(19)

So waren alle Teile meines Körpers, die für die Liebe geschaffen sind, oft im Besitz fremder Menschen, die sich an ihnen vergnügten, ohne mich fragen zu müssen, und ich will nicht verhehlen, daß ich selber Lust dabei empfand, dem fremden Willen zu gehorchen. Denn es ist Schwäche, was Frauen bereit macht, und sie unterwerfen sich gern, wenn sie es auch oft aus Scham nicht gestehen wollen."(19)

Sitten und Lebensformen in Karthago.(23)

Karthago, als atlantischer Staat der dritten Generation, hatte es naturgemäß schwerer als die Staaten der zweiten Stufe. Das geistige und schöpferische Potential der ursprünglichen Atlanter hatte sich auf Grund der Ausbreitung über nahezu den ganzen Mittelmeerraum und den vorderen Orient bis hin nach Indien und der damit zwangsläufig verbundenen Vermischung mit anderen Völkern verflacht. Neue Impulse kamen aufgrund der dafür ungünstigen Lage an der Nordküste des weitgehend kulturell anders orientierten und damit für die Neusiedler "barbarischen" Afrikas nicht aus dem Hinterland. Und den Einflüssen, die über das Mittelmeer aus den neuen Staaten Griechenland und Rom kamen, verschloß sich innerlich das archaisch orientierte Karthago, das sich im Besitz der höheren Werte fühlte.

Wenn aus diesem Grunde die Kunst in Karthago auch nicht zu einer hohen Blüte kam und sich in der oft mangelhaften Nachahmung phönizischer, ägyptischer und achäischer Vorbilder erschöpfte, so blieb doch die Technik des Bauens gut. Man baute in alter atlantischer Tradition aus großen Sandstein- oder Kalksteinblöcken, die oft ohne Mörtel zusammengefügt wurden. Die Decken bildeten vorkragende Blöcke mit dem Abschluß durch eine Zedernholzdecke. Zur Gewinnung der Steine bohrte man, nach der Erschöpfung der Steinbrüche auf der Halbinsel, gewaltige Tunnels in die Kalkschichten des Kap Bon.

Aus Grabungen geht hervor, daß der politische Umschwung nach den großen Verlusten in den Seeschlachten von Salamis und Eurymedon gegen die Griechen , auch auf religiösen Gebiet von einer radikalen Reform begleitet wurde. An die Stelle des alten Gottes Baal trat als erste im Rang die Göttin Tanit "Antlitz Baals" und im zweiten Rang der Himmelsherr Baal Hammon.(23) Tanit wurde im Laufe der Zeit zur Schutzpatronin und zur eigentlichen Königin der Stadt. Die Bezeichnung "Antlitz Baals" , die der Göttin dauernd gegeben wird, deutet darauf hin, daß sie ursprünglich nur als seine weibliche Erscheinungsform, als eine Art Spiegelung des Gottes betrachtet worden ist. Es könnte sein, daß angesichts der Tatsache , daß Karthago von einer Frau , nämlich Dido, gegründet worden war, und andererseits der gefährlichste Gegner Karthagos - Athen - mit großem Erfolg die Schutzgöttin Athene als Motivation für seine Krieger verwendete, das Bild einer Göttin geeigneter erschien, um die Kämpfer zu größtem Einsatz zu veranlassen. Auch kann Tanit als karthagische Form der kanaanitischen Anath oder Astarte oder der babylonischen Ishtar angesehen werden.

Sie war sowohl Fruchtbarkeits- wie auch Kriegsgöttin und damit in beiden Funktionen für das Überleben des im Kriege befindlichen Karthagos lebenswichtig. Vielleicht stellt aber auch die Aufnahme des Tanitkultes nur eine Rückkehr zu den alten Göttern der atlantischen Anfangszeit dar. Jedenfalls wird der geradezu schwärmerische Ausbruch des Tanitkultes nach den Ergebnissen von Ausgrabungen ivon einem Wiederaufleuchten von Symbolen aus einer sehr fernen Vergangenheit begleitet. Plötzlich erscheinen auf allen Stelen zwei streng geometrische Zeichen, deren Ehrenplatz sie als sinnbildliche Darstellung höchster göttlicher Potenz ausweist . Das eine davon könnte man als Zeichen der Tanit verstehen. Es besteht aus einem Dreieck mit einem Querbalken darüber , dessen beide Enden nach oben aufgebogen sind, und darüber einem Kreis. Es symbolisiert wohl eine weibliche Person mit aufgehobenen Armen. Dieses geheimnisvolle Zeichen findet sich ziemlich häufig in den ägäischen Fundstätten des zweiten Jahrtausends und besonders in den Palästen des minoischen Kretas.(23) Es stammt also aus der Zeit der ersten Ausbreitung der Atlanter in den Mittelmeerraum, in der das Leben anfangs auch nicht gerade einfach für die Neusiedler war.

Das andere Zeichen sieht aus wie eine ausgebauchte Flasche mit einem mehr oder weniger langgezogenen Hals. Auch dabei handelt es sich um ein sehr altes Zeichen aus der Ägäis. Es zeigt die "Große Mutter " in Hockstellung dargestellt, mit verbreitertem Becken und Busen. Sehr häufig erscheint sie auch auf einem Altar mit konkaven Seiten, der auch wiederum charakteristisch ist für die kretisch - mykenischen Monumente.(23) Beide Darstellungen sind Beweise für die Kontinuität der atlantischen Überlieferung , und zeigen, daß man sich in Zeiten der Not und Bedrängnis wieder an den alten traditionellen Werten orientierte.

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"Mißbrauch" der göttlichen Regeln durch den Menschen in den ersten Kulturstaaten.

Die von den "Göttern" erhaltenen Regeln für das Verhältnis der Menschen untereinander und zu den Göttern, wurden, je länger die Zeit der Übergabe der Regeln zurücklag und je mehr strittige Fälle auftraten, von der Priesterschaft zunehmend in manchmal recht menschlichem Sinn interpretiert. Dabei spielten aus der Evolution des Menschen auf der Erde herrührende Gesichtspunkte wie Machtinteressen, Gewinnsucht aber auch menschliche Begierden zum Beispiel erotischer Art eine oft bestimmende Rolle. Die göttlichen Regeln hatte im Punkt der sexuellen Beziehungen der Menschen untereinander eine große Freizügigkeit zugelassen, da dieses Gebiet nicht das Ihrige war und sie sich selbst nach der mythischen Überlieferung der alten Kulturstaaten bis hin zu Griechenland und Rom bei ihren menschlichen Inkarnationen in starkem Maß an dieser besonderen Qualität der Erde erfreuten. Es lag ihnen also absolut fern, auf diesem Gebiet irgendwelche Restriktionen zu erlassen. Im übrigen waren sie an einer möglichst schnellen Vermehrung der Menschheit interessiert, damit die Aufgaben, die auf der Erde bestanden, zunehmend von den Menschen ausgeführt werden konnten.

So ist auch das göttliche Gebot der Ishtar zu verstehen, das jede Frau verpflichtete, sich in ihrem Tempel zumindestens einmal in ihrem Leben, möglichst aber öfters, als Opfer für Ishtar fremden Männern hinzugeben. Dies Gebot sollte neben seinem die Menschen verbindendem Charakter auch verhindern, daß Frauen, aus welchen Gründen auch immer, der Verpflichtung entzogen wurden, durch Nachkommenschaft für die Weiterentwicklung und das Weiterbestehen der Menschheit zu sorgen. Dies war ein Punkt in dem sich göttliche Interessen und menschliche , auf der erdgebundenen Herkunft des Menschen beruhende Tendenzen trafen, und so wurde lange Zeit diesem göttlichen und auch menschlichem Wunsch mit großer Selbstverständlichkeit und allseitiger Zufriedenheit entsprochen. Der Tempel der Ishtar war in allen Städten einer der größten , reichsten und meistbesuchten. Dies war natürlich auch im Sinne der Priesterschaft Ishtars, die anfänglich nur aus Frauen bestand, erfreulich. Offenbar gelang es aber den Männern, zumindestens in einigen Städten Phöniziens, auch einen Teil der Priesterschaft zu stellen, und damit begannen die Probleme, die in den Augen Außenstehender die ganze Regelung in Frage stellten, weil sie nach ihrer Meinung die Frauenwürde verletzten.

So ist aus der Bibel eine intensive Polemik gegen die Sitten Kanaans bekannt und auch die Verhältnisse in Babylon, das als Hure bezeichnet wird, werden immer wieder scharf verurteilt. Es lag also auch nahe, den Untergang von Atlantis oder Tharsis auf die Strafe Gottes für das in den Augen der strengen Lehrer der Hebräer ausschweifende sexuelle Leben in den Städten des atlantischen Reiches zurückzuführen.

Doch zurück zur Schilderung der Sitten der damaligen Zeit, die dem aufgeklärten Menschen von heute allerdings nicht mehr ganz so fremd sind, wie sie es den orthodoxen Juden oder den puritanischen Christen waren. So wird zum Beispiel aus Ugarit, einer der reichsten Handelsstädte der phönizischen Küste folgendes berichtet (19) : In den Tempeln der Astarte, wie bei den Phöniziern die Ishtar genannt wird, geben sich die Frauen und darunter auch die schönsten Mädchen Ugarits gern jedem Fremden hin und pflegen mit ihm der Liebe. Das Geld , was sie dafür erhalten, geht als Opfer an die Göttin, und die Priester erwerben damit die kostbarsten Güter.

Aber nicht alle Dienerinnen Astartes wohnen dort aus freien Stücken. Oft kaufen Priester auf dem Sklavenmarkt Mädchen aus fernen Ländern ein, die sie dann anfänglich oft zwingen müssen, im Tempel Liebesdienste zu leisten. Dabei sind auch manchmal stolze Töchter reicher Herren, deren Schiff untergegangen ist und die hilflos und allein an Land gespült wurden. Manchmal sind es auch Töchter von Fürsten oder Königen, die auf einem Kriegszug überwältigt und als willkommene Beute mit weggeschleppt wurden. Denn diese begehrten Mädchen erzielen auf den Sklavenmärkten die höchsten Preise, da sie gern auch von reichen Herren gekauft werden, um ihnen und den ihrigen im Hause Freude zu bereiten.

Diese unglücklichen Mädchen werden dann auch von den Tempeldienern nicht mit Schlägen gefügig gemacht, sondern sie werden auf dem Rücken liegend nackt mit gespreizten Beinen auf hölzerne Gestelle gebunden, sodaß sich jeder von den Tempeldienern nach seiner Art an ihnen vergnügen kann, solange es ihm beliebt. Dabei steigert es noch die Lust der Diener Astartes, wenn sich ihr Opfer anfangs noch zu wehren versucht und ihnen voller Haß in die Augen starrt, die Hände zu Fäusten geballt. Die Priester loben dann laut den Mut dieses Mädchens und streicheln seine empfindlichsten Stellen mit weichen Federn, um zu erproben, ob sich die reizvolle Wut nicht doch noch in Wollust verwandelt. Haben sie dies dann schließlich erreicht und der Widerstand des Mädchens läßt nach und wandelt sich in lustvolles Stöhnen, dann schlagen sie mit Stöcken auf sie ein, damit sich ihre Hitze wieder abkühlt und das lustvolle Spiel von neuem beginnen kann. Auf diese Weise zerstören die Priester den Willen ihrer Opfer, bis die Frauen und Mädchen ihren Stolz und ihre Herkunft vergessen und sich von jedem Mann gebrauchen lassen und dabei noch Lust und Wonne empfinden. (19)

Eine andere Art, besonders hübsche und edle, auf dem Sklavenmarkt gekaufte Frauen für den Liebesdienst als Tempelpriesterin zu gewinnen, ist diese: Die noch angekleidete Frau wird in den Hauptraum des Tempels in einen Kreis von Priestern gebracht. Dann tritt aus einem Nebengemach eine besonders schöne und kräftige, völlig nackte Priesterin. Sie löst der Frau das Haar und beginnt sie zu entkleiden. Wenn diese sich zu wehren versucht, wird sie von der Priestern festgehalten und weiter entkleidet, bis auch sie nackt und bebend dasteht und versucht ihre Blöße mit den Händen zu bedecken. Die Priesterin tritt nun hinter die Frau , ergreift ihre Brüste, deren Spitzen schon beginnen, sich wollüstig emporzustrecken, und streichelt sie zärtlich. Dann nimmt sie sanft die Arme der Frau und hebt sie über ihren Kopf, sodaß ihr Körper in seiner vollen Schönheit zu sehen ist. Darauf hebt die Priesterin das Opfer an und trägt es zum Altar, vor dem es niederknien muß. Sie selbst setzt sich mit weit gespreizten Beinen zwischen Schalen mit duftendem Weihrauch auf den Altar, und zwingt den Mund des Opfers gegen die feuchte Öffnung ihres Schoßes. Mit Schenkeln und Händen hält sie dort den Kopf der Frau fest, während die Priester ihre Gewänder öffnen und von hinten in die weit vorgebeugt Knieende eindringen, um nacheinander nach ihrem Belieben und ihrer Wahl ihre unteren Körperöffnungen mit ihrem Samen zu speisen. So wird sie gleichzeitig von einer Frau und vielen Männern bezwungen und alle ihre Leibesöffnungen werden mit den Lebenssäften der Diener und Dienerinnen Astartes gefüllt.

Anfangs mag sie sich noch wehren , aber allmählich wirkt auch auf sie der Zauber der Wollust und sie krümmt sich nicht mehr vor den Hüften der Männer um ihnen zu entgehen, sondern reckt sich in rhythmischen Bewegungen ihnen entgegen. Ebenso entdeckt sie die Wonne des Frauenschoßes und die Priesterin kann den Druck ihrer Schenkel und Hände lockern, denn ihre neue Geliebte bleibt freiwillig mit ihrem Mund an der duftenden Quelle, um auch dort gespeist zu werden. Später vergnügen sich dann die im Tempel aufwachsenden Mädchen und Knaben mit der neuen Priesterschülerin, indem sie nach Art der Frauenliebe ihren Schoß mit dem Mund liebkosen oder ihre noch jugendliche Männlichkeit zwischen ihre oberen oder unteren Lippen führen, um sich darin zu ergießen. So wird sie mit allen Wonnen ihres neuen Amtes überschüttet und zu einer treuen und aufopfernden Dienerin Astartes.

Doch diese Sitten waren nicht nur im Bereich der Länder der atlantischen Kultur üblich. Auch die iranisch-indische Quellkultur, als deren Repräsentant die sumerische Kultur gelten kann, stand der atlantischen Kultur in dieser Hinsicht in nichts nach sondern übertraf sie in gewisser Weise noch, wurde aber nicht in gleicher Weise dafür "bestraft". Von der Insel Dilmun, die in den auf der sumerischen Kultur aufbauenden Kulturen Mesopotamiens noch lange als das Paradies ihrer frühen Zeit galt, und die noch in der Zeit um 2100 v. bis 1700 v. Chr. ein durch Ausgrabungen bestätigtes durch den Seehandel zwischen Ostarabien (Magan), Indien und Mesopotamien reichgewordenes Land war (12) , wurden sehr freizügige und paradiesische Verhältnisse berichtet, die alle Freuden des Körpers beinhalten sollten (19). Als höchster Gott wurde hier, wie anfänglich auch in Sumer, Enki, der Gott der Wassertiefe und hilfsbereite Lehrer der Menschheit, verehrt und im Bewußtsein der göttlichen Hilfe genossen die Menschen ihr Leben hier mit allen nur erdenklichen Genüssen, die selbstverständlich auch den damals noch auf die Erde kommenden "Göttern" geboten wurden.

Der Reichtum der Insel erlaubte es, die erlesensten Genüsse aus allen Ländern der Erde hierher kommen zu lassen. Der Wein kam zum Beispiel aus Ägypten und wurde aus der saphirblauen Rebe von Imit gewonnen und in großen Gefäßen aus Schiefer oder Granit von den schönsten Mädchen gekeltert. Den gewonnenen Wein verstärkte man in Tilmun noch mit Nepenthes, Myrrhe oder sogar mit den Samen des Hanfs, sodaß die berauschende Wirkung erheblich größer wird. Den Hanfsamen genoß man auch in Zuckerwaren gebacken und erachtete ihn für die größte Kostbarkeit . Er wurde Vermehrer des Vergnügens, Erreger der Lust , Mörtel der Freundschaft und Gelächtererwecker genannt. Die höchste Lust aber genoß man bei den Liebesmädchen, die oft für große Summen Goldes aus den fernsten Ländern herbeigeschafft wurden, um die Vorzüge der Mädchen aller Rassen genießen zu können. In den Palästen der Reichen, aber auch in öffentlichen Häuser gab es herrlich ausgestattete Liebesgemächer, in denen die schönsten Frauen und Mädchen aller Länder ihre nackten Körper in< aufreizendster Form> zur Schau stellten, um zum Liebesgenuß einzuladen. Selbst die ältesten und abgeklärtesten Besucher überkam dort unmäßiges Verlangen und verführte sie zu langdauerndem Liebesvergnügen. Jeder Geschmack fand dort die Frau seiner sexuellen Wunschträume. (19)

Es gibt dunkelhäutige, kraushaarige Mädchen mit Körpern wie aus Ebenholz, schlanken Taillen , vollen Brüsten und einem runden, einladenden Hinterteil . Zierliche hellbraune Frauen aus Ägypten mit sorgfältig rasierter Scham , bei der nur ein schmaler Haarkranz die wie beim Obermund rotgefärbten Lippen des Lustmundes umgibt und die gleichfalls rotgefärbten langen Spitzen der kleinen Brüste einladend blitzen. Dann gelbhaarige hochgewachsene Mädchen mit runden Hüften und hellen flaumbewachsenen Lusthügel, wie sie in den Nordländern zu Hause sind. Gelbhäutige Frauen aus dem Osten mit schrägstehenden Augen, sanften Schultern, pechschwarzen Haaren und glatten Schenkeln, die sich schlangengleich, aber warm und lebendig um den Liebhaber schlingen. Rothaarige Sklavinnen aus Babylon und Phönizien mit alabasterfarbener Haut und langen gefeilten und gefärbten Nägeln, die sie dem sie liebenden Mann in den Rücken drücken und manchem so höchste Lust bereiten. Zierliche kindliche Mädchen aus den Gebirgen Badachstans mit hübschen kurzen Nasen und vollen, zum Küssen einladenden empfindsamen Lippen oben und unten und langen bis zur Hüfte reichenden schwarzen Haaren .Aus den syrischen und ägyptischen Wüsten kommen stolze Beduinentöchter mit funkelnden, tiefschwarzen Augen und großen weichen Brüsten. Aus dem Reich der Hethiter schlanke hellhaarige Mädchen mit blauen Augen, einem flaumigen Schoß und kleinen , festen , apfelförmigen Brüsten mit rosafarbenen Spitzen. Üppige, vollbusige Mädchen aus Syrien mit vollen, sinnlichen Lippen wechseln ab mit schmalhüftigen bronzehäutigen Zyprerinnen und rassigen , langhaarigen Frauen aus den Bergen Magans. (19)

So versammeln sich hier die Schönheiten und die Reize der Frauen aller Länder der Erde und warten darauf, in vollen Zügen genossen zu werden. Da aber die Kraft des Mannes angesichts dieser Möglichkeiten sich sehr bald erschöpft, kommen die wahrhaft lüsternen auf die ausgefallensten Ideen, neue Reize in ihnen zu erzeugen. Die besonders Reichen unter Ihnen lassen deshalb für viel Gold zwei oder drei Mädchen unterschiedlicher Art und Herkunft sich miteinander vergnügen und sich gegenseitig zur höchsten Lust erregen, indem sie sich wechselseitig an den empfindlichsten Stellen streicheln und küssen und mit den Händen, den Füßen, den Nasen und den Zungen ineinander eindringen. Überfällt die Zuschauer dann neue Lust, so mischen sie sich unter die Mädchen und lassen sich in gleicher Weise mit Zungen, Lippen und Händen an ihrer Männlichkeit reizen , während sie sich selbst mit Lippen und Zunge in den feuchten, duftenden Schoß eines der Mädchen versenken.

Andere Männer wieder umwerben zur Abwechslung einmal hübsche Knaben und trinken an der noch jugendlich strömenden Quelle, in der Meinung, damit auch ihre Kraft schnell und wirkungsvoll wiederherstellen zu können. Sind sie jedoch des Spiels mit den Frauen und den Knaben müde, dann vergnügen sie sich wohl auch einmal mit einer Eselin oder mit Enten, Gänsen und Hühnern indem sie ihre Männlichkeit in das flaumige Hinterteil drücken.

Aber auch die vornehmsten Frauen von Dilmun sind zur Abwechslung gern bereit, sich einmal mit Tieren zu paaren, um neue Reize zu spüren. So verkehren sie gern und ohne jede Scham mit großen Hunden und kräftigen Böcken und als besonders ausgefallener Genuß gilt es, sich vor Lust stöhnend unter dem starken Glied eines Esels oder kräftigen Hengstfohlens zu beugen.(19)

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